{"id":74759,"date":"2025-05-01T02:34:13","date_gmt":"2025-05-01T02:34:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/74759\/"},"modified":"2025-05-01T02:34:13","modified_gmt":"2025-05-01T02:34:13","slug":"tod-von-viktoriia-roshchyna-sie-recherchierte-zu-russlands-geheimen-foltergefaengnissen-und-kam-in-ihnen-um","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/74759\/","title":{"rendered":"Tod von Viktoriia Roshchyna: Sie recherchierte zu Russlands geheimen Foltergef\u00e4ngnissen \u2013 und kam in ihnen um"},"content":{"rendered":"<p>Tausende Ukrainer wurden seit Kriegsbeginn entf\u00fchrt und nach Russland verschleppt. Eine von ihnen ist die Journalistin Viktoriia Roshchyna. Ihr Verschwinden und ihr Tod geben einen best\u00fcrzenden Einblick in das System der russischen Foltergef\u00e4ngnisse.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die ukrainischen Ermittler sind von einer m\u00e4nnlichen Person ausgegangen, als sie den Leichensack mit dem Schild \u201eRoshchyna, V.V.\u201c \u00f6ffnen. Doch es ist der entstellte K\u00f6rper einer Frau, der am 14. Februar in Kiew eintrifft. Ohne Kehlkopf, ohne Aug\u00e4pfel, das Gehirn gr\u00f6\u00dftenteils entfernt. Erst ein DNA-Abgleich ergibt: Es handelt sich um die sterblichen \u00dcberreste von Viktoriia Roshchyna. <\/p>\n<p>So schreibt es die <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/18\/viktoriia-roshchyna-journalistin-ukraine-russland-tod\/komplettansicht\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.zeit.de\/2025\/18\/viktoriia-roshchyna-journalistin-ukraine-russland-tod\/komplettansicht&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">\u201eZeit\u201c<\/a>, die im Verbund mit 12 weiteren Medien \u2013 darunter die \u201eWashington Post\u201c, das ZDF, \u201eLe Monde\u201c und das russische Exilmedium \u201eiStories\u201c \u2013 zur Arbeit und dem Tod der ukrainischen Journalistin recherchierten. Und deren Recherchen zu den russischen Foltergef\u00e4ngnissen unter Leitung der Plattform <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/forbiddenstories.org\/russia-disappears-ukrainian-civilians\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/forbiddenstories.org\/russia-disappears-ukrainian-civilians\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eForbidden Stories\u201c<\/a> fortgef\u00fchrt haben. <\/p>\n<p>Hartn\u00e4ckig und unerschrocken<\/p>\n<p>Als Viktoriia Roshchyna im Juli 2023 \u00fcber Lettland nach Russland einreist, genie\u00dft die zu dem Zeitpunkt 26-J\u00e4hrige bereits gro\u00dfes Renommee. Sie gilt als hartn\u00e4ckig und unerschrocken. Als Frau, die nur f\u00fcr ihren Beruf lebt und einzig der n\u00e4chsten Geschichte verpflichtet zu sein scheint. Getrieben von dem Drang, Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen, wie es in der \u201eZeit\u201c hei\u00dft. <\/p>\n<p>2022 hat sie in New York den Preis f\u00fcr Mut im Journalismus von der International Women\u2018s Media Foundation verliehen bekommen. Im selben Jahr wird Roshchyna zum ersten Mal in von Russland besetztem Gebiet verhaftet, kommt jedoch nach einer Woche wieder frei. Der Sender, f\u00fcr den sie damals arbeitet, trennt sich nach ihrer Freilassung von der jungen Reporterin. Nicht wegen ihrer Arbeit, sondern weil Risiken, die Roshchyna bereit ist einzugehen, dem Sender zu gro\u00df sind. <\/p>\n<p>Nach Russland verschleppt<\/p>\n<p>Kurz nach ihrer Ankunft in den besetzten Gebieten im Juli 2023 rei\u00dft der Kontakt dann ab. Familie und Freunde setzen Himmel und H\u00f6lle in Bewegung, um an Informationen \u00fcber den Verbleib Roshchynas zu gelangen. Ihr Vater schreibt der UN-Kommission f\u00fcr Menschenrechte, befreundete Journalisten recherchieren auf eigene Faust. Wie die \u201eZeit\u201c weiter schreibt, lasse sich das Verschwinden der Journalistin nicht g\u00e4nzlich rekonstruieren. <\/p>\n<p>Anhand ihrer Handydaten l\u00e4sst sich lediglich feststellen, dass Roshchyna sich in den St\u00e4dten Enerhodar und Melitopol im S\u00fcdosten der Ukraine aufgehalten hat. Das Gebiet ist von der russischen Armee besetzt. Die Orte seien ber\u00fcchtigt, der russische Geheimdienst FSB soll dort Keller unterhalten, in denen ukrainische Zivilisten gefoltert und gefangengehalten werden, berichtet die \u201eZeit\u201c.<\/p>\n<p>Im Juli 2024 erh\u00e4lt Roshchynas Vater einen Brief des russischen Verteidigungsministeriums. Seine Tochter befinde sich in Gefangenschaft \u2013 auf russischem Gebiet. Gleichzeitig erhalten ihre Kolleginnen die Nachricht, dass Roshchyna sich in einem Gef\u00e4ngnis mit dem Namen Taganrog-Untersuchungshaftanstalt Nummer 2 befinde.<\/p>\n<p>Ein Ort, in dem laut ehemaliger Insassen, mit denen die \u201eZeit\u201c gesprochen hat, ein Regime der Erniedrigung und Folter an der Tagesordnung steht, wo von der Verpflegung bis zur Hygiene unmenschliche Bedingungen herrschen. Ein Ort, an dem auch Viktoriia Roshchyna zerbrochen ist, wie eine Zeugin schildert. So soll die tapfere Journalistin stark abgenommen haben und irgendwann so geschw\u00e4cht gewesen sein, dass sie nicht mehr alleine habe aufstehen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Dennoch tut sich f\u00fcr Roshchynas Familie zun\u00e4chst ein Hoffnungsschimmer auf, als sich im August 2024 ein Oberst der ukrainischen Armee bei den Eltern meldet. Es habe Verhandlungen gegeben, ihre Tochter werde sich telefonisch melden. Drei Wochen sp\u00e4ter kommt der ersehnte Anruf, in dem Roshchyna ihre R\u00fcckkehr ank\u00fcndigt. Sie soll im Rahmen eines Gefangenenaustauschs in ihre Heimat zur\u00fcckkehren d\u00fcrfen, hei\u00dft es in den Berichten.<\/p>\n<p>Doch Viktoriia Roshchyna ist nicht unter den Freigelassenen, die am 13. und 18. September in die Ukraine \u00fcberstellt werden. Stattdessen erh\u00e4lt ihr Vater einen weiteren Brief vom russischen Verteidigungsministerium, der den Tod der Tochter vermeldet.<\/p>\n<p>Ihr Vater schenkt dem Brief keinen Glauben; die Leiche seiner Tochter wurde im Februar 2025 \u00fcbergeben \u2013 als \u00dcberreste eines angeblich unbekannten Mannes. Die Identifizierung gelang erst durch einen DNA-Test. Auch seien Organe entnommen worden, was darauf hindeute, dass die Todesursache vertuscht werden sollte, hei\u00dft es in den Berichten.<\/p>\n<p>Kiew fordert Konsequenzen<\/p>\n<p>Die ukrainischen Beh\u00f6rden haben den Verdacht, dass die Frau erdrosselt wurde. \u201eDer K\u00f6rper der Toten weist vielf\u00e4ltige Spuren von Folter und Misshandlung auf, darunter Absch\u00fcrfungen und Bluterg\u00fcsse in verschiedenen K\u00f6rperteilen, eine gebrochene Rippe, eine Halsverletzung und m\u00f6gliche Spuren des Einsatzes von Stromschl\u00e4gen an ihren F\u00fc\u00dfen\u201c, zitiert \u201eistories\u201c den Vertreter der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft, Jurij Bjeloussow. Die genaue Todesursache habe wegen des Zustands der Leiche bislang nicht ermittelt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kiew erhebt nach dem Tod der Journalistin schwerste Vorw\u00fcrfe gegen Moskau. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, griff den Fall auf X auf und schrieb: \u201eSo sieht russische Besatzung aus.\u201c Das Problem der von Russland verschleppten und gefangen gehaltenen Zivilisten erfordere eine \u201esofortige und entschlossene Reaktion\u201c, erkl\u00e4rte Au\u00dfenministeriumssprecher Georgiy Tychy.<\/p>\n<p>Tausende ukrainische Zivilisten werden in russischen Gef\u00e4ngnissen oder in besetzten ukrainischen Gebieten festgehalten. Laut NGOs und Medienberichten werden viele der Gefangenen gefoltert.<\/p>\n<p>luz mit dpa\/AFP<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tausende Ukrainer wurden seit Kriegsbeginn entf\u00fchrt und nach Russland verschleppt. 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