{"id":747658,"date":"2026-01-26T07:23:11","date_gmt":"2026-01-26T07:23:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/747658\/"},"modified":"2026-01-26T07:23:11","modified_gmt":"2026-01-26T07:23:11","slug":"stuttgarter-unternehmerin-schuelke-meine-mutter-hat-mich-gewarnt-mich-selbststaendig-zu-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/747658\/","title":{"rendered":"Stuttgarter Unternehmerin Sch\u00fclke: \u201eMeine Mutter hat mich gewarnt, mich selbstst\u00e4ndig zu machen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Unternehmerin zu sein, ist bei der Stuttgarterin Smilla Sch\u00fclke (27) eine Entscheidung f\u00fcrs Leben \u2013 und f\u00fcr lange Arbeitszeiten. Wenn ihre Bekannten Feierabend machen, steht sie noch in ihrem Laden. Sch\u00fclke geh\u00f6rt wie ihre Freunde und Bekannten der Generation Z an \u2013 Menschen, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden. Arbeitet Sch\u00fclke zu viel oder arbeiten die anderen zu wenig? Und was denkt sie \u00fcber die Vorurteile \u00e4lterer Generationen? Wir haben uns mit ihr lange unterhalten \u2013 und ihre Antworten als Protokoll in der Ich-Form wiedergegeben.<\/p>\n<p>\u201eIch hei\u00dfe Smilla Sch\u00fclke und bin in einer Einzelhandelsfamilie gro\u00dfgeworden, schon als kleines Kind nahm mich meine Mutter in ihren Laden mit. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Handel\" title=\"Handel\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Handel<\/a> liegt mir wahrscheinlich im Blut. Meine Mutter hat mich gewarnt, mich selbstst\u00e4ndig zu machen \u2013 nat\u00fcrlich habe ich es trotzdem getan.<\/p>\n<p>Erster Laden 2020 gegr\u00fcndet  <\/p>\n<p>Mit 18 Jahren habe ich in Nagold Textilmanagement studiert und anschlie\u00dfend in einem gro\u00dfen Unternehmen in D\u00fcsseldorf im Einkauf gearbeitet. Dort konnte ich internationale Lieferketten, Projektstrukturen und eine stark leistungsorientierte Arbeitskultur kennenlernen. <\/p>\n<p>2020 habe ich im Stuttgarter Westen meinen eigenen Laden Smilhus gegr\u00fcndet, kurz vor der Pandemie. Mehrfach musste ich schlie\u00dfen, Konzepte anpassen und wirtschaftliche Risiken tragen. Diese Jahre haben mich stark gepr\u00e4gt. Inzwischen bin n\u00e4her zur Innenstadt umgezogen. Das Konzept \u2013 skandinavische Mode, Wohnaccessoires und M\u00f6bel \u2013 ist geblieben.<\/p>\n<p>\u201eIch arbeite also da, wo ich schon als Kind gespielt habe\u201c <\/p>\n<p>Vergangenes Jahr habe ich auch das Smilhus Studio er\u00f6ffnet. Daf\u00fcr vermiete ich einen Teil meines Lagers als Fotostudio und biete Strick-, Stick- und H\u00e4kelworkshops an. Die Kurse laufen gut an, viele suchen nach etwas Entschleunigung. Im vergangenen Jahr bin ich auch in das Gesch\u00e4ft meiner Mutter in Meersburg am Bodensee eingestiegen. Wir f\u00fchren jetzt gemeinsam den Laden \u2013 ich arbeite also da, wo ich schon als Kind gespielt habe. Nur, dass ich inzwischen dreifache Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin bin.<\/p>\n<p>Ich arbeite rund 60 Stunden die Woche. In den L\u00e4den in Meersburg und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> \u00fcbernehme ich den Einkauf, k\u00fcmmere mich ums Personal und die Warenpr\u00e4sentation. In Meersburg bin ich tageweise im Laden und dem dazugeh\u00f6rigen Caf\u00e9. Die andere Zeit bin ich in Stuttgart t\u00e4glich auf der Fl\u00e4che, wie wir sagen \u2013 meine Aufgaben als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin kommen obendrauf. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/media.media.7cfe8318-6a10-46f1-879c-480f106547a9.original1024.media.jpeg\"\/>     Smilla Sch\u00fclke in ihrem Stuttgarter Laden Smilhus.    Foto: Leif Piechowski\/Lichtgut    <\/p>\n<p>Das w\u00fcrde ich nat\u00fcrlich anders gestalten, wenn es die wirtschaftliche Lage zulie\u00dfe. Steigende Kosten, zur\u00fcckhaltender Konsum und die Konkurrenz durch den Onlinehandel setzen viele kleine L\u00e4den unter Druck. Wirtschaftlich ist es f\u00fcr viele von uns derzeit kaum anders m\u00f6glich, als selbst stark pr\u00e4sent zu sein.<\/p>\n<p>Viele meiner Bekannten und Freunde sind in Konzernen besch\u00e4ftigt \u2013 das ist eine andere Arbeitsrealit\u00e4t. Sie arbeiten teils 35 Stunden die Woche, verdienen aber viel mehr als ich. Das ist eine andere Welt, in der man an Homeoffice-Tagen in der Mittagspause auch mal die W\u00e4sche waschen kann. Ich w\u00fcrde gerne mehr von zu Hause arbeiten und zus\u00e4tzlich Personal einstellen \u2013 das kann ich mir aber nicht leisten.<\/p>\n<p> Arbeit ist Teil ihrer Identit\u00e4t <\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist das kein Anlass f\u00fcr Neid. Im Gegenteil, ich g\u00f6nne es jedem von Herzen, sich selbst zu priorisieren und stabile Rahmenbedingungen zu haben. Ich habe mich bewusst f\u00fcr einen anderen Weg entschieden. Ich lebe nicht nur f\u00fcr die Arbeit, aber Arbeit ist auch Teil meiner Identit\u00e4t. Vielleicht fehlt das manchen meiner Generation. Gleichzeitig ist mir wichtig, den Bezug zu anderen Arbeitsrealit\u00e4ten nicht zu verlieren. In Medizin, Pflege, Einzelhandel, Gastronomie und vielen weiteren Bereichen arbeiten Menschen tagt\u00e4glich sehr viel und oft unter hoher Verantwortung.<\/p>\n<p>Eine Freundin hat j\u00fcngst die Arbeitszeit reduziert, weil der Druck so gro\u00df war. Unsere Generation achtet vielleicht mehr auf sich. Aber ich verstehe auch, wenn manche sagen, dass sie weniger belastbar ist als Generationen vor ihr. Vielleicht sind manche ersch\u00f6pft, weil es in der Welt so viele Konflikte gibt. <\/p>\n<p> Ein Haus zu kaufen, k\u00f6nnen wir uns nicht leisten, sagt Sch\u00fclke <\/p>\n<p>Gerade deshalb halte ich pauschale Urteile dar\u00fcber, meine Generation arbeite zu wenig, f\u00fcr zu kurz gedacht. Arbeitsrealit\u00e4ten, Belastbarkeit und Priorit\u00e4ten unterscheiden sich. Auch ich achte inzwischen st\u00e4rker auf meine mentale Gesundheit, seitdem ich vor rund einem Jahr einen kleinen Burnout hatte. Ich m\u00f6chte auch langfristige leistungsf\u00e4hig sein und Verantwortung tragen.<\/p>\n<p>Und schaffe, schaffe H\u00e4usle bauen? Auch in meiner Generation arbeiten wir viel, leisten k\u00f6nnen wir uns das Haus dennoch nicht, falls wir nicht geerbt haben. Da verstehe ich, dass viele einfach ein bisschen weniger arbeiten und die Zeit anders nutzen, f\u00fcr Freunde, Familie oder f\u00fcr Reisen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte ich als Angestellte eine bessere Work-Life-Balance haben, aber ich bin nicht der Typ Mensch daf\u00fcr. Ich liebe meine Arbeit und das Gef\u00fchl, meine eigene Chefin zu sein. Ich mache das, was mir Spa\u00df macht. Ich m\u00f6chte nicht nur f\u00fcr meine Miete arbeiten, meine Arbeit muss Sinn machen \u2013 da ticke ich wohl wie viele in meiner Generation.\u201c<\/p>\n<p> Unternehmensgr\u00fcndungen von Frauen <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Gr\u00fcndungen<\/strong><br \/>Laut dem aktuellen Gr\u00fcndungsmonitor 2025 der Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau (KfW) haben 2024 zu 36 Prozent Frauen neue Unternehmen gegr\u00fcndet. Der Anteil entspricht ungef\u00e4hr den Gr\u00fcndungen im Einzelhandel.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Unterschiede<\/strong><br \/>Im Vergleich zu M\u00e4nnern gr\u00fcnden Frauen Unternehmen h\u00e4ufiger allein und h\u00e4ufiger im Nebenerwerb. Studien legen nahe, dass Frauen wegen einer geplanten Familiengr\u00fcndung und einer etwas geringeren Risikoaffinit\u00e4t h\u00e4ufiger erst ab Mitte 30 Unternehmen gr\u00fcnden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Unternehmerin zu sein, ist bei der Stuttgarterin Smilla Sch\u00fclke (27) eine Entscheidung f\u00fcrs Leben \u2013 und f\u00fcr lange&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":747659,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1830],"tags":[170783,86093,1634,3364,29,21907,83395,130708,30,3986,170782,170781,1441,52964],"class_list":["post-747658","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-stuttgart","tag-8-stunden-tag","tag-arbeitszeiten","tag-baden-wuerttemberg","tag-de","tag-deutschland","tag-extra","tag-geld-und-karriere","tag-genz","tag-germany","tag-handel","tag-smilhus","tag-smilla-schuelke","tag-stuttgart","tag-unternehmerin"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115960204946594480","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/747658","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=747658"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/747658\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/747659"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=747658"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=747658"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=747658"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}