{"id":750833,"date":"2026-01-27T13:19:12","date_gmt":"2026-01-27T13:19:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/750833\/"},"modified":"2026-01-27T13:19:12","modified_gmt":"2026-01-27T13:19:12","slug":"in-stuttgart-prallen-welten-aufeinander-ein-schandfleck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/750833\/","title":{"rendered":"In Stuttgart prallen Welten aufeinander: \u201eEin Schandfleck\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Unterwegs im Stuttgarter Leonhardsviertel, dem Rotlichtbezirk der Landeshauptstadt, Schauplatz eines bizarren Streits zwischen kommunaler Politik und Bordell- sowie Barbetreibern. Die Nacht ist schon da. Das kurze Studieren einer Getr\u00e4nkeliste bei einer mit Guckloch versehenen, rot angestrahlten T\u00fcre f\u00fchrt im Handumdrehen zu einer Reaktion aus dem Inneren des Etablissements.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Eine in die Jahre gekommene \u201eDame\u201c \u00f6ffnet\u00a0 und bittet nachdr\u00fccklich hinein ins schummrige Ambiente. Elona nennt sie sich, f\u00fchrt zum Tresen und stellt eine f\u00fcr solche Einrichtungen klassische Aufw\u00e4rmfrage: \u201eZahlst Du mir ein Getr\u00e4nk?\u201c<\/p>\n<p>Einladung ins Separee<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Nun gut, das Billigste: einen Piccolo f\u00fcr 20 Euro. Was folgt, ist erwartbar. Die einst von Bosnien zugereiste Rotlicht-Veteranin fordert auf, man k\u00f6nne sich doch \u201eim Separee vergn\u00fcgen\u201c. Lieber nicht. Man lugt nach dem Notausgang, schafft es am Schluss aber unbeschadet durch die regul\u00e4re T\u00fcre hinaus auf die kaum weniger schummrige Seitengasse mitten im Leonhardsviertel.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Alles wie gehabt, schie\u00dft es einem als Gedanke durch den Kopf. Die Erinnerungen gehen vier Jahrzehnte zur\u00fcck. Als neugieriger junger Mann aus der Stuttgarter Neckargegend hatte man seinerzeit in selbiger Gasse auch schon mal die so oft berichtete Verruchtheit des Viertels n\u00e4her betrachten wollen\u00a0\u2013 und dann vorsichtshalber die Flucht ergriffen.<\/p>\n<p class=\"tw-text-neutral-10 tw-py-2 tw-border-t tw-mb-0 tw-text-title-md tw-font-medium tw-border-solid tw-border-b-neutral-10 tw-font-primary\">Empfohlene Artikel<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Wobei der jetzige Besuch einen anderen Hintergrund hat. Es geht um die besagte Auseinandersetzung, bei der sich Vertreter der Stadt und Milieugr\u00f6\u00dfen beharken. Das Ergebnis k\u00f6nnte sein, dass die roten Lichter im Leonhardsviertel auch zu einer blo\u00dfen Erinnerung werden. Die Bordelle sollen n\u00e4mlich nach dem Willen der Stadt weg\u00a0\u2013 und damit das ganze Sexgesch\u00e4ft in diesem Quartier verschwinden.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Also kein \u201eCity Eros Center\u201c mehr, auch kein \u201eEdelweiss\u201c, \u201eMadeleine\u201c oder \u201eGirl&#8217;s, Girl&#8217;s Girl&#8217;s\u201c. Neben solch typischen Bordellen f\u00fcr ausschlie\u00dfliche Dienstleistungen von Prostituierten sind ebenso schl\u00fcpfrige Kontaktbars infrage gestellt: Animierschuppen, bei denen es vordringlich um den teuren Getr\u00e4nkekonsum der G\u00e4ste geht, wo aber auch der erkaufte intime Verkehr im Bereich des M\u00f6glichen liegt\u00a0\u2013 so wie bei Elona. Rund 15 solcher Betriebe stehen auf der Kippe. Aber auch reine Table-Dance-Klubs und Pornokinos gelten als unerw\u00fcnscht.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eWarum eigentlich?\u201c, fragt einer der Passanten, die man zu sp\u00e4terer Stunde im Leonhardsviertel anspricht. Andreas nennt sich der im mittleren Alter befindliche Mann. Mehr will er zu seiner Herkunft nicht sagen. Jedenfalls meint Andreas, die Gegend sei so \u201eO.K., wie sie ist\u201c. Er spricht von \u201espannend\u201c und auch von\u00a0 \u201eabwechslungsreich\u201c.<\/p>\n<p>Um Moral geht es nicht<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u00c4hnlich \u00e4u\u00dfern sich andere Sp\u00e4tbummler. Zu den Pl\u00e4nen der Stadt herrscht eine gewisse Ratlosigkeit. Der eine oder andere vermutet, die Stadt Stuttgart wolle generell gegen Prostitution vorgehen. Nun lie\u00dfe sich von hoher moralischer Position aus nat\u00fcrlich sagen, dies w\u00e4re kein Fehler. Der Ruf des Sexgewerbes ist schlie\u00dflich miserabel. Es wird mit Zwang und Ausbeutung in Beziehung gebracht, mit Verkommenheit und kriminellen Verh\u00e4ltnissen. Selbst Kunden ziehen es \u00fcblicherweise vor, sich eher nicht beim Bordellgang erwischen zu lassen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">An besagtem Abend l\u00e4sst sich dies bei den entsprechenden Etablissements beobachten, beim \u201eEros Center\u201c, beim \u201eMadeleine\u201c und sonstwo: Eintritt mit schnellem Schritt sowie \u00fcber den Kopf gezogener Kapuze\u00a0\u2013 oder \u00e4ltere Herren mit hochgeschlagenem Mantelkragen. Immerhin ist unbestritten, dass auch mancher ansonsten biedere Ehemann geheime Abenteuer suchen kann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1769519951_767_85584794-0242-459e-89ef-cf761553166e.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"Winters wird der Betrieb im Stuttgarter Leonhardsviertel eher \u00fcberschaubar.\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>Winters wird der Betrieb im Stuttgarter Leonhardsviertel eher \u00fcberschaubar. (Foto: Uwe Jau\u00df)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">So weit die moralische Seite\u00a0\u2013 oder ganz einfach die Unmoral. Eine erste Erkenntnis der Recherchen birgt jedoch eine bemerkenswerte \u00dcberraschung. Demnach steht sittliches Empfinden gar nicht im Mittelpunkt der Streitereien ums Leonardsviertel. Um dies zu verstehen, ist eine genauere Beschreibung desselben n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Eine recht lauschige Ecke<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Bei diesem Quartier handelt es sich um einen der letzten Reste der im Stuttgarter Talkessel gelegenen ehemaligen Altstadt. Das nach einer bereits im Sp\u00e4tmittelalter existierenden Kirche benannte Viertel hat nicht nur den Bombenterror der Alliierten im Zweiten Weltkrieg einigerma\u00dfen brauchbar \u00fcberlebt. Es \u00fcberstand auch den modernistischen, durch Stadtautobahnen und Gro\u00dfkaufh\u00e4usern gepr\u00e4gten Wiederaufbau danach.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Mit anderen Worten: Eine recht lauschige Ecke ist \u00fcbrig geblieben. Sie und ihr n\u00e4heres Umfeld lassen sich durchaus auch als Vergn\u00fcgungsmeile beschreiben\u00a0\u2013 auch abseits von Kunden f\u00fcr Prostituierte. So l\u00e4sst einen der Blick auf das Angebot eines Wirtshauses unweit der Leonhardskirche staunen: Saure Kutteln stehen darauf\u00a0\u2013 mit Sp\u00e4tzle. L\u00e4ndlicher geht es fast nicht mehr.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Auf der s\u00fcdlichen Seite des Viertels am Wilhelmsplatz tummeln sich gerne Studenten der Stuttgarter Hochschulen im La Concha, einer rustikalen Alternativ-Kneipe. Die Gourmet-Wirtschaft L&#8217;Hommage hat eine Speisekarte f\u00fcr verw\u00f6hnte Gaumen. Weitere Caf\u00e9s und Bars bieten alles M\u00f6gliche abseits von Sex an. Ein Ambiente, das den kommunalen Verantwortlichen wohl entgegenkommt.<\/p>\n<p>Die Pl\u00e4ne der Stadt<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eDie Stadt m\u00f6chte das Leonhardsviertel vom bisherigen Rotlichtmilieu zu einem lebendigen Ausgehbezirk entwickeln\u201c, meldet die Pressestelle der Neckar-Metropole. Vom gr\u00fcnen Baub\u00fcrgermeister Peter P\u00e4tzold stammt die Aussage, ein Verschwinden der Bordelle w\u00fcrde \u201eeine Aufwertung des gesamten Quartiers hier direkt in der Innenstadt\u201c bedeuten.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Bemerkenswerterweise l\u00e4sst sich von Stuttgarts Oberb\u00fcrgermeister kein Zitat finden, in dem es konkret um eine Neugestaltung des Leonhardsviertels geht. Bei ihm handelt es sich seit 2021 um den CDU\u2019ler Frank Nopper. Was er sagt, ist eher allgemein gehalten. So sollen laut seinen Worten diverse Stadtviertel aufgewertet und sicherer werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1769519952_912_cb2ac2c3-f064-4000-be0d-8c6cb901a078.jpeg\" loading=\"lazy\" alt=\"Das Leonhardsviertel tags\u00fcber.\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>Das Leonhardsviertel tags\u00fcber. (Foto: Heinz Heiss)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Wobei das Leonhardsviertel schon seit 20 Jahren auf dem Radar der Stadtverwaltung ist. Die Kriminalit\u00e4t nehme zu, hie\u00df es damals von offizieller Seite. Die Gegend sei \u201eein Schandfleck\u201c. M\u00f6glicherweise schlug aber auch etwas anderes zu Buche: Das Sexgesch\u00e4ft liegt eben relativ zentral.<\/p>\n<p>Prostitution und die \u201eVereinigten H\u00fcttenwerke\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Es befindet sich in Laufweite vom Rathaus, vom Neuen Schloss mit seinen Ministerien, vom Landtag sowie der m\u00fchevoll aufgebauten Kulturmeile mit Oper und Museen. Dies k\u00f6nnte zunehmend als unpassend betrachtet worden sein\u00a0\u2013 zumal das Rotlichtmilieu im Leonhardsviertel keine Langzeit-Tradition hat.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Bis zu den 1970er Jahren waren die \u201eVereinigten H\u00fcttenwerke\u201c f\u00fcr das Gesch\u00e4ft mit der k\u00e4uflichen Liebe zust\u00e4ndig gewesen. Den Namen hat Stuttgarts legend\u00e4rer Nachkriegsoberb\u00fcrgermeister Arnulf Klett gepr\u00e4gt. Es handelte sich um ein Sammelsurium aus Baracken, die nach 1945 in Tr\u00fcmmern der Stadt rasch zusammengenagelt worden waren, sprichw\u00f6rtlich bekannt f\u00fcr Rock&#8217;n Roll und Prostitution.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Sie lagen unweit des Leonhardsviertels jenseits der heute vielspurig ausgebauten Hauptst\u00e4tter Stra\u00dfe \u2013 praktisch in Nachbarschaft zum Rathaus. Die Stadtoberen verfielen aber bald auf Sanierungspl\u00e4ne f\u00fcr die \u201eH\u00fcttenwerke\u201c. In den 1980er Jahren wurde dort der inzwischen auch schon wieder abgerissene Einkaufstempel Schwabenzentrum hochgezogen.<\/p>\n<p>Rebellion gegen die st\u00e4dtischen Pl\u00e4ne<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Zuvor waren die allermeisten Rotlicht-Betriebe ins Leonhardsviertel verlagert worden\u00a0\u2013 damals praktisch ein Abbruch-Ensemble. Aber die Zeiten haben sich offensichtlich ge\u00e4ndert. Das Viertel verspricht, Zukunft zu haben. Doch die damalige kommunale Entscheidung zur Verlagerung des Sexgesch\u00e4fts l\u00e4sst sich nicht so einfach revidieren, wie man es heutzutage im Rathaus gerne h\u00e4tte.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Weshalb dies so ist, macht der f\u00fchrende Rebell gegen die st\u00e4dtischen Pl\u00e4ne deutlich. Er hei\u00dft John Heer, <a data-li-document-ref=\"4095950\" href=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/politik\/schluss-mit-kaeuflichem-sex-das-wuerde-die-frauen-sehr-gefaehrden-4095950\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">betreibt zwei Bordelle im Leonhardsviertel<\/a> und ist zudem Vorstandsvorsitzender des Deutschen Laufhausverbands.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">So etwas gibt es tats\u00e4chlich. Unter Laufhaus ist dabei ein Bordell ohne Barbetrieb zu verstehen. Die Damen warten auf Zimmern. Kundschaft kann durch die G\u00e4nge laufen und nach einer gef\u00e4lligen Prostituierten Ausschau halten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1769519952_373_b6ccaa47-3020-4027-bf66-984d76e4d997.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"Eine Prostituierte wartet auf ihrem Zimmer in einem Bordell auf Kundschaft.\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>Eine Prostituierte wartet auf ihrem Zimmer in einem Bordell auf Kundschaft. (Foto: Andreas Arnold\/dpa) (Symbolfoto)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Heers beide Bordelle im Leonhardsviertel geh\u00f6ren in diese Kategorie. Wobei er gegen\u00fcber der Stadt seit Jahren nachdr\u00fccklich betont, dass diese Bestandsschutz genie\u00dfen w\u00fcrden: \u201eDie Aufnahme der Nutzung in unseren Geb\u00e4uden war 1973 nachweislich und seither durchg\u00e4ngig.\u201c Ein Einwand, der die kommunalen Vorstellungen durchkreuzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ein Bordellbesitzer sieht sich rechtlich abgesichert<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die Stadt hat n\u00e4mlich zuletzt ihre Pl\u00e4ne vorangetrieben. Kurz vor Weihnachten 2024 verabschiedete der Gemeinderat einen neuen Bebauungsplan f\u00fcr das Leonhardsviertel. Anr\u00fcchige Einrichtungen sind darin nicht mehr vorgesehen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Heer betrachtet den Beschluss relativ gelassen, sieht sich rechtlich auf der sicheren Seite. Dennoch existiert von seiner Seite aus eine Bereitschaft, die Bordelle zu verkaufen: \u201eAber zu markt\u00fcblichen Preisen.\u201c Was das hoch verschuldete Stuttgart zig Millionen an Euros kosten w\u00fcrde. Entsprechend verschnupft ist die Reaktion aus dem Rathaus.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Letztlich k\u00f6nnte die Angelegenheit von Gerichten entschieden werden. Wobei die Stadt droht, in Erkl\u00e4rungsn\u00f6te zu kommen. Sie duldet n\u00e4mlich abseits von Heers Etablissements seit rund 17 Jahren den Betrieb zweier\u00a0 ungenehmigter Bordelle. Gemeint sind das \u201eMadeleine\u201c und das \u201eGirl&#8217;s, Girl&#8217;s, Girl&#8217;s\u201c. Der Grund f\u00fcr die juristische Malaise: Die Stadt hat einen einstigen langen Rechtsstreit um den Bestand dieser Freudenh\u00e4user\u00a0 genervt eingefroren\u00a0\u2013 ohne L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Eine komplizierte Angelegenheit<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Kommunalpolitik durch Wegschauen, k\u00f6nnte man sagen. Zumal Vergleichbares f\u00fcr die sogenannten Animierlokale gilt. Erlaubt ist offiziell nur das Anreizen zum Getr\u00e4nkekonsum, sei es durch Pornofilme oder Sex-T\u00e4nze. Separee und geschlechtliches Verkehren geh\u00f6ren nicht dazu, werden aber dennoch von Fall zu Fall angeboten\u00a0\u2013 wie man schlie\u00dflich selbst bei den Recherchen erleben konnte.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Eigentlich ist der Sex den vier \u00f6rtlichen Bordellen vorbehalten. Rund 75 \u201eDamen\u201c sollen darin anschaffen, sch\u00e4tzt Heer. Bemerkenswerterweise bekommt er beim Schutz dieser Arbeitspl\u00e4tze indirekt Unterst\u00fctzung von au\u00dferhalb des Milieus. Sozialarbeiter wie Polizei\u00a0lassen durchblicken, ihnen sei eine legale und kontrollierbare Prostitution im Leonhardsviertel lieber als ein au\u00dfergesetzlicher Wildwuchs irgendwo in Privatwohnungen des Gro\u00dfraums Stuttgart. \u201eDurch ein Schlie\u00dfen der Bordelle verschwindet das Gesch\u00e4ft ja nicht\u201c, wird argumentiert.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Indes hat die Stadt ihre Argumentationsbasis gegen das Leonhardsviertel verbreitet. Sie verortet eine angebliche L\u00e4rmbel\u00e4stigung durch das Rotlichtmilieu. Speerspitze der kommunalen Ziele scheint dabei die f\u00fcrs Leonhardsviertel zust\u00e4ndige Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle geworden zu sein, eine Angeh\u00f6rige der Gr\u00fcnen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Sie will in der Vergangenheit immer wieder St\u00f6rungen durch mutma\u00dfliche Freier ausgemacht haben. Heer sowie auch andere Gr\u00f6\u00dfen des Leonhardsviertels verneinen dies. Vergangenen Sommer eskalierte der Streit. Ursache war die noch sehr junge \u201eUhu-Bar\u201c.<\/p>\n<p>\u00c4rger wegen eines Alternativ-Lokals<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Sie ist ein Betrieb ohne erotische Komponente und l\u00e4sst sich als eher linkes Alternativ-Lokal mit Stra\u00dfenbetrieb sowie Musikbeschallung beschreiben. Kritische L\u00e4rmpegel k\u00f6nnen erreicht werden. Was Heers Seite der Bezirksvorsteherin unter die Nase rieb. Kienzle meinte laut \u00f6rtlicher Medien dazu, Regeln m\u00fcssten zwar eingehalten werden. Aber: \u201eIn der Uhu-Bar trifft sich die junge kreative Szene, wie wir sie uns w\u00fcnschen f\u00fcr das Viertel.\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die \u00f6rtliche Rotlicht-Veteranin Elona, jene Frau vom Anfang der Geschichte, hat ihren eigenen Blick auf das \u201eUhu\u201c. In ihrer Animierbar mit Separee ist man beim Gespr\u00e4ch kurz auf dieses Thema gekommen. Elona verortet dort in erster Linie Drogenkonsum: \u201eDa riecht es nach Haschisch.\u201c Ob&#8217;s stimmt, l\u00e4sst sich auf die Schnelle nicht feststellen. Nach Gesetzeslage w\u00e4re der Joint ja auch nicht verboten\u00a0\u2013\u00a0genauso wenig wie Bordelle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Unterwegs im Stuttgarter Leonhardsviertel, dem Rotlichtbezirk der Landeshauptstadt, Schauplatz eines bizarren Streits zwischen kommunaler Politik und Bordell- sowie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":750834,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[30855,1634,28377,3364,29,30,114058,124845,17078,9241,55579,40176,166781,166780,166782,1441,166783],"class_list":{"0":"post-750833","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-ausgehviertel","9":"tag-baden-wuerttemberg","10":"tag-bordell","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-geschlechtsverkehr","15":"tag-john-heer","16":"tag-leonhardsviertel","17":"tag-prostitution","18":"tag-rotlichtmilieu","19":"tag-rotlichtviertel","20":"tag-sexbar","21":"tag-sexgeschaeft","22":"tag-sexuelle-handlungen","23":"tag-stuttgart","24":"tag-vergnuegungsmeile"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/750833","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=750833"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/750833\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/750834"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=750833"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=750833"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=750833"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}