{"id":750996,"date":"2026-01-27T14:48:16","date_gmt":"2026-01-27T14:48:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/750996\/"},"modified":"2026-01-27T14:48:16","modified_gmt":"2026-01-27T14:48:16","slug":"sozialwohnungen-rekord-auf-dem-papier-luecke-im-neubau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/750996\/","title":{"rendered":"Sozialwohnungen: Rekord auf dem Papier, L\u00fccke im Neubau"},"content":{"rendered":"<p>Hamburg feiert ein Rekordergebnis: Doch was nach mehr Sozialwohnungen klingt, bringt nicht so viel wie erw\u00fcnscht. Beim Neubau verfehlt der Senat seine eigenen Ziele. Und auch die L\u00fccke zwischen Genehmigungen und gebauten H\u00e4usern bleibt.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Hamburg meldet f\u00fcr das Jahr 2025 ein Rekordergebnis bei den Sozialbindungen: 6369 Wohnungen wurden neu mit Mietpreis- und Belegungsbindung bewilligt. Das seien so viele wie seit den 1990er-Jahren nicht mehr, sagte Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD). Allerdings hat die Rekordzahl auch einen Haken. Denn die hohe Zahl ergibt sich aus mehreren Quellen: Neubau, Modernisierungen und Verl\u00e4ngerungen im Bestand. Im Neubau wurden weniger Wohnungen genehmigt als der Senat sich selbst zum Ziel gesetzt hat.<\/p>\n<p>Im Neubau bewilligte die Stadt 2742 gef\u00f6rderte Mietwohnungen. Das waren weniger als im Vorjahr, wo knapp 3100 Wohnungen genehmigt worden waren. Besonders stark zum Gesamtergebnis hat ein Wachstum in der Modernisierungsf\u00f6rderung beigetragen: 1625 Wohnungen erhielten 2025 \u00fcber Modernisierungsprogramme eine neue Sozialbindung \u2013 rund 1000 mehr als im Vorjahr. Weitere 2002 Bindungen wurden im Bestand verl\u00e4ngert oder neu geschaffen. Das F\u00f6rdervolumen summierte sich 2025 auf 735 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Das politische Ziel des Senats lautet seit Jahren, mindestens 3000 gef\u00f6rderte Neubauwohnungen j\u00e4hrlich zu schaffen. Kritik am verfehlten Ziel lie\u00df Pein am Dienstag auf der Landespressekonferenz an sich abprallen. \u201eWir halten F\u00f6rdermittel f\u00fcr die Bewilligung von 3000 Wohneinheiten vor, und wir k\u00f6nnen nur das bewilligen, was vorliegt\u201c, erkl\u00e4rte sie auf Nachfrage. Fast 2800 genehmigte Neubauwohnungen seien \u201eein ziemlich gutes Ergebnis\u201c, das \u201eganz nah dran an den 3000\u201c sei. Zudem rechnete sie vor, dass die neuen Sozialwohnungen rund 40 Prozent an allen genehmigten Wohnungen ausgemacht h\u00e4tten. In den Jahren seit 2011, in denen die Bauwirtschaft nicht in einer Krise steckte, seien es in der Regel 26 bis 28 Prozent gewesen.<\/p>\n<p>Bestand bleibt bei etwa 80.000<\/p>\n<p>Bedeutend f\u00fcr die Entwicklung des Bestands sind die auslaufenden Bindungen. Im Rathaus nannte Pein f\u00fcr 2025 die Zahl von 4433 ausgelaufenen Bindungen. Der Bestand an Sozialwohnungen in Hamburg liege derzeit \u201ebei knapp unter 80.000\u201c und pendelt je nach Jahr um etwa 1000 Wohnungen nach oben oder unten. Damit bleibt die Stadt trotz hoher Bewilligungszahlen in einem Wettlauf gegen den Verlust \u00e4lterer Bindungen.<\/p>\n<p>Heike Sudmann, wohnungspolitische Sprecherin der Linken in der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft, kritisiert die Selbstdarstellung des Senats scharf: \u201eMit seiner Jubelmeldung versucht der Senat zu verschleiern, dass er das selbstgesteckte Ziel von j\u00e4hrlich 3000 gef\u00f6rderten Neubauwohnungen wieder nicht erreicht hat. Besonders krass ist das Versagen bei den am dringendsten ben\u00f6tigten Wohnungen unter acht Euro pro Quadratmeter nettokalt. Statt 2300 wurden nur knapp 1700 dieser Wohnungen genehmigt. Dabei ist es genau dieser g\u00fcnstige Wohnraum, den Hamburg am dringendsten ben\u00f6tigt.\u201c<\/p>\n<p>Der Vorstandsvorsitzende der Investitions- und F\u00f6rderbank, Ralf Sommer, sprach dennoch von einem bemerkenswerten Ergebnis: \u201eMit 6368 bewilligten Sozialbindungen haben wir ein Rekordniveau erzielt.\u201c Sommer betonte, der Mix aus Neubau, Modernisierung und Verl\u00e4ngerung erm\u00f6gliche, dass Hamburg den Bestand \u201enicht nur stabil halten kann, sondern eben auch weiter ausbauen kann\u201c. Zugleich habe sich der Wohnungsbaumarkt nach schwierigen Jahren stabilisiert, die Talsohle sei 2025 durchschritten worden.<\/p>\n<blockquote class=\"c-citation__body\">\n<p class=\"c-citation__text\">Das hat sich als ziemlicher Booster herausgestellt<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ein stark wachsender Bereich ist das Modernisierungsprogramm \u201eMod B\u201c, \u00fcber das umfangreiche Sanierungen gef\u00f6rdert werden, h\u00e4ufig verbunden mit einer neuen Mietpreis- und Belegungsbindung. Dieses Programm wurde im vergangenen Jahr umgestellt und wirkt nun st\u00e4rker, weil die F\u00f6rderung \u00fcber zinsg\u00fcnstige Darlehen erfolgt. \u201eDas hat sich als ziemlicher Booster herausgestellt\u201c, sagte Pein. Viele gro\u00dfe Bestandshalter h\u00e4tten lange vorbereitet, ihre Best\u00e4nde energetisch zu modernisieren; entsprechend stiegen nun die Zahlen stark an, weil die IFB f\u00fcr diese Art der Modernisierung attraktive Darlehen anbiete.<\/p>\n<p>F\u00fcr 2026 stellt die Stadt ein F\u00f6rdervolumen von 868 Millionen Euro bereit. Die IFB will erneut 3000 gef\u00f6rderte Neubauwohnungen bewilligen, rund 15.000 Modernisierungen erm\u00f6glichen und 1100 zus\u00e4tzliche Bindungen im Bestand sichern. Die Preise der Wohnungen nach Fertigstellung werden an gestiegene Baukosten angepasst: Die Anfangsmieten steigen im ersten F\u00f6rderweg auf 7,85 Euro pro Quadratmeter (zuvor: 7,25 Euro), im zweiten auf 9,99 Euro (9,35 Euro) und im dritten auf 12,95 Euro (12,25 Euro).<\/p>\n<p>Sozialverb\u00e4nde bewerten die Zahlen deutlich kritisch. Klaus Wicher, Vorsitzender des Sozialverbands Deutschland in Hamburg, betont, Hamburg liege zwar im Bundesvergleich vorn, doch das reiche \u201enoch nicht\u201c. Entscheidend sei nicht die Zahl der bewilligten oder verl\u00e4ngerten Bindungen, sondern die Zahl der tats\u00e4chlich fertiggestellten Wohnungen. 2025 seien von mehr als 6300 bewilligten Bindungen \u201enur knapp 2000\u201c in gebaute Wohnungen gem\u00fcndet \u2013 viel zu wenig, um den Bedarf zu decken. Der Verband fordert seit Jahren mindestens 5000 neue Sozialwohnungen pro Jahr. Solange das nicht erreicht werde, blieben Wartelisten lang und Notunterk\u00fcnfte voll. Wicher spricht von \u201eSch\u00f6nf\u00e4rberei\u201c, wenn der Senat steigende Bewilligungszahlen feiere, aber zu wenig bezahlbarer Wohnraum tats\u00e4chlich entstehe.<\/p>\n<p>Auch aus der AfD kommt deutliche Kritik. Ihr stadtentwicklungspolitischer Sprecher, Joachim K\u00f6rner, wirft dem Senat vor, sich an hohen Bewilligungszahlen abzuarbeiten, ohne die eigentlichen Probleme zu l\u00f6sen. Die Regierung feiere Rekorde \u201eauf dem Papier\u201c, w\u00e4hrend sich immer mehr Menschen ihre Mieten nicht leisten k\u00f6nnten, sagte er. Preisgrenzen allein schafften keine neuen Wohnungen, so K\u00f6rner, der stattdessen mehr ausgewiesene Baufl\u00e4chen, g\u00fcnstigere Finanzierungsm\u00f6glichkeiten und weniger Vorgaben fordert. Nur ein deutlich h\u00f6heres Wohnungsangebot k\u00f6nne Mietpreise d\u00e4mpfen; wer Entlastung verspreche, m\u00fcsse sie f\u00fcr die B\u00fcrger auch tats\u00e4chlich sp\u00fcrbar machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hamburg feiert ein Rekordergebnis: Doch was nach mehr Sozialwohnungen klingt, bringt nicht so viel wie erw\u00fcnscht. 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