{"id":751360,"date":"2026-01-27T18:13:13","date_gmt":"2026-01-27T18:13:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/751360\/"},"modified":"2026-01-27T18:13:13","modified_gmt":"2026-01-27T18:13:13","slug":"energie-grundversorgung-mehr-schutz-vor-hohen-preisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/751360\/","title":{"rendered":"Energie-Grundversorgung: Mehr Schutz vor hohen Preisen"},"content":{"rendered":"<p>Die Haushalte in Deutschland zahlen im internationalen Vergleich einen der h\u00f6chsten Strompreise. Ein zentraler Hebel zur Entlastung bleibt jedoch bislang weitgehend ungenutzt: das System der Grundversorgung. Sie ist die gesetzlich geregelte Lieferung von Strom und Gas durch den Grundversorger an Haushaltskund*innen. Sie tritt immer dann automatisch in Kraft, wenn kein gesonderter Vertrag mit einem Energieanbieter geschlossen wird, beispielsweise nach einem Umzug oder im Falle der Beendigung eines Energievertrages. So soll sichergestellt werden, dass jeder Haushalt ohne Unterbrechung mit Energie versorgt wird. Allerdings ist die Grundversorgung deutlich teurer als ein Sondervertrag. Dennoch bleiben viele Haushalte \u2013 auch und insbesondere energiearme Haushalte \u2013 in der Grundversorgung und wechseln den Tarif nicht.<\/p>\n<p>Eine f\u00fcr das Gutachten &#8222;Perspektiven f\u00fcr eine Weiterentwicklung der Grundversorgung mit Strom und Gas&#8220; des Wuppertal Instituts im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) durchgef\u00fchrte Befragung von rund 2.000 Verbraucher*innen zeigt, dass die Gr\u00fcnde daf\u00fcr vielf\u00e4ltig sind: Fehlendes Wissen \u00fcber die Grundversorgung, Fehleinsch\u00e4tzungen der m\u00f6glichen finanziellen Vorteile eines Wechsels oder wahrgenommene H\u00fcrden wie Aufwand und Komplexit\u00e4t pr\u00e4gen die Wechseltr\u00e4gheit.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund haben die Forschenden im Gutachten verschiedene Optionen analysiert. Angesichts der hohen Energiepreise bewerteten die Wissenschaftler*innen folgende drei Reformoptionen:<\/p>\n<ul>\n<li data-list-item-id=\"e837c41a3298dc62851f80b81ccc93656\">eine Verpflichtung der Grundversorger, auf den Abrechnungen transparent deutlich zu machen, wie viel durch einen Tarifwechsel gespart werden k\u00f6nnte,<\/li>\n<li data-list-item-id=\"e681bef6b46559067d6f037315ae4f496\">eine wettbewerbliche Ausschreibung der Grundversorgung im jeweiligen Versorgungsgebiet sowie<\/li>\n<li data-list-item-id=\"eeadbf3438434b42c0113fee42576c9aa\">eine staatliche Preisregulierung f\u00fcr einen bestimmten Teil des Marktes.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sogenannte Sozialtarife seien nach Ansicht der Forschenden f\u00fcr Deutschland dagegen nicht zielf\u00fchrend. Jedoch gibt es bereits einige europ\u00e4ische L\u00e4nder mit sozial treffsicheren Regelungen der Energieversorgung \u2013 darunter Frankreich, Italien und Spanien \u2013, die sich teilweise auf Deutschland \u00fcbertragen lassen.<\/p>\n<p>&#8222;Die vergleichsweise leicht umsetzbare Ma\u00dfnahme einer verpflichtenden Transparenz k\u00f6nnte kurzfristig realisiert werden und bei bestimmten Verbraucher*innen-Gruppen einen Wechsel in einen Sondertarif bewirken. Reine Verhaltensappelle f\u00fchren jedoch nicht bei allen Verbraucher*innen zum Wechsel, weshalb die Grundversorgung selbst sozialer ausgestaltet werden sollte&#8220;, betont Dr. Vita Zimmermann, Senior Researcherin im Forschungsbereich Produkt- und Konsumsysteme am Wuppertal Institut und Autorin des Gutachtens.<br \/>Oliver Wagner, Co-Leiter des Forschungsbereichs Energiepolitik am Wuppertal Institut und ebenfalls Autor des Gutachtens, erg\u00e4nzt: &#8222;Ans\u00e4tze wie ein &#8218;Existenzminimum Energie&#8216; (Mindestkontingent zu reguliertem Preis) oder Mechanismen anderer EU-L\u00e4nder, darunter die \u00f6sterreichische Schuldentrennung oder der Schutz bei Zahlungsr\u00fcckst\u00e4nden in Frankreich, k\u00f6nnen zudem Orientierung geben.&#8220;<\/p>\n<p>Das Gutachten liefert einen ersten informierten Einstieg in die dr\u00e4ngende Diskussion um die Grundversorgung. Das Gutachten dient als Grundlage f\u00fcr weitere Forschungsarbeiten und ist aus Sicht der beiden Forschenden ein wichtiger Schritt hin zu einer sozial gerechteren zukunftsf\u00e4higen Energieversorgung \u2013 die auch politisch noch weiter ausgestaltet werden sollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Haushalte in Deutschland zahlen im internationalen Vergleich einen der h\u00f6chsten Strompreise. 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