{"id":751362,"date":"2026-01-27T18:14:12","date_gmt":"2026-01-27T18:14:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/751362\/"},"modified":"2026-01-27T18:14:12","modified_gmt":"2026-01-27T18:14:12","slug":"solche-johannes-raus-braucht-es-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/751362\/","title":{"rendered":"Solche Johannes Raus braucht es jetzt"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Diese Frage stellen zum Beispiel die Mitglieder eines im letzten Jahr gegr\u00fcndeten \u00fcberparteilichen gemeinn\u00fctzigen Vereins, darunter Pers\u00f6nlichkeiten aus dem Bergischen Land. Sie erinnern an das Politikverst\u00e4ndnis von Johannes Rau, an seinen Politikstil, seine Grund\u00fcberzeugungen und seine praktische Politik.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gerade in dieser beunruhigenden Zeit, in der die Demokratie in den USA von einem erratischen Pr\u00e4sidenten infrage gestellt wird, Putin Krieg gegen die Ukraine f\u00fchrt und ganz Europa bedroht, und in Deutschland die weitgehend rechtsradikale AfD schlimmste Erinnerungen an die Nazi-Zeit weckt, f\u00e4llt immer h\u00e4ufiger der Name Johannes Rau. Weil unser fr\u00fcherer Bundespr\u00e4sident aus Wuppertal 20 Jahre nach seinem Tod kein Vorbild von gestern ist, sondern ein Vorbild f\u00fcr heute.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Warum? Johannes Rau war authentisch. Die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler, und zwar auch diejenigen, die seine Partei nicht w\u00e4hlten, glaubten ihm, wenn er sagte, Politikerinnen und Politiker h\u00e4tten dem Gemeinwohl und nicht ihrem eigenen zu dienen. Sie hatten keinen Zweifel, wenn er sagte, die Politik h\u00e4tte die Verpflichtung, das Leben f\u00fcr alle Menschen besser zu machen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sein Motto \u201eVers\u00f6hnen statt Spalten\u201c ist Legende. Dennoch war er ein K\u00e4mpfer und kein Heiliger. Zur Verwirklichung aller seiner Ziele brauchte er immer eine Mehrheit. In der eigenen Partei, im Parlament und bei den W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hlern lief er sich daf\u00fcr die Hacken ab. Das kostete ihn viel Zeit, was seine Gegner Schw\u00e4che nannten. In Wahrheit war es eine St\u00e4rke. Er suchte im Vorhinein das Gespr\u00e4ch und nicht die Konfrontation. Falls die Argumente anderer besser waren, \u00fcbernahm er sie. Doch wenn er seiner Sache sicher war und stundenlanges Bem\u00fchen um eine L\u00f6sung nicht halfen, konnte er knallhart. Sonst w\u00e4re er nicht so \u00fcberaus lange so erfolgreich und \u2013 zum weltweit akzeptierten Staatsmann gereift \u2013 unser Staatsoberhaupt geworden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein Beispiel: Nachdem eines seiner Kabinettsmitglieder nach mehrfachen Gespr\u00e4chen den gefundenen Kompromiss in letzter Sekunde in einer Ministerrunde erneut infrage stellte, reagierte dieser Ministerpr\u00e4sident mit einer kurzen Pause. Dann sagte er dem Kabinettsmitglied, es m\u00f6ge sich \u00fcberlegen, ob sie weiterhin zusammenarbeiten k\u00f6nnten. Wenn nicht, warte im Vorzimmer die bereits unterschriebene Entlassungsurkunde. Das wirkte. Um welches Kabinettsmitglied es ging, hat der Regierungschef nicht \u00f6ffentlich gemacht. Er trat nicht nach.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nichts wurde Johannes Rau geschenkt. Er war flei\u00dfig, detailversessen und studierte meist bis tief in die Nacht Akten. Er musste sich beim Sprung auf die n\u00e4chste Stufe der Karriereleiter mit guten Argumenten immer neu durchsetzen. Jedes Mal gab es Gegenkandidaten: um den Vorsitz der SPD-Landtagsfraktion, um die Berufung zum Wissenschaftsminister, um die Nachfolge von Heinz K\u00fchn als Ministerpr\u00e4sident, um die Kandidaturen um das Amt des Bundespr\u00e4sidenten. Die einzige Kandidatur, die ihm die SPD quasi \u201eschenkte\u201c, war die von Anfang an erfolglose um das Amt des Bundeskanzlers. Die eigene Partei unterst\u00fctzte ihn nur halbherzig.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Woher nahm Johannes Rau die Kraft und die Geduld? Zum Einen war es seine tiefe Verwurzelung in seiner Heimatstadt Wuppertal und seiner Heimatregion, dem Bergischen. Wie oft zitierte er das Bergische Heimatlied, wo es hei\u00dft, dass dort der Handschlag noch gilt. Zum Zweiten sein geniales, st\u00e4ndig trainiertes Ged\u00e4chtnis, was ihm half, nichts zu vergessen, keinen Namen, keinen Geburtstag, keine Sorgen, die ihm jemand offenbarte. Er k\u00fcmmerte sich verl\u00e4sslich. Zum Dritten sein fester christlicher Glaube, dass er, weil selbst gehalten, die Pflicht habe, auch andere zu halten. Und das Vierte, das Entscheidende, war das Getragensein von seiner Frau Christina und ihren gemeinsamen drei Kindern.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">All das zusammen ersparte ihm weitgehend jene gnadenlose Einsamkeit, die den meisten Mandatstr\u00e4gern droht, die vor dem Eintritt in die Politik keinen Beruf erfolgreich ausge\u00fcbt haben, weshalb sie st\u00e4ndig bef\u00fcrchten m\u00fcssen, ohne Wiederwahl sp\u00e4ter mittellos zu werden. F\u00fcr Johannes Rau galt das nicht. Er war gelernter Buchh\u00e4ndler, Journalist und Verlagsleiter.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Johannes Rau wusste zwischen Parteifreunden, die meist auch Konkurrenten waren, und anderen Freunden sehr genau zu unterscheiden. Dass ihn zahllose Menschen ihren Freund nannten, kam ihm zupass, denn er wollte nahbar sein. Vor allem die Wuppertalerinnen und Wuppertaler dankten es ihm. F\u00fcr sie war und blieb er, in welchem Amt auch immer, \u201eunser Johannes\u201c. Sie besch\u00fctzten ihn, wenn ihn jemand beim Pils-Trinken, Essen einer Bratwurst oder beim Skatspielen in der Luisenstra\u00dfe, im Haus Richter in der Beek oder im Gasthaus Karpathen spontan ansprechen wollte. Dann mischten sie sich ein: \u201eSt\u00f6ren Sie ihn bitte nicht, unser Johannes ist privat hier. Er braucht auch mal Ruhe.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ganz nah an sich heran lie\u00df Johannes Rau nur wenige. Die wollten seine Freundschaft, aber von ihm keinen Posten. In Wahrheit hatte er dauerhaft nur f\u00fcnf oder sechs wirkliche Freunde. Bei seiner bewusst gepflegten Offenheit zu allen Menschen erwartete er auch Respekt. Respekt vor dem Staat, vor der parlamentarischen Demokratie und vor jedem Amt, das er ausf\u00fcllte. Deshalb war es f\u00fcr ihn ein Schockerlebnis, als er zu Fu\u00df vom Brandenburger Tor zum Schloss Bellevue einer Gruppe von Menschen folgte. Mit einem Blick auf die Fahne, die nur dann auf dem Dach von Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Staatsoberhauptes, gehisst wird, wenn es im Lande ist, rief ein Mann, wohl einer mit der typischen Berliner Schnauze: \u201eAh, der Lappen h\u00e4ngt. Dann ist der Lump zu Hause.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zur\u00fcck zum Anfang und der Kernfrage \u201eWas w\u00fcrde ein Johannes Rau tun?\u201c Ganz sicher w\u00fcrde er uns allen Mut machen, dass die Zukunft trotz aller Widrigkeiten gut wird. Und ganz praktisch: Vertraulich abgesprochen mit dem Bundeskanzler und der Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission w\u00fcrde er kurzfristig s\u00e4mtliche Regierungschefs in Europa besuchen und sie best\u00e4rken, k\u00fcnftig noch intensiver ein gemeinsam handelndes und zusammenstehendes Europa zu bauen. Wer das dann nicht mittrage, m\u00f6ge die EU verlassen. Und anschlie\u00dfend w\u00fcrde er mit Trump und Putin reden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Johannes Rau, um es zu wiederholen, konnte au\u00dfer freundlich auch knallhart. Die ihm besonders nahe waren, zweifeln nicht, dass er jetzt f\u00fcr ein Verbot der AfD w\u00e4re. Klare Kante.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Solche Johannes Raus braucht es jetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Diese Frage stellen zum Beispiel die Mitglieder eines im letzten Jahr gegr\u00fcndeten \u00fcberparteilichen gemeinn\u00fctzigen Vereins, darunter Pers\u00f6nlichkeiten aus&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":751363,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1840],"tags":[186,20276,3364,146,29,14298,14627,33602,30,18129,171537,1209,2403,171539,111,171538,64442,35383,110182,4418,17352],"class_list":{"0":"post-751362","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wuppertal","8":"tag-afd","9":"tag-bergische","10":"tag-de","11":"tag-demokratie","12":"tag-deutschland","13":"tag-freund","14":"tag-freunde","15":"tag-freunden","16":"tag-germany","17":"tag-johannes-rau","18":"tag-knallhart","19":"tag-nordrhein-westfalen","20":"tag-partei","21":"tag-parteifreunden","22":"tag-putin","23":"tag-ueberparteilichen","24":"tag-vorbild","25":"tag-waehler","26":"tag-waehlerinnen","27":"tag-wuppertal","28":"tag-wuppertalerinnen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115968426964944492","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/751362","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=751362"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/751362\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/751363"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=751362"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=751362"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=751362"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}