{"id":752277,"date":"2026-01-28T02:57:11","date_gmt":"2026-01-28T02:57:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/752277\/"},"modified":"2026-01-28T02:57:11","modified_gmt":"2026-01-28T02:57:11","slug":"bibliotheken-im-wandel-lesen-ist-chefsache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/752277\/","title":{"rendered":"Bibliotheken im Wandel: Lesen ist Chefsache"},"content":{"rendered":"<p>Mit einem besonderen Platzproblem k\u00e4mpft die Berliner Staatsbibliothek: Sie bereitet die Grundinstandsetzung eines gro\u00dfen Bibliotheksgeb\u00e4udes vor, das daf\u00fcr ger\u00e4umt werden muss. Generaldirektor Achim Bonte geht von einer Sanierungsdauer von zehn bis zw\u00f6lf Jahren aus, &#8222;w\u00e4hrend dieser Zeit verlieren wir bis zu 70.000 Quadratmeter Nutzfl\u00e4che.&#8220; Das bedeutet unter anderem, dass viele B\u00fccher zwischenzeitlich irgendwo anders unterkommen m\u00fcssen, und nun sucht man hier und da je ein paar hundert Quadratmeter zusammen. Die Stabi, wie sie in Berlin genannt wird, verf\u00fcgt \u00fcber mehrere Geb\u00e4ude, und in vier Kellerr\u00e4umen verwahrt sie ihre Zettelkataloge auf. Diese wurden weitgehend digitalisiert und sollen nun eingestampft werden, um Platz zu schaffen. Allerdings hat sich darum ein Streit entz\u00fcndet, sodass demn\u00e4chst im Rahmen eines Symposiums gekl\u00e4rt werden soll, ob es Alternativen gibt.<\/p>\n<p>Platzmangel und das Spiel der Institutionen<\/p>\n<p>Die Platzfrage ist ein Problem wohl so ziemlich jeder Bibliothek. Schlie\u00dflich m\u00fcssen gr\u00f6\u00dfere Bibliotheken mehrere Millionen B\u00fccher unterbringen. Und die Leser dazu, denn nicht alle leihen B\u00fccher nach Hause aus: Viele arbeiten lieber in der Bibliothek, etwa weil sie f\u00fcr die Unipr\u00fcfung so viele B\u00fccher ben\u00f6tigen, dass sie die unm\u00f6glich schleppen k\u00f6nnen. Oder sie ben\u00f6tigen B\u00fccher, die nicht entliehen werden d\u00fcrfen. Oder f\u00fcrchten ganz banal die Ablenkung zu Hause.<\/p>\n<p>Die Universit\u00e4t Hohenheim h\u00e4lt 600 Arbeitspl\u00e4tze vor: 289 in der Zentralbibliothek und 311 in der Bereichsbibliothek im Schloss, so Franziska Stanzel, Leiterin der Abteilung Benutzungsdienste &amp; Stabsstelle Forschungsnahe Dienste. Die WLB h\u00e4lt 350 Pl\u00e4tze im Lesesaal vor und, so Schaab, ab 2029 werden weitere 350 dazukommen. &#8222;Aber ich wei\u00df vom Zuspruch zu unserem Reservierungssystem, dass wir derzeit auch das Vierfache an Pl\u00e4tzen anbieten k\u00f6nnten und immer noch voll besetzt w\u00e4ren. Das sind Leute, die hier forschen und lernen und studieren wollen.&#8220; Das Platzproblem sei derzeit besonders virulent, weil beide Bibliotheksgeb\u00e4ude der Universit\u00e4t Stuttgart sanierungsbed\u00fcrftig seien und deswegen deutlich weniger Lesepl\u00e4tze anbieten k\u00f6nnten: derzeit 650 am Standort Vaihingen und 180 von eigentlich 650 am Standort Stadtmitte, plus weitere Pl\u00e4tze mit gegebenenfalls eingeschr\u00e4nkteren \u00d6ffnungszeiten in Fakult\u00e4ts- und Institutsbibliotheken auf dem Campus, so Florian Kr\u00fcger, Pressesprecher der Uni Stuttgart. &#8222;Wir helfen jedem, so gut wir k\u00f6nnen&#8220;, sagt Schaab, &#8222;aber hierbei muss man das Spiel der Institutionen kennen: Wenn ich hier jetzt pl\u00f6tzlich alle B\u00fccher herausr\u00e4umen und stattdessen Tische aufstellen w\u00fcrde, dann best\u00fcnde die Gefahr, dass die beiden Standorte der Universit\u00e4tsbibliothek erst viel sp\u00e4ter fertiggestellt w\u00fcrden.&#8220;<\/p>\n<p>Erwerbungsetat stagniert seit 1997<\/p>\n<p>Die WLB habe nur die Mittel und den Versorgungsauftrag f\u00fcr die geisteswissenschaftlichen F\u00e4cher. Zudem gebe es viele andere Hochschulen und Akademien, die aufgrund ihrer kleinen Gr\u00f6\u00dfe viel mehr als die Unibibliotheken auf die Landesbibliothek angewiesen seien. Ein Viertel der Leute mit Bibliotheksausweis sei jedoch berufst\u00e4tig, ohne einer Hochschule oder Universit\u00e4t anzugeh\u00f6ren, erkl\u00e4rt er: &#8222;Das ist ein gro\u00dfer Anteil, und das hat etwas mit der gewerblichen Struktur hier in Stuttgart zu tun.&#8220; Unter den deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten habe Stuttgart den h\u00f6chsten Anteil an Akademikern. &#8222;Hier gibt es einen starken Dienstleistungssektor. Au\u00dferdem macht der S\u00fcdwesten nach dem K\u00f6nigsteiner Schl\u00fcssel zwar nur 13 Prozent der Republik aus, aber hier erscheint ein Viertel der B\u00fccher in der Bundesrepublik.&#8220;<\/p>\n<p>Die WLB gibt im Jahr 1,4 Millionen Euro f\u00fcr Printprodukte aus, also B\u00fccher und Zeitschriften, und 695.000 Euro f\u00fcr digitale Medien. Gezahlt wird das aus der \u00f6ffentlichen Hand. Aber: &#8222;Der Erwerbungsetat der WLB ist seit dem Jahr 1997 nicht mehr gestiegen&#8220;, sagt Rupert Schaab. Das erkl\u00e4rt er sich dadurch, &#8222;dass die Politik sagt: &#8218;Wer wei\u00df, wie lange wir noch Bibliotheken brauchen? Dann erh\u00f6hen wir den Etat lieber nicht.'&#8220;<\/p>\n<p>Auch Preissteigerungen machen den wissenschaftlichen Bibliotheken zu schaffen: &#8222;Viele Wissenschaftsgesellschaften haben ihre Zeitschriften an gro\u00dfe Verlage, inzwischen gro\u00dfe Verlagskonzerne abgegeben. Damit haben sie auch das Publizieren aus der Hand gegeben. Und die Preissteigerungen dieser gro\u00dfen Verlagskonzerne sind gigantisch. Die fressen schlicht und ergreifend den Papierb\u00fccheretat auf.&#8220; Viele Bibliotheken verbr\u00e4uchten drei Viertel ihre Erwerbungsetats f\u00fcr die Lizensierung gro\u00dfer Verlagspakete, f\u00fcr &#8222;Deals&#8220; etwa mit Elsevier, Wiley und Springer Nature. Dann bekomme man freien Zugriff, m\u00fcsse aber Publikationsgeb\u00fchren zahlen, die f\u00fcr einen einzigen Artikel mehrere tausend Euro betragen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Das Kursangebot muss sich noch etablieren<\/p>\n<p>In Bibliotheken geht es heutzutage aber nicht mehr nur ums Lesen. Die WLB wird immer mehr zum Kulturort. Wie andere Bibliotheken auch, so Christoph Hilgert, Pressesprecher der Hochschulrektorenkonferenz: &#8222;Wissenschaftliche Bibliotheken bieten im Rahmen ihrer Dienstleistungen als in der Regel \u00f6ffentliche Bildungs- und Forschungseinrichtungen und als vielseitige Kulturorte regelm\u00e4\u00dfig auch Kurse und Vortr\u00e4ge an.&#8220; Dabei gehe es keinesfalls nur um die rein bibliothekarische Beratung. Das sei kein neuer Trend, habe in den vergangenen Jahren aber sicherlich noch einmal an Bedeutung gewonnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit einem besonderen Platzproblem k\u00e4mpft die Berliner Staatsbibliothek: Sie bereitet die Grundinstandsetzung eines gro\u00dfen Bibliotheksgeb\u00e4udes vor, das daf\u00fcr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":752278,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,3894,171694,3364,29,30,20301,171693,1441],"class_list":{"0":"post-752277","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-bibliothek","10":"tag-bibliothekskultur","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-landesbibliothek","15":"tag-rupert-schaab","16":"tag-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115970483632091665","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/752277","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=752277"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/752277\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/752278"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=752277"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=752277"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=752277"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}