{"id":752489,"date":"2026-01-28T05:05:11","date_gmt":"2026-01-28T05:05:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/752489\/"},"modified":"2026-01-28T05:05:11","modified_gmt":"2026-01-28T05:05:11","slug":"goslar-geringere-anforderungen-in-der-fahrschule-ja-oder-nein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/752489\/","title":{"rendered":"Goslar | Geringere Anforderungen in der Fahrschule &#8211; ja oder nein?"},"content":{"rendered":"<p>Goslar (dpa) &#8211; Ein Autof\u00fchrerschein ist inzwischen alles andere als g\u00fcnstig. Die Kosten liegen je nach Region bei bis zu 3.500 Euro und mehr. Mit einer Reform der Ausbildung will das Bundesverkehrsministerium die Kosten wieder senken.\u00a0<\/p>\n<p>Geplant sind unter anderem: weniger Fragen in der Theoriepr\u00fcfung, kein verpflichtender Pr\u00e4senzunterricht mehr und weniger Sonderfahrten etwa nachts oder auf Autobahnen. Was spricht daf\u00fcr und was dagegen?<\/p>\n<p>Das spricht f\u00fcr die vorgeschlagenen \u00c4nderungen<\/p>\n<p>Die derzeitigen Anforderungen f\u00fcr Sonderfahrten seien \u00fcberzogen, sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Bj\u00f6rn Steiger Stiftung. Abstriche seien m\u00f6glich, solange je eine Autobahn-, Nacht- und \u00dcberlandfahrt Pflicht bleibe. Es sei auch denkbar, erg\u00e4nzend Sonderfahrten im Simulator durchzuf\u00fchren, sofern die Technik Qualit\u00e4tsstandards erf\u00fclle.\u00a0<\/p>\n<p>Vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat hei\u00dft es: \u00abInsbesondere\u00a0das gefahrlose\u00a0\u00dcberholen\u00a0l\u00e4sst sich\u00a0effizient\u00a0im\u00a0Simulator\u00a0trainieren\u00bb. Eine Mehrheit der erwachsenen Bev\u00f6lkerung ist laut einer repr\u00e4sentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Auto Clubs Europa (ACE) ebenfalls offen f\u00fcr erg\u00e4nzende Simulator-Fahrten, etwa um das Schalten zu \u00fcben.\u00a0<\/p>\n<p>Die Chef-Unfallforscherin im Gesamtverband der Versicherer Kirstin Zeidler sagt zudem, in der Theoriepr\u00fcfung w\u00fcrden inzwischen viele technische Themen abgefragt, die nicht unbedingt notwendig seien.\u00a0<\/p>\n<p>In dem Bereich seien sicherlich K\u00fcrzungen m\u00f6glich, sofern sicherheitsrelevante Fragen erhalten blieben. Auch der Automobilclub von Deutschland h\u00e4lt eine \u00abEntschlackung\u00bb der rund 1.200 Fragen, aus denen in der Pr\u00fcfung ausgew\u00e4hlt wird, f\u00fcr m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Vom ADAC hie\u00df es, mit der M\u00f6glichkeit f\u00fcr mehr Online-Theorieunterricht oder dem Einsatz von Simulatoren l\u00e4gen relevante Eckpunkte f\u00fcr eine Reform vor.<\/p>\n<p>Das spricht dagegen<\/p>\n<p>\u00abDie Gruppe der 18- bis 24-J\u00e4hrigen hat das h\u00f6chste Unfallrisiko\u00bb, sagt Unfallforscherin Zeidler. Die jungen Menschen seien risikobereiter und h\u00e4tten weniger Fahrerfahrung als \u00e4ltere. Es sei daher wichtig, die Anforderungen an die Fahrausbildung nicht zu senken. \u00abF\u00fcr echtes Fahrerleben sollten Pr\u00fcfungsdauer oder Zahl der Sonderfahrten erhalten bleiben.\u00bb<\/p>\n<p>Kurt Bartels von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverb\u00e4nde erg\u00e4nzt: Sonderfahrten deckten die Bereiche ab, in denen die meisten Unf\u00e4lle passieren. Simulatoren k\u00f6nnten Sonderfahrten auch nicht ersetzen, sondern lediglich erg\u00e4nzen. Sie seien mit der Realit\u00e4t nicht vergleichbar und zudem sehr teuer. Systeme, die aus mehr als lediglich drei Bildschirmen und einem Schalthebel bestehen, w\u00fcrden schnell bei 60.000 bis 70.000 Euro liegen.\u00a0<\/p>\n<p>Auch ein Ende der Pflicht zur Pr\u00e4senzlehre lehnt er ab. W\u00e4hrend Corona habe man festgestellt, dass Fahrsch\u00fclerinnen und Fahrsch\u00fcler, die ihren Theorieunterricht online gemacht haben, einen h\u00f6heren Ausbildungsbedarf bei Praxisfahrten gehabt h\u00e4tten. Wichtig sei dabei auch, dass Fahrsch\u00fcler die Theoriestunden z\u00fcgig und ohne gr\u00f6\u00dfere Lernpausen absolvierten &#8211; das spare einerseits Fahrschulkosten und f\u00fchre andererseits zu einer h\u00f6heren Bestehensquote.\u00a0<\/p>\n<p>Laut der Forsa-Umfrage f\u00fcr den ACE sehen Erwachsene in Deutschland die meisten \u00c4nderungen ebenfalls kritisch. F\u00fcr Sonderfahrten im Simulator oder gleich eine Streichung von Sonderfahrten, k\u00fcrzere Pr\u00fcfungen oder einen Wegfall der Pr\u00e4senzpflicht sprach sich jeweils keine Mehrheit aus. Junge und \u00e4ltere Erwachsene \u00e4hnelten sich dabei in ihrer grunds\u00e4tzlichen Einstellung, wie der ACE mitteilte.<\/p>\n<p>Das sind m\u00f6gliche Alternativen<\/p>\n<p>Sinnvoll seien mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Lernstandserhebungen, damit Sch\u00fcler erst in eine Pr\u00fcfung gehen, wenn sie diese wahrscheinlich bestehen. So k\u00f6nnten Kosten f\u00fcr eine teure Wiederholungspr\u00fcfung vermieden werden, sind sich Fahrlehrer Bartels und Unfallforscherin Zeidler einig. Auch f\u00fcr den Deutschen Verkehrssicherheitsrat ist das \u00abder wirksamste Hebel f\u00fcr Kosteneinsparungen\u00bb.<\/p>\n<p>Bartels erg\u00e4nzt, dass es \u00e4hnliche Regelungen bereits gebe, aber einige Fahrschulen etwas schludrig seien. Das m\u00fcsse besser \u00fcberpr\u00fcft werden. Nach Angaben des T\u00fcv Nord scheiterte 2024 mehr als jeder Dritte in Deutschland an der Theorie- und Praxispr\u00fcfung &#8211; h\u00e4ufig handelte es sich dabei bereits um Wiederholungspr\u00fcfungen.<\/p>\n<p>Der ADAC schl\u00e4gt zudem vor, begleitetes Fahren mit den Eltern w\u00e4hrend der Fahrschulausbildung zu erm\u00f6glichen. So w\u00fcrden Fahrsch\u00fcler mehr Fahrpraxis erhalten, idealerweise seltener durch die Praxispr\u00fcfung fallen und Kosten sparen.\u00a0<\/p>\n<p>Auch das steuerliche Absetzen des F\u00fchrerscheins sei denkbar, sagt Fahrlehrer Bartels. Der Auto Club Europa schl\u00e4gt zudem einen einmaligen Mobilit\u00e4tszuschuss vor, beispielsweise f\u00fcr 17-J\u00e4hrige. Dar\u00fcber hinaus schl\u00e4gt der Verein verpflichtende Verkehrsbildung im Schulunterricht als Grundlage f\u00fcr die Fahrschule vor.\u00a0<\/p>\n<p>Auch solle der Fahrlehrerberuf attraktiver werden. Fehlende Fahrlehrer und Fahrlehrerinnen w\u00fcrden f\u00fcr h\u00f6here Kosten sorgen und oft eine l\u00e4ngere Ausbildung bedeuten.<\/p>\n<p>Thema bei Fachtagung<\/p>\n<p>In den kommenden Tagen soll das Thema beim Verkehrsgerichtstag in Goslar besprochen werden. Bei der Fachtagung kommen j\u00e4hrlich Fachleute f\u00fcr Verkehrssicherheit und Verkehrsrecht zusammen. Zum Abschluss geben sie Empfehlungen an Gesetzgeber, die in der Vergangenheit auch immer mal wieder tats\u00e4chlich aufgegriffen wurden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Goslar (dpa) &#8211; Ein Autof\u00fchrerschein ist inzwischen alles andere als g\u00fcnstig. 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