{"id":752915,"date":"2026-01-28T09:16:11","date_gmt":"2026-01-28T09:16:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/752915\/"},"modified":"2026-01-28T09:16:11","modified_gmt":"2026-01-28T09:16:11","slug":"erdgas-eu-gibt-gruenes-licht-fuer-importstopp-aus-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/752915\/","title":{"rendered":"Erdgas: EU gibt gr\u00fcnes Licht f\u00fcr Importstopp aus Russland"},"content":{"rendered":"\n<p>Am Montag haben die Mitgliedstaaten der Europ\u00e4ischen Union endg\u00fcltig beschlossen, die Importe russischen <strong>Erdgases<\/strong> schrittweise zu beenden. Erfasst sind sowohl Pipelinegas als auch Fl\u00fcssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG). Die neue Verordnung gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Entscheidend ist f\u00fcr Deutschland weniger der aktuelle Bezug, als der gemeinsame europ\u00e4ische Erdgas-Markt.<\/p>\n<p> Ende der Erdgas-Vertr\u00e4ge <\/p>\n<p>Der Rat der Europ\u00e4ischen Union hat eine <a href=\"https:\/\/data.consilium.europa.eu\/doc\/document\/PE-63-2025-INIT\/en\/pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">EU-Verordnung<\/a> verabschiedet, die Importe von Erdgas verbietet, das direkt oder indirekt aus Russland stammt. Das betrifft ausdr\u00fccklich auch Gasgemische sowie LNG, das zwar in Drittstaaten gehandelt, aber aus russischem Erdgas gewonnen wurde. Ma\u00dfgeblich ist der Ort der F\u00f6rderung \u2013 ein zentraler Punkt, um Umgehungen \u00fcber Umladungen oder formale Herkunfts\u00e4nderungen k\u00fcnftig zu verhindern.<\/p>\n<p>Der Ausstieg erfolgt gestaffelt, um abrupte Marktreaktionen zu vermeiden:<\/p>\n<tr>GasartVertragsart (vor 17. Juni 2025 abgeschlossen)Ende der Ausnahme<\/tr>\n<tr>\n<td>LNG<\/td>\n<td>kurzfristige Vertr\u00e4ge<\/td>\n<td>25. April 2026<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>LNG<\/td>\n<td>langfristige Vertr\u00e4ge<\/td>\n<td>1. Januar 2027<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Pipeline-Erdgas<\/td>\n<td>kurzfristige Vertr\u00e4ge<\/td>\n<td>17. Juni 2026<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Pipeline-Erdgas<\/td>\n<td>langfristige Vertr\u00e4ge<\/td>\n<td>30. September 2027<\/td>\n<\/tr>\n<p>In Ausnahmef\u00e4llen kann der Ausstieg beim Pipeline-Erdgas bis zum 1. November 2027 verschoben werden, wenn andernfalls nationale Gasspeicherziele gef\u00e4hrdet w\u00e4ren. Eine solche Verschiebung muss die EU-Kommission allerdings ausdr\u00fccklich genehmigen.<\/p>\n<p> Darum betrifft das auch Deutschland <\/p>\n<p>Deutschland importiert seit 2023 kein russisches Pipeline-Erdgas mehr \u2013 zumindest nicht direkt \u2013, dennoch greift die Verordnung unmittelbar. Der Grund: Sie zielt auf den EU-Binnenmarkt insgesamt. Erdgas, das irgendwo in die EU gelangt, beeinflusst Preise, Verf\u00fcgbarkeit und Handelsstr\u00f6me in allen Mitgliedstaaten.<\/p>\n<p>Die Bundesnetzagentur <a href=\"https:\/\/www.bundesnetzagentur.de\/DE\/Gasversorgung\/aktuelle_gasversorgung\/start.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">betont<\/a>, der Beschluss habe keine unmittelbaren Auswirkungen auf die deutsche Erdgas-Versorgung. Fehlende Mengen lie\u00dfen sich \u00fcber andere Lieferl\u00e4nder und den Weltmarkt ausgleichen.<\/p>\n<p>Diese Einsch\u00e4tzung deckt sich mit der <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:52025DC0440R(01)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Analyse<\/a> der Europ\u00e4ischen Kommission: Zwischen 2022 und 2024 wurden europaweit rund 70 Milliarden Kubikmeter neue LNG-Importkapazit\u00e4t geschaffen, darunter mehrere Terminals mit direktem Deutschland-Bezug.<\/p>\n<p> Kontrolle, Meldepflichten, Strafen <\/p>\n<p>Die Verordnung setzt auf ein engmaschiges Kontrollsystem. Unternehmen m\u00fcssen verbliebene Altvertr\u00e4ge melden, nationale Beh\u00f6rden regelm\u00e4\u00dfig Daten an die Europ\u00e4ische Kommission sowie an die Agentur f\u00fcr die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbeh\u00f6rden (Agency for the Cooperation of Energy Regulators, ACER) \u00fcbermitteln.<\/p>\n<p>Verst\u00f6\u00dfe k\u00f6nnen empfindliche Folgen haben. Vorgesehen sind Geldbu\u00dfen von mindestens 40 Millionen Euro oder 3,5 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens. F\u00fcr verantwortliche nat\u00fcrliche Personen sind Strafen von mindestens 2,5 Millionen Euro vorgesehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr echte Krisenf\u00e4lle enth\u00e4lt die Verordnung eine Sicherheitsklausel. Wird eine schwere Gef\u00e4hrdung der Versorgung mit Erdgas festgestellt, kann die Europ\u00e4ische Kommission das Importverbot vor\u00fcbergehend f\u00fcr bis zu vier Wochen aussetzen. Diese M\u00f6glichkeit ist zeitlich streng begrenzt und politisch kontrolliert. Sie soll die Versorgungssicherheit gew\u00e4hrleisten, nicht den Ausstieg aus russischem Erdgas unterlaufen.<\/p>\n<p class=\"has-normal-font-size\"><strong>Topaktuell<\/strong><\/p>\n<p>\t\t Politische Reibungen bleiben <\/p>\n<p>Hintergrund des Beschlusses ist die weiterhin relevante Abh\u00e4ngigkeit der EU von russischem Erdgas. Trotz massiver R\u00fcckg\u00e4nge seit 2021 stammten 2024 laut Europ\u00e4ischer Kommission noch rund 19 Prozent der EU-Erdgasimporte aus Russland. Gleichzeitig war 2024 erneut ein Anstieg russischer Liefermengen zu beobachten, insbesondere bei LNG. Genau dieses Wiederanziehen der Abh\u00e4ngigkeit hat den politischen Druck f\u00fcr verbindliche Regeln erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Allerdings trugen nicht alle Mitgliedstaaten den Beschluss vorbehaltlos mit. Ungarn und Bulgarien \u00e4u\u00dferten rechtliche und wirtschaftliche Bedenken, insbesondere mit Blick auf Versorgungssicherheit und m\u00f6gliche Vertragsstreitigkeiten. Frankreich wiederum warnte grunds\u00e4tzlich davor, Handelsverbote au\u00dferhalb des klassischen Sanktionsrechts zur Regel werden zu lassen.<\/p>\n<p>\u201eAb heute wird der EU-Energiemarkt st\u00e4rker, widerstandsf\u00e4higer und diversifizierter sein\u201c, <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/en\/press\/press-releases\/2026\/01\/26\/russian-gas-imports-council-gives-final-greenlight-to-a-stepwise-ban\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">betonte<\/a> hingegen Michael Damianos, Minister f\u00fcr Energie, Handel und Industrie der Republik Zypern. \u201eWir l\u00f6sen uns von der sch\u00e4dlichen Abh\u00e4ngigkeit von russischem Gas und machen im Geiste der Solidarit\u00e4t und Zusammenarbeit einen gro\u00dfen Schritt in Richtung einer autonomen Energieunion.\u201c<\/p>\n<p>Bis zum 1. M\u00e4rz 2026 m\u00fcssen alle Mitgliedstaaten, auch Deutschland, nationale Diversifizierungspl\u00e4ne f\u00fcr Erdgas vorlegen. Parallel plant die Europ\u00e4ische Kommission weitere Gesetzesinitiativen, um auch russische \u00d6limporte bis Ende 2027 vollst\u00e4ndig zu beenden.<\/p>\n<p>Quellen: Europ\u00e4isches Parlament; Bundesnetzagentur; Europ\u00e4ische Kommission; Europ\u00e4ischer Rat<\/p>\n<p> <strong>Hinweis: Ukraine-Hilfe<\/strong><\/p>\n<p class=\"has-small-font-size\">Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. <a href=\"https:\/\/www.futurezone.de\/digital-life\/article281984\/online-spenden-fuer-die-ukraine-wie-du-den-menschen-helfen-kannst.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier<\/a> kannst du den Betroffenen helfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Montag haben die Mitgliedstaaten der Europ\u00e4ischen Union endg\u00fcltig beschlossen, die Importe russischen Erdgases schrittweise zu beenden. Erfasst&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":752916,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,1149,548,13,632,278,14,15,16,4043,4044,850,307,12],"class_list":{"0":"post-752915","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-energie","11":"tag-eu","12":"tag-headlines","13":"tag-heizung","14":"tag-hot","15":"tag-nachrichten","16":"tag-news","17":"tag-politik","18":"tag-russia","19":"tag-russian-federation","20":"tag-russische-foederation","21":"tag-russland","22":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115971974155355528","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/752915","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=752915"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/752915\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/752916"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=752915"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=752915"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=752915"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}