{"id":755081,"date":"2026-01-29T05:24:11","date_gmt":"2026-01-29T05:24:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/755081\/"},"modified":"2026-01-29T05:24:11","modified_gmt":"2026-01-29T05:24:11","slug":"was-macht-einen-standort-heute-wirklich-erfolgreich-juergen-kolper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/755081\/","title":{"rendered":"Was macht einen Standort heute wirklich erfolgreich, J\u00fcrgen Kolper?"},"content":{"rendered":"<p> J\u00fcrgen Kolper, Vorstand WALTER Beteiligungen und Immobilien AG. Foto: Hunger &amp; Simmeth. <\/p>\n<p><strong>B4BSCHWABEN.de: Standortentwicklung wird oft auf Lage reduziert. Was wird aus unternehmerischer Sicht heute am h\u00e4ufigsten untersch\u00e4tzt?<\/strong><\/p>\n<p>Viele Diskussionen \u00fcber Standorte beginnen noch immer mit der Lage \u2013 und enden dort auch. In der Praxis entscheidet jedoch etwas anderes \u00fcber den langfristigen Erfolg: die F\u00e4higkeit eines Standorts, sich \u00fcber die Zeit weiterzuentwickeln. Lage ist wichtig, aber sie ist kein statisches Erfolgsversprechen. <\/p>\n<p>Gerade ein Blick auf den Wirtschaftsraum Augsburg macht das deutlich. Die Region ist in den vergangenen zehn Jahren um rund 9,5 Prozent gewachsen und z\u00e4hlt heute knapp 700.000 Einwohner. Dieses Wachstum ver\u00e4ndert Anforderungen an Nutzung, Mobilit\u00e4t und Fl\u00e4chenqualit\u00e4t sp\u00fcrbar. Standortentwicklung muss diese Dynamik mitdenken und antizipieren \u2013 statt nur den heutigen Zustand abzubilden. <\/p>\n<p>H\u00e4ufig untersch\u00e4tzt wird dabei, wie eng Standortqualit\u00e4t mit Akzeptanz, Nutzungsmischung und Anpassungsf\u00e4higkeit verbunden ist. Ein Standort, der diese Faktoren ignoriert, verliert langfristig an Wert \u2013 selbst dann, wenn die Lage auf den ersten Blick \u00fcberzeugt. <\/p>\n<p><strong>Welche Standortfaktoren entscheiden heute wirklich \u00fcber Investitionsf\u00e4higkeit und welche verlieren an Bedeutung?<\/strong><\/p>\n<p>Investitionsf\u00e4higkeit wird heute deutlich selektiver bewertet als noch vor wenigen Jahren. Das zeigt sich sehr klar am Markt. Im Wirtschaftsraum Augsburg lag das j\u00e4hrliche Transaktionsvolumen f\u00fcr gewerbliche Immobilien in den Jahren vor 2022 noch bei rund 800 Mio. Euro. Nach der Zinswende ist es auf etwa 170 Mio. Euro zur\u00fcckgegangen. Investiert wird also weiterhin \u2013 allerdings wesentlich gezielter und mit deutlich h\u00f6heren Anforderungen. <\/p>\n<p>Gefragt sind Standorte mit klarer Qualit\u00e4t: eine gute Einbindung in das Umfeld, flexible Nutzbarkeit und stabile Nachfrageperspektiven. Reine Fl\u00e4chenverf\u00fcgbarkeit oder monofunktionale Konzepte verlieren dagegen an Bedeutung. Investoren pr\u00fcfen sehr genau, ob ein Standort auch unter ver\u00e4nderten Marktbedingungen tragf\u00e4hig bleibt. <\/p>\n<p>In einer Stadt wie Augsburg, in der \u00fcber 34.000 Unternehmen angesiedelt sind und die ein Bruttoinlandsprodukt von rund 15 Milliarden Euro erwirtschaftet, entsteht Wert vor allem dort, wo Arbeiten, Leben und Aufenthalt zusammengedacht werden. Entscheidend ist nicht mehr nur der erste Vermietungstag, sondern die Relevanz eines Standorts in zehn oder f\u00fcnfzehn Jahren. <\/p>\n<p><strong>Sie haben in Ihrer beruflichen Karriere Projekte mit einem Volumen von \u00fcber 1 Mrd. EUR verantwortet. Was unterscheidet einen entwicklungsf\u00e4higen Standort von einem, der trotz guter Lage scheitert?<\/strong><\/p>\n<p>Ein entwicklungsf\u00e4higer Standort ist selten der einfachste \u2013 aber fast immer der ehrlichste. In meiner Laufbahn habe ich immer wieder erlebt, dass Projekte in sehr guten Lagen hinter den Erwartungen zur\u00fcckbleiben, weil Komplexit\u00e4t ausgeblendet oder zentrale Rahmenbedingungen falsch eingesch\u00e4tzt wurden. <\/p>\n<p>Gerade bei WALTER haben wir fr\u00fch gelernt, dass langfristige Standortentwicklung nur funktioniert, wenn man Verantwortung \u00fcber das einzelne Projekt hinaus \u00fcbernimmt. Das bedeutet, wirtschaftliche Ziele klar zu benennen, gleichzeitig aber auch die Perspektive der Stadt und der Nutzer mitzudenken. Erfolgreiche Standorte entstehen dort, wo Dialog kein Pflichttermin ist, sondern Teil der Projektkultur. Diese Haltung macht am Ende den Unterschied. <\/p>\n<p><strong>Wie fr\u00fch muss ein Standort strategisch \u201emitgedacht\u201c werden, damit Projekte nicht in Genehmigungs-, Kosten- oder Akzeptanzproblemen stecken bleiben?<\/strong><\/p>\n<p>Sehr fr\u00fch \u2013 im Grunde vor der ersten planerischen Entscheidung. Die entscheidenden Weichen werden lange vor dem Bauantrag gestellt: Welches Produkt erfordert der Standort? Wie entwickelt sich das Umfeld? Welche Erwartungen gibt es auf kommunaler Seite? <\/p>\n<p>Gerade die Produktentwicklung ist dabei der wesentliche Faktor f\u00fcr eine erfolgreiche Projektentwicklung. Sie entscheidet dar\u00fcber, ob ein Standort langfristig funktioniert, akzeptiert wird und wirtschaftlich tragf\u00e4hig bleibt. Wer diese Fragen fr\u00fch beantwortet, reduziert Risiken und schafft die Grundlage f\u00fcr stabile, zukunftsf\u00e4hige Projekte. <\/p>\n<p><strong>Ist Augsburg im Standortwettbewerb eher der untersch\u00e4tzte Herausforderer oder der pragmatische Gewinner gegen\u00fcber St\u00e4dten wie M\u00fcnchen, Ulm oder N\u00fcrnberg?<\/strong><\/p>\n<p>Augsburg nimmt im Standortwettbewerb aus meiner Sicht eine sehr eigenst\u00e4ndige und ausgewogene Rolle ein. St\u00e4dte wie M\u00fcnchen oder N\u00fcrnberg haben jeweils ihre spezifischen St\u00e4rken und ihre Berechtigung im Wettbewerb. Augsburg profitiert jedoch davon, dass es die N\u00e4he zu M\u00fcnchen mitbringt, ohne dessen extremen Preisdruck und Verdichtungsgrad \u00fcbernehmen zu m\u00fcssen. Gleichzeitig sind Entscheidungswege \u00fcberschaubar, und es gibt weiterhin Raum f\u00fcr Entwicklung und Gestaltung. <\/p>\n<p>Das spiegelt sich auch in der wirtschaftlichen Struktur wider. Augsburg liegt beim BIP pro Kopf deutlich \u00fcber dem Bundesdurchschnitt und verf\u00fcgt \u00fcber eine breite Branchenvielfalt \u2013 von Industrie \u00fcber Umwelttechnologie bis hin zu Dienstleistungen. Diese Mischung sorgt f\u00fcr Stabilit\u00e4t und macht den Standort langfristig attraktiv. <\/p>\n<p><strong>Kommunen, Investoren, Nutzer \u2013 Standortentwicklung lebt von vielen Interessen. Wann wird diese Vielfalt zum Erfolgsfaktor, wann zum Risiko?<\/strong><\/p>\n<p>Vielfalt wird dann zum Erfolgsfaktor, wenn sie aktiv gemanagt wird. Unterschiedliche Interessen sind kein Problem \u2013 sie sind Realit\u00e4t und Ausdruck einer lebendigen Stadt. <\/p>\n<p>Kritisch wird es dort, wo Erwartungen unausgesprochen bleiben oder der Dialog erst beginnt, wenn Konflikte bereits entstanden sind. Unsere Erfahrung zeigt: Je fr\u00fcher Kommunen, Investoren und Nutzer miteinander ins Gespr\u00e4ch kommen, desto stabiler wird das Projekt. Standortentwicklung ist immer auch Vertrauensarbeit. <\/p>\n<p><strong>Regulatorische Anforderungen, ESG-Kriterien und gesellschaftliche Erwartungen steigen. Werden Standorte dadurch robuster oder verlieren sie an Tempo?<\/strong><\/p>\n<p>Beides ist m\u00f6glich. Wer ESG als reine Checkliste versteht, verliert Tempo. Wer Nachhaltigkeit dagegen als integralen Bestandteil der Standortentwicklung begreift, gewinnt langfristig an Robustheit. <\/p>\n<p>Gerade vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und ver\u00e4nderter Arbeitswelten zeigt sich, dass nachhaltige Konzepte Risiken reduzieren, die Nutzungsdauer von Immobilien erh\u00f6hen und die Akzeptanz st\u00e4rken. Das ist kein Idealismus, sondern eine wirtschaftliche Realit\u00e4t, die sich zunehmend durchsetzt. <\/p>\n<p><strong>Zum Abschluss: Was m\u00fcssen Entscheider heute anders machen, damit Standorte nicht nur entwickelt, sondern dauerhaft erfolgreich werden?<\/strong><\/p>\n<p>Entscheider m\u00fcssen lernen, \u00fcber einzelne Projektphasen hinauszudenken. Standortentwicklung endet nicht mit der Fertigstellung \u2013 sie beginnt dort erst richtig. <\/p>\n<p>Wer bereit ist, Verantwortung f\u00fcr den Stadtraum zu \u00fcbernehmen, schafft Vertrauen: bei Kommunen, Nutzern und Investoren. Genau darin liegt aus meiner Sicht der Schl\u00fcssel f\u00fcr dauerhaften Erfolg \u2013 wirtschaftliche St\u00e4rke mit echter Gestaltungsverantwortung zu verbinden. Das ist anspruchsvoll, aber es lohnt sich \u2013 f\u00fcr Unternehmen ebenso wie f\u00fcr die Stadt. <\/p>\n<p>Dieses Interview ist Teil einer Gespr\u00e4chsreihe von B4BSCHWABEN.de zu der Veranstaltung\u00a0\u201ePerspektive Wohnungsbau in Augsburg und Bayern \u2013 Impulse, Herausforderungen und L\u00f6sungswege\u201c am 30. Januar 2026, zu der die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH zusammen mit dem A\u00b3 Aktivkreis Immobilien einl\u00e4dt. Gemeinsam mit Entscheidern aus Wohnungswirtschaft, Projektentwicklung und Stadtentwicklung beleuchten wir, wie Kooperationen, professionelle Prozesssteuerung, kluge Regelwerke und neue Formen der Quartiersentwicklung dazu beitragen k\u00f6nnen, Wohnbauprojekte schneller, effizienter und zukunftsf\u00e4higer umzusetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"J\u00fcrgen Kolper, Vorstand WALTER Beteiligungen und Immobilien AG. Foto: Hunger &amp; Simmeth. 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