{"id":755420,"date":"2026-01-29T08:37:10","date_gmt":"2026-01-29T08:37:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/755420\/"},"modified":"2026-01-29T08:37:10","modified_gmt":"2026-01-29T08:37:10","slug":"holocaust-gedenkort-in-dresden-finanzierung-auf-der-kippe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/755420\/","title":{"rendered":"Holocaust-Gedenkort in Dresden: Finanzierung auf der Kippe"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>Der Alte Leipziger Bahnhof in Dresden soll ein <a href=\"#verkehren\">Gedenkort<\/a> werden.<\/li>\n<li>Das Konzept umfasst eine <a href=\"#Gedenkort\">Shoah-Gedenkst\u00e4tte<\/a>, ein NS-Dokumentationszentrum und eine Begegnungsst\u00e4tte.<\/li>\n<li>Ob f\u00fcr die <a href=\"#Klepsch\">Finanzierung<\/a> die Stadt Dresden aufkommt, dar\u00fcber soll am Donnerstag der Stadtrat entscheiden.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"text\">\nZ\u00fcge <a name=\"verkehren\">verkehren<\/a> am Alten Leipziger Bahnhof in der Dresdner Neustadt schon l\u00e4ngst nicht mehr. Die Gleise sind abgebaut oder \u00fcberwuchert, die ehemalige Empfangshalle eine Ruine. Von hier aus fuhren ab 1942 auch die Deportationsz\u00fcge Richtung Osten in die Vernichtungslager.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEinen solchen Zug sollte im Februar 1945 auch die damals neunj\u00e4hrige <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/chemnitz\/annaberg-aue-schwarzenberg\/holocaust-shoa-gedenken-zeitzeugin-ueberlebende-bombardierung-dresden-100.html\" title=\"Holocaust-\u00dcberlebende Renate Aris: &quot;Ich habe Angst, dass vieles untergeht&quot;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Renate Aris<\/a> besteigen. Durch die Bombardierung der Stadt kam es anders. Das Brand-Inferno habe ihr das Leben gerettet, so Aris. W\u00e4re der Alte Leipziger Bahnhof nicht zerst\u00f6rt gewesen: &#8222;Ich w\u00e4re von dort aus nach Theresienstadt gekommen.&#8220;\n<\/p>\n<p>\u00dcberlebende des Holocaust setzt sich f\u00fcr Gedenkort ein<\/p>\n<p class=\"text\">\nInsofern ist es nur allzu begreiflich, dass sich die 90-J\u00e4hrige f\u00fcr einen Gedenkort an dieser Stelle engagiert. Angesichts der Situation, dass es mit den Pl\u00e4nen nicht vorw\u00e4rts geht, gibt sich Renate Aris, die letzte <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/digitale-zeitzeugen-holocaustueberlende-dnb-kultur-news-100.html\" title=\"Deutsche Nationalbibliothek: KI macht Fragen an Schoa-\u00dcberlebende m\u00f6glich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Holocaust\u00fcberlebende<\/a> im Raum Dresden, Chemnitz und G\u00f6rlitz, k\u00e4mpferischer denn je.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Wenn es uns nicht mehr gibt, dann legt sich jeder die Geschichte zurecht, wie er will.<\/p>\n<p>Renate Aris, Holocaust\u00fcberlebende<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nEs sei eine Verantwortung gegen\u00fcber allen Ermordeten: &#8222;Wenn es uns nicht mehr gibt, dann legt sich jeder die Geschichte zurecht, wie er will&#8220;, betont sie. Deshalb sei ein Ort wichtig, an dem die leidvolle Geschichte erfahrbar und erlebbar gemacht wird.\n<\/p>\n<p>Engagement gegen Antisemitismus nicht nur an Gedenktagen<\/p>\n<p class=\"text\">\nEiner von Aris&#8216; Mitstreitern vom F\u00f6rderverein ist <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/leipziger-bahnhof-dresden-finanzierung100.html\" title=\"Gedenkort Alter Leipziger Bahnhof Dresden Andr\u00e9 Lang - Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Andr\u00e9 Lang<\/a>. Er wurde 1946 in Manchester im Exil geboren und kam dann mit seinen Eltern nach Dresden, zur\u00fcck in die einstige Heimat. Er findet, erinnerungspolitische Arbeit sollte das ganze Jahr \u00fcber stattfinden, nicht nur an ausgew\u00e4hlten Tagen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Die gegenw\u00e4rtige Entwicklung, der zunehmende Rechtsextremismus und bestimmte Formen des Antisemitismus, die verlangen von uns, dass wir aus dem Erinnern heraus L\u00f6sungen schaffen und auch darstellen, dass sich so etwas nie wiederholt&#8220;, so Lang.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Erinnerungskultur ist, so habe ich das Gef\u00fchl, in unserer Stadt immer nur an bestimmte Tage gebunden.<\/p>\n<p>Andr\u00e9 Lang, F\u00f6rderverein Alter Leipziger Bahnhof<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Stadt f\u00f6rdert neuen Dresdner <a name=\"Gedenkort\">Gedenkort<\/a> bislang nicht<\/p>\n<p class=\"text\">\nWas Andr\u00e9 Lang und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern vom F\u00f6rderkreis vorschwebt, ist nicht nur eine Shoah-Gedenkst\u00e4tte, sondern gleicherma\u00dfen ein Dokumentationszentrum, das NS-Geschichte aufarbeitet, aber auch Zeugnisse j\u00fcdischen Lebens in Dresden versammelt, und eine Begegnungsst\u00e4tte.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDaf\u00fcr wurde seitens des Vereins ein <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/dresden\/dresden-radebeul\/juedisches-museum-fuer-dresden-100.html\" title=\"Ideen f\u00fcr ein j\u00fcdisches Museum in Dresden\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ambitioniertes Konzept erstellt<\/a> und im M\u00e4rz 2025 vorgestellt. Seitdem stagniert die Arbeit daran, denn die vorgesehenen Gelder daf\u00fcr wurden bisher vom Stadtrat nicht bewilligt. 100.000 Euro f\u00fcr 2025 sind somit bereits verfallen. Die F\u00f6rderung f\u00fcr 2026 wurde k\u00fcrzlich im Kulturausschuss erneut abgelehnt.\n<\/p>\n<p>Wer zahlt: Stadt Dresden und\/oder Freistaat Sachsen?<\/p>\n<p class=\"text\">\nKulturb\u00fcrgermeisterin Annekatrin <a name=\"Klepsch\">Klepsch<\/a> versteht das Z\u00f6gern in der Kommunalpolitik. Sie bezieht sich damit unter anderem auf die 1,5 Millionen Euro, die der Betrieb des Gedenkortes laut Konzeption j\u00e4hrlich kosten w\u00fcrde, sollte die Empfangshalle einmal saniert sein.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Man muss vielleicht betonen, dass das Konzept ein Diskussionsangebot ist&#8220;, erkl\u00e4rte Klepsch. Man lebe in finanziell angespannten Zeiten. Umso wichtiger sei es, im Dialog zu bleiben. Sie sieht dabei auch den Freistaat Sachsen in der Rolle, Dresden bei diesem Vorhaben zu unterst\u00fctzen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDass der Alte Leipziger Bahnhof als authentischer Gedenkort sowohl eine landes- als auch bundeweite Bedeutung hat, unterstreicht auch der Dresdner Landtagsabgeordnete Albrecht Pallas, der das Projekt unterst\u00fctzt. Er appelliert an alle demokratischen Fraktionen im Stadtrat, die Mittel freizugeben: &#8222;Es gibt nicht viele Orte, die so authentisch f\u00fcr den Holocaust, f\u00fcr die Shoah stehen, wie der Leipziger Bahnhof.&#8220;\n<\/p>\n<p>Ankauf des Alten Leipziger Bahnhof bisher ergebnislos<\/p>\n<p class=\"text\">\nAbgesehen von den Kosten sind auch die nach wie vor ungekl\u00e4rten Eigentumsverh\u00e4ltnisse ein Problem. Die Stadtr\u00e4te von CDU, aber auch von der FDP, f\u00fchren dies immer wieder als Argument an, die F\u00f6rdermittel im Moment nicht freizugeben.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nOberb\u00fcrgermeister Dirk Hilbert ist beauftragt worden, mit dem Eigent\u00fcmer, der Globus Holding, \u00fcber einen Ankauf des Areals zu verhandeln. Doch nach wie vor ergebnislos.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSeitens der Stadt wird schriftlich mitgeteilt: &#8222;Die Gespr\u00e4che der Landeshauptstadt mit dem Eigent\u00fcmer zum Erwerb der zuk\u00fcnftig als Gemeinbedarfsfl\u00e4che gewidmeten Grundst\u00fccksteile dauern an.&#8220; Und weiter hei\u00dft es: &#8222;Sowohl Globus wie auch die Landeshauptstadt bekennen sich jedoch zur Realisierung des Gedenkortes auf dem Areal des Alten Leipziger Bahnhofes.&#8220;\n<\/p>\n<p>Konzept auf Eis gelegt<\/p>\n<p class=\"text\">\nIm Vorfeld der Stadtratsitzung gab es noch einmal ein vermittelndes Gespr\u00e4ch zwischen den Fraktionen. Sollte beispielweise die CDU auf ihren Bedingungen eines Ankaufs beharren, bedeutet das f\u00fcr die vielen ehrenamtlich Engagierten im F\u00f6rderkreis Alter Leipziger Bahnhof, dass bereits angeschobene Projekte nicht fortgesetzt werden k\u00f6nnen, wie etwa ein konzeptioneller Austausch mit einer Gedenkst\u00e4tte in Riga oder die Einbindung von Nachfahren der Shoah-Opfer.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nUnd auch f\u00fcr die 90-j\u00e4hrige Renate Aris ist Abwarten keine Option, denn sie will die Er\u00f6ffnung der Gedenkst\u00e4tte noch erleben: &#8222;Nat\u00fcrlich will ich da mit dabei sein, aber da muss ich ja noch zehn Jahre drauflegen. Ich hoffe, es ist eher!&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<br \/>Redaktionelle Bearbeitung: jb, vp<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Alte Leipziger Bahnhof in Dresden soll ein Gedenkort werden. Das Konzept umfasst eine Shoah-Gedenkst\u00e4tte, ein NS-Dokumentationszentrum und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":755421,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1835],"tags":[172387,3364,26390,29,2386,15738,9838,51184,30,1597,66,81,859,43436,1108],"class_list":{"0":"post-755420","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-dresden","8":"tag-alter-leipziger-bahnhof-dresden","9":"tag-de","10":"tag-deportation","11":"tag-deutschland","12":"tag-dresden","13":"tag-erinnerungskultur","14":"tag-finanzierung","15":"tag-gedenkort","16":"tag-germany","17":"tag-juden","18":"tag-kulturnachrichten","19":"tag-mdr","20":"tag-sachsen","21":"tag-shoa","22":"tag-stadtrat"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115977482687820833","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/755420","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=755420"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/755420\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/755421"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=755420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=755420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=755420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}