{"id":755473,"date":"2026-01-29T09:03:11","date_gmt":"2026-01-29T09:03:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/755473\/"},"modified":"2026-01-29T09:03:11","modified_gmt":"2026-01-29T09:03:11","slug":"ddr-in-ost-berlin-tappte-der-mutige-fluchthelfer-schubert-in-eine-falle-der-stasi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/755473\/","title":{"rendered":"DDR: In Ost-Berlin tappte der mutige Fluchthelfer Schubert in eine Falle der Stasi"},"content":{"rendered":"<p>Am 26. Januar 1976 verurteilte das Ost-Berliner Stadtgericht den West-Berliner Fluchthelfer Rainer Schubert zu 15 Jahren Haft. Sein Fall zeigt, wie im Westen mit Widerstand gegen die SED-Diktatur umgegangen wurde \u2013 und die Unterschiede zu heutigen Schleusern.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Inszenierung war durchschaubar. Die Generalstaatsanwaltschaft der  DDR hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert, das Stadtgericht von Ost-Berlin verurteilte den Angeklagten zu 15 Jahren. Was ein Beweis f\u00fcr die \u201eUnabh\u00e4ngigkeit\u201c der Justiz in der SED-Diktatur sein sollte, wurde zum Gegenteil. Denn sogar das Bundesministerium f\u00fcr innerdeutsche Beziehung in Bonn, immer vorsichtig darauf bedacht, das ostdeutsche Regime nicht zu scharf zu kritisieren, kam nicht umhin festzustellen, dass das Urteil der Auffassung der Bundesregierung von Recht und Gerechtigkeit widerspreche. <\/p>\n<p>Allerdings bekam der Angeklagte (und nun Verurteilte), der 29-j\u00e4hrige <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=apbrfRlqp4Y\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=apbrfRlqp4Y&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Rainer Schubert<\/a>, ansonsten einen Tritt des Ministeriumssprechers: Die Bundesregierung, teilte er offiziell weiter mit, wolle damit nicht etwa die T\u00e4tigkeit kommerzieller Fluchthilfeorganisationen rechtfertigen, die \u201edie Notlage von Menschen ausnutzen, um Gesch\u00e4fte zu machen\u201c. <\/p>\n<p>Der Fall Rainer Schubert, der am 26. Januar 1976 mit der Verk\u00fcndung des Urteils seinen H\u00f6hepunkt erreichte, illustriert die Untiefen des Themas <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/fluchthilfe.de\/startseite.html\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/fluchthilfe.de\/startseite.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Fluchthilfe<\/a>. Zwar schm\u00e4hte die SED die meist jungen M\u00e4nner, die unter hohem Risiko fluchtwilligen DDR-B\u00fcrgern einen Ausweg aus dem \u201eArbeiter- und Bauern-Paradies\u201c boten, stets als \u201eMenschenh\u00e4ndler\u201c oder \u201eSchleuserbanden\u201c. Dennoch k\u00f6nnte die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/kultur\/article104519546\/hinterm-kuehlergrill-gehts-weiter.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/kultur\/article104519546\/hinterm-kuehlergrill-gehts-weiter.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Differenz zu wirklichen Schleusern<\/a> wie in Afrika, im Nahen Osten und an den K\u00fcsten des Mittelmeers seit den 2010er-Jahren kaum gr\u00f6\u00dfer sein.<\/p>\n<p>Denn den Fluchthelfern im geteilten Deutschland ging es darum, deutsche Staatsb\u00fcrger aus dem unfreien in den freien Teil des Landes zu bringen. Juristisch war die Lage ohnehin klar: Jeder SED-Untertan verf\u00fcgte automatisch \u00fcber das Recht, in der Bundesrepublik einen westdeutschen Pass ausgestellt zu bekommen.  Dagegen geht es den Kriminellen von heute darum, Menschen ohne jede Chance auf Anerkennung etwa als Asylbewerber nach Europa zu bringen. <\/p>\n<p>Geteilt war Deutschland sp\u00e4testens seit <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article239031477\/DDR-Grenzsperrung-1952-Auftakt-zur-Aktion-Ungeziefer.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article239031477\/DDR-Grenzsperrung-1952-Auftakt-zur-Aktion-Ungeziefer.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mai 1952<\/a> \u2013 damals zog die DDR-Grenzpolizei den ersten durchgehenden Zaun zwischen ihr Territorium, die vormalige Sowjetische Besatzungszone, und der Bundesrepublik. Auch die Au\u00dfengrenze der drei Westsektoren von Berlin wurde so befestigt, was aber noch kaum eine Rolle spielte, weil die innerst\u00e4dtische Demarkationslinie offen blieb und sogar noch die S-Bahn durchfuhr.  <\/p>\n<p>Doch trotzdem gab es auch schon vor dem 13. August 1961, der vollst\u00e4ndigen Abriegelung West-Berlins, eine Art Fluchthelfer. Das waren oft Personen aus der (Ost- wie West-Berliner) Halbwelt, die Speditionsdienstleistungen anboten. Sie transportierten gegen gute Bezahlung M\u00f6bel, Hausrat und anderes ab, sobald ihr Auftraggeber, ein Freiheit suchender DDR-B\u00fcrger, selbst ohne verd\u00e4chtiges Gep\u00e4ck nach West-Berlin gewechselt war. Manche tarnten sich auch als Umzugshelfer. Allerdings gab es hier neben seri\u00f6sen Unterst\u00fctzern viele Betr\u00fcger. <\/p>\n<p>Seit dem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article233107475\/Mauerbau-am-13-August-1961-X-Zeit-Der-Sonntag-an-dem-Berlin-zerriss.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article233107475\/Mauerbau-am-13-August-1961-X-Zeit-Der-Sonntag-an-dem-Berlin-zerriss.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bau der Berliner Mauer<\/a> spielten M\u00f6bel und Hausrat keine Rolle mehr \u2013 nun ging es um das nackte Leben. Die Fluchthelferszene wandelte sich binnen Tagen vollkommen. Zun\u00e4chst waren es vor allem West-Berliner Studenten, die ihre  nun in der SED-Diktatur eingesperrten Kommilitonen in den Westen zu holen versuchten. Anfangs mit fremden P\u00e4ssen, bald mit ver- oder g\u00e4nzlich gef\u00e4lschten Papieren, mitunter auch durch aufgeschnittene Sperrz\u00e4une oder \u00fcber noch unzureichend von der DDR kontrollierte Schleichwege. Sp\u00e4ter nutzten Fluchthelfer  ausgekl\u00fcgelte Routen Richtung Skandinavien oder  selbst gegrabene Stollen, teilweise auch schon <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/kultur\/article104519546\/hinterm-kuehlergrill-gehts-weiter.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/kultur\/article104519546\/hinterm-kuehlergrill-gehts-weiter.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">trickreiche Verstecke<\/a> in Autos. <\/p>\n<p>Neben der rein altruistischen Fluchthilfe gab es seit Ende August 1961 auch \u201ekommerzielle\u201c Anbieter, oft wiederum aus der (nun vor allem West-Berliner) Halbwelt. Und es gab Mischformen: Helfer, die zwar Geld nahmen (oft von Auftraggebern im Westen, etwa Verwandten der Fl\u00fcchtlinge), um ihre Ausgaben zu decken. Zum Beispiel einen Fahrer der franz\u00f6sischen Milit\u00e4rmission in Berlin zu bezahlen, der regelm\u00e4\u00dfig unkontrolliert \u00fcber den als \u201eCheckpoint Charlie\u201c bekannten Kontrollpunkt Berlin-Friedrichstra\u00dfe von Ost nach West fuhr. Oder um Umbaukosten f\u00fcr Fluchtwagen zu begleichen.<\/p>\n<p>Mehrere erfolgreiche Fluchthelfer, die anfangs rein altruistisch t\u00e4tig waren, wuchsen in diesen Bereich der bezahlten Unterst\u00fctzung hinein, etwa <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article181514624\/Berliner-Mauer-Wahrscheinlich-verriet-Poskus-den-letzten-Fluchttunnel.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article181514624\/Berliner-Mauer-Wahrscheinlich-verriet-Poskus-den-letzten-Fluchttunnel.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hasso Herschel<\/a>, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article237787085\/Stasi-Mord-1962-So-starb-der-Fluchthelfer-Heinz-Jercha.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article237787085\/Stasi-Mord-1962-So-starb-der-Fluchthelfer-Heinz-Jercha.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Burkhart Veigel<\/a>, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article234441302\/Nachruf-Dietrich-Rohrbeck-Fluchthelfer-und-Babyschmuggler.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article234441302\/Nachruf-Dietrich-Rohrbeck-Fluchthelfer-und-Babyschmuggler.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dietrich Rohrbeck<\/a> oder die Gruppe um <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article253844032\/DDR-Er-rief-weg-hier-Gefahr-und-sprang-in-das-Loch.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article253844032\/DDR-Er-rief-weg-hier-Gefahr-und-sprang-in-das-Loch.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolfgang Fuchs<\/a>. Ihr wesentliches Motiv war immer noch der Widerstand gegen die SED-Diktatur, aber f\u00fcr ihre Ausgaben nahmen sie Geld \u2013 allerdings nur im Falle einer erfolgreichen Flucht. <\/p>\n<p>Daneben gab es jedoch auch halb- bis unseri\u00f6se Helfer, den Schweizer Zuh\u00e4lter Hans Ulrich Lenzlinger zum Beispiel. Mindestens 122 Menschen kamen mit seiner Tarnfirma Aramco in die Freiheit, eigenen Angaben zufolge deutlich mehr. 1979 wurde Lenzlinger unter <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/ricardotarli.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/fall-lenzlinger_tarli.pdf\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/ricardotarli.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/fall-lenzlinger_tarli.pdf&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">nie aufgekl\u00e4rten Umst\u00e4nden<\/a> in Z\u00fcrich ermordet.<\/p>\n<p>Rainer Schubert hatte seine T\u00e4tigkeit als Fluchthelfer begonnen, um Bekannte aus der DDR zu holen. Nach dem ersten Erfolg 1972 professionalisierte er diese T\u00e4tigkeit, arbeitete daf\u00fcr zun\u00e4chst mit dem zwielichtigen Lenzlinger zusammen. 1974 trennte sich Schubert von ihm und zog mit mehreren umgebauten Autos sowie bis zu 13 Mitarbeitern ein eigenes Fluchthilfe-Unternehmen auf.<\/p>\n<p>Insgesamt brachte er fast hundert DDR-B\u00fcrger in die Freiheit, f\u00fcr bis zu 25.000 Mark pro Person. Doch das Geld war nicht sein Hauptmotiv, zumal der gr\u00f6\u00dfte Teil ohnehin f\u00fcr Spesen und Honorare gebraucht wurde. Einige Fl\u00fcchtlinge holte Schubert eigenen Angaben zufolge ohne Bezahlung aus der DDR; immer wieder versuchte er dabei, die Stasi auszutricksen: Im Gegensatz zu den meisten anderen Leitern von Fluchthilfeorganisationen reiste er selbst oft unter falschem Namen nach Ost-Berlin, um seine \u201eKlienten\u201c selbst zu treffen. <\/p>\n<p>Doch im Januar 1975 tappte er in eine Falle: Ein vermeintlich fluchtwilliger DDR-B\u00fcrger, Hans-Christian Sch., hatte Kontakt mit Schubert aufgenommen und ein Treffen in Ost-Berlin verabredet. In Wirklichkeit war der angeblich zur Republikflucht entschlossene Mann von der Stasi in zweiw\u00f6chiger Haft \u201eumgedreht\u201c und zum IM \u201eFischer\u201c gemacht worden. Schubert wurde auf dem Weg zum Treffpunkt in einem Hotel am Alexanderplatz von Stasi-Leuten festgenommen und verschwand zun\u00e4chst f\u00fcr ein Jahr in Hohensch\u00f6nhausen. <\/p>\n<p>Das MfS versuchte, Schubert ebenfalls umzudrehen. Doch er lehnte ab und wurde wegen \u201ekriminellen Menschenhandels\u201c angeklagt. WELT berichtete \u00fcber den Prozess vom 21. bis 26. Januar 1976 fortlaufend. Als Grund f\u00fcr die geforderte H\u00f6chststrafe f\u00fchrte der Staatsanwalt an, dass Schubert gezielt das Gesundheitswesen der DDR gesch\u00e4digt habe, indem er 17 \u00c4rzten und 16 weiteren medizinischen Fachkr\u00e4ften bei der Flucht in den Westen geholfen hatte.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wurde er zu 15 Jahren Haft verurteilt. Das Strafma\u00df war direkt mit der SED-Spitze abgestimmt, denn \u201eunabh\u00e4ngig\u201c urteilen durfte in der DDR-Justiz niemand. <\/p>\n<p>WELT-Chefkommentator <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article663571\/Von-Ehre.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article663571\/Von-Ehre.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Enno von Loewenstern<\/a> sezierte messerscharf die Verlogenheit der Reaktion auf das Urteil in Westdeutschland, gerade von Linken. Sie sammelten seinerzeit Geld, um Gegnern des Pinochet-Regimes in Chile die Flucht nach Europa zu erm\u00f6glichen, aber kritisierten Schubert: Er sei kein Held oder M\u00e4rtyrer, sondern ein Aufschneider. Tats\u00e4chlich \u00fcbernahmen manche linke Medien sogar die \u201eArgumentation\u201c des Ost-Berliner Staatsanwaltes, Schubert habe durch die Unterst\u00fctzung  fluchtwilliger Mediziner nicht nur dem Staat als solchem geschadet, sondern auch Menschen in ganz konkrete Lebensgefahr gebracht.<\/p>\n<p>Gegen derlei Geschwurbel setzte Loewenstern klare S\u00e4tze: \u201eWenn alle diese Kritiker doch den Mut h\u00e4tten, offen zu sagen: Schubert passt nicht in unsere Politik, deshalb ist es uns peinlich, uns zu ihm zu bekennen.\u201c Wer im sicheren Westen habe schon den Mut, \u201evor einem DDR-Gericht die DDR so kompromisslos zu verdammen, wie Schubert es tat\u201c? Der Kommentator kam zu einem klaren Ergebnis: \u201eRainer Schubert ist keine Lichtgestalt aus dem M\u00e4rchenbuch, aber er ist ein Mann, auf den wir stolz sein d\u00fcrfen. Dass so viele von uns es nicht sind, das zeigt, wie teuer diese Ostpolitik uns kommt.\u201c<\/p>\n<p>Der Verurteilte wurde weitere elf Monate im Stasi-Untersuchungsgef\u00e4ngnis Berlin-Hohensch\u00f6nhausen festgehalten, dann kam er ins <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/dossiers\/deutsche-orte\/article3925861\/Ab-nach-Bautzen-Inbegriff-des-Stasi-Terrors.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/dossiers\/deutsche-orte\/article3925861\/Ab-nach-Bautzen-Inbegriff-des-Stasi-Terrors.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stasi-Sondergef\u00e4ngnis Bautzen II<\/a>. Am 14. Oktober 1983 durfte er, nach 106 Monaten hinter Gittern, die DDR verlassen: Die Bundesrepublik hatte ihn freigekauft. <\/p>\n<p>Seinen Kampf gegen die SED-Diktatur setzte Schubert fort, indem er 1985 eine ihm v\u00f6llig unbekannte alleinerziehende Mutter aus Brandenburg per \u201eFernverl\u00f6bnis\u201c zu seiner (k\u00fcnftigen) Angeh\u00f6rigen machte und Familienzusammenf\u00fchrung beantragte. Drei Jahre z\u00f6gerte die Stasi die rechtlich unausweichliche Ausreise hinaus, dann musste die SED-Geheimpolizei nachgeben. Am Ende konnte der Fluchthelfer die DDR vorf\u00fchren \u2013 es war gewisserma\u00dfen seine Rache f\u00fcr fast neun Jahre Unfreiheit.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/sven-felix-kellerhoff\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/sven-felix-kellerhoff\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\"><b>Sven Felix Kellerhoff<\/b><\/a><b> ist Leitender Redakteur bei WELTGeschichte. Zu seinen Themenschwerpunkten z\u00e4hlt die SED-Diktatur. Mit Dietmar Arnold ver\u00f6ffentlichte er das <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.chronik-der-mauer.de\/material\/180743\/arnold-dietmar-kellerhoff-sven-felix\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.chronik-der-mauer.de\/material\/180743\/arnold-dietmar-kellerhoff-sven-felix&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\"><b>wesentliche Buch zu den Berliner Fluchttunneln.<\/b><\/a><b> <\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 26. 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