{"id":755582,"date":"2026-01-29T10:13:13","date_gmt":"2026-01-29T10:13:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/755582\/"},"modified":"2026-01-29T10:13:13","modified_gmt":"2026-01-29T10:13:13","slug":"duesseldorf-fahrradkuriere-bequem-fuer-die-kunden-ausbeutung-der-rider-ddorf-aktuell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/755582\/","title":{"rendered":"D\u00fcsseldorf: Fahrradkuriere \u2013 bequem f\u00fcr die Kunden, Ausbeutung der Rider &#8211; Ddorf-Aktuell"},"content":{"rendered":"<p>Unter dem Begriff \u201eplattformbasierte Arbeit\u201c sind T\u00e4tigkeiten zusammengefasst, die online oder \u00fcber Apps abgewickelt werden und bei denen die Besch\u00e4ftigten meist im Niedriglohnsektor angesiedelt sind. Wie das System der sogenannten \u201eRider\u201c, der Fahrradkuriere, der verschiedenen Anbieter wie Lieferando &amp; Co funktioniert, schilderte Autor Orry Mittenmayer am Mittwochabend (28.1.) bei einer Lesung im DGB-Haus.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-156261\" class=\"size-large wp-image-156261\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Mittenmayer-5-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\"  \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-156261\" class=\"wp-caption-text\">Die D\u00fcsseldorfer DGB-Chefin Sigrid Wolf begr\u00fc\u00dfte die G\u00e4ste<\/p>\n<p>Orry Mittenmayer wurde 1992 in K\u00f6ln geboren, ist geh\u00f6rlos und machte von Beginn an die Erfahrung, das Inklusion f\u00fcr Kinder mit Handicap nicht selbstverst\u00e4ndlich ist. So besuchte er einen Kindergarten f\u00fcr Schwerbehindert und anschlie\u00dfend eine Sonderschule. Wie sehr das Bildungssystem vorsortiert, erfuhr er sp\u00e4testens bei seinem Hauptschulabschluss, den er als Jahrgangsbester absolvierte. 70 Prozent aller Sondersch\u00fcler*innen verlassen die Schule ohne Zeugnis, betonte er. Orry h\u00e4tte gerne das Abitur gemacht, aber seine Lehrerin versagte ihm die erforderliche Empfehlung. Damit blieb ihm nur eine Ausbildung, die er als 15-J\u00e4hriger in einer Buchhandlung machte und dort erfuhr, wie wenig er eigentlich in der Schule f\u00fcrs Leben gelernt hatte.<\/p>\n<p>Mit 23 Jahren beschloss er schlie\u00dflich das Abitur in der Abendschule nachzuholen. Zu dieser Zeit arbeitete er im Einzelhandel und hoffte auf Unterst\u00fctzung durch seinen Chef. Doch der machte klar, entweder volle Energie f\u00fcr die Arbeit oder er solle k\u00fcndigen. Nicht wissend, was das f\u00fcr Konsequenzen nach sich zieht, k\u00fcndigte Orry. Damit war er f\u00fcr Arbeitslosengeld gesperrt, doch seine Kosten f\u00fcr Wohnung etc. mussten ja weiter bezahlt werden. Also griff er nach einer vermeintlichen Chance und fing als Fahrradkurier an.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-156263\" class=\"size-large wp-image-156263\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Mittenmayer-16-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\"  \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-156263\" class=\"wp-caption-text\">Anschlie\u00dfend an die Lesung wurde noch diskutiert<\/p>\n<p>Im DGB-Haus bei seiner Lesung verdeutlichte er, dass viele Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, dies nicht tun, weil sie das so toll finden, sondern aus der puren Not heraus. Und das nutzen die Anbieter erbarmungslos aus. Denn bei minimalen Bez\u00fcgen ist es ein Knochenjob. Es f\u00e4ngt damit an, dass Material wie das Fahrrad oft selber gestellt und instandgehalten werden muss, Kosten werden daf\u00fcr nicht \u00fcbernommen. Hat man sich dann per App eingeloggt, wartet man auf Auftr\u00e4ge. Ohne zu wissen wohin einen der Auftrag f\u00fchrt, nimmt man ihn an. Erst dann wird die Adresse der Lokals oder Gesch\u00e4fts bekanntgegeben, wo die Ware abgeholt werden muss. Dort \u00fcbernimmt man das Essen oder was gerade geordert wurde und meldet es per App. Nun erst erh\u00e4lt man die Zustelladresse, an die in einem vorgegeben Zeitfenster geliefert werden soll. So wird verhindert, dass die Kuriere Fahrten ablehnen, weil die Strecke zu weit oder zu unangenehm ist. Dass bei den engen Zeitvorgaben Verkehrsregeln zur Nebensache werden, versteht sich und erkl\u00e4rt so manches Verhalten, das t\u00e4glich im Stra\u00dfenverkehr beobachtet werden kann.<\/p>\n<p>Sieben Tage die Woche hatte Orry Schichten gefahren und anschlie\u00dfend montags bis freitags die Abendschule besucht. Er hat schlie\u00dflich das Abitur geschafft. Doch wie viele, die von Armut oder Rassismus betroffen sind, machte er die Erfahrung, sich aus Frust und Wut zur\u00fcckzuziehen. Ein N\u00e4hrboden, bei der die AfD ein leichtes Spiel hat, mit Versprechungen diese Menschen zu k\u00f6dern. Wenn nun ein Bundeskanzler Merz davon spricht, dass Menschen in Deutschland zu wenig arbeiten w\u00fcrden, sei dies ein Schlag ins Gesicht all derer, die im Niedriglohnsektor schuften \u2013 und das sicherlich nicht, weil das so viel Spa\u00df macht, betont Mittenmayer.<\/p>\n<p>Ihn hat in seiner damaligen Situation nicht die AfD begeistert, sondern der Kontakt zu zwei Gewerkschaftssekret\u00e4rinnen der NGG (Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gastst\u00e4tten). Sie haben ihn und einige seiner Kollegen von der Idee \u00fcberzeugt einen Betriebsrat bei dem Unternehmen zu gr\u00fcnden, bei dem sie als Rider t\u00e4tig waren. Das war 2015 und ohne zu wissen, was das eigentlich bedeutet, begannen sie mit der Organisation. Das Unternehmen versuchte mit allen Mitteln dies zu verhindern, doch die NGG unterst\u00fctzte bei s\u00e4mtlichen perfiden Tricks der Chefs. Lieferando ist wohl der einzige Lieferdienst, der im Vergleich zu den anderen die Mitarbeitenden minimal besser behandelt, weil des dort in NRW an drei Standorten (D\u00fcsseldorf, K\u00f6ln und Dortmund) einen Betriebsrat gibt. Andere Unternehmen schreckten nicht davor zur\u00fcck selbst Betriebsr\u00e4ten zu k\u00fcndigen, auch wenn dies gesetzlich verboten ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-156260\" class=\"size-large wp-image-156260\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Mittenmayer-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\"  \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-156260\" class=\"wp-caption-text\">Zayde Torun ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gastst\u00e4tten (NGG) D\u00fcsseldorf-Wuppertal<\/p>\n<p>Orry Mittenmayer hat seine Geschichte im Buch \u201eAUS-GELIEFERT\u201c \u2013 aus dem krassen Alltag von Fahrradkurier*innen (ISBN: 978-3-462-00577-6, Verlag: KiWi-Paperback, 18 Euro) aufgeschrieben. Es zeigt, wie die Situation im Niedriglohnsektor aussieht, aber auch, dass es Wege gibt, die Lage zu verbessern. Der DGB und die NGG hat die Lesung organisiert, da in diesem Jahr Betriebsratswahlen stattfinden und so Anregungen gegeben werden, dass sich gewerkschaftliches Engagement lohnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Unter dem Begriff \u201eplattformbasierte Arbeit\u201c sind T\u00e4tigkeiten zusammengefasst, die online oder \u00fcber Apps abgewickelt werden und bei denen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":755583,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1831],"tags":[3364,29,3405,30,1209],"class_list":{"0":"post-755582","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-duesseldorf","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-duesseldorf","11":"tag-germany","12":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115977860746879848","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/755582","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=755582"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/755582\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/755583"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=755582"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=755582"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=755582"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}