{"id":757141,"date":"2026-01-30T00:26:10","date_gmt":"2026-01-30T00:26:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/757141\/"},"modified":"2026-01-30T00:26:10","modified_gmt":"2026-01-30T00:26:10","slug":"wie-unterstuetze-ich-jemanden-der-krebs-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/757141\/","title":{"rendered":"Wie unterst\u00fctze ich jemanden, der Krebs hat?"},"content":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen (dpa\/tmn) &#8211; Eine Krebsdiagnose ist ein Einschnitt. Ob als Schwester, Ehemann, Mutter, enger Freund: Angeh\u00f6rige wollen eine St\u00fctze sein in Zeiten von Ungewissheit, \u00c4ngsten und Therapien, die teilweise starke Nebenwirkungen mit sich bringen.\u00a0<\/p>\n<p>Ein hoher Anspruch, mit dem sich Angeh\u00f6rige oft einen \u00absozialen Leistungsdruck\u00bb auferlegen, wie es die niedergelassene Psychoonkologin und Buchautorin Angela Grigelat aus M\u00fcnchen nennt: \u00abIhre gro\u00dfe Sorge ist, etwas falsch zu machen, dazu kommt oft Hilflosigkeit.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Die Expertin beobachtet, dass Angeh\u00f6rige sich in ihrem Perfektionismus immer wieder verkrampfen und \u00fcber das Ziel hinausschie\u00dfen. Worauf kommt es also an?<\/p>\n<p>Ein guter Anfang: Nachfragen und Zuh\u00f6ren<\/p>\n<p>Ob die Diagnose nun frisch auf dem Tisch liegt oder die Person bereits mitten in der Therapie steckt: \u00abEs f\u00fchrt kein Weg daran vorbei, dass man fragt: Wo stehst du gerade, was brauchst du gerade?\u00bb, sagt Angela Grigelat.\u00a0<\/p>\n<p>Diese Frage stellen Angeh\u00f6rige am besten nicht nur einmal, sondern im Verlauf der Krebserkrankung immer mal wieder. Denn: \u00abDie Bed\u00fcrfnisse und das Befinden von Krebspatientinnen und -patienten ver\u00e4ndern sich.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Einstellen muss man sich als Angeh\u00f6riger auch darauf, dass die Antwort \u00abDanke, du kannst gerade nichts f\u00fcr mich tun\u00bb lauten kann. \u00abMan darf nicht von vorneherein davon ausgehen, dass eine Person, die Krebs hat, automatisch hilfsbed\u00fcrftig ist\u00bb, sagt Grigelat.\u00a0<\/p>\n<p>Auch, wenn das f\u00fcr Au\u00dfenstehende undenkbar scheint: Wer an Krebs erkrankt ist, kann trotz aller Ersch\u00fctterung durchaus das Gef\u00fchl haben, der Situation gewachsen zu sein. \u00abWenn man dann mit gro\u00dfen Augen und Mitleidsbekundungen wie &#8222;Ach, du Arme&#8220; angeguckt wird, tut das nicht unbedingt gut.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Vier Beispiele, wie Unterst\u00fctzung aussehen kann<\/p>\n<p>Ein offenes Ohr und eine Schulter zum Ausweinen k\u00f6nnen guttun, sind aber nicht immer das, was am dringendsten gefragt ist. \u00abManchmal haben Krebspatientinnen und -patienten einfach keine Lust, \u00fcber ihre Gef\u00fchle zu sprechen. Stattdessen liegt der Fokus darauf, handlungsf\u00e4hig zu bleiben\u00bb, sagt die Psychologische Psychotherapeutin.\u00a0<\/p>\n<p>Ganz wichtig, wie auch die Deutsche Krebshilfe in einem Ratgeber f\u00fcr Angeh\u00f6rige betont: Alleing\u00e4nge und Entscheidungen, die \u00fcber den Kopf der krebskranken Person hinweg getroffen werden, sind tabu.\u00a0<\/p>\n<p>Hier kommen vier Beispiele, wie man als Sohn, Freundin oder Elternteil unterst\u00fctzen kann &#8211; stets in enger Absprache.\u00a0<\/p>\n<p>Die Diagnose steht, jetzt geht es um die Frage, welche Therapie folgen soll &#8211; ein oft komplexes Abw\u00e4gen. \u00abDer Informationsbedarf ist jetzt riesig\u00bb, sagt Angela Grigelat. Angeh\u00f6rige k\u00f6nnen mit in die Recherche einsteigen. Geeignete Anlaufstellen sind etwa der Krebsinformationsdienst oder Patientenorganisationen. \u00abWichtig ist aber, nicht mit irgendwelchen medizinischen Ratschl\u00e4gen zu kommen.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Von Chemotherapie bis Nachsorge: \u00abIch sehe Leute, die in kein Gespr\u00e4ch allein gehen, die immer eine Freundin dabeihaben, die alles mitschreibt und hilft, solche Termine vor- und nachzubereiten\u00bb, sagt Angela Grigelat. Auch hier gilt aber: W\u00fcnscht die krebskranke Person, allein zu diesen Terminen zu gehen, sollten Angeh\u00f6rige das akzeptieren, anstatt sich aufzudr\u00e4ngen.\u00a0<\/p>\n<p>Auch mit einer Krebserkrankung l\u00e4uft der Alltag inklusive seiner Aufgaben weiter. Da kann eine gro\u00dfe Entlastung sein, wenn jemand das Kind von der Kita abholt oder zum Fu\u00dfballtraining f\u00e4hrt, das Laub im Garten zusammenharkt oder einen Topf Suppe vorbeibringt, der nur aufgew\u00e4rmt werden muss.<\/p>\n<p>Krankenkasse, Reha und Co.: Eine Krebserkrankung bedeutet oft auch viel B\u00fcrokratie, die f\u00fcr Betroffene auch eine emotionale Belastung sein kann &#8211; etwa, wenn die Krankenkasse nachhakt, wie lange man noch krankgeschrieben sein wird. Auch hier kann guttun, wenn jemand bei der Kommunikation unterst\u00fctzt.\u00a0<\/p>\n<p>Vier typische Fallen &#8211; und wie es besser geht\u00a0<\/p>\n<p>Was gut gemeint ist, tut am Ende nicht unbedingt gut. Hier kommen vier Fallstricke:\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>Falle 1: Der Satz \u00abMelde dich, wenn du etwas brauchst\u00bb\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Satz ist gut gemeint, hilft Betroffenen aber l\u00e4ngst nicht immer. Denn manchmal fehlt schlichtweg die Kraft, um auszuloten, was nun helfen k\u00f6nnte, wie Grigelat sagt. Die Psychoonkologin r\u00e4t stattdessen zu konkreten Hilfsangeboten \u00e0 la: \u00abDu, in den n\u00e4chsten Monaten wird es sicher schwer f\u00fcr dich mit den Hunderunden. Was h\u00e4ltst du davon, wenn ich jeden Morgen vorbeikomme und mit dem Hund gehe?\u00bb\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>Falle 2: Mehr anbieten als \u00fcberhaupt schaffbar ist\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00abEine Krebserkrankung dauert nicht nur drei Wochen, das ist ein Marathon\u00bb, sagt Angela Grigelat. Angeh\u00f6rige sollten realistisch hinterfragen: Was kann ich auch langfristig leisten, ohne dass mir selbst die Luft ausgeht? Im besten Falle ist die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die krebskranke Person ein Mosaik, das aus vielen einzelnen Steinchen &#8211; also helfenden H\u00e4nden &#8211; besteht.\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>Falle 3: Einfach abtauchen\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n<p>Keine Seltenheit: Nach einer Krebsdiagnose melden sich auch mitunter enge Freundinnen und Freunde gar nicht mehr. Im Nachhinein h\u00f6ren Krebskranke von ihnen dann Entschuldigungen wie \u00abIch wollte nicht st\u00f6ren, du hast bestimmt jetzt viel zu tun.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Viele Betroffene empfinden das als verletzend, wie Angela Grigelat sagt. \u00abMan muss Kontaktsignale senden. Aber man muss auch damit leben, dass sie vielleicht nicht gleich beantwortet werden.\u00bb Schlie\u00dflich haben die allerwenigsten Erkrankten Kapazit\u00e4ten daf\u00fcr, nach dem Untersuchungstermin 20 Leute \u00fcber das Ergebnis auf dem Laufenden zu halten.\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>Falle 4: Unsensibles Timing<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Krebs ist nicht alles: Betroffene m\u00f6chten sich nicht pausenlos mit ihrer Erkrankung besch\u00e4ftigen, hei\u00dft es von der Deutschen Krebshilfe. Und so sind die Momente wertvoll, in denen die Erkrankung mal in den Hintergrund r\u00fcckt, etwa bei einem Ausflug ins Gr\u00fcne oder einem Kinobesuch.\u00a0<\/p>\n<p>Diese Anl\u00e4sse sind wom\u00f6glich keine geeigneten Situationen, um als Angeh\u00f6riger nachzubohren, wie nun der Stand ist. Angela Grigelat liefert ein Formulierungsbeispiel f\u00fcr alle, die sich unsicher sind: \u00abIch w\u00fcrde dich gern fragen, wie es in der Nachsorge gelaufen ist. Ist das gerade ein guter Moment oder lassen wir das Thema heute lieber stehen?\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Ende der Krebstherapie? Das Thema ist nicht erledigt<\/p>\n<p>Auch wenn die Annahme in vielen K\u00f6pfen fest verankert ist: Eine Krebserkrankung hat kein klar definiertes Ende. \u00abEs ist ein gro\u00dfer Irrtum, dass mit dem Nachwachsen der Haare alles vorbei ist\u00bb, sagt Angela Grigelat. Zumal sich Krebsbehandlungen &#8211; etwa Immuntherapien &#8211; \u00fcber Jahre ziehen k\u00f6nnen, wom\u00f6glich den Rest des Lebens bestimmen.\u00a0<\/p>\n<p>In vielen Kliniken, vor allem in den USA, l\u00e4uten Patientinnen und Patienten am Ende ihrer Chemotherapie eine Glocke. \u00abDas ist ein sch\u00f6nes Ritual, aber das Ende der Krebstherapie ist oft erst der Anfang der Auseinandersetzung mit der Krankheit und dem, was sie mit dem eigenen Leben gemacht hat und machen wird\u00bb, sagt Grigelat.\u00a0<\/p>\n<p>Die Bew\u00e4ltigung der Krankheit dauert oft jahrelang. Dazu kommt die Sorge, dass der Krebs zur\u00fcckkehrt. Hei\u00dft: Ein offenes Ohr und sanfte Gespr\u00e4chseinladungen sind von Angeh\u00f6rigen auch weiterhin gefragt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00fcnchen (dpa\/tmn) &#8211; Eine Krebsdiagnose ist ein Einschnitt. 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