{"id":7576,"date":"2025-04-04T11:50:18","date_gmt":"2025-04-04T11:50:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/7576\/"},"modified":"2025-04-04T11:50:18","modified_gmt":"2025-04-04T11:50:18","slug":"lehrkraefte-erleben-eine-starke-entgrenzung-ihrer-arbeitszeit-studie-nur-noch-jede-fuenfte-wuerde-den-beruf-weiterempfehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/7576\/","title":{"rendered":"\u201eLehrkr\u00e4fte erleben eine starke Entgrenzung ihrer Arbeitszeit!\u201c Studie: Nur noch jede f\u00fcnfte w\u00fcrde den Beruf weiterempfehlen"},"content":{"rendered":"<p>BERLIN. <strong>Eine aktuelle Arbeitsbelastungsstudie der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen zeigt, dass nur noch 20 Prozent der Lehrkr\u00e4fte ihren Beruf weiterempfehlen w\u00fcrden \u2013 \u00fcber ein Drittel r\u00e4t aktiv davon ab. Weniger als die H\u00e4lfte (46\u202fProzent) w\u00fcrde sich aus heutiger Sicht erneut f\u00fcr den Beruf entscheiden. Hauptgr\u00fcnde sind hohe Arbeitsbelastung, entgrenzte Arbeitszeiten und gesundheitliche Risiken. Die Studie, die ein repr\u00e4sentatives Meinungsbild unter Lehrkr\u00e4ften in Berlin erfasst, war von der GEW in Auftrag gegeben worden. Sie fordert Konsequenzen.<\/strong><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-149025\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/shutterstock_2164996407-1-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"696\" height=\"464\"  \/>Am Rand. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock<\/p>\n<p>\u201eExtrem belastende Arbeitsbedingungen machen keine Werbung f\u00fcr den Beruf einer Lehrkraft\u201c, so hei\u00dft es in der Studie \u2013 und tats\u00e4chlich werden die Arbeitsbedingungen im Schuldienst als \u00fcberaus belastend empfunden. \u00dcber alle Berufe von Hochqualifizierten hinweg gilt: Nur rund acht Prozent beschreiben ihre Arbeit als \u201eschlechte Arbeit\u201c (bezugnehmend auf Kategorien wie Gestaltungsm\u00f6glichkeiten, Entwicklungsm\u00f6glichkeiten, Sinn der Arbeit oder emotionale Anforderungen) \u2013 bei Lehrkr\u00e4ften sind es bundesweit 30, in Berlin und Hamburg sogar 45 Prozent.<\/p>\n<p>\u201eUnsere Daten machen sichtbar, was viele seit Jahren sp\u00fcren: Viele Lehrkr\u00e4fte befinden sich in einer Gratifikationskrise\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Ergebnisse zeigen mit gro\u00dfer Deutlichkeit: Die derzeitigen Arbeitsbedingungen im Berliner Schuldienst sind wenig attraktiv \u2013 vor allem im Vergleich zu anderen Besch\u00e4ftigtengruppen. Dies d\u00fcrfte ein wichtiger Grund des aktuellen Lehrkr\u00e4ftemangels sein\u201c, betont Frank Mu\u00dfmann, Leiter der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften an der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen \u2013 und Studienautor. \u201eUnsere Daten machen sichtbar, was viele seit Jahren sp\u00fcren: Viele Lehrkr\u00e4fte befinden sich in einer Gratifikationskrise, enormer Aufwand (effort) auf der einen und Wertsch\u00e4tzung (reward) auf der anderen Seite stehen in keinem guten Verh\u00e4ltnis zueinander. Ein Viertel der Lehrkr\u00e4fte weist Anzeichen einer depressiven Gef\u00e4hrdung auf.\u201c<\/p>\n<p>Genannte Ursachen f\u00fcr die Unzufriedenheit: Ung\u00fcnstigere Arbeitszeitlage, mehr emotionale Anforderungen, k\u00f6rperliche Anforderungen (L\u00e4rm), viel h\u00f6here Arbeitsintensit\u00e4t, wenige Gestaltungsm\u00f6glichkeiten, schlechtere F\u00fchrung und Betriebskultur. \u201eDies ist keine Berliner Besonderheit, sondern ein strukturelles Problem im deutschen Schulsystem\u201c, schreiben die Autoren. \u201eWer mit Lehrkr\u00e4ften \u00fcber ihre Arbeitsbedingungen spricht, wird sich kaum ermuntert f\u00fchlen, diesen Beruf zu w\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n<p>Kein Wunder: \u201e87 Prozent der Lehrkr\u00e4fte haben zu wenig Zeit f\u00fcr ihre privaten Interessen \u2013 dies ist mit erh\u00f6hten Gesundheitsrisiken verbunden\u201c, so hei\u00dft es in der Studie. \u201eDas Unterrichten selbst wird weniger belastend erlebt, es ist Bestandteil professionellen Handelns. Aber das Ausma\u00df der Aufgaben im Rahmen der Klassenleitung beansprucht stark. Der Umgang mit \u201aschwierigen\u2018 Sch\u00fcler*innen geh\u00f6rt zu den Top-Belastungen bei der Klassenleitung. Auch das Unterrichten von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern mit besonderem Unterst\u00fctzungsbedarf beansprucht unter den gegebenen Rahmenbedingungen stark.\u201c Ebenso die Erledigung von Inklusionsaufgaben und das Unterrichten von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen wird als sehr belastend erlebt. Auch Unklarheiten, Widerspr\u00fcche, organisatorische Unsicherheiten, Dokumentationsaufgaben und geb\u00e4udeinfrastrukturelle Unzul\u00e4nglichkeiten im Dienst rauben Nerven und Energie.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzliche Aufgaben wie die digitale Unterrichtsgestaltung oder die fortlaufende Lernstandsdokumentation haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen und f\u00fchren zunehmend zu einer dauerhaften \u00dcberlastung \u2013 meint Lydia Puschnerus, Leiterin des Vorstandsbereichs Schule der Berliner GEW. Hinzu k\u00e4men emotionale Belastungen durch Konflikte und respektloses Verhalten. \u201eUm die vielf\u00e4ltigen schulischen Aufgaben zu bew\u00e4ltigen und den Sch\u00fcler*innen besser gerecht werden zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen weitere Professionen verl\u00e4sslich hinzugezogen werden. Sie k\u00f6nnen dabei aber nicht die Lehrkr\u00e4fte ersetzen, sondern m\u00fcssen als zus\u00e4tzliche Regelausstattung bereitgestellt werden\u201c, sagt sie und warnt: \u201eMit der neuen Zumessung und den K\u00fcrzungen zum Beispiel im Bereich der Schulsozialarbeit passiert gerade das Gegenteil. Dies wird die Belastungen noch verst\u00e4rken.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDurch den Lehrkr\u00e4ftemangel sind viele Lehrkr\u00e4fte pers\u00f6nlich von einer unzul\u00e4nglichen Personalausstattung betroffen\u201c, so hei\u00dft es in der Studie. M\u00f6gliche L\u00f6sungen? \u201eDas gr\u00f6\u00dfte Potenzial wird beim Abgeben von Aufgaben an andere Berufsgruppen gesehen. Es folgen die intensive Kooperation mit Lehrkr\u00e4ften aus der eigenen Fachgruppe und der eigenen Schule. Au\u00dferdem die Zusammenarbeit mit anderen Fachkr\u00e4ften in Multiprofessionellen Teams.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBei der Information und Handhabung von Arbeitszeitregelungen k\u00f6nnte durch Transparenz und Planbarkeit noch viel Vertrauen gewonnen werden\u201c<\/p>\n<p>Dort, wo es diese gibt, werden die Wirkungen als \u00fcberaus positiv wahrgenommen. Die zeitliche Entlastung wird als substantiell hoch eingesch\u00e4tzt. \u201eEs gibt weitere Entlastungsma\u00dfnahmen auf Schulebene\u201c so hei\u00dft es im Bericht \u2013 die w\u00fcrden aber bestenfalls in nur jeder dritten Schule realisiert werden, n\u00e4mlich: Korrekturtage w\u00e4hrend der Abschlusspr\u00fcfungen, Betreuung der IT-Systeme durch IT-Fachkr\u00e4fte, Fachgruppenentscheidungen hinsichtlich Arbeitsentlastung, Unterricht in parallelen Klassen und Begrenzung der Klassengr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Weiteres Frustthema: die fehlende Arbeitszeiterfassung. Positiv formulieren die Autoren: \u201eBei der Information und Handhabung von Arbeitszeitregelungen k\u00f6nnte durch Transparenz und Planbarkeit noch viel Vertrauen gewonnen werden.\u201c Tats\u00e4chlich f\u00fchlen sich nur 18 Prozent der Lehrkr\u00e4fte \u00fcber die sie betreffenden Arbeitszeitregelungen ausreichend informiert. \u00dcber der H\u00e4lfte ist nicht transparent, ob sie Mehrarbeit geleistet haben oder sogenannte Minusstunden aufweisen. Nahezu die H\u00e4lfte wei\u00df nicht, in welchem Ma\u00dfe sie bei \u00dcbernahme einer zus\u00e4tzlichen Aufgabe eine Entlastung bekommen. Nur 10 Prozent der Lehrkr\u00e4fte haben den Eindruck, dass Aufgaben an ihrer Schule fair verteilt werden, 36 Prozent glauben das nicht.<\/p>\n<p>Ralf Sch\u00e4fer, Lehrkraft und Personalrat, kritisiert die Betriebs- und F\u00fchrungskultur an vielen Schulen. \u201eIn der chronischen Mangelsituation kommunizieren viele Schulleitungen Entscheidungen oft kurzfristig und intransparent. Die Kolleg*innen werden oft nicht in Entscheidungsprozesse einbezogen. Es braucht klare Strukturen und eine verl\u00e4ssliche F\u00fchrungskultur! Gute Arbeitsbedingungen d\u00fcrfen kein Zufallsprodukt sein. \u201c<\/p>\n<p>GEW-Landesvorsitzende Martina Regulin warnt: \u201eLehrkr\u00e4fte erleben eine starke Entgrenzung ihrer Arbeitszeit. Ohne verbindliche Erfassung werden sich Arbeitsverdichtung, Ersch\u00f6pfung und Berufsausstiege weiter zuspitzen.\u201c News4teachers<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gew-berlin.de\/index.php?eID=dumpFile&amp;t=f&amp;f=153785&amp;token=d635a8dd945cf650ff00c71bb202b778d5981f20&amp;sdownload=&amp;n=25-04-02-Berliner-Arbeitsbelastungsstudie-PK-final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Hier geht es zu einer Pr\u00e4sentation der vollst\u00e4ndigen Studienergebnisse.<\/strong> <\/a><\/p>\n<p>Im Wortlaut<\/p>\n<p><strong>Die Autoren der Studie geben im Wortlaut folgende Empfehlungen:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eBerlin braucht weitere Lehrkr\u00e4fte. Deshalb muss der Beruf so attraktiv werden, dass ihn aktive Lehrkr\u00e4fte auch weiterempfehlen k\u00f6nnen \u2013 im Moment tun dies nur 20 Prozent.<\/p>\n<p>Zentrale Herausforderungen sind zu viele Aufgaben, Arbeitsdruck, ung\u00fcnstige Arbeitszeiten und viele schulspezifische Herausforderungen (z.B. schwierige Sch\u00fcler*innen, Konflikte, gro\u00dfe diverse Klassen). Viele Lehrkr\u00e4fte haben Schwierigkeiten am sozialen Leben teilzuhaben (Work-Life-Balance). Das macht den Beruf unattraktiv.<\/p>\n<p>Es gibt umsetzbare Ideen zur Verbesserung der Attraktivit\u00e4t des Lehrberufes mit z.T. hohem Potenzial:<\/p>\n<ol>\n<li>Abgeben von Aufgaben an Schulassistenz-, Schulverwaltungsassistenz-Kr\u00e4fte oder IT-Fachkr\u00e4fte sowie eine Unterst\u00fctzung bei Aufsichten k\u00f6nnte die Wochenarbeitszeit substanziell verk\u00fcrzen und helfen, Mehrarbeit abzubauen.<\/li>\n<li>Multi-Professionelle Teams st\u00e4rken: Die verst\u00e4rkte Zusammenarbeit mit Sozialarbeiter*innen, Erzieher*innen und Schulassistenzen ist nicht nur bildungspolitisch klug \u2013 MPT k\u00f6nnen auch Lehrkr\u00e4fte entlasten.<\/li>\n<li>Schulorganisatorische Ma\u00dfnahmen mit Entlastungspotenzial: Das Unterrichten in parallelen Klassen oder Korrekturtage f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte bei Pr\u00fcfungsphasen sowie eine intensivere Zusammenarbeit unter Lehrkr\u00e4ften.<\/li>\n<li>Klassen verkleinern: Kleinere Klassen verbessern nicht nur die Unterrichtsqualit\u00e4t, sie reduzieren auch die Belastung der Lehrkr\u00e4fte.<\/li>\n<li>Digitale Unterst\u00fctzung nutzen: Durch Ausbau und gezielten Einsatz digitaler Plattformen k\u00f6nnten Vorbereitungszeiten reduziert und Kooperationsm\u00f6glichkeiten gest\u00e4rkt werden.<\/li>\n<li>Verbindliche Arbeitszeiterfassung: Lehrkr\u00e4fte begr\u00fc\u00dfen eine pragmatische Form der dauerhaften Arbeitszeiterfassung. Diese k\u00f6nnte helfen Arbeitszeit transparent zu machen, \u00dcberstunden sichtbar zu machen und zu begrenzen.\u201c <\/li>\n<\/ol>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"Ht68cjy7r2\">\n<p><a href=\"https:\/\/www.news4teachers.de\/2025\/03\/spd-antrag-arbeitszeit-von-lehrkraeften-zu-erfassen-scheitert-bildungsministerin-winkt-ab\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SPD-Antrag, Arbeitszeit von Lehrkr\u00e4ften zu erfassen, scheitert \u2013 Bildungsministerin winkt ab<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Anzeige<br \/>\n<a href=\"https:\/\/as.4teachers.de\/delivery\/ck.php?n=ae322035&amp;cb=6877676\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/avw\" border=\"0\" alt=\"\"\/><\/a><br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"BERLIN. Eine aktuelle Arbeitsbelastungsstudie der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen zeigt, dass nur noch 20 Prozent der Lehrkr\u00e4fte ihren Beruf weiterempfehlen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7577,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[6202,6203,13,6204,14,15,12,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-7576","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-arbeitszeiterfassung","9":"tag-gew","10":"tag-headlines","11":"tag-lehrkraefte","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-top-news","16":"tag-top-meldungen","17":"tag-topmeldungen","18":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114279548461377369","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7576","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7576"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7576\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7577"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7576"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7576"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7576"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}