{"id":757951,"date":"2026-01-30T08:08:12","date_gmt":"2026-01-30T08:08:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/757951\/"},"modified":"2026-01-30T08:08:12","modified_gmt":"2026-01-30T08:08:12","slug":"4k-heimkinotest-one-battle-after-another-mit-technischen-schwaechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/757951\/","title":{"rendered":"4K-Heimkinotest: One Battle After Another mit technischen Schw\u00e4chen"},"content":{"rendered":"<p>1971 stellte der Musiker Gil Scott-Heron in seinem Song \u201eThe Revolution will not be televised\u201c fest, dass ein politischer Umsturz nicht im Farbfernsehen \u00fcbertragen werde. 55 Jahre sp\u00e4ter sind es vielmehr die Kan\u00e4le auf Facebook und YouTube, die Bilder aus Minneapolis Tag f\u00fcr Tag aufs Smartphone spielen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Auch Hollywood greift die Zuspitzungen auf. Paul Thomas Andersons \u201eOne Battle After Another\u201c geht mit stolzen 13 Nominierungen als einer der Favoriten f\u00fcr die Oscar-Verleihungen am 16. M\u00e4rz 2026 ins Rennen. Doch hinter der gl\u00e4nzenden Fassade des Kritikerlieblings verbergen sich Ecken und Kanten, die das Publikum spalten und die Frage aufwerfen, ob Anderson hier ein Meisterwerk oder ein \u00fcberambitioniertes Konstrukt geschaffen hat.<\/p>\n<p>In Deutschland ist der Film seit Kurzem im Heimkino neben der Streaming-Fassung auch auf Blu-ray Disc und Ultra HD Blu-ray (UHD) erh\u00e4ltlich. Auf den folgenden Seiten beleuchten wir die Besonderheiten des Films und seine politische Wirkung sowie die technische Umsetzung von Bild und Ton. Spoiler: Warner hat leider bei der deutschen Tonspur gepatzt.<\/p>\n<p>Ein fragmentarischer Rausch<\/p>\n<p>Vom einstigen Wunderkind, das mit Boogie Nights und Magnolia das Erbe eines Robert Altman antrat, hat sich Paul Thomas Anderson zu einem der eigenwilligsten Architekten des modernen US-Kinos entwickelt. Basierend auf Thomas Pynchons komplexem Roman Vineland liefert er eine Tour de Force ab, die zwischen politischer Gegenwartsbeschreibung und absurder Groteske schwankt. Dazu \u00fcbernimmt er den k\u00f6rperlichen Stress, die Ersch\u00f6pfung und den Kontrollverlust der Romanvorlage aus den 1990ern und transplantiert sie in die Gegenwart. So legt er den Blick auf die damals wie heute wirksamen Machtachsen und Abh\u00e4ngigkeiten der politischen Lager frei.<\/p>\n<p>Bei der Entfaltung seiner 162 Minuten langen Vision l\u00e4sst sich Anderson jedoch Zeit und fordert seinem Publikum bereits in der ersten halben Stunde alles ab. \u00dcber diese Zeit rollt er die Geschichte in fragmentarischen R\u00fcckblicken auf, die den Zuschauer direkt in das Zentrum eines ideologischen Minenfelds werfen. Sie erfahren von den militanten Aktionen einer Aktivistengruppe und folgen der komplizierten Beziehung zwischen Ben (Leonardo DiCaprio) und Perfidia (Teyana Taylor), die immer wieder mit dem rassistischen Colonel Lockjaw (Sean Penn) kollidiert.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>      <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/imgs\/18\/5\/0\/1\/8\/3\/3\/3\/ONE_BATTLE_AFTER_ANOTHER.Title800.mkv_snapshot_00.16.46.288-275f2c3e550b8f32.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>  <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Perfidia\" height=\"1080\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 1920 \/ 1080; object-fit: cover;\" width=\"1920\"\/><\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>Perfidia (Teyana Taylor) in Pose: Paul Thomas Anderson \u00fcberzeichnet beide politischen Lager, links wie rechts.<\/p>\n<p class=\"a-caption__source\">\n      (Bild:\u00a0Warner)\n    <\/p>\n<p>Der Einstieg ist atemlos und verweigert sich jeder konventionellen Erz\u00e4hlstruktur. Es erfordert h\u00f6chste Aufmerksamkeit, den zeitlichen Spr\u00fcngen und teils unzusammenh\u00e4ngenden Informationsfetzen zu folgen, die das Drehbuch den Zuschauern vor die F\u00fc\u00dfe wirft. Diese Nervosit\u00e4t und Unvorhersehbarkeit durchziehen den ganzen Film. Das Skript l\u00e4sst einzelne Abschnitte nicht langsam ausklingen, sondern kippt die Handlung ohne lange Erkl\u00e4rungen in eine neue Konstellation. Diese Instabilit\u00e4t versetzt den Zuschauer permanent in Unruhe und zwingt ihn zur aktiven Rezeption.<\/p>\n<p>      <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/imgs\/18\/5\/0\/1\/8\/3\/3\/3\/lockjaw-a8754b886d6c19b8.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>  <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Sean Penn\" height=\"2907\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 5167 \/ 2907; object-fit: cover;\" width=\"5167\"\/><\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>Colonel Lockjaw (Sean Penn) ist von Perfidia so fasziniert, dass selbst sein bestes St\u00fcck in seiner Hose gegen den Rassismus in seinem Kopf rebelliert.<\/p>\n<p class=\"a-caption__source\">\n      (Bild:\u00a0Warner)\n    <\/p>\n<p>Die chaotische Flucht, die Anderson nach etwas \u00fcber einer Stunde als hypnotische Verfolgung fast als Oneshot inszeniert, geh\u00f6rt zu den besten Sequenzen, die das Kino im vergangenen Jahr zu bieten hatte. Regie, Schnitt und Schauspiel erzeugen zusammen mit dem Score eine unwiderstehliche Spannung. Jonny Greenwood von Radiohead untermalt die Hatz, indem er 25 Minuten (!) zu nerv\u00f6sen Jazz-Drums immer wieder auf dieselbe Klaviertaste h\u00e4mmert, w\u00e4hrend DiCaprio verzweifelt versucht, zum geheimen Treffpunkt zu kommen. Das Geklimper mag moderne Kunst sein, ging zumindest mir jedoch unfassbar auf die Nerven.<\/p>\n<p>Die Kameraarbeit von Michael Bauman, der auf das VistaVision-Verfahren setzte (mehr dazu sp\u00e4ter), verleiht dem Film eine visuelle Erhabenheit, die im krassen Gegensatz zum inhaltlichen Abgrund steht. Er f\u00e4ngt die weiten Landschaften Kaliforniens in Bildern ein, die eine enorme r\u00e4umliche Tiefe besitzen.<\/p>\n<p>      <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/imgs\/18\/5\/0\/1\/8\/3\/3\/3\/verfolgung-0c879f8721072161.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>  <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Verfolgung\" height=\"2844\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 5057 \/ 2844; object-fit: cover;\" width=\"5057\"\/><\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>Wer verfolgt hier wen? Die Jagd endet in einem furiosen Finale.<\/p>\n<p class=\"a-caption__source\">\n      (Bild:\u00a0Warner)\n    <\/p>\n<p>Die finale Verfolgungsjagd dreier Autos \u00fcber einen wellig verlaufenden Highway ist ein Musterbeispiel kinetischer Energie und visuellem Ideenreichtum. Anderson beweist in solchen Abschnitten, dass er ein Meister der Inszenierung ist; einer, der keine digitalen Tricks ben\u00f6tigt, um den Zuschauer in den Sitz zu dr\u00fccken.<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p><strong>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. 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