{"id":758297,"date":"2026-01-30T11:14:14","date_gmt":"2026-01-30T11:14:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/758297\/"},"modified":"2026-01-30T11:14:14","modified_gmt":"2026-01-30T11:14:14","slug":"wuppertaler-kirchenkolumne-die-kunst-des-wartens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/758297\/","title":{"rendered":"Wuppertaler Kirchenkolumne: Die Kunst des Wartens"},"content":{"rendered":"<p class=\"initial richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wo Nachrichten fr\u00fcher per Bote \u00fcberbracht werden mussten, erreichen E-Mails und Messengernachrichten in Lichtgeschwindigkeit das andere Ende der Welt. Vieles wird einfacher. Scheinbar jedenfalls. Denn manchmal kommt der Mensch nicht mehr hinterher.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Entwicklung schreitet rasant voran. Vor nicht allzu langer Zeit eroberten die sogenannten sozialen Medien die Heime und Hirne. Der Mensch als analoges Wesen ist ihnen noch ausgeliefert, denn in der analogen Welt galten entweder Regeln des sozialen Anstandes. Man wusste, dass es oft besser ist zu schweigen, um als weise zu gelten. Auch bedurfte es eines gewissen Aufwandes, einer nicht anwesenden Person einmal so richtig die Meinung zu sagen. Man schrieb Briefe, die man \u2013 seien sie handgeschrieben oder ausgedruckt \u2013 zeitaufwendig zu Papier brachte, das man kuvertieren musste. Auf das Kuvert musste man die eine Adresse schreiben &#8211; eine (!), denn Massennachrichten waren teuer, schlie\u00dflich kostete der Versand Geld. Die Nachrichten waren etwas wert. Dann brachte man sie zur Post. Alles in allem ein Prozess der Zeit beanspruchte und viele M\u00f6glichkeiten zum Umdenken bot. Heute ist die eigene Befindlichkeit schnell in die Kommentarspalten und Messenger getippt und per Klick einer gesichtslosen Masse \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht. Nachgedacht wird nur noch selten. Rausgehauen schon viel mehr. Was glauben Sie denn?<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Logarithmus belohnt solches Verhalten, denn die Anbieter der Plattformen sind nicht wirklich an einem lebendigen und konstruktiven Diskurs interessiert. Der Mensch ist von alters her ein zutiefst emp\u00f6rungsf\u00e4higes Wesen. Das hat ihm in fr\u00fcheren Zeiten das \u00dcberleben gesichert. Die Gefahr f\u00fcr Leib und Leben lauerte immer und \u00fcberall. Wer \u00fcberleben wollte, musste wachsam sein, stets flucht- oder kampfbereit. Abzuwarten war keine gute Variante. Wer stehen blieb und nachdachte, wurde gefressen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Diese existenzielle Urerfahrung ist in den nat\u00fcrlichen Reflexen des Menschen immer noch vorhanden. Die sogenannten sozialen Medien und die neuen digitalen M\u00f6glichkeiten bieten die Gelegenheit zu unmittelbarer Reaktion. Da Geschrei in fr\u00fcheren Zeiten ebenfalls dem \u00dcberleben der Sippe diente, weil es andere warnte, reagiert der moderne Mensch eben immer noch nach jenen bew\u00e4hrten Mustern der Altvorderen, die immer noch in seinen Genen sitzen. Die Konzerne, die die digitalen Plattformen, die sogenannten sozialen Medien, aber auch neuerdings die sogenannte \u201ek\u00fcnstliche Intelligenz\u201c betreiben, wissen das. Sie wollen vor allem Geld verdienen, Geld mit Werbung. Geklickt wird, was emp\u00f6rt. Deshalb z\u00e4hlt ein \u201eGef\u00e4llt mir nicht\u201c f\u00fcnfmal mehr als ein \u201eGef\u00e4llt mir\u201c. Deshalb wird das Feuer der digitalen Emp\u00f6rung immer neu angefacht. Nur nachgedacht wird immer weniger. Die sogenannte \u201ek\u00fcnstliche Intelligenz\u201c verst\u00e4rkt das. Dabei basiert sie nur auf statistischen Wahrscheinlichkeiten und dem, was im Internet zu finden ist. Sie kann nicht zwischen wahr und falsch unterscheiden. Deshalb muss man die Ergebnisse, die sie liefert, selbst aufwendig pr\u00fcfen \u2013 und das kann man nur, wenn man in der analogen Welt schon zeitintensiv gelernt hat, was man durch die \u201ek\u00fcnstliche Intelligenz\u201c an Zeit zu sparen glaubt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Am 2. Februar feiert die Christenheit das Fest der Darstellung des Herrn. An diesem Fest wird aus dem Lukasevangelium vom greisen Simeon erz\u00e4hlt. Von ihm hei\u00dft es, dass er gerecht war und auf den Trost Israels wartete. Er wartete. Er wartete im Tempel zu Jerusalem. Keiner wei\u00df, wie lang. Und dann kommen Maria, Joseph mit dem neugeborenen Jesus in den Tempel, um ihn als Erstgeborenen dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zu weihen. Als er sie sieht, geht Simeon ein Licht auf. Er singt: \u201eNun l\u00e4sst du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.\u2002Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen V\u00f6lkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit f\u00fcr dein Volk Israel.\u201c (Lk 2,29-31)<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Erst im Warten leuchtet die Wahrheit auf. Das Warten ist der Erzfeind triebhafter Emp\u00f6rung. Wenn man sich die Welt der Gegenwart anschaut, scheint es wieder an der Zeit, die Kunst des Wartens zu lernen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wo Nachrichten fr\u00fcher per Bote \u00fcberbracht werden mussten, erreichen E-Mails und Messengernachrichten in Lichtgeschwindigkeit das andere Ende der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":758298,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1840],"tags":[172882,172880,172879,45289,3364,29,30,2075,62,21724,34099,1209,18969,21997,13598,4418,172881],"class_list":["post-758297","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-wuppertal","tag-abzuwarten","tag-analogen","tag-analoges","tag-anwesenden","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-kunst","tag-medien","tag-mensch","tag-moeglichkeiten","tag-nordrhein-westfalen","tag-sozialen","tag-warten","tag-wesen","tag-wuppertal","tag-zutiefst"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115983762498594420","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/758297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=758297"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/758297\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/758298"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=758297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=758297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=758297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}