{"id":759666,"date":"2026-01-31T00:00:28","date_gmt":"2026-01-31T00:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/759666\/"},"modified":"2026-01-31T00:00:28","modified_gmt":"2026-01-31T00:00:28","slug":"dresden-stadtrat-gibt-foerdermittel-fuer-holocaust-gedenkort-frei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/759666\/","title":{"rendered":"Dresden: Stadtrat gibt F\u00f6rdermittel f\u00fcr Holocaust-Gedenkort frei"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>Der Alte Leipziger Bahnhof in Dresden soll ein <a href=\"#verkehren\">Gedenkort<\/a> werden.<\/li>\n<li>Das Konzept umfasst eine <a href=\"#Gedenkort\">Shoah-Gedenkst\u00e4tte<\/a>, ein NS-Dokumentationszentrum und eine Begegnungsst\u00e4tte.<\/li>\n<li>Das vorliegende Konzept daf\u00fcr muss \u00fcberarbeitet und weiterentwickelt werden, entsprechende F\u00f6rdermittel bewilligte am Donnerstag der Dresdner Stadtrat. <\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"text\">\nNach heftigen Diskussionen hat der Dresdner Stadtrat am Donnerstag mit einer knappen Mehrheit von 36 zu 35 Stimmen entschieden, dem Verein F\u00f6rderkreis Leipziger Bahnhof eine Projektf\u00f6rderung in H\u00f6he von 100.000 Euro zur Verf\u00fcgung stellen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas Geld soll erm\u00f6glichen, das bisherige Konzept f\u00fcr einen NS-Gedenkort im Alten Leipziger Bahnhof weiter zu entwickeln. Dabei werden 75.000 Euro sofort bereitgestellt, weitere 25.000 Euro folgen im vierten Quartal, wenn der Verein eine \u00fcberzeugende Strategie \u00fcber seine weitere Bildungs- und Gedenkarbeit vorgelegt hat.\n<\/p>\n<p>Erleichterung trotz Uneinigkeit im Stadtrat Dresden<\/p>\n<p class=\"text\">\nRita Kuhnert vom Gedenkort Alter Leipziger Bahnhof e. V. zeigte sich erleichtert. Sie sagte MDR KULTUR, es sei sch\u00f6n, dass die Stadtr\u00e4tinnen und Stadtr\u00e4te eine gemeinsame L\u00f6sung gefunden h\u00e4tten. Auch wenn die nun anders aussehe, als man sich das vorgestellt habe: Es sei immerhin eine Grundlage: &#8222;Es geht um Forschungen, es geht um p\u00e4dagogische Konzepte im Bereich Kinder- und Jugendbildung, was wichtig ist.&#8220; Auch aktuelle Ausstellungen k\u00f6nnten jetzt weiter finanziert werden, so Kuhnert: &#8222;Und auch nat\u00fcrlich der Kontakt zu Nachfahren von \u00dcberlebenden, die ja nun weltweit verstreut sind, die uns eben auch sehr am Herzen liegen.&#8220;\n<\/p>\n<p>Alter Leipziger Bahnhof: Ort mit dunkler Geschichte<\/p>\n<p class=\"text\">\nVom Alten Leipziger Bahnhof fuhren ab 1942 die Deportationsz\u00fcge Richtung Osten in die Vernichtungslager. Einen solchen Zug sollte im Februar 1945 auch die damals neunj\u00e4hrige <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/chemnitz\/annaberg-aue-schwarzenberg\/holocaust-shoa-gedenken-zeitzeugin-ueberlebende-bombardierung-dresden-100.html\" title=\"Holocaust-\u00dcberlebende Renate Aris: &quot;Ich habe Angst, dass vieles untergeht&quot;\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Renate Aris<\/a> besteigen. Durch die <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/zweiter-weltkrieg\/verlauf\/mythos-dresden-bombennacht-zerstoerung-100.html\" title=\"Mythos Dresden: Der lange Schatten einer Bombennacht\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bombardierung der Stadt<\/a> kam es anders. <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/mitteldeutschland\/orte\/dresden\/bombardierung-dresden-frauenklinik-entbindung-100.html\" title=\"Die Bombennacht: Zwei Dresdnerinnen erinnern sich\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Das Brand-Inferno<\/a> habe ihr das Leben gerettet, so Aris. W\u00e4re der Alte Leipziger Bahnhof nicht zerst\u00f6rt gewesen: &#8222;Ich w\u00e4re von dort aus nach Theresienstadt gekommen.&#8220;\n<\/p>\n<p>\u00dcberlebende des Holocaust setzt sich f\u00fcr Gedenkort ein<\/p>\n<p class=\"text\">\nInsofern ist es nur allzu begreiflich, dass sich die 90-J\u00e4hrige f\u00fcr einen Gedenkort an dieser Stelle engagiert. Angesichts der Situation, dass es mit den Pl\u00e4nen nur schleppend vorw\u00e4rts geht, gibt sich Renate Aris \u2013 die letzte <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/digitale-zeitzeugen-holocaustueberlende-dnb-kultur-news-100.html\" title=\"Deutsche Nationalbibliothek: KI macht Fragen an Schoa-\u00dcberlebende m\u00f6glich\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Holocaust\u00fcberlebende<\/a> im Raum Dresden, Chemnitz und G\u00f6rlitz \u2013 k\u00e4mpferischer denn je.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Wenn es uns nicht mehr gibt, dann legt sich jeder die Geschichte zurecht, wie er will.<\/p>\n<p>Renate Aris, Holocaust\u00fcberlebende<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nEs sei eine Verantwortung gegen\u00fcber allen Ermordeten: &#8222;Wenn es uns nicht mehr gibt, dann legt sich jeder die Geschichte zurecht, wie er will&#8220;, betont sie. Deshalb sei ein Ort wichtig, an dem die leidvolle Geschichte erfahrbar und erlebbar gemacht wird.\n<\/p>\n<p>Engagement gegen Antisemitismus nicht nur an Gedenktagen<\/p>\n<p class=\"text\">\nEiner von Aris&#8216; Mitstreitern vom F\u00f6rderverein ist <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/leipziger-bahnhof-dresden-finanzierung100.html\" title=\"Gedenkort Alter Leipziger Bahnhof Dresden Andr\u00e9 Lang - Kritik\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Andr\u00e9 Lang<\/a>. Er wurde 1946 in Manchester im Exil geboren und kam dann mit seinen Eltern nach Dresden, zur\u00fcck in die einstige Heimat. Er findet, erinnerungspolitische Arbeit sollte das ganze Jahr \u00fcber stattfinden, nicht nur an ausgew\u00e4hlten Tagen.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Erinnerungskultur ist, so habe ich das Gef\u00fchl, in unserer Stadt immer nur an bestimmte Tage gebunden.<\/p>\n<p>Andr\u00e9 Lang, F\u00f6rderverein Alter Leipziger Bahnhof<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Die gegenw\u00e4rtige Entwicklung, der <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/dresden\/dresden-radebeul\/bombardierung-rechtsextremisten-polizei-demo-ermittlungen-100.html\" title=\"Demos in Dresden: Gro\u00dfeinsatz der Polizei wegen Aufmarsch von Rechtsextremisten\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zunehmende Rechtsextremismus<\/a> und bestimmte Formen des Antisemitismus, die verlangen von uns, dass wir aus dem Erinnern heraus L\u00f6sungen schaffen und auch darstellen, dass sich so etwas nie wiederholt&#8220;, so Lang. Er hat das Gef\u00fchl, dass die Erinnerungskultur in Dresden nur an bestimmte Tage gebunden ist.\n<\/p>\n<p>Finanzierung des neuen Dresdner <a name=\"Gedenkort\">Gedenkort<\/a>es ist noch nicht gesichert<\/p>\n<p class=\"text\">\nWas Andr\u00e9 Lang und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern vom F\u00f6rderkreis vorschwebt, ist nicht nur eine <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/sachsen-ns-zweiter-weltkrieg-gedenkstaetten-108.html\" title=\"Gedenkst\u00e4tten in Sachsen: Wo heute an die Opfer des NS erinnert wird\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Shoah-Gedenkst\u00e4tte<\/a>, sondern gleicherma\u00dfen ein Dokumentationszentrum, das NS-Geschichte aufarbeitet, aber auch Zeugnisse j\u00fcdischen Lebens in Dresden versammelt, und eine Begegnungsst\u00e4tte.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDaf\u00fcr wurde seitens des Vereins ein <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/dresden\/dresden-radebeul\/juedisches-museum-fuer-dresden-100.html\" title=\"Ideen f\u00fcr ein j\u00fcdisches Museum in Dresden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ambitioniertes Konzept <\/a>erarbeitet und im M\u00e4rz 2025 vorgelegt. Seitdem stagnierte die Arbeit daran, denn die vorgesehenen und im Haushalt daf\u00fcr eingeplanten Gelder wurden bisher vom Stadtrat nicht bewilligt. 100.000 Euro f\u00fcr 2025 sind somit bereits verfallen. Die F\u00f6rderung f\u00fcr 2026 wurde k\u00fcrzlich im Kulturausschuss erneut abgelehnt. Mit dem Beschluss des Stadtrates kann die Arbeit jetzt aber endlich fortgesetzt werden, zumindest in diesem Jahr.\n<\/p>\n<p>Wer zahlt: Stadt Dresden oder Freistaat Sachsen?<\/p>\n<p class=\"text\">\nKulturb\u00fcrgermeisterin Annekatrin <a name=\"Klepsch\">Klepsch<\/a> versteht das Z\u00f6gern in der Kommunalpolitik. Sie bezieht sich damit unter anderem auf die 1,5 Millionen Euro, die der Betrieb des Gedenkortes laut Konzeption j\u00e4hrlich kosten w\u00fcrde, sollte die Empfangshalle einmal saniert sein.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Man muss vielleicht betonen, dass das Konzept ein Diskussionsangebot ist&#8220;, erkl\u00e4rte Klepsch. Man lebe in finanziell angespannten Zeiten. Umso wichtiger sei es, im Dialog zu bleiben. Sie sieht dabei auch den Freistaat Sachsen in der Rolle, Dresden bei diesem Vorhaben zu unterst\u00fctzen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDass der Alte Leipziger Bahnhof als <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/thueringen\/mitte-thueringen\/erfurt\/erinnerung-virtuell-topf-soehne-zeitzeugen-kultur-news-100.html\" title=\"Erfurt: Neue Dauerausstellung im Erinnerungsort &quot;Topf &amp; S\u00f6hne&quot; setzt auf Digitales\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">authentischer Gedenkort<\/a> sowohl eine landes- als auch bundeweite Bedeutung hat, unterstreicht auch der Dresdner Landtagsabgeordnete Albrecht Pallas (SPD), der das Projekt unterst\u00fctzt. Er appellierte im Vorfeld der Stadtratssitzung an alle demokratischen Fraktionen, die Mittel freizugeben: &#8222;Es gibt nicht viele Orte, die so authentisch f\u00fcr den Holocaust, f\u00fcr die Shoah stehen wie der Leipziger Bahnhof.&#8220; Insofern ist der Beschluss vom Donnerstag gleichzeitig auch als Signal an den Freistaat zu verstehen, sich k\u00fcnftig in dem Prozess mit zu engagieren.\n<\/p>\n<p>Ankauf des Alten Leipziger Bahnhofs bisher ergebnislos<\/p>\n<p class=\"text\">\nAbgesehen von den Kosten sind auch die nach wie vor ungekl\u00e4rten Eigentumsverh\u00e4ltnisse ein Problem. Damit argumentierten unter anderem die Stadtr\u00e4te der CDU gegen eine Freigabe der F\u00f6rdermittel an der Verein.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nOberb\u00fcrgermeister Dirk Hilbert ist beauftragt worden, mit dem Eigent\u00fcmer, der Globus Holding, \u00fcber einen Ankauf des Areals zu verhandeln \u2013 nach wie vor ergebnislos. Seitens der Stadt wird schriftlich mitgeteilt: &#8222;Die Gespr\u00e4che der Landeshauptstadt mit dem Eigent\u00fcmer zum Erwerb der zuk\u00fcnftig als Gemeinbedarfsfl\u00e4che gewidmeten Grundst\u00fccksteile dauern an.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nF\u00fcr die 90-j\u00e4hrige Renate Aris ist Abwarten aber keine Option, denn sie will die Er\u00f6ffnung der Gedenkst\u00e4tte noch erleben: &#8222;Nat\u00fcrlich will ich da mit dabei sein, aber da muss ich ja noch zehn Jahre drauflegen. Ich hoffe, es ist eher!&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nQuellen: MDR KULTUR (Grit Krause), Verein Gedenkort Alter Leipziger Bahnhof, Stadt Dresden, S\u00e4chsische Zeitung,<br \/>Redaktionelle Bearbeitung: jb, vp, lm, tis, gk, hki<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Alte Leipziger Bahnhof in Dresden soll ein Gedenkort werden. 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