{"id":760867,"date":"2026-01-31T11:19:11","date_gmt":"2026-01-31T11:19:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/760867\/"},"modified":"2026-01-31T11:19:11","modified_gmt":"2026-01-31T11:19:11","slug":"der-rote-punkt-auf-dem-preisschild-die-fotonews-der-woche-4-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/760867\/","title":{"rendered":"Der rote Punkt auf dem Preisschild \u2013 Die Fotonews der Woche 4\/2026"},"content":{"rendered":"<ol class=\"a-toc__list\">\n<li class=\"a-toc__item&#10;          &#10;            a-toc__item--counter&#10;          &#10;            a-toc__item--current\">\n<p>              Der rote Punkt auf dem Preisschild \u2013 Die Fotonews der Woche 4\/2026<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>    close notice<\/p>\n<p class=\"notice-banner__text a-u-mb-0\">\n      This article is also available in<br \/>\n        <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/en\/news\/The-red-dot-on-the-price-tag-This-week-s-photo-news-11161105.html\" class=\"notice-banner__link a-u-inline-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">English<\/a>.<\/p>\n<p>      It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.\n    <\/p>\n<p class=\"notice-banner__link a-u-mb-0\">\n    Don\u2019t show this again.\n<\/p>\n<p>Halten Sie sich fest, denn die Nachricht hat es in sich: Die Leica Camera AG, der heilige Gral der deutschen Ingenieurskunst und f\u00fcr viele der Inbegriff der Fotografie, k\u00f6nnte bald einen neuen Mehrheitseigner haben. Der Finanzinvestor Blackstone, der derzeit 45 Prozent der Anteile h\u00e4lt, <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2026-01-23\/blackstone-backed-leica-camera-weighs-1-billion-sale\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">pr\u00fcft Berichten zufolge<\/a> einen Verkauf seines Pakets. Der gesch\u00e4tzte Wert f\u00fcr diese Anteile? Schlappe 1,2 Milliarden US-Dollar.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Das Titelbild der Ausgabe 01 2026 des Foto-Magazins c't Fotografie\" height=\"3534\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 2499 \/ 3534; object-fit: cover;\" width=\"2499\"\/><\/p>\n<p>Bevor jetzt aber alle Leica-J\u00fcnger in kollektive Ohnmacht fallen: Das ist kein Notverkauf. Im Gegenteil. Leica geht es blendend, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Leica-feiert-viertes-Rekordjahr-mit-596-Millionen-Euro-Umsatz-10679096.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Ums\u00e4tze sind auf Rekordniveau<\/a>. Blackstone ist ein Investor, und Investoren tun, was Investoren eben tun: kaufen, den Wert steigern und dann mit Gewinn wieder verkaufen. Das ist ungef\u00e4hr so \u00fcberraschend wie die Tatsache, dass Wasser nass ist. Blackstone stieg 2011 ein, und nach \u00fcber einem Jahrzehnt ist es aus reiner Finanzsicht einfach an der Zeit, Kasse zu machen.<\/p>\n<p>Viel wichtiger f\u00fcr die Seele der Marke: Die Familie Kaufmann, Nachfahren des Gr\u00fcnders, die einen wesentlichen Anteil an Leica h\u00e4lt, bleibt an Bord. Das ist die eigentliche Beruhigungspille f\u00fcr alle, die f\u00fcrchten, Leica k\u00f6nnte pl\u00f6tzlich anfangen, g\u00fcnstige Plastikkameras mit Einhorn-Aufklebern zu produzieren. Die H\u00fcter des Erbes bleiben also am Ruder, was f\u00fcr Kontinuit\u00e4t und die Wahrung der Markenidentit\u00e4t spricht.<\/p>\n<p><strong>Wer kauft ein St\u00fcck vom Mythos?<\/strong><\/p>\n<p>Jetzt schie\u00dfen die Spekulationen nat\u00fcrlich ins Kraut, und das ist der unterhaltsame Teil. Wer legt \u00fcber eine Milliarde Dollar f\u00fcr einen Kamerahersteller auf den Tisch, dessen Produkte f\u00fcr Normalsterbliche oft so erreichbar sind wie ein Wochenendhaus auf dem Mars?<\/p>\n<ul class=\"rte__list rte__list--unordered\">\n<li><strong>Ein Luxuskonzern?<\/strong> Man stelle sich vor, LVMH oder Kering schnappen zu. Bald g\u00e4be es dann vielleicht die \u201eLouis Vuitton Monogram M12\u201c oder eine \u201eGucci Edition\u201c mit dem typischen gr\u00fcn-roten Streifen am Kameragurt. Klingt absurd? Vielleicht. Aber Leica ist l\u00e4ngst mehr als nur eine Kamera, es ist ein Luxus-Accessoire, ein Statement.<\/li>\n<li><strong>Ein Tech-Gigant?<\/strong> Die Vorstellung, dass Apple sich Leica einverleibt, um das iPhone-Kameramodul endlich mit \u201eDesigned by Leica in Wetzlar\u201c labeln zu k\u00f6nnen, hat einen gewissen Reiz, ist aber wohl eher Stoff f\u00fcr feuchte Tech-Tr\u00e4ume.<\/li>\n<li><strong>Ein anderer Kamerahersteller?<\/strong> Extrem unwahrscheinlich. Canon, Sony oder Nikon werden sich h\u00fcten, eine derart eigenst\u00e4ndige und hochpreisige Marke zu kannibalisieren. Das w\u00e4re, als w\u00fcrde Ferrari versuchen, Rolls-Royce zu schlucken \u2013 zwei v\u00f6llig unterschiedliche Philosophien.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Am wahrscheinlichsten ist, dass ein anderer, langfristig orientierter Investor oder ein sogenannter \u201eFamily Office\u201c Fonds einsteigt, der den Wert der Marke versteht und ihn pflegen will. F\u00fcr uns Fotografen wird sich kurzfristig also vermutlich wenig \u00e4ndern. Die Preise werden nicht pl\u00f6tzlich purzeln und eine \u201eVolks-Leica\u201c f\u00fcr 500 Euro wird ein Traum bleiben. Aber die Diskussion allein zeigt, welche enorme Strahlkraft dieser kleine rote Punkt auch im Jahr 2026 noch besitzt.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>        c&#8217;t Fotografie Zoom In abonnierenc&#8217;t Fotografie Zoom In abonnieren<\/p>\n<p class=\"text-base\">Ihr Newsletter mit exklusiven Foto-Tipps, spannenden News, Profi-Einblicken und Inspirationen \u2013 jeden Samstag neu.<\/p>\n<p>E-Mail-Adresse<\/p>\n<p id=\"input-email-help\" class=\"text-sm leading-5 text-gray-400 mb-0\">Ausf\u00fchrliche Informationen zum Versandverfahren und zu Ihren Widerrufsm\u00f6glichkeiten erhalten Sie in unserer <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html#datenschutz-newsletter\" data-google-interstitial=\"false\" class=\"underline\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a>.<\/p>\n<p><strong>KI, Kunst und kalte Fakten \u2013 Der Kampf um die Wahrheit in der Fotografie<\/strong><\/p>\n<p>Ein K\u00fcnstler erkl\u00e4rt die Wahrheit in der Fotografie f\u00fcr beendet, und die alten Hasen des Journalismus laden ihre Argumente durch. Die KI zwingt uns, \u00fcber das Wesen der Fotografie und unserer Bilder neu nachzudenken.<\/p>\n<p>Hand aufs Herz, liebe Leserinnen und Leser, wann haben Sie das letzte Mal ein Bild gesehen und ohne den geringsten Zweifel gedacht: \u201eJa, genau so war das\u201c? Wenn es nach dem Konzeptk\u00fcnstler Phillip Toledano geht, sollten wir uns von diesem Gedanken am besten ganz verabschieden. In einem viel beachteten <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/opinions\/interactive\/2026\/ai-photo-art-misinformation-conspiracy-theory\/\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Meinungsbeitrag f\u00fcr die Washington Post<\/a> proklamiert er kurzerhand das Ende der \u201eFotografie als Wahrheit\u201c. Nach 150 Jahren, in denen die Kamera als eine Art Realit\u00e4ts-Zertifikat galt, sei diese \u00c4ra nun vorbei. Wir lebten jetzt im Zeitalter des \u201ehistorischen Surrealismus\u201c. Eine philosophische Befreiung, meint er.<\/p>\n<p>Als erfahrener Technik- und Fotografie-Journalist zuckt man da erst mal mit den Schultern. Bildmanipulation? Gab es schon, als man noch mit Chemikalien in Dunkelkammern panschte, die heute als Sonderm\u00fcll gelten w\u00fcrden. Aber Toledanos Argumentation, befeuert durch die schier unendlichen M\u00f6glichkeiten generativer KI, hat eine neue, beunruhigende Qualit\u00e4t. Er schl\u00e4gt vor, dass wir uns einfach damit abfinden. Die Wahrheit sei eben nicht mehr universell, sondern lokal und verhandelbar. Eine interessante Provokation f\u00fcr die Kunstwelt, aber f\u00fcr jeden, der Wert auf visuelle und foto-journalistische Beweise legt, klingt das wie eine Kapitulationserkl\u00e4rung.<\/p>\n<p><strong>Die Gegenwehr der alten Garde<\/strong><\/p>\n<p>Wenig \u00fcberraschend lie\u00df der Widerspruch nicht lange auf sich warten. Mickey H. Osterreicher, seines Zeichens Justiziar der National Press Photographers Association (NPPA), <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/opinions\/2026\/01\/28\/minnesota-ice-unrest-reader-reaction\/\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">feuerte in einem Leserbrief an die gleiche Zeitung zur\u00fcck<\/a>. Seine Botschaft ist unmissverst\u00e4ndlich: Von wegen \u201ephilosophische Befreiung\u201c! Die Glaubw\u00fcrdigkeit von Fotos basiere auf professionellen Normen, Transparenz und Konsequenzen. Sie seien Beweismittel vor Gericht, in Redaktionen und im \u00f6ffentlichen Diskurs. Osterreicher warnt davor, dieses Fundament einfach aufzugeben. F\u00fcr den Journalismus, so schlie\u00dft er scharf, sei \u201eBedeutung ohne Glaubw\u00fcrdigkeit nicht Befreiung. Es ist Kapitulation.\u201c Bumm. Das hat gesessen.<\/p>\n<p>Noch deutlicher wird der preisgekr\u00f6nte Fotojournalist Brian Palmer, der mehr Konflikte und Krisenherde durch seine Linse gesehen hat, als den meisten von uns lieb ist. Er nennt Toledanos Geschichtsdeutung schlicht \u201earmselig\u201c. Wahrheit, die durch Untersuchung und Beweise gefunden wird, habe Gesellschaften gedient. \u201eWahrheit\u201c, die durch die Leugnung der Realit\u00e4t erzwungen wird, zerst\u00f6re sie. Sein entscheidender Punkt: Wir Fotojournalisten sind f\u00fcr unsere Arbeit verantwortlich. Wir sind vor Ort. Eine generative KI ist es nicht. Sie ist eine \u201eundurchsichtige, digitale Black Box\u201c, die aus Befehlen und Daten hyperreale Fiktionen bastelt.<\/p>\n<p><strong>Aufgeben ist keine Option<\/strong><\/p>\n<p>Und hier, liebe Leserinnen und Leser, liegt der Kern des Problems. Es ist verlockend, im Angesicht der KI-Bilderflut die Flinte ins Korn zu werfen. Aber was w\u00e4re die Konsequenz? Wenn wir nicht mehr glauben, was wir sehen, wer profitiert davon? Sicher nicht die \u00d6ffentlichkeit, die auf verl\u00e4ssliche Informationen angewiesen ist. Es profitieren diejenigen, die schon immer ein Interesse daran hatten, die Realit\u00e4t zu verbiegen, Fakten zu leugnen und ihre eigene \u201eWahrheit\u201c durchzusetzen.<\/p>\n<p>Die Antwort kann also nicht sein, die Fotografie als Wahrheitsmedium abzuschreiben. Im Gegenteil: Wir m\u00fcssen unsere Gehirnzellen f\u00fcr kritisches Denken trainieren. Wir brauchen dringend Standards f\u00fcr die Kennzeichnung von Bildern, f\u00fcr die Nachverfolgung ihrer Herkunft und eine noch gr\u00f6\u00dfere Rechenschaftspflicht f\u00fcr diejenigen, die sie erstellen und verbreiten. Die KI macht die Fotografie nicht machtlos, sie zwingt uns lediglich, genauer hinzusehen, zu hinterfragen und zu verifizieren. Alles aufzugeben, w\u00e4re nicht nur verantwortungslos, es w\u00e4re ein Geschenk an die Falschen.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:tho@heise.de\" title=\"Thomas Hoffmann\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">tho<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p><strong>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. 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