{"id":760918,"date":"2026-01-31T11:50:10","date_gmt":"2026-01-31T11:50:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/760918\/"},"modified":"2026-01-31T11:50:10","modified_gmt":"2026-01-31T11:50:10","slug":"postfaktisches-aus-dem-wuppertaler-rat-wenn-zahlen-stoeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/760918\/","title":{"rendered":"\u201ePostfaktisches aus dem Wuppertaler Rat \u2013 wenn Zahlen st\u00f6ren\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wuppertal ist vieles: gebeutelt von strukturellen Problemen, belastet durch einen Haushalt, der es Gestaltern seit Jahren schwer macht, unter Wert verkauft. Und doch gibt es eine Kraft, die dieser Stadt immer wieder W\u00fcrde, Ausstrahlung und Anerkennung weit \u00fcber ihre Grenzen hinaus verschafft: ihre Kultur.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gerade weil wir wissen, wie schnell negative Schlagzeilen \u00fcber Schulden und Stillstand das Bild einer Stadt pr\u00e4gen, ist die kulturelle Reputation Wuppertals kein \u201eNice-to-have\u201c, sondern ein kostbares Gegengewicht \u2013 erarbeitet durch K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler, Institutionen, ehrenamtlich Engagierte, Sponsoren und M\u00e4zene. Und ja: auch durch im Gro\u00dfen und Ganzen verl\u00e4ssliche kulturpolitische Rahmenbedingungen. Umso fassungsloser macht nun der Vorgang rund um die Nicht-Wiederwahl des langj\u00e4hrigen Kulturdezernenten im Rat der Stadt Wuppertal. Keine Frage, demokratische Abstimmungen als solche sind mit Haltung zu akzeptieren \u2013 Wahlen sind Wahlen, und selbstverst\u00e4ndlich kann man auch abgew\u00e4hlt werden. Doch mit dieser Wahl wurde (leider erneut) etwas anderes sichtbar: ein St\u00fcck politische Unkultur, das weit \u00fcber eine Personalentscheidung hinausreicht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im Vorfeld wurde dem Dezernenten von den beiden kooperierenden Parteien CDU und SPD noch signalisiert, man wolle ihm eine weitere Amtszeit erm\u00f6glichen. Ein wichtiges, wohl wahrgenommenes Signal auch in das kulturelle \u00d6kosystem dieser Stadt hinein. Und dann fehlte am Ende eine zweistellige Zahl an Stimmen. Doch noch gravierender ist, was danach geschah: Beide Parteien erkl\u00e4rten, ihre Ratsmitglieder h\u00e4tten den Kandidaten geschlossen gew\u00e4hlt. Das hie\u00dfe dann: 24+18=31? Man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass die \u00d6ffentlichkeit hier schlicht auf den Arm genommen wird.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Da setzt ein nicht unbetr\u00e4chtlicher Teil der hiesigen Abgeordneten seine Glaubw\u00fcrdigkeit aufs Spiel und besch\u00e4digt das ohnehin schon schwer belastete Grundvertrauen in Politik als ernstzunehmende Instanz erheblich. Hier liegt f\u00fcr mich der eigentliche Skandal: Wer Verantwortung tr\u00e4gt, darf nicht die Wahrheit vernebeln, sondern muss den Mut haben, einmal Geschehenes zu erkl\u00e4ren \u2013 und zwar so, dass B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger es nachvollziehen k\u00f6nnen. Fehlt das n\u00f6tige R\u00fcckgrat, f\u00f6rdert dies den schon \u00fcblichen Zynismus nach dem Motto: \u201eDie da oben machen sowieso, was sie wollen.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dieses Gef\u00fchl ist das Gift, das unsere demokratische Kultur von innen zerfrisst. Wir erleben derzeit auf vielen Ebenen eine Erosion politischer Umgangsformen: das Spiel mit \u201ealternativen Fakten\u201c, die strategische Verdrehung von Realit\u00e4t, die Verachtung f\u00fcr Transparenz. Figuren wie Donald Trump haben solches zur politischen Waffe gemacht. Wenn wir uns zu Recht dar\u00fcber emp\u00f6ren, sollten wir umso sensibler daf\u00fcr sein, dass gerade auf kommunaler Ebene, dort wo Politik besonders authentisch sein sollte, nicht die gleiche Logik einzieht. Wie weit weg scheint heute bisweilen das politische Leitmotiv des gro\u00dfen Wuppertalers Johannes Rau: \u201eSagen, was man tut, und tun, was man sagt.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das also ist das eine: die Erosion der politischen Kultur nicht einfach hinzunehmen. Das andere muss es sein, die Strahlkraft des kulturellen Lebens unserer Stadt nicht vors\u00e4tzlich zu besch\u00e4digen. Ist diese doch ein zentraler Standortfaktor. Wuppertal hat es \u2013 trotz knapper Kassen \u2013 immer wieder geschafft, mit kulturellen Assets \u00fcberregional zu trumpfen: international gefeierte Kunst, gro\u00dfe Namen, beeindruckende Produktionen, lebendige Szenen und Orte, die Menschen gleicherma\u00dfen anziehen wie binden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dieses fragile Netzwerk lebt von Kontinuit\u00e4t, von politischer Gew\u00e4hr und davon, dass Wohlt\u00e4ter aus der B\u00fcrgerschaft darauf vertrauen d\u00fcrfen, ihr Engagement am Ende nicht zur Staffage kleinkarierter Spielchen degradiert zu erleben. \u00dcberhaupt ist dieser Aspekt in der \u00f6ffentlichen Debatte dieser Tage noch zu kurz gekommen: Die gro\u00dfen M\u00e4zene der Wuppertaler Kultur, auf die man angesichts der katastrophalen Haushaltslage besonders angewiesen ist und die seit Jahrzehnten dazu beitragen, dass Wuppertal kulturell mehr ist als seine Bilanz, hatten bei ihrer Unterst\u00fctzung auf verl\u00e4ssliche kulturpolitische Rahmenbedingungen vertraut. Ihr Engagement wurde am Montag schlichtweg ignoriert. Die br\u00fcskierende Entscheidung war auch und gerade ein Schlag ins Gesicht all jener, die Zeit, Geld und Herzblut f\u00fcr diese Stadt geben. Nat\u00fcrlich wird es politische Motive gegeben haben \u2013 taktische Rechnungen, pers\u00f6nliche Befindlichkeiten, vielleicht auch Rachsucht in Einzelf\u00e4llen. Doch unabh\u00e4ngig von den Gr\u00fcnden bleibt die Frage: War dies die negativen Signale in die Stadt und die bundesdeutsche Kulturszene hinein wert? W\u00e4re es nicht an der Zeit, insbesondere die eigenen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nicht f\u00fcr dumm zu verkaufen, als Zaung\u00e4ste eines Geschehens, das sie anscheinend gar nicht verstehen sollen? Wuppertal ben\u00f6tigt eine neue Verl\u00e4sslichkeit, Transparenz und den Anstand, Verantwortung nicht hinter Formeln zu verstecken. Nicht nur aus Fairness gegen\u00fcber einer Person, sondern auch aus Respekt gegen\u00fcber der Stadt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn das Geschehene nun wenigstens in einen ernsthaften Aufbruch zu einer neuen politischen Kultur m\u00fcndete und dass dies den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern von den Verantwortlichen auch so signalisiert w\u00fcrde. Als Versprechen. Nicht, um eine Wahl zu korrigieren, sondern um etwas zu retten, das wertvoller ist als jedes Amt: politische Glaubw\u00fcrdigkeit und damit die Chance auf eine bessere Zukunft dieser so traditions- und kulturreichen Stadt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wuppertal ist vieles: gebeutelt von strukturellen Problemen, belastet durch einen Haushalt, der es Gestaltern seit Jahren schwer macht,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":760919,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1840],"tags":[12612,29849,4671,3364,29,173266,30,80,173271,44734,33814,24637,88838,173272,46485,173270,105453,1209,30752,25502,76127,2308,173273,2534,37634,4418,70202],"class_list":{"0":"post-760918","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wuppertal","8":"tag-buerger","9":"tag-buergerinnen","10":"tag-buergerschaft","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-dezernenten","14":"tag-germany","15":"tag-kultur","16":"tag-kulturdezernenten","17":"tag-kulturell","18":"tag-kulturelle","19":"tag-kulturellen","20":"tag-kulturpolitische","21":"tag-kulturreichen","22":"tag-kulturszene","23":"tag-lambert-t-koch","24":"tag-maezene","25":"tag-nordrhein-westfalen","26":"tag-politische","27":"tag-politischen","28":"tag-politischer","29":"tag-rat","30":"tag-unkultur","31":"tag-wahl","32":"tag-wiederwahl","33":"tag-wuppertal","34":"tag-wuppertalers"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115989566254929826","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/760918","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=760918"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/760918\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/760919"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=760918"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=760918"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=760918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}