{"id":76148,"date":"2025-05-01T15:15:09","date_gmt":"2025-05-01T15:15:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/76148\/"},"modified":"2025-05-01T15:15:09","modified_gmt":"2025-05-01T15:15:09","slug":"jva-tegel-hungerstreik-im-berliner-gefaengnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/76148\/","title":{"rendered":"JVA Tegel \u2013 Hungerstreik im Berliner Gef\u00e4ngnis"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img305006\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/305006\" alt=\"Briefe aus dem Gef\u00e4ngnis an \u00bbnd\u00ab berichten \u00fcber Missst\u00e4nde in der JVA Tegel, die Besch\u00e4ftigte und Inhaftierte treffen.\"\/><\/p>\n<p>Briefe aus dem Gef\u00e4ngnis an \u00bbnd\u00ab berichten \u00fcber Missst\u00e4nde in der JVA Tegel, die Besch\u00e4ftigte und Inhaftierte treffen.<\/p>\n<p>Foto: imago\/Rolf Kremming<\/p>\n<p>Mangel an Telefonen, mangelhafte medizinische Versorgung und ungenie\u00dfbares Essen: \u00dcber Missst\u00e4nde in Deutschlands gr\u00f6\u00dftem Knast, der Justizvollzugsanstalt (JVA) Berlin-Tegel, wird bereits seit Jahren berichtet. Zuletzt im \u00bbnd\u00ab \u00fcber die Auswirkungen der K\u00fcrzungen der Senatsverwaltung f\u00fcr Justiz aus Sicht des Insassen <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1188153.gefaengnis-jva-tegel-aus-dem-innern-einer-blackbox.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Andreas Krebs<\/a> sowie aus Sicht der Gesamt-Interessen-Vertretung (GIV) der Inhaftierten der Anstalt und in Bezug auf resozialisierende Ma\u00dfnahmen, wie dem <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190753.knast-berliner-gefaengnisse-sparpolitik-mit-strafenden-folgen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gef\u00e4ngnistheater aufBruch<\/a>.<\/p>\n<p>Da sich die Zust\u00e4nde nicht verbessern, ist der Gefangene Andreas Krebs seit dem\u00a0 14. April im Hungerstreik. \u00bbDas ist eine Katastrophe hier. Ich kann nicht weiter zuschauen\u00ab, sagt er im Gespr\u00e4ch mit \u00bbnd\u00ab. Ein offener Brief zu seinem Hungerstreik, der auch der Anstaltsleitung vorliegen soll, ist auf der linksradikalen Plattform \u00bbIndymedia\u00ab ver\u00f6ffentlicht worden. Krebs schreibt, er streike f\u00fcr bessere Haftbedingungen.<\/p>\n<p>Er berichtet nicht nur davon, wie die K\u00fcrzungen die ohnehin angespannte Lage in der JVA versch\u00e4rfen, sondern erhebt schwere Vorw\u00fcrfe gegen die Anstalt: Man w\u00fcrde ihn, der laut eigenen Aussagen Nierenkrebs hat und am 14. November einen Schlaganfall erlitten hat, keine ad\u00e4quate Gesundheitsversorgung bieten. Au\u00dferdem w\u00fcrde ihm die Anstaltsleitung Post vorenthalten und ihn schikanieren, weil er die Missst\u00e4nde \u00f6ffentlich mache. So sei sein Taschengeld von 44 Euro auf 30 Euro verringert worden.<\/p>\n<p>Hinzu kommen Vorw\u00fcrfe von \u00dcberwachung. Krebs berichtet davon, dass R\u00e4ume innerhalb der Anstalt abgeh\u00f6rt w\u00fcrden. \u00bbIch war sprachlos\u00ab, sagt er \u00bbnd\u00ab, als er erz\u00e4hlt, wie er Abh\u00f6rger\u00e4te gefunden habe.<\/p>\n<p>Eine Sprecherin der Senatsverwaltung f\u00fcr Justiz teilt \u00bbnd\u00ab mit, dass die JVA Tegel \u00fcber vier Arztgesch\u00e4ftsstellen verf\u00fcge. Jeder Inhaftierte habe die M\u00f6glichkeit, sich dort zu versorgen. \u00bbIm Falle akuter Beschwerden werden die betreffenden Inhaftierten nat\u00fcrlich priorit\u00e4r versorgt\u00ab, so die Sprecherin. Die Angaben zu vermeintlichen Abh\u00f6rger\u00e4ten in Bedienstetenb\u00fcros seien \u00fcberpr\u00fcft und \u00bbals nicht der Wahrheit entsprechend\u00ab bewertet worden.<\/p>\n<p>In seinen 16 Jahren Haftzeit habe Andreas Krebs zuvor noch keinen einzigen Fall von Korruption erlebt, der von Justizvollzugsbeamten ausginge. Doch in der JVA Tegel w\u00fcrden die Beamten Drogen in Sporttaschen in die Anstalt schmuggeln, erz\u00e4hlt der Gefangene. \u00bbStatt die Inhaftierten soll man lieber die Beamten kontrollieren\u00ab, meint Krebs.<\/p>\n<p>\u00bbDurch die massive Drogenproblematik fallen viele Leute hier um\u00ab, sagt er. Auch der GIV-Sprecher Andreas Greiner berichtet \u00bbnd\u00ab in mehreren Gespr\u00e4chen von einer neuen Drogenproblematik in der JVA. Er meint, weil die Haftbedingungen schlechter und mehr Insassen Drogen konsumieren w\u00fcrden, w\u00fcrden auch die Suizidversuche zunehmen.<\/p>\n<p>Die Angaben des Gesamtinsassenvertreters bez\u00fcglich der hohen Anzahl an Suizidversuchen in der JVA k\u00f6nnten nicht best\u00e4tigt werden, teilt die Sprecherin der Justizverwaltung mit. Dieses Jahr habe sich nur ein Suizidversuch in Tegel ereignet. Auf Nachfrage, welche Pr\u00e4ventionsangebote gegen Suizid es f\u00fcr die Gefangenen gebe, hei\u00dft es, dass die Angestellten in der JVA regelm\u00e4\u00dfig geschult werden im Umgang mit Inhaftierten mit Suizidrisiko, dass alle Inhaftierten bei Aufnahme in der JVA mithilfe eines Suizidscreenings \u00fcberpr\u00fcft w\u00fcrden und dass regelm\u00e4\u00dfige Risiko-Monitorings stattfinden w\u00fcrden. \u00bbIm Falle eines Suizidversuches werden im Anschluss weitere Ma\u00dfnahmen der Suizidpr\u00e4vention angeordnet und entlastende Gespr\u00e4che zwischen der oder dem Inhaftierten und den Fachdiensten zur Aufarbeitung des Grundes f\u00fcr den Suizidversuch gef\u00fchrt\u00ab, teilt die Sprecherin mit.<\/p>\n<p>In der JVA geh\u00f6re laut der Justizverwaltung eine relativ hohe Suchtbelastung unter den Inhaftierten dazu, darum gebe es auch Angebote zum Suchtmittelmissbrauch. Jedoch gab es zuletzt 2019 eine \u00bbinterne Erhebung\u00ab zu Verdachtsf\u00e4llen von Drogenschmuggel unter Bediensteten in der JVA. Das Ergebnis lautete: Bei nur 0,6 Prozent der Angestellten h\u00e4tte es einen Verdacht gegeben. \u00bbNur in drei F\u00e4llen seit dem Jahr 2020 hat sich dieser Verdacht auch in einem strafrechtlichen Verfahren best\u00e4tigt\u00ab, so die Sprecherin der Verwaltung.<\/p>\n<p>Obwohl laut Greiner viele der Probleme in der JVA Tegel nicht neu sind, verschlimmere sich der Zustand der Anstalt immer mehr. \u00bbnd\u00ab berichtete im Januar \u00fcber eine nicht-funktionierende Zahlstelle in der JVA. So sei es laut Aussagen der Justizverwaltung wegen personeller Engp\u00e4sse und technischer Probleme zu Verz\u00f6gerungen bei s\u00e4mtlichen Buchungen gekommen. Die Probleme seien im Januar behoben worden sein. \u00bbDie Zahlstellenprobleme sind in keinster Weise gel\u00f6st!\u00ab, hei\u00dft es jedoch in einem Brief eines Gefangenen an \u00bbnd\u00ab aus dem M\u00e4rz 2025. Die verz\u00f6gerten Auszahlungen f\u00fchrten nicht nur dazu, dass die Insassen bestimmte Produkte nicht kaufen k\u00f6nnen oder regelm\u00e4\u00dfige Zahlungen vom Konto nicht abgingen, sondern treffen insbesondere migrantische Insassen: Viele m\u00fcssen Geld an die Familie schicken, so Greiner.<\/p>\n<p>Greiner berichtet auch von Folgen einer immer h\u00e4rter strafenden Justiz: \u00bbHaus 5 ist inzwischen nur wegen Schwarzfahrens voll\u00ab, sagt er und bezieht sich auf Personen, die im Gef\u00e4ngnis eine <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190768.freiheitsfonds-ersatzfreiheitsstrafen-knete-statt-feile.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ersatzfreiheitsstrafe<\/a> verb\u00fc\u00dfen, weil sie die Strafe f\u00fcr das Fahren ohne g\u00fcltiges Ticket nicht zahlen konnten. Die Anstalt werde so immer voller.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u00bbKein Problem ist so neu, dass es nicht schon seit 30 Jahren diskutiert wird. Vom Vollzug h\u00f6ren wir immer nur, \u203awir arbeiten daran\u2039. Passieren tut jedoch wenig bis gar nichts.\u00ab<\/p>\n<p>Andreas Greiner\u2003<br \/>Gesamt-Interessen-Vertretung JVA Tegel<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Situation hat nicht nur Auswirkungen auf die Gefangenen. \u00bbDie gro\u00dfe Masse der Mitarbeitenden hat die Schnauze voll\u00ab, sagt der Sprecher der Gesamt-Interessen-Vertretung aus der JVA. Auch Andreas Krebs sieht das so. Sozialarbeiter*innen h\u00e4tten keine Zeit mehr f\u00fcr die vielen Insassen, die sie betreuen sollen. \u00bbEs kamen Beamte zu mir und haben sich bedankt daf\u00fcr, dass ich kein Blatt vor den Mund nehme\u00ab, berichtet er. Im Hungerstreik wolle er \u00bbbis zum Ende\u00ab bleiben.<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten kenne der Sprecher der Gesamt-Interessen-Vertretung Andreas Greiner Probleme wie \u00bbzu wenig Reinigungsmittel\u00ab, \u00c4rger mit dem Telefonanbieter Telio und sp\u00e4rliche Freizeitangebote, wie er in der aktuellen Ausgabe der Gefangenenzeitschrift \u00bbLichtblick\u00ab schreibt. \u00bbKein Problem ist so neu, dass es nicht schon seit 30 Jahren diskutiert wird\u00ab, schreibt er. Vom Vollzug h\u00f6re man immer nur, \u00bbwir arbeiten daran\u00ab, schreibt er. Passieren tue jedoch wenig bis gar nichts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Briefe aus dem Gef\u00e4ngnis an \u00bbnd\u00ab berichten \u00fcber Missst\u00e4nde in der JVA Tegel, die Besch\u00e4ftigte und Inhaftierte treffen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":76149,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,433,30,32897,32898],"class_list":{"0":"post-76148","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-drogen","11":"tag-germany","12":"tag-krebs-erkrankung","13":"tag-selbsttoetung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114433236979328212","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76148","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=76148"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76148\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/76149"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=76148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=76148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=76148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}