{"id":761608,"date":"2026-01-31T18:05:11","date_gmt":"2026-01-31T18:05:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/761608\/"},"modified":"2026-01-31T18:05:11","modified_gmt":"2026-01-31T18:05:11","slug":"besuch-auf-der-brafa-messe-in-bruessel-dann-haengt-der-rubens-wieder-bei-mir-das-dilemma-eines-kunsthaendlers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/761608\/","title":{"rendered":"Besuch auf der Brafa-Messe in Br\u00fcssel: Dann h\u00e4ngt der Rubens wieder bei mir\u201c \u2013 das Dilemma eines Kunsth\u00e4ndlers"},"content":{"rendered":"<p>Auf der Brussels Art Fair beginnt schon Ende Januar der Fr\u00fchling \u2013 jedenfalls f\u00fcr die alten Meister. Mit ihrem Programm von der Antike bis in die Moderne fordert sie die dominierende Kunstmesse Tefaf heraus. Einen Vorteil hat die Brafa bereits.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Michelangelos Fu\u00df, Rembrandts L\u00f6we, Canalettos Venedig. Mit dem Verkauf dieser Werke der Superstars aus der Renaissance, dem Barock und Rokoko entscheiden sich in der kommenden Woche bei den Auktionen in New York, ob die Hoffnungen f\u00fcr die alten Meister weiter so aufbl\u00fchen, wie es derzeit erscheint.<\/p>\n<p>Christie\u2019s startet am Mittwoch mit der spektakul\u00e4ren, hochformatigen Venedig-Vedute \u201eDie Staatsgaleere an der Mole am Himmelfahrtstag\u201c. Gemalt von Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, der die visuelle Magie der Lagunenstadt vor fast drei Jahrhunderten erfunden hat. 30 Millionen Dollar soll das Gem\u00e4lde einspielen. Am selben Tag kontert Rivale Sotheby\u2019s mit der Kreidezeichnung eines jungen L\u00f6wen von Rembrandt van Rijn. Das Blatt stiftet US-Milliard\u00e4r, Philanthrop und Sammler (\u201eThe Leiden Collection\u201c) <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article255908392\/Rembrandt-Sammler-Thomas-Kaplan-verliebt-in-alte-Meister-Leidenschaftlich-bis-zum-ersten-Kuss.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article255908392\/Rembrandt-Sammler-Thomas-Kaplan-verliebt-in-alte-Meister-Leidenschaftlich-bis-zum-ersten-Kuss.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Thomas Kaplan<\/a> zum Schutz bedrohter Wildkatzen \u2013 f\u00fcr den Sch\u00e4tzpreis von 15 Millionen Dollar. Mit 1,5 Millionen Dollar am Donnerstag im Angebot bei Christie\u2019s wirkt die Skizze eines menschlichen Fu\u00dfes, den Michelangelo Buonarroti als Entwurf f\u00fcr die Decke der Sixtinischen Kapelle aufs Papier brachte, geradezu schn\u00e4ppchenartig. Da d\u00fcrfte noch viel Luft und Geld nach oben sein.  <\/p>\n<p>Doch um qualit\u00e4tvolle Altmeister zu besichtigen und zu kaufen, reicht in diesem Winter auch eine Reise nach Belgien. Die <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.brafa.art\/de\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.brafa.art\/de&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Brussels Art Fair Brafa<\/a> (l\u00e4uft noch bis zum 1. Februar 2026) ist mit 70 Jahren eine der \u00e4ltesten Messen in Europa und entwickelt sich zur Kronprinzessin hinter der Tefaf im M\u00e4rz in Maastricht, der bisherigen K\u00f6nigin aller Kunstmessen.<\/p>\n<p>Zwei Altmeister-H\u00e4ndler an der Spitze der Brafa sorgen f\u00fcr einen Aufschwung, der immer mehr Besucher (75.000 im vergangenen Jahr) und Aussteller (dieses Mal 147, damit 19 mehr als 2025) anlockt. Chairman Klaas Muller aus Lokeren bringt pers\u00f6nlich die Entdeckung des Jahres mit. An der Wand seiner Messekoje h\u00e4ngt ein Gem\u00e4lde \u2013 erstaunlicherweise ohne jegliche Werbung \u2013 von Peter Paul Rubens, vermutlich ein Entwurf f\u00fcr einen Apostel Petrus. <\/p>\n<p>In dem wallenden Petrus-Bart entdeckte der Restaurator ein fr\u00fcheres, auf dem Kopf stehendes Frauengesicht. Vermutlich hat der pragmatische Rubens das Bild umgedreht und die junge Frau mit dem Apostel \u00fcbermalt. Der Preis liegt zwischen einer halben und einer vollen Million Euro, was f\u00fcr einen doppelten Rubens sicher marktgerecht ist. Und falls ihn keiner kauft? Da grinst der stolze Besitzer Muller mit fl\u00e4mischer Gelassenheit: \u201eDann h\u00e4ngt der Rubens wieder bei mir im Wohnzimmer, ist doch auch ein gutes Gef\u00fchl.\u201c<\/p>\n<p>G\u00fcnstiger als moderne Kunst<\/p>\n<p>Brafa-Vize-Chairman Arnaud Jasper Costermans leitet in sechster Generation die Familiengalerie in einem eleganten Palais mitten im Sablon, dem Antiquit\u00e4tenviertel von Br\u00fcssel. Sein kleiner Star ist ein Wimmelbild in Brueghel\u2019scher Manier. Dem Maler David Vinckboons, ein Amsterdamer mit fl\u00e4mischen Wurzeln, gelang es 1604, auf einem nur 47 Zentimeter breiten St\u00fcck Eichenholz rund 200 Menschen vor einer Stadtkulisse unterzubringen. <\/p>\n<p>Jede Figur erz\u00e4hlt eine Geschichte, und die Hauptfigur geht dabei fast unter: Jesus Christus, der am Seeufer predigt. Die Preziose weckte bereits am ersten Messetag Interesse von Museen. \u201eEin Sammler moderner Kunst fragte mich: Das Bild kostet doch bestimmt 300.000 Euro oder mehr? Ich sagte: Nein, nur 120.000\u201c, berichtet Costermans. \u201eDamit kommst du bei der Moderne nicht weit.\u201c  <\/p>\n<p>Genau darin liegt eine Chance, junge K\u00e4ufer f\u00fcr alte Meister zu gewinnen. Die Preise sind g\u00fcnstig und ihre Zeitlosigkeit weitaus weniger den Aufgeregtheiten der modernen Kunst unterworfen.<\/p>\n<p>Ganz ohne Venedig geht es auch in Br\u00fcssel nicht. F\u00fcr eine verbl\u00fcffende Architekturfantasie von Canaletto mit San Marco und direkt daneben einer \u00fcberdimensionierten anderen Kirche ruft der italienische H\u00e4ndler Lampronti satte sechs Millionen Euro auf. Eines der teuersten St\u00fccke der Brafa. Oder wie w\u00e4re es mit Rom auf einen Blick \u2013 mit Petersdom, Kolosseum, Trajanss\u00e4ule und Engelsburg neben- und aufeinandergestapelt? Die kuriose Co-Produktion des Italieners Viviano Codazzi und des Niederl\u00e4nders Jan Miel aus dem fr\u00fchen 17. Jahrhundert kostet bei Ars Antiqua aus Mailand 120.000 Euro.<\/p>\n<p>Den gewaltigsten Wertzuwachs erzielen die lange vergessenen, \u00fcbersehenen, untersch\u00e4tzten Malerinnen. Und nicht nur Artemisia Gentileschi, die Prominenteste von allen. So l\u00e4sst die Pariser Galerie Florence de Vold\u00e8re ein Blumenstillleben erbl\u00fchen, das Anna Maria Janssens zugeschrieben ist. Von der Malertochter und Ehefrau von Jan Brueghel des J\u00fcngeren existierte bisher nur ein signiertes Werk. Das in Br\u00fcssel pr\u00e4sentierte \u00fcberbordende Gebinde mit Eichh\u00f6rnchen w\u00e4re nun ihr zweites bekanntes St\u00fcck und soll gleich mehrere hunderttausend Euro bringen.<\/p>\n<p>Was noch fehlt in den Messehallen der EU-Hauptstadt Br\u00fcssel, sind die H\u00e4ndler, Kunden und Museen aus L\u00e4ndern au\u00dferhalb der Europ\u00e4ischen Union. Besonders um die Amerikaner wollen die Messemacher im kommenden Jahr werben und damit in Konkurrenz der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article255686492\/Sehnsucht-nach-Stabilitaet-Das-Geheimnis-der-Ueberlebenskraft-der-Alten-Welt.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article255686492\/Sehnsucht-nach-Stabilitaet-Das-Geheimnis-der-Ueberlebenskraft-der-Alten-Welt.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kunst- und Antiquit\u00e4tenmesse Tefaf<\/a> treten.<\/p>\n<p>Nach einer Woche Brafa, zwei Preview-Tagen und einem Dinner mit 2000 G\u00e4sten vor den St\u00e4nden lassen sich drei Erkenntnisse gewinnen: Erstens w\u00e4chst der Tefaf gar nicht so weit entfernt eine ernsthafte Herausforderin heran \u2013 und Br\u00fcssel ist besser erreichbar als Maastricht. Zweitens m\u00fcssen es nicht allein gro\u00dfe Namen der Kunstgeschichte sein, die Menschen begeistern k\u00f6nnen. Es sind vielmehr die Geschichten hinter den Bildern, ihre R\u00e4tsel und ihre Sch\u00f6nheit. Allen Unkenrufen vom angeblichen Aussterben zum Trotz leben sie drittens noch, die Alten Meister. Es sieht sogar nach einer echten Renaissance aus. Das m\u00fcssen jetzt Rembrandts L\u00f6we und Michelangelos Fu\u00df unter Beweis stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auf der Brussels Art Fair beginnt schon Ende Januar der Fr\u00fchling \u2013 jedenfalls f\u00fcr die alten Meister. 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