{"id":762998,"date":"2026-02-01T07:21:16","date_gmt":"2026-02-01T07:21:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/762998\/"},"modified":"2026-02-01T07:21:16","modified_gmt":"2026-02-01T07:21:16","slug":"protest-gegen-den-geplanten-abriss-der-maschinenfabrik-philipp-swiderski-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/762998\/","title":{"rendered":"Protest gegen den geplanten Abriss der Maschinenfabrik Philipp Swiderski \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Sie ist eine der letzten historischen Fabriken im Leipziger Westen, die noch nicht saniert und f\u00fcr neue Nutzungen umgebaut wurde: Gemeint ist die Maschinenfabrik Philipp Swiderski in der Zschocherschen Stra\u00dfe\/Ecke Markranst\u00e4dter Stra\u00dfe. Immer wieder gab es hier F\u00e4lle von Vandalismus. Aber die Eigent\u00fcmergesellschaft konnte in den vergangenen 30 Jahren mit der alten Bausubstanz nicht so richtig etwas anfangen.<\/p>\n<p>Und weil man keine Ideen hat, spielt man jetzt wieder mit dem Gedanken, das historische Fabrikensemble einfach abzurei\u00dfen. Wogegen jetzt mehrere Leipziger Initiativen und Vereine Sturm laufen.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/f4e6536b12ef4ac19ebfa3bcdd57e02d.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/brennpunkt\/2026\/02\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/brennpunkt\/2026\/02\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>\u201eDas Fabrikgel\u00e4nde an der Markranst\u00e4dter Stra\u00dfe, Ecke Zschochersche Stra\u00dfe, ist ein Unikat \u2013 nicht nur in Plagwitz, sondern in ganz Leipzig. Gro\u00dfe Produktionshallen, ein markanter Eckbau mit T\u00fcrmchen: Schon im Vorbeigehen wird deutlich, dass es sich hier um einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Ort handelt\u201c, stellen diese nun in einem gemeinsamen Protest gegen die Abrisspl\u00e4ne fest.<\/p>\n<p>\u201eSolche industriellen Ensembles sind selten geworden. Einst wurden hier Buchdruck- und Dampfmaschinen gefertigt \u2013 Produkte, die Leipzigs Ruf als internationales Zentrum des Buch- und Maschinenbaus mitbegr\u00fcndeten. Doch seit den 1990er Jahren ist das Areal dem Verfall preisgegeben. Geb\u00e4ude wurden bereits zur\u00fcckgebaut, Sicherungsma\u00dfnahmen erfolgen nur sporadisch. Nun erw\u00e4gt die Eigent\u00fcmergesellschaft erneut den vollst\u00e4ndigen Abbruch.\u201c<\/p>\n<p>Das Geb\u00e4udensemble war schon mehrfach in den Schlagzeilen, weil die historische Geb\u00e4udesubstanz nicht wirklich gesichert war und der Verfall immer weiterging. Und dass man in den historischen Farbikhallen keine sinnvolle Nutzung unterbringen k\u00f6nnte, bezweifeln die Leipziger Denkmalstiftung, der <a href=\"http:\/\/www.leipziger-denkmalstiftung.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">F\u00f6rderverein der Leipziger Denkmalstiftung e.V.<\/a> und der<a href=\"http:\/\/www.industriekultur-leipzig.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"> Industriekultur Leipzig e.V.<\/a> sowie die <a href=\"http:\/\/bi-kleinzschocher.blogspot.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">B\u00fcrgerinitiative Kleinzschocher<\/a>, die IG Buch Kleinzschocher, das <a href=\"http:\/\/www.stadtforum-leipzig.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Stadtforum Leipzig<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.pro-leipzig.eu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Pro Leipzig e.V.<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.westbesuch.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Westbesuch e.V.<\/a> deutlich.<\/p>\n<p>Die Swiderski-Geschichte<\/p>\n<p>Die Geschichte dieses Ortes reicht bis ins Jahr 1867 zur\u00fcck, als die \u201ePhilipp Swiderski Maschinenbaufabrik\u201c im Graphischen Viertel gegr\u00fcndet wurde. Zun\u00e4chst entstanden Lederverarbeitungsmaschinen, sp\u00e4ter Buchdruckmaschinen.<\/p>\n<p>Nach einem innerst\u00e4dtischen Umzug im Jahr 1871 und einer stetigen Erweiterung der Produktpalette \u2013 unter anderem um Druckmaschinen und Lokomobile \u2013 wurde 1888 schlie\u00dflich das neue Fabrikgel\u00e4nde in Plagwitz errichtet. Damit verlagerte sich ein bedeutender Teil der Leipziger Industriegeschichte an diesen Standort.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Swiderski_DaveTarassow_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-646039 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Swiderski_DaveTarassow_2.jpg\" alt=\"Die alte Maschinenfabrik Swiderski an der Zschocherschen Stra\u00dfe. Foto: Dave Tarassow\" width=\"2250\" height=\"1500\"  \/><\/a>Die alte Maschinenfabrik Swiderski an der Zschocherschen Stra\u00dfe. Foto: Dave Tarassow<\/p>\n<p>Die Herstellung von Buchdruckmaschinen, darunter Falz- und Bogenanlegermaschinen, blieb \u00fcber Jahrzehnte pr\u00e4gend. Nach mehreren Umfirmierungen firmierte das Unternehmen ab 1927 als \u201eGeorg Spiess Maschinenfabrik\u201c, wurde 1953 zum VEB Bogenanlegerwerk und 1960 dem VEB Druckmaschinenwerk Leipzig zugeordnet.<\/p>\n<p>Mit der Wiedervereinigung endete die Produktion. Geb\u00e4ude, Maschinen und Inventar blieben zur\u00fcck \u2013 ein eingefrorenes Zeugnis industrieller Arbeit, Technikgeschichte und Arbeitskultur.<\/p>\n<p>Lost Place<\/p>\n<p>Heute ist die ehemalige Maschinenfabrik ein weithin bekannter und gesch\u00e4tzter \u201eLost Place\u201c, ein Ort von gro\u00dfer Anziehungskraft f\u00fcr Fotografen, Stadtforscher und Geschichtsinteressierte.<\/p>\n<p>Und dass man aus den alten Fabrikhallen nichts machen k\u00f6nnte, k\u00f6nne man so auch nicht behaupten, stellen die Verfasser der gemeinsamen Stellungnahme kritisch fest: \u201eZugleich existieren seit Jahren zahlreiche Ideen f\u00fcr eine neue Nutzung. Studien- und Abschlussarbeiten sowie eine Machbarkeitsstudie haben unterschiedliche Nutzungsszenarien untersucht \u2013 von einer Mischung aus Produktion, Handel, B\u00fcro und Wohnen bis hin zu \u00fcberwiegender Einzelhandelsnutzung.<\/p>\n<p>Auch die Leipzig International School (LIS) zeigte Interesse, musste jedoch feststellen, dass ihre Anforderungen nicht mit dem Bestand vereinbar sind. Ein Architekturb\u00fcro hat ein konkretes Nutzungskonzept f\u00fcr den Erhalt und die behutsame Weiterentwicklung der Anlage erarbeitet.\u201c<\/p>\n<p>Doch die Eigent\u00fcmergesellschaft des Gel\u00e4ndes stellt sich ein Einkaufszentrum vor. \u201eDer Schwerpunkt w\u00e4re ein gro\u00dffl\u00e4chiger Lebensmitteleinzelhandel. Dies l\u00e4sst der Bebauungsplan jedoch nicht zu. Au\u00dferdem gibt es in der unmittelbaren Umgebung schon zahlreiche Einkaufsm\u00f6glichkeiten, sodass weitere Einzelhandelsfl\u00e4chen \u00fcberfl\u00fcssig sind.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Gespr\u00e4che m\u00fcndeten schlie\u00dflich in der Ank\u00fcndigung der Eigent\u00fcmergesellschaft, den vor rund anderthalb Jahren gestoppten Abbruch erneut in Betracht zu ziehen \u2013 in der Hoffnung, durch eine vollst\u00e4ndige Ber\u00e4umung neue Optionen zu er\u00f6ffnen. Demnach ist das Grundst\u00fcck mehr wert als eine historische und als Kulturdenkmal eingetragene Fabrikanlage.\u201c<\/p>\n<p>Ein Denkmal Leipziger Industriekultur<\/p>\n<p>Und so sind sich die Verfasser der Stellungnahme einig: \u201eEin Abriss dieser Anlage darf unter keinen Umst\u00e4nden erfolgen. Es handelt sich um ein denkmalgesch\u00fctztes, industriekulturell \u00e4u\u00dferst wertvolles Ensemble. Mit ihrer damals einzigartigen Erweiterung nach dem Entwurf von Paul Ranft, ist die urspr\u00fcnglich von dem bedeutenden Architekturb\u00fcro Pfeifer &amp; H\u00e4ndel (sp\u00e4ter Franke &amp; H\u00e4ndel) geplante Fabrik bereits von Zeitgenossen als musterg\u00fcltig ger\u00fchmt worden.<\/p>\n<p>Mit seinem Verlust ginge nicht nur ein St\u00fcck Identit\u00e4t von Plagwitz, Kleinzschocher und Lindenau verloren, sondern ein zentraler Baustein der Leipziger Industriegeschichte.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Swiderski_DaveTarassow_3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-646040 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Swiderski_DaveTarassow_3.jpg\" alt=\"Die desolate Dachkonstruktion der Maschinenfabrik Swiderski. Foto: Dave Tarassow\" width=\"2250\" height=\"1500\"  \/><\/a>Die desolate Dachkonstruktion der Maschinenfabrik Swiderski. Foto: Dave Tarassow<\/p>\n<p>Die Attraktion des Leipziger Westens hat eine Menge mit den vielen erhaltenen alten Fabrikgeb\u00e4uden zu tun, die von der Bauqualit\u00e4t des fr\u00fchen Industriezeitalters erz\u00e4hlen und die heute zumeist saniert und neuen Nutzungen ge\u00f6ffnet wurden.<\/p>\n<p>Und dass Leipzig noch so viele alte Fabrikbauten besitzt, hat nun einmal mit der deutsch-deutschen Teilung zu tun: Die alten Geb\u00e4ude wurden auch in der DDR-Zeit weiter f\u00fcr die Produktion genutzt und waren deshalb 1990, dem Jahr der Deutschen Einheit, fast alle noch erhalten, anders als im Westen, wo man mit diesen Fabriken oft genug Tabula rasa machte.<\/p>\n<p>Es ist einer der Sch\u00e4tze, die Leipzig heute attraktiv machen.<\/p>\n<p>\u201eMit der Wende entstand die im europ\u00e4ischen Ma\u00dfstab einzigartige Situation, die \u2018Industriemoderne\u2019 auch anhand von Bauten studieren zu k\u00f6nnen. Solche Orte sind mehr als alte Mauern\u201c, hei\u00dft es in der gemeinsamen Stellungnahme.<\/p>\n<p>\u201eSie erz\u00e4hlen von Arbeit, Innovation, sozialem Wandel und der Entwicklung der Stadt. Sie bieten Potenziale f\u00fcr nachhaltige Stadtentwicklung, kulturelle Nutzung, kleinteilige Produktion, Bildung und gemeinschaftliches Leben \u2013 gerade, weil sie bereits existieren und nicht neu gebaut werden m\u00fcssen. Abriss bedeutet hier nicht Fortschritt, sondern den unwiederbringlichen Verlust von Geschichte, grauer Energie und st\u00e4dtebaulicher Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Leipzig hat sich stets als Stadt der Industrie und ihrer Kultur verstanden \u2013 und wird daf\u00fcr weit \u00fcber die Stadtgrenzen hinaus gesch\u00e4tzt. Diesem Anspruch m\u00fcssen wir weiterhin gerecht werden. In den vergangenen Jahren wurden schon zu viele Industriebauwerke abgebrochen.<\/p>\n<p>Wir fordern insbesondere die Eigent\u00fcmergesellschaft und die Stadt Leipzig eindringlich auf, gemeinsam eine tragf\u00e4hige, langfristige L\u00f6sung zu entwickeln, alle erhaltenswerten Geb\u00e4ude zu sichern und einer neuen, dem Ort angemessenen Nutzung zuzuf\u00fchren. Die Zeit dr\u00e4ngt: Es ist l\u00e4ngst f\u00fcnf nach zw\u00f6lf.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sie ist eine der letzten historischen Fabriken im Leipziger Westen, die noch nicht saniert und f\u00fcr neue Nutzungen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":762999,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[3364,29,30,21183,7511,35518,71,72725,859,51938],"class_list":["post-762998","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-industriegeschichte","tag-industriekultur","tag-kleinzschocher","tag-leipzig","tag-plagwitz","tag-sachsen","tag-zschochersche-strasse"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115994170848756395","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/762998","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=762998"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/762998\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/762999"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=762998"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=762998"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=762998"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}