{"id":763111,"date":"2026-02-01T08:23:13","date_gmt":"2026-02-01T08:23:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/763111\/"},"modified":"2026-02-01T08:23:13","modified_gmt":"2026-02-01T08:23:13","slug":"benes-dekrete-in-der-slowakei-enteignungen-nach-ethnie-wie-1945","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/763111\/","title":{"rendered":"Bene\u0161-Dekrete in der Slowakei: Enteignungen nach Ethnie wie 1945"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/fico-154.jpg\" alt=\"Robert Fico\" title=\"Robert Fico | REUTERS\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 01.02.2026 08:26 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Enteignungen aus ethnischen Gr\u00fcnden sind in Europa rechtswidrig. Doch in der Slowakei passiert genau das: Der Staat nimmt Angeh\u00f6rigen der ungarischen Minderheit Grundst\u00fccke weg &#8211; Grundlage ist ein Gesetz von 1945.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/marianne-allweiss-101.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Marianne Allweiss\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/allweiss-101.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der slowakische Anwalt kann es erst nicht glauben. Mehrere Mandanten bitten Janos Fiala-Batora um Unterst\u00fctzung. Ihre Grundst\u00fccke seien enteignet worden, und zwar wegen der 80 Jahre alten Bene\u0161-Dekrete.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Eine Verordnung, die ein Bene\u0161-Dekret in der Slowakei umsetzt, ist in der Tat noch in Kraft und einige Staatsbeamte haben herausgefunden, wie sie das weiterhin anwenden k\u00f6nnen&#8220;, sagt Fiala-Batora.<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>\n                    Sie beschlagnahmen Land basierend auf der ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit der Vorfahren. Betroffen sind haupts\u00e4chlich Ungarn, aber auch viele \u00d6sterreicher.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    &#8222;Ohne Entsch\u00e4digung, im Stillen, mit System&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Deutschen aus der Tschechoslowakei vertrieben. Auch die Angeh\u00f6rigen der ungarischen Minderheit wurden kollektiv als Nazi-Kollaborateure gesehen. W\u00e4hrend in Tschechien die meisten Deutschen vertrieben wurden, konnten in der Slowakei alle enteignet werden, die &#8222;Deutsche, Ungarn oder Verr\u00e4ter&#8220; waren. Grundlage waren die Bene\u0161-Dekrete, benannt nach dem fr\u00fcheren Staatspr\u00e4sidenten der Tschechoslowakei, Edvard Bene\u0161.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Enteignungen, die aus verschiedensten Gr\u00fcnden nicht vollendet wurden, setzten slowakische Beh\u00f6rden nun fort, emp\u00f6rt sich der Anwalt. Dies geschehe ohne Entsch\u00e4digungen, oft im Stillen und mit System.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Der staatliche Grundst\u00fccksfonds ist der wichtigste Akteur. Er hat diese Praxis 2022 zugegeben und gestoppt.&#8220; Als 2023 aber Robert Fico erneut Ministerpr\u00e4sident wurde, h\u00e4tten Beamte die Enteignungen fortgesetzt, sagt Fiala-Batoria. &#8222;Wir wissen von 1.000 Hektar Land, die seitdem beschlagnahmt wurden. Und in den vergangenen Monaten haben wir von mehreren Hundert neuen F\u00e4llen allein in einem Bezirk in der S\u00fcdslowakei geh\u00f6rt.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mal ging es laut dem Menschenrechtsexperten um den Ausbau der Autobahn, mal sollen kriminelle Netzwerke profitieren. Die Enteignungen w\u00fcrden eindeutig gegen slowakisches und internationales Recht versto\u00dfen.<\/p>\n<p>    Fico stellt Kritik unter Strafe<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Regierung k\u00f6nnte diese Praxis stoppen lassen und die betreffende Bene\u0161-Verordnung au\u00dfer Kraft setzen. Fico sieht das jedoch anders. &#8222;Die Bene\u0161-Dekrete sind das Ergebnis der Nachkriegsordnung. Diese Gesetze galten und gelten &#8211; zuerst in der Tschechoslowakei, jetzt in der Slowakei&#8220;, erkl\u00e4rte Fico.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die liberale Opposition in der Slowakei hatte das Thema aufgegriffen und sich auf die Seite der ungarischen Minderheit gestellt. Ethnische Ungarn machen etwa neun Prozent der Bev\u00f6lkerung aus.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Fico, eigentlich ungarnfreundlich und ein Verb\u00fcndeter des ungarischen Ministerpr\u00e4sidenten Viktor Orban, verbot daraufhin per Eilgesetz jede Kritik an der Friedensordnung nach dem Zweiten Weltkrieg. Wer also die Bene\u0161-Dekrete infrage stellt, riskiert eine Haftstrafe von einem halben Jahr.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Ungarische und slowakische Demonstranten protestieren vor der slowakischen Botschaft in Budapest.\n                    <\/p>\n<p>    Kostet das Ungarns Orban stimmen?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">W\u00e4hrend es in Budapest w\u00fctende Proteste vor der slowakischen Botschaft gibt, schweigt Orban dagegen. &#8222;Was muss noch passieren, damit sich Viktor Orban endlich zu Wort meldet und sich traut, sich dem anti-ungarischen Robert Fico zu stellen?&#8220;, fragt der ungarische Oppositionspolitiker Peter Magyar. Er will Orban nach der Parlamentswahl im April abl\u00f6sen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Bene\u0161-Streit k\u00f6nnte ihm dabei helfen, meint Janos Fiala-Batora: &#8222;Das Thema wird die Wahlen beeinflussen. Nicht wegen der Ungarn in der Slowakei &#8211; nur wenige Hundert d\u00fcrfen w\u00e4hlen. Sondern wegen der W\u00e4hler in Ungarn.&#8220; Vielen Menschen im Land sei das Schicksal der Auslandsungarn wichtig. Auch Orban habe immer deren Interessen vertreten. Doch durch die jetzigen Entwicklungen k\u00f6nnte er deshalb in Ungarn Stimmen verlieren.<\/p>\n<p>    Slowakische Opposition gegen Anwendung der Dekrete<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch in der Slowakei ist die politische Landschaft in Bewegung. Die slowakische Ungarn-Partei n\u00e4hert sich der gr\u00f6\u00dften Oppositionskraft an, der Partei Progressive Slowakei von Michal Simecka.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Die Progressive Slowakei verurteilt die Anwendung der Kollektivschuld nach dem Zweiten Weltkrieg. Wir fordern die Regierungen der Slowakei und Ungarns auf, die Vergangenheit beiderseits aufzuarbeiten. Nach dem Vorbild der deutsch-tschechischen Erkl\u00e4rung aus dem Jahr 1997&#8220;, sagt Simecka.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Anwalt Fiala-Batora findet, auch die EU-Kommission m\u00fcsse aktiv werden. Schlie\u00dflich habe die Slowakei in ihren Beitrittsgespr\u00e4chen versichert, dass die Bene\u0161-Dekrete zwar Teil ihrer Rechtsordnung seien &#8211; aber nicht mehr angewendet w\u00fcrden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 01.02.2026 08:26 Uhr Enteignungen aus ethnischen Gr\u00fcnden sind in Europa rechtswidrig. 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