{"id":763399,"date":"2026-02-01T11:00:12","date_gmt":"2026-02-01T11:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/763399\/"},"modified":"2026-02-01T11:00:12","modified_gmt":"2026-02-01T11:00:12","slug":"frankreich-vs-social-media-nutzungsverbot-unter-15-steht-auf-toenernen-fuessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/763399\/","title":{"rendered":"Frankreich vs. Social Media: Nutzungsverbot unter 15 steht auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen"},"content":{"rendered":"<ol class=\"a-toc__list\">\n<li class=\"a-toc__item&#10;          &#10;            a-toc__item--counter&#10;          &#10;            a-toc__item--current\">\n<p>              Frankreich vs. Social Media: Nutzungsverbot unter 15 steht auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>Frankreichs Nationalversammlung hat <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Frankreichs-Parlament-fuer-Social-Media-Verbot-unter-15-11155078.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ein Signal gesetzt und strengere Regeln zum Schutz Minderj\u00e4hriger im digitalen Raum beschlossen<\/a>. Deren Kern ist ein Nutzungsverbot sozialer Medien f\u00fcr Jugendliche unter 15 Jahren sowie eine Ausweitung des Handy-Verbots an Schulen bis in die Oberstufe. Pr\u00e4sident Emmanuel Macron hofft auf eine Umsetzung bis zum n\u00e4chsten Schuljahr, doch Rechtsexperten bremsen die Euphorie. Hinter der Entschlossenheit verbirgt sich ein komplexes juristisches Tauziehen zwischen nationalem Souver\u00e4nit\u00e4tsanspruch und EU-Recht, das den Vorsto\u00df verpuffen lassen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>In dem Streit geht es nicht nur um eine p\u00e4dagogische Debatte \u00fcber die Bildschirmzeit, sondern um eine Weichenstellung zur Regulierung des digitalen Binnenmarkts. Die franz\u00f6sische Politik gibt dem Schutz der mentalen Gesundheit von Kindern den Vorrang. Doch die Frage ist nicht mehr nur, ob soziale Medien f\u00fcr 14-J\u00e4hrige sch\u00e4dlich sind, sondern wer in einem grenzenlosen Internet das Recht hat, den Zugang dazu zu beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>EU-Verordnung als juristische H\u00fcrde<\/p>\n<p>Hauptproblem f\u00fcr den franz\u00f6sischen Gesetzgeber ist der <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Digital-Services-Act-Wie-die-EU-das-Internet-kuenftig-regulieren-wird-7063328.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Digital Services Act (DSA)<\/a>. Diese EU-Verordnung verfolgt das Ziel, das Recht f\u00fcr digitale Vermittlungsdienste vollst\u00e4ndig zu harmonisieren. Ihre Bestimmungen haben damit Anwendungsvorrang vor nationalen Alleing\u00e4ngen. Wie Tobias Gostomzyk von der TU Dortmund gegen\u00fcber dem Science Media Center (SMC) erl\u00e4utert, verpflichtet der DSA Plattformen zu umfassenden Sicherheitsma\u00dfnahmen f\u00fcr Minderj\u00e4hrige. Er sieht aber kein generelles Nutzungsverbot vor. Ein nationales Gesetz, das \u00fcber diese EU-Vorgaben hinausgeht, steht daher rechtlich auf wackeligen F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Die EU-Kommission hat selbst bereits <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/EU-App-zur-Alterskontrolle-Fuenf-Staaten-beginnen-mit-den-Tests-10487184.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leitlinien ver\u00f6ffentlicht, die Methoden zur Altersverifikation vorsehen<\/a>. Doch diese dienen vor allem der Umsetzung des bestehenden Schutzniveaus und nicht als Blankoscheck f\u00fcr nationale Verbote.<\/p>\n<p>Zwischen Herkunftslandprinzip und zivilrechtlichen Kniffen<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Ein weiterer Stolperstein ist das Herkunftslandprinzip der E-Commerce-Richtlinie. Es besagt, dass ein digitaler Diensteanbieter grunds\u00e4tzlich nur den Gesetzen des Landes unterliegt, in dem er seinen Hauptsitz hat. Da Schwergewichte der Branche wie Meta, TikTok oder Google ihre Europa-Zentralen fast ausnahmslos in Irland angesiedelt haben, st\u00f6\u00dft die franz\u00f6sische Regulierungsgewalt hier an geografischen Grenzen. Ein Gesetz, das nur in Frankreich ans\u00e4ssige Unternehmen binden w\u00fcrde, liefe in der Praxis in die Leere: Die relevanten Plattformen unterstehen hier gar nicht der franz\u00f6sischen Gerichtsbarkeit.<\/p>\n<p>Um diese H\u00fcrde zu umgehen, setzt Frankreich auf einen juristischen Kniff, den Stephan Dreyer vom Hans-Bredow-Institut als \u201eindirekte Regelung\u201c beschreibt. Statt den Plattformen ein direktes medienrechtliches Verbot aufzuerlegen, sollen Vertr\u00e4ge mit zu jungen Nutzern zivilrechtlich f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rt werden. Ziel: Bei den Anbietern das Haftungsrisiko bei der Datenverarbeitung so hoch zu treiben, dass sie \u201efreiwillig\u201c Alterspr\u00fcfungen einf\u00fchren. Ob dieser Umweg tr\u00e4gt, m\u00fcsste gegebenenfalls der Europ\u00e4ische Gerichtshof entscheiden.<\/p>\n<p>Risiken f\u00fcr den Jugendschutz und digitale Ausweichman\u00f6ver<\/p>\n<p>Kritiker wie Dreyer geben zudem zu bedenken, dass starre Altersgrenzen sogar kontraproduktiv sein k\u00f6nnten. Wenn Jugendliche offiziell von den gro\u00dfen Plattformen verbannt werden, w\u00fcrden die Betreiber ihre m\u00fchsam aufgebauten Jugendschutzfunktionen und Awareness-Teams wohl zur\u00fcckfahren. Schlie\u00dflich d\u00fcrften dort laut Gesetz gar keine Minderj\u00e4hrigen mehr sein.<\/p>\n<p>Ferner besteht die Gefahr, dass Jugendliche auf weniger kontrollierte Nischenangebote ausweichen oder technische Kr\u00fccken wie Virtual Private Networks (VPN) nutzen, um die geografischen Sperren zu umgehen. Ein fl\u00e4chendeckendes System zur Altersverifikation w\u00fcrde zudem nicht nur Kinder, sondern alle Internetnutzer betreffen. Das <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Studie-Altersverifikation-im-Netz-ist-noetig-in-Demokratien-aber-nicht-machbar-9670768.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wirft erhebliche verfassungsrechtliche Fragen rund um Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Datenschutz auf<\/a>. Denn f\u00fcr den Zugang zu Informations- und Kommunikationsplattformen m\u00fcssten pl\u00f6tzlich sensible Ausweisdaten oder biometrische Merkmale von Millionen B\u00fcrgern verarbeitet werden.<\/p>\n<p>Trotz der massiven juristischen Einw\u00e4nde k\u00f6nnte der franz\u00f6sische Vorsto\u00df stilbildend wirken. \u00c4hnliche Forderungen nach einem Social-Media-Verbot werden weltweit laut, von Australien bis Gro\u00dfbritannien. Auch innerhalb der EU w\u00e4chst der Druck: Das <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/EU-Parlament-Jugendliche-sollen-TikTok-Co-erst-ab-16-nutzen-duerfen-11093317.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU-Parlament hat sich bereits im November f\u00fcr ein Mindestalter von 16 Jahren ausgesprochen<\/a>. Je mehr Mitgliedstaaten nationale Alleing\u00e4nge wagen, desto wahrscheinlicher wird es, dass die EU-Kommission den DSA hier nachjustiert.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:mid@ct.de\" title=\"Mirko D\u00f6lle\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mid<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p><strong>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. 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