{"id":764116,"date":"2026-02-01T17:29:09","date_gmt":"2026-02-01T17:29:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/764116\/"},"modified":"2026-02-01T17:29:09","modified_gmt":"2026-02-01T17:29:09","slug":"ein-neues-stueck-am-eukitea-theater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/764116\/","title":{"rendered":"Ein neues St\u00fcck am Eukitea-Theater"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wie eine blanke, unber\u00fchrte Leinwand, oder aber wie eine noch unerz\u00e4hlte Geschichte breitet sich das B\u00fchnenbild im Eukitea Theater aus. Heller Vorhang, wei\u00dfer Boden. Drei Schauspieler betreten den Raum, gekleidet in Grau und Beige und dazu lautlos barfu\u00df. Aber an den B\u00fchnenseiten stapeln sich B\u00fccher: bunte Einb\u00e4nde, dicke Brocken, kleine B\u00e4nde. Das Schauspiel-Trio wird diese Werke in die Hand nehmen und aus ihren Seiten vorlesen. Mehr noch: Szenen aus Kapiteln spielen und dazu die Lebensgeschichten der Autoren erz\u00e4hlen. Sie werden dabei tanzen, k\u00e4mpfen, sich umarmen. Die B\u00fccher am B\u00fchnenrand sind Werke von neun Schriftstellern und Schriftstellerinnen, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/nach-dem-blutigen-anschlag-in-australien-historiker-wolffsohn-sieht-antijuedischen-tsunami-113046561\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">die in der NS-Zeit verfolgt, verfemt, verdammt wurden<\/a>. Weil sie frei dachten und so frei leben wollten. Was ihnen gemein ist: Ihre B\u00fccher wurden am 10. Mai 1933 von einer fanatischen Menge \u00f6ffentlich verbrannt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wie sie zur Zielscheibe der Gewalt wurden? Das erz\u00e4hlt dieses St\u00fcck \u201eFriedenskinder\u201c, das mit wenigen Mitteln so viel vermitteln will. Regisseur Stephan Eckl und seinem Team gelingt damit eine so packende wie komplexe Aufforderung \u2013 zum Lesen und zum Handeln, hier und heute.\n  <\/p>\n<p>            Mit Erich K\u00e4stnes Frage \u201eKann man B\u00fccher verbrennen?\u201c Beginnt das St\u00fcck<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Josephine Volk, Christian Rodenberg und Valentin Wei\u00df spulen die Zeit zur\u00fcck, Deutschland in den fr\u00fchen 1930er-Jahren: \u201eHerzlich willkommen in der Weimarer Republik!\u201c Dann tanzen sie locker zur Swingmusik und rufen die Schlagworte der Epoche durch den Raum: \u201eKriegsende!\u201c \u2013 \u201eFrauenwahlrecht!\u201c &#8211; \u201eMassenarmut!\u201c \u2013 \u201eKrise, Krise, Krise\u201c \u2013 \u201eSpa\u00df, Spa\u00df, Spa\u00df\u201c. Aber auch: \u201eZunehmender Antisemitismus\u201c und \u201eextremer Nationalismus\u201c. Den Tag, als die B\u00fccher brannten, beschreibt das Trio dann mit den Worten eines literarischen Augenzeugen. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/bauarbeiten-in-der-halle-116-sanierung-des-ns-gedenkorts-ab-herbst-geplant-110415519\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Studenten in SS-Uniform versammelten sich am Berliner Opernplat<\/a>z. Sie kippten Lastwagen-Ladungen von B\u00fcchern, die sie als \u201eundeutsch\u201c verurteilen, auf einen Scheiterhaufen. \u201eEr flammte auf\u201c, so beschreibt es Erich K\u00e4stner. Und dann tauchte Joseph Goebbels auf vor dem Feuer, \u201ewie ein Teufelchen vor der H\u00f6lle\u201c. Doch bald wird K\u00e4stner selbst von einer Frau in der Menge entdeckt: \u201eSeht nur, da steht er, der K\u00e4stner\u201c, denn auch dessen B\u00fccher lodern auf dem Haufen. Weil er mit Witz und Widerwillen gegen den Geist und die Gewalt der Zeit stichelte.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Mit dieser Schl\u00fcsselszene \u00f6ffnet sich dieses St\u00fcck mit seinen neun Kapiteln. Die Schauspieler leisten Feinarbeit mit Blicken und Gesten. Zuerst stehen da zwei M\u00e4nner und staunen mit gro\u00dfen Augen \u00fcber die brennenden B\u00fccher \u2013 und nur in der Fantasie entsteht das historische Bild dazu. In den Szenen, die folgen, sitzt oft einer der drei auf einem Hocker und erkl\u00e4rt in wenigen S\u00e4tzen das Leben des n\u00e4chsten Autors. Dann bricht eine gespielte Szene aus. Tanzen, zerren, kommen, gehen, sich absto\u00dfen und anziehen. In der Bewegung bricht die Unruhe der Zeit aus. Je nach Tonfall jedes einzelnen Kapitels.\n  <\/p>\n<p>            Gustav Meyrink z\u00e4hlte zu den Autoren der verbrannten B\u00fccher<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eGustav Meyrink wollte den Geheimnissen des Lebens auf den Grund gehen.\u201c Als Pionier der fantastischen Literatur galt der Romancier in Prag als B\u00fcrgerschreck &#8211; und den Nazis als Feindbild mit seiner freien Fantasie. Andere wurden konkreter politisch: \u201eHabt ihr den Krieg nicht satt?\u201c, eine Frau legt sich mit einem Rudel von aufmarschierenden, jungen Kriegslustigen an. \u201eEwiger Friede, ein Widersinn?\u201c, fragte da die Autorin Bertha von Suttner. F\u00fcr ihre pazifistischen Werke wie \u201eDie Waffen nieder\u201c erhielt sie noch den Friedensnobelpreis. Doch dann starb sie eine Woche vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, \u201evor dem sie immer gewarnt hatte\u201c. Auch Stefan Zweig, \u00d6sterreicher und Jude, war ein Mahner f\u00fcr Freiheit und Frieden: \u201eWir haben wohl alle manchmal das gleiche Verlangen, einen Augenblick auszuruhen von der \u00dcberf\u00fclle der Geschehnisse, Atem zu holen in der unabl\u00e4ssigen politischen Best\u00fcrmung durch die Zeit.\u201c <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/interview-mit-stephan-eckl-dem-leiter-des-eukitea-theaters-109365108\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">In diesen St\u00fcrmen musste auch die J\u00fcdin Nelly Sachs vor der Verfolgung fliehen<\/a>, sie schrieb im schwedischen Exil weiter ihre lyrischen Verse: \u201eAn Stelle von Heimat \/ halte ich die Verwandlungen der Welt.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der Stoff, den das Eukitea-Theater hier zum Mosaik f\u00fcgt, mag kompliziert sein. Aber die Inszenierung konzentriert sich auch deshalb auf drei klare Ebenen: K\u00f6rper, die sich begegnen. Worte, die das Trio zitiert. Und schlie\u00dflich, was auch ma\u00dfgeblich den Raum mit einer Stimmung und Ahnung erf\u00fcllt: Musik. Fred Brunner hat f\u00fcr jede einzelne Szene, jedes Autoren-Kapitel eine Tonkulisse entworfen. Mal brummt das Unheil elektronisch. Andernmal spielen Violine oder Akkordeon zum Tanz. Zu Beginn swingt der Swing der Weimarer Republik, dann aber knistern die Seiten. Klang- und Musiktheater, das dem Gef\u00fchl noch viel mehr Raum gibt.\n  <\/p>\n<p>            Das Eukitea-Theater will \u201eFriedenskinder\u201c an die Schulen bringen<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Das Eukitea-Theater will \u201eFriedenskinder\u201c vor allem auch in Schulen spielen, die Inszenierung mit Vor- und Nachbereitung anbieten &#8211; weil Unterrichtsstunden auch n\u00f6tig sein werden, um die Hintergr\u00fcnde genauer zu erkl\u00e4ren. Das Ensemble hat das St\u00fcck schon in Potsdam und Berlin aufgef\u00fchrt, nun folgte in Diedorf, auf der Eukitea-Hauptb\u00fchne die Bayern-Premiere. Was h\u00e4ngen bleibt? Bei jedem Zuschauer wird es wahrscheinlich eine andere Szene sein, ein anderer Satz, ein anderes Gef\u00fchl. Die trotzigen Worte, die mahnenden und die lebensweisen, die schweren oder die leichteren. Und was im besten Fall bleibt, ist ein Gef\u00fchl, selbst handeln zu k\u00f6nnen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Vor allem das aktuelle Thema der Flucht habe die Sch\u00fcler ber\u00fchrt, die \u201eFriedenskinder\u201c schon gesehen haben \u2013 erz\u00e4hlt Josephine Volk. Sie hat dann auch selbst nach den richtigen Worten gesucht, gemeinsam mit Jugendlichen, mit denen sie w\u00e4hrend der Entwicklung des St\u00fccks gesprochen hat. Mit Volks Zeilen endet \u201eFriedenskinder\u201c: \u201eHeute ist nicht damals \u2013 und morgen kann mehr sein, als alles, was gestern war\u201c. Als K\u00e4stner vor dem brennenden Stapel stand, fragte er sich: \u201eKann man B\u00fccher verbrennen?\u201c Ja, wohl das Papier, auf dem sie gedruckt sind. Aber nicht die Worte, wenigstens nicht in diesen neun F\u00e4llen. Diese Worte leben weiter.\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Veronika Lintner<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Erich K\u00e4stner<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Krise<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie eine blanke, unber\u00fchrte Leinwand, oder aber wie eine noch unerz\u00e4hlte Geschichte breitet sich das B\u00fchnenbild im Eukitea&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":764117,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1846],"tags":[680,772,296,173826,3364,29,25467,548,663,3934,30,173824,13,66937,173823,669,14,15,12,173825,19571],"class_list":["post-764116","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-augsburg","tag-augsburg","tag-bayern","tag-berlin","tag-christian-rodenberg","tag-de","tag-deutschland","tag-erich-kaestner","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-germany","tag-gustav-meyrink","tag-headlines","tag-joseph-goebbels","tag-josephine-volk","tag-krise","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen","tag-stephan-eckl","tag-weimarer-republik"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115996561663272875","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/764116","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=764116"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/764116\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/764117"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=764116"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=764116"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=764116"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}