{"id":764752,"date":"2026-02-01T23:30:12","date_gmt":"2026-02-01T23:30:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/764752\/"},"modified":"2026-02-01T23:30:12","modified_gmt":"2026-02-01T23:30:12","slug":"truegerische-erinnerung-oder-gesunde-reaktion-war-frueher-alles-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/764752\/","title":{"rendered":"Tr\u00fcgerische Erinnerung oder gesunde Reaktion: War fr\u00fcher alles besser?"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-toplinewrapper\">\nInterview<\/p>\n<p>Standdatum: 1. Februar 2026.<\/p>\n<p>Autorinnen und Autoren:<br \/>\nVerena Patel<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Barfu\u00df l\u00e4uft eine Person vor dem dem Anschwimmen  durch den Schnee.\" data-image-owner=\"dpa Bildfunk | Patrick Seeger\" data-image-title=\"Barfu\u00df l\u00e4uft eine Person vor dem dem Anschwimmen  durch den Schnee.\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/eisbaden-102~_v-800x450_c-1768912203465.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/eisbaden-102~_v-640x360_c-1768912203465.jpg\"\/><\/p>\n<p>&#8222;Fr\u00fcher liefen wir noch barfu\u00df durch den Schnee&#8220; \u2013 wie wir uns erinnern und warum dabei manches ausgeblendet wird, erkl\u00e4rt Neurowissenschaftler Thorsten Fehr im Interview.<\/p>\n<p>Bild: dpa Bildfunk | Patrick Seeger<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Es wurde nicht gejammert und das Wetter war sowieso krasser: Warum uns die Vergangenheit oft besser erscheint und was das mit Psychohygiene zu tun hat, erkl\u00e4rt ein Bremer Neurowissenschaftler.<\/p>\n<p>Trauben von Menschen, hunderte, manchmal rennend, Blick gesenkt, aufs Handy, an teils seltsamen Orten: 2016 gab es das \u00f6fter. Grund: Pok\u00e9mon Go, ein neues Spiel, bei dem die Standortsignale des Smartphones genutzt wurden, um Figuren in einer virtuellen Welt gegeneinander antreten zu lassen. Nur einer der Netztrends aus dem Jahr 2016, nach denen sich Userinnen und User gerade zur\u00fccksehnen. Und auch Schneesturm &#8222;Elli&#8220; rief die Nostalgiker auf den Plan: &#8222;Das bisschen K\u00e4lte? Fr\u00fcher liefen wir noch barfu\u00df durch den Schnee!&#8220; <\/p>\n<p>Warum in der R\u00fcckschau vieles sch\u00f6ner oder besonderer erscheint, dar\u00fcber haben wir mit Thorsten Fehr gesprochen. Er ist kognitiver Neurowissenschaftler und Psychologe und forscht an der Universit\u00e4t Bremen.<\/p>\n<p>Herr Fehr, wir wollen \u00fcber das Vorurteil, dass fr\u00fcher alles besser war, reden. Warum denken wir eigentlich so?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Der erste Punkt ist schon der Denkfehler: Dass wir so denken. Einige von uns denken so, sie \u00e4u\u00dfern sich dann und dann denken wir manchmal, dass alle so denken, aber das tun wir eigentlich gar nicht alle, weil das hochindividuell ist. Aber manche Menschen tun das nat\u00fcrlich: &#8218;Fr\u00fcher gab&#8217;s mehr Schnee, fr\u00fcher war mehr Lametta etc.&#8216; Das sind alles Spr\u00fcche von Menschen, die sich gerne verlautbaren und die wir alle kennen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/thorsten-fehr-100~_v-512x288_c-1675696069164.jpg\" data-gallery-entry-for=\"interview-vergangenheit-erinnerungsluecken-thorsten-fehr-bremen-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Portr\u00e4t von Thorsten Fehr\" title=\"Bild: privat\" data-image-owner=\"privat\" data-image-title=\"Portr\u00e4t von Thorsten Fehr\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/thorsten-fehr-100~_v-512x288_c-1675696069164.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/thorsten-fehr-100~_v-640x360_c-1675696069164.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Thorsten Fehr forscht und lehrt an der Universit\u00e4t Bremen. Einer seiner Schwerpunkte ist das Ged\u00e4chtnis. <\/p>\n<p>Bild: privat<\/p>\n<p>Was l\u00e4uft da im Gehirn ab? Was passiert da, dass man manche Dinge total ausblendet und nur bestimmte Dinge in Erinnerung bleiben?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Zun\u00e4chst mal m\u00fcssen wir hier hervorheben, dass die Erinnerung weniger Fehler hat als richtige Dinge, sonst k\u00f6nnten wir gar nicht existieren. Das hei\u00dft also, eigentlich l\u00e4uft es ganz gut. Aber manchmal passieren eben diese Fehler beziehungsweise Anpassungen. Diese Anpassungen sind durch vieles beeinflusst: durch unsere Umwelt, durch unseren Medienkonsum, durch Freunde und Familie, andere Leute, und auch durch innere Prozesse. Unruhiger Schlaf, schlechter Schlaf, sehr guter Schlaf \u2013 durch all diese Prozesse werden unsere Ged\u00e4chtnisinhalte und Erinnerungen ver\u00e4ndert, angepasst oder wie wir so sch\u00f6n sagen: moduliert. Das hei\u00dft also: Hier gibt es ein riesengro\u00dfes Portfolio an Einfl\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dient das dem Menschen zum \u00dcberleben, so zu denken: &#8218;Fr\u00fcher war es besser&#8216; oder &#8218;Fr\u00fcher waren die Leute hartgesottener, konnten mehr aushalten&#8216;?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir uns auch ermuntern oder ermutigen, zum Beispiel, indem wir sagen: &#8218;Ach, da m\u00fcssen wir jetzt durch. Das m\u00fcssen wir jetzt durchhalten. Komm&#8216;, fr\u00fcher ging das doch auch.&#8216; Fr\u00fcher gab es immer den Spruch: Nur die Harten kommen in den Garten. Man nennt das Durchhalteparolen. Aber man muss auch sagen: Es dient auch ein st\u00fcckweit der Psychohygiene. Bei einem gesund sozialisierten und aufgewachsenen Menschen mit einer soliden Psyche hilft das ja auch letztlich der Selbsttherapie. Also zum Beispiel: Durchhaltewillen, Dinge mal durchzuziehen, einen Ausbildungsgang abzuschlie\u00dfen und so weiter. Oder einfach mal zu Fu\u00df von A nach B zu gehen, auch wenn&#8217;s kalt ist, und das hilft sehr.<\/p>\n<p>Also mit anderen Worten: Zu verkl\u00e4ren, was gestern war, ist gar nicht so schlecht.<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Verkl\u00e4ren ist vielleicht ein zu starkes Wort. Vielleicht sollte man sagen: In ein gewisserma\u00dfen gesundes oder \u00fcberlebensf\u00e4higes Verh\u00e4ltnis r\u00fccken, das ist ok. Verkl\u00e4ren, das geht in eine extreme Richtung. Verkl\u00e4ren kann auch bedeuten, dass man die Dinge fatalistisch deutet. Also: Es spielt keine Rolle, ich konnte mich sowieso nicht in irgendeiner Form mit Einfluss einbringen oder, oder, oder. Das sind nat\u00fcrlich sehr negative Effekte. Aber die positiven Effekte sind, dass ich mir selber helfen kann, eine gesunde Psychohygiene und eine gesunde Psyche beizubehalten.<\/p>\n<p>Ist das eigentlich etwas, das alle Menschen im Laufe ihres Lebens entwickeln, dass sie sagen: &#8218;Fr\u00fcher, als ich jung war, war das so und so&#8216;?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Wir unterliegen in der Organisation unseres Ged\u00e4chtnisses nat\u00fcrlich lebenslangen Ver\u00e4nderungen. Ganz fr\u00fch wird ganz viel in unser Ged\u00e4chtnis hinein gespeichert. Davon wird auch vieles wieder gel\u00f6scht, das wird sozusagen neuronal wieder beseitigt. Das hei\u00dft, das ist dann Ballast. Wir straffen sozusagen unser Ged\u00e4chtnis. Sp\u00e4ter, vor allem in der Mitte des Lebens, brauchen wir unser Ged\u00e4chtnis sehr, sehr stark f\u00fcr unseren Beruf, wir sind sehr, sehr stark gefordert. Und sp\u00e4ter kommen dann eben so Sachen, dass das Ged\u00e4chtnis nicht mehr so ganz fluide, nicht mehr so ganz fl\u00fcssig, nicht mehr so ganz einbaubar ist in unser Denken. Und da manifestieren sich manchmal Ideen von der Vergangenheit, die immer schwerer aufzul\u00f6sen oder anzupassen sind. Das Ged\u00e4chtnis ver\u00e4ndert sich im Laufe unseres Lebens und nat\u00fcrlich auch die Neigung, das eine vielleicht zu dramatisieren und das andere vielleicht zu bagatellisieren.<\/p>\n<p class=\"article-legal-agencies\"><strong>Quelle<\/strong>:<br \/>\nbuten un binnen.\n<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nbutenunbinnen.de, Tr\u00fcgerische Erinnerung oder gesunde Reaktion: War fr\u00fcher alles besser?, 1. Februar 2026, 16:06 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Interview Standdatum: 1. Februar 2026. 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