{"id":765771,"date":"2026-02-02T09:23:11","date_gmt":"2026-02-02T09:23:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/765771\/"},"modified":"2026-02-02T09:23:11","modified_gmt":"2026-02-02T09:23:11","slug":"alfred-delp-muenchner-kardinal-marx-eroeffnet-verfahren-zur-seligsprechung-des-ns-widerstandskaempfers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/765771\/","title":{"rendered":"Alfred Delp: M\u00fcnchner Kardinal Marx er\u00f6ffnet Verfahren zur Seligsprechung des NS-Widerstandsk\u00e4mpfers"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Ob dies ein Abschiedsbrief ist oder nicht, ich wei\u00df es nicht. Das wissen wir heute ja nie. (&#8230;) Wie es mir geht? Da ist nicht viel zu sagen. (&#8230;) Hab keine Sorge, ich bem\u00fche mich, kein Kleinholz zu machen, auch wenn es an den Galgen gehen sollte. Gottes Kraft geht ja alle Wege mit.&#8220; Diese Zeilen schrieb Alfred Delp (1907-1945) mit gefesselten H\u00e4nden im Gef\u00e4ngnis Berlin-Tegel, heimlich wurde der Brief nach drau\u00dfen geschmuggelt. Der Jesuitenpater hatte noch sechs Wochen zu leben, in v\u00f6lliger Ungewissheit \u00fcber sein Schicksal, immer wieder misshandelt und verpr\u00fcgelt.<\/p>\n<p>Am 2. Februar 1945 wurde er mit 37 Jahren in Berlin-Pl\u00f6tzensee geh\u00e4ngt, seine Asche auf den Feldern verstreut, die Ver\u00f6ffentlichung einer Todesanzeige verboten. Heute gelten seine Aufzeichnungen als Beispiel f\u00fcr die Kraft, die der Glaube einem Menschen geben kann. In seiner Kerkerzelle lernte er Verlassenheit und Armseligkeit kennen, aber er entdeckte auch einen ganz nahen Gott.<\/p>\n<p>Kardinal Marx: Menschlichkeit und Gerechtigkeit machen eine Gesellschaft stark<\/p>\n<p>81 Jahre nach seinem Tod er\u00f6ffnet nun der M\u00fcnchner Kardinal Reinhard Marx am 2. Februar im Liebfrauendom den Prozess der Seligsprechung von Alfred Delp. F\u00fcr die Nazis sei Delps christliche \u00dcberzeugung von der Freiheit und W\u00fcrde aller Menschen eine echte Bedrohung gewesen, erkl\u00e4rte Marx: &#8222;Wir beginnen sein Seligsprechungsverfahren in dem Bewusstsein, dass auch heute die Stimmen wieder lauter werden, die in der Unterdr\u00fcckung anderer Menschen ein Zeichen von St\u00e4rke sehen. Ihnen stellen wir uns entgegen: Nicht Gewalt, Hass und Nationalismus machen eine Gesellschaft stark, sondern Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit.&#8220;<\/p>\n<p>Wann und ob Delp tats\u00e4chlich seliggesprochen wird, steht nicht fest. In einem ersten Schritt werden in der Erzdi\u00f6zese M\u00fcnchen und Freising Delps Schriften ausgewertet und Zeugen zu seinem Leben und Wirken befragt, das dauert voraussichtlich mehrere Jahre. Danach beginnt das vorgeschriebene Verfahren im Vatikan. &#8222;Selige&#8220; sind Menschen, die ein vorbildhaftes christliches Leben gef\u00fchrt haben und deswegen von der Kirche eines Landes, eines Bistums oder einer bestimmten Gemeinschaft verehrt werden d\u00fcrfen; Heilige werden in der gesamten Weltkirche verehrt.<\/p>\n<p>Der Wunsch, den von den Nazis hingerichteten Ordensmann seligzusprechen, war in der Vergangenheit nicht unumstritten. Der M\u00fcnchner Jesuit Andreas Batlogg, ehemaliger Chefredakteur der Ordenszeitschrift &#8222;Stimmen der Zeit&#8220;, f\u00fchrte das lange Hin und Her um ein Seligsprechungsverfahren im vergangenen Jahr gegen\u00fcber &#8222;domradio&#8220; auch auf Unklarheiten in den Zust\u00e4ndigkeiten zur\u00fcck: Diese Prozedur werde normalerweise dort er\u00f6ffnet, wo die betreffende Person gestorben sei. Was zu einem Konflikt zwischen dem Erzbistum Berlin, wo Delp hingerichtet wurde, und der Erzdi\u00f6zese M\u00fcnchen und Freising gef\u00fchrt habe, wo er lebte.<\/p>\n<p>Delp unterst\u00fctzte und versteckte Juden<\/p>\n<p>1907 in Mannheim geboren und in einem gemischt-konfessionellen Elternhaus aufgewachsen, lie\u00df Alfred Delp schon fr\u00fch einen eigenen Kopf erkennen. Alfred ging in die evangelische Volksschule &#8211; und freundete sich mit dem katholischen Pfarrer an. Im Jesuitenorden wurden Delps intellektuelle Begabung und enorme Belesenheit anerkannt, doch der Novizenmeister nahm an seinen &#8222;protestantisch&#8220; eingef\u00e4rbten Gedankeng\u00e4ngen Ansto\u00df.<\/p>\n<p>Bald nach seiner Priesterweihe 1937 ging der M\u00e4nner- und Arbeiterseelsorger und Zeitschriftenredakteur Delp auf offene Konfrontation zu den Nazis. Anders als viele christliche Regimegegner protestierte er nicht nur, wenn der eigene Besitzstand bedroht war &#8211; die Rechte der Kirche, die katholische Lehre. Delp unterst\u00fctzte und versteckte verfolgte Juden. 1943 sagte er vor M\u00e4nnerseelsorgern in Fulda: &#8222;Was helfen uns alle Proteste und alle Eins\u00e4tze um spezifisch christliche oder kirchliche Eigent\u00fcmlichkeiten, wenn vor unsern Augen der Mensch entw\u00fcrdigt wird? (&#8230;) Mit dem Menschen stirbt der Christ.&#8220;<\/p>\n<p>Inhaftiert nach dem 20. Juli 1944<\/p>\n<p>Im Oktober 1941 begegnete Delp in Berlin Helmuth James von Moltke (1907-1945), der einen Fachmann f\u00fcr christliche Soziallehre f\u00fcr seinen &#8222;Kreisauer Kreis&#8220; suchte. Das war eine b\u00fcrgerlich-zivile Widerstandsgruppe, die Modelle f\u00fcr einen Neuaufbau Deutschlands nach dem ersehnten Kriegsende entwickelte. Der Jesuit Delp wurde in diesem Kreis schnell zum Spezialisten f\u00fcr k\u00fcnftige gesellschaftliche und wirtschaftliche Konturen. Er dachte \u00fcber eine soziale Umw\u00e4lzung nach, die er &#8222;personalen Sozialismus&#8220; nannte: weitgehende Sozialisierung der Wirtschaft ohne Staatskapitalismus, wirksame Beteiligung der Arbeitnehmer an F\u00fchrung und Ertrag ihres Unternehmens.<\/p>\n<p>Am 28. Juli 1944 wurde Delp inhaftiert, wenige Tage nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli. Sechs Monate sp\u00e4ter begann vor dem Volksgerichtshof in Berlin ein Schauprozess, der allem Recht Hohn sprach. Das Urteil war von vornherein klar: Todesstrafe wegen Hochverrats. Alfred Delp selbst erkl\u00e4rte: &#8222;Mein Verbrechen ist, dass ich an Deutschland glaubte, auch \u00fcber eine m\u00f6gliche Not- und Nachtstunde hinaus.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Ob dies ein Abschiedsbrief ist oder nicht, ich wei\u00df es nicht. Das wissen wir heute ja nie. 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