{"id":766783,"date":"2026-02-02T18:46:15","date_gmt":"2026-02-02T18:46:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/766783\/"},"modified":"2026-02-02T18:46:15","modified_gmt":"2026-02-02T18:46:15","slug":"projekt-des-balletts-stuttgart-schoene-momente-tanz-knuepft-bande-zwischen-demenzkranken-und-angehoerigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/766783\/","title":{"rendered":"Projekt des Balletts Stuttgart: \u201eSch\u00f6ne Momente\u201c \u2013 Tanz kn\u00fcpft Bande zwischen Demenzkranken und Angeh\u00f6rigen"},"content":{"rendered":"<p>Ein Pilotprojekt des Stuttgarter Balletts in Marbach bringt Demenzkranke und Angeh\u00f6rige auf neue Weise zusammen. Der Tanz schenkt ber\u00fchrende Emotionen und \u00f6ffnet neue Perspektiven.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein besonderes Plus sorgte nun ein Pilotprojekt, das auf Initiative der AWO-<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Demenz\" title=\"Demenz\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Demenz<\/a>-Allianz in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Marbach_am_Neckar\" title=\"Marbach\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marbach<\/a> zu Stande kam und das die Wirkung von Tanz auf demenziell Erkrankte erkunden will. \u201eDas war auch f\u00fcr uns ganz neu\u201c, sagt Marieke Lieber. Seit September kamen Betroffene und ihre Begleitpersonen bei acht Workshops zusammen, Ende Januar gab eine Abschlusspr\u00e4sentation im Martin-Luther-Haus in Marbach Einblicke ins Ausprobierte.<\/p>\n<p>Tanz bringt Menschen auf einer neuen Ebene zusammen <\/p>\n<p>Wer zuschaut, freut sich \u00fcber das herzliche Miteinander und dar\u00fcber, wie Tanz Menschen jenseits von ihren Defiziten neu zusammenbringt. \u201eI mog di\u201c, verk\u00fcndet Seniorin Ursel mehrfach lautstark und macht aus ihrer Sympathie f\u00fcr Adrian Turner, der mit Marieke Lieber die Workshops leitete, kein Geheimnis. Nicht nur deshalb w\u00fcrde der Tanzp\u00e4dagoge auf jeden Fall wieder ein \u00e4hnliches Projekt \u00fcbernehmen, auch wenn der Dialog mit demenziell Erkrankten, wie die Vorbereitungsstunde vor der Pr\u00e4sentation zeigte, auf einer Tanzb\u00fchne Geduld, Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und Spontaneit\u00e4t braucht. <\/p>\n<p>Einfache Bewegungen im Sitzen wie das Erkunden von Blickrichtungen gehen \u00fcber in einen sehr innigen Pas de deux, f\u00fcr den die Paare ihre ineinander gelegten H\u00e4nde schweben lassen. \u201eWir haben \u00fcber Improvisationen sehr sch\u00f6ne Momente gefunden, bei denen wir sp\u00fcrten, dass da eine Verbindung neu aufgebaut wird, die im Alltag leicht verloren geht\u201c, erl\u00e4utert Adrian Turner den emotionalen Mehrwert von Bewegung und f\u00fcgt an: \u201eDas macht diese Workshops wertvoll, wir haben da schon alle ein paar Tr\u00e4nchen geweint.\u201c<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/media.media.7ddbeb52-c94d-4639-b651-86a35838d42f.original1024.media.jpeg\"\/>     Haben Spa\u00df am neuen Miteinander: Seniorin Ursel und ihre Tochter Birgit    Foto: AWO-Marbach    <\/p>\n<p>Sechs Paare, Ehepartner oder Eltern und ihre betreuenden Kinder, nehmen an der Abschlusspr\u00e4sentation teil. Die Seniorin Ursel und ihre Tochter Birgit bilden eines der Tandems. Spa\u00df? Den hat die 85-J\u00e4hrige sichtbar und unterstreicht das auch im Gespr\u00e4ch. \u201eBewegen, bewegen, das ist f\u00fcr mich alles\u201c, sagt sie. Aber allein zum Seniorentanz? Daf\u00fcr habe ihre Mutter nicht den Mut aufgebracht, erkl\u00e4rt Tochter Birgit. \u201eDa ich selber sehr gern und in allen m\u00f6glichen Varianten tanze, habe ich die Initiative ergriffen, als ich \u00fcber die Tagespflege von diesem Angebot erfahren habe\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>Demenz macht Angst vor Neuem <\/p>\n<p>Die Erkrankung bringe viel Angst vor Neuem mit sich, beschreibt die Tochter eine Einschr\u00e4nkung durch die Demenz. \u201eAber ich war mir sicher, dass ich meine Mutter mit der Teilnahme nicht \u00fcberfordere, sondern dass sie viel Spa\u00df haben wird\u201c, sagt Birgit und zieht zum Abschluss ein sehr positives Fazit: \u201eDieses Projekt hat meiner Mutter sch\u00f6ne Augenblicke und mir Erinnerungen an sch\u00f6ne Augenblicke geschenkt, in denen ich sie lachend und tanzend erlebt hatte.\u201c Au\u00dferdem, f\u00fcgt Birgit an, durfte sie eine neue Seite ihrer Mutter kennenlernen \u2013 eine Seniorin, die kess ist, freche Antworten gibt und alle erheitert. \u201eDas ist zu Hause in den eigenen vier W\u00e4nden ganz anders\u201c, deutet sie die bedr\u00fcckenden Momente dieser Krankheit an.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/media.media.8a420832-c54c-4ad2-9487-42e4e9ef498e.original1024.media.jpeg\"\/>     Adrian Turner von Stuttgart Ballett Jung+ mit besonderen Tanzsch\u00fclerinnen und -sch\u00fclern    Foto: AWO-Marbach    <\/p>\n<p>\u201eEs ist einfach so, dass Tanz etwas Verbindendes hat und deshalb auch die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.besonderer-workshop-tanz-und-traenen-ein-demenz-tanzkurs-gegen-das-vergessen.b620308c-aeb9-4283-a951-4e5c08e4f855.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beziehungen zwischen demenziell Erkrankten und ihren Angeh\u00f6rigen auffrischen<\/a> kann\u201c, hat Nicole Loesaus beobachtet. Nat\u00fcrlich bemerke man die Einschr\u00e4nkungen. \u201eDoch beide beginnen gemeinsam ein neues Projekt und befinden sich auf Augenh\u00f6he.\u201c Auf den Weg gebracht hat es die Initiative von Hans-J\u00fcrgen Stritter, Ballettfan und Vorsitzender des AWO-Ortsvereins in Marbach, und seiner Frau In\u00e8s. \u201eWir wollten mit dem Projekt den Menschen Mut zusprechen, die in der Familie mit Demenz zu tun haben\u201c, sagt Hans-J\u00fcrgen Stritter zu seiner Motivation; dazu geh\u00f6re auch, sich mit seinem Anderssein in der \u00d6ffentlichkeit zu zeigen.<\/p>\n<p> Wie man sich ohne Worte ausdr\u00fcckt   <\/p>\n<p>\u201eWir waren von Anfang an \u00fcberzeugt davon, dass Tanz besonders geeignet ist, um mit Menschen mit Demenz zu arbeiten\u201c, sagte Nicole Loesaus und f\u00fcgt an: \u201eIhr Gesp\u00fcr f\u00fcr Musik und Bewegungsabl\u00e4ufe ist noch intakt, da kann man was abrufen. Tanz ist gut f\u00fcr Flexibilit\u00e4t, Gleichgewicht und tr\u00e4gt dazu bei, sich ohne Worte auszudr\u00fccken.\u201c Auch wenn die Evaluation noch aussteht, hat das Pilotprojekt diese Einsch\u00e4tzung best\u00e4tigt. \u201eWir w\u00fcrden das sehr gern fortf\u00fchren\u201c, sagt Nicole Loesaus, zur Umsetzung br\u00e4uchte es aber neue F\u00f6rderer.<\/p>\n<p> Vom Schulprojekt zum Tanz f\u00fcr alle <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Konzept<\/strong><br \/>Die Arbeit mit demenziell Erkrankten passt zum vielf\u00e4ltigen Angebot von Ballett Jung+. \u201eWir sind eine Institution, der kulturelle Teilhabe wichtig ist, und versuchen Menschen anzusprechen, die man sonst nicht erreicht\u201c, sagt Nicole Loesaus. Neben Vorstellungsbesuchen von Schulklassen, Familienf\u00fchrungen mit Mini-Tanzworkshops, Fortbildungen f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte, gibt es Ferienangebote und Schulprojekte, die sich intensiv mit K\u00f6rper und Tanz besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Geschichte<\/strong><br \/>2011 gab es unter dem Titel \u201eMove it\u201c ein erstes Impulsprojekt des Stuttgarter Balletts. Zum 50. Geburtstag der Kompanie lud der damalige Intendant Reid Anderson Jugendliche zum Selbermachen ein. \u201eIch bin gespannt, welche Themen junge Leute heute bewegen und wie sie diese \u2013 inspiriert durch Cranko, Kylian und Forsythe \u2013 in Tanz umsetzen werden\u201c, so Anderson. In der Spielzeit 2021\/22 \u00f6ffnete sich das von Nicole Loesaus geleitete Vermittlungsangebot f\u00fcr alle Generationen und hei\u00dft seither Ballett Jung+.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Pilotprojekt des Stuttgarter Balletts in Marbach bringt Demenzkranke und Angeh\u00f6rige auf neue Weise zusammen. 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