{"id":767224,"date":"2026-02-02T22:48:12","date_gmt":"2026-02-02T22:48:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/767224\/"},"modified":"2026-02-02T22:48:12","modified_gmt":"2026-02-02T22:48:12","slug":"stuttgarter-architekturcoup-wie-wird-hitlers-protzbau-zu-einem-anstaendigen-kulturort-frau-puetter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/767224\/","title":{"rendered":"Stuttgarter Architekturcoup: Wie wird Hitlers Protzbau zu einem anst\u00e4ndigen Kulturort, Frau P\u00fctter?"},"content":{"rendered":"<p> LRO und Georg Reisch hatten bereits den<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.architekturcoup-aus-stuttgart-wie-bauen-stuttgarter-architekten-ein-haus-auf-einem-ns-aufmarschplatz.0519a5f1-e08a-4e64-9d2d-626b1ffefbd0.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Zuschlag f\u00fcr den Bau einer Interimsoper <\/a>auf dem Innenhof des Gel\u00e4ndes erhalten \u2013 seit einem Jahr wird gebaut, man ist im Zeitplan. Wie man ein historisch belastetes Geb\u00e4ude aus der NS-Zeit in einen lebendigen Kulturort verwandelt, sagt die Architektin Katja P\u00fctter im <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Interview\" title=\"Interview\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview<\/a>.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Frau P\u00fctter, was sind die besondere Herausforderungen beim planerischen Umgang mit dem <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.architekturcoup-aus-stuttgart-wie-bauen-stuttgarter-architekten-ein-haus-auf-einem-ns-aufmarschplatz.0519a5f1-e08a-4e64-9d2d-626b1ffefbd0.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schwierigen Erbe <\/a>der Kongresshalle ?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Die Nutzbarmachung dieses stark belasteten Erbes bedeutet f\u00fcr alle Beteiligten eine gro\u00dfe Herausforderung auf allen Ebenen, von Erinnerungskultur \u00fcber die behutsame Pflege des Baudenkmals bis hin zu zeitgem\u00e4\u00dfen L\u00f6sungen f\u00fcr einen gelingenden <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.neues-muenchner-volkstheater-vorhang-auf-fuer-farben-formen-sinnlichkeit.98e78bab-153b-460a-9dd2-1c4311ad9320.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kulturbetrieb<\/a>. Wir gehen die Aufgabe mit viel Energie, Respekt und all unserer Erfahrung aus vorangegangenen Projekten an.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Wie sieht das konkret aus?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Das Projekt umfasst die bauliche Ert\u00fcchtigung und den Innenausbau von zehn der insgesamt 16 Sektoren des \u201eTorsos\u201c der Kongresshalle in N\u00fcrnberg. Die Besonderheit liegt darin, dass der hufeisenf\u00f6rmige Baubestand ja gar nicht die eigentliche, nie realisierte Kongresshalle selbst ist, sondern ausschlie\u00dflich dienende Fl\u00e4chen umfasst \u2013 f\u00fcr Erschlie\u00dfung, Technik und Nebennutzungen. Es geht bei dem Bauprojekt darum, diese vorhandene serielle Struktur mit ihren unterschiedlich geschnittenen, f\u00fcr ganz andere Nutzungen vorgesehenen R\u00e4umen f\u00fcr die kulturellen Aktivit\u00e4ten nutzbar zu machen und dabei so wenig Eingriffe wie n\u00f6tig vorzunehmen.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Was ist der Grundgedanke f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Umbau\" title=\"Umbau\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Umbau<\/a>?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Zentral f\u00fcr den Entwurf ist die Frage \u201eDas Geba\u0308ude kann, was es kann! Aber was kann es wirklich?\u201c. Ein tiefgehendes Versta\u0308ndnis f\u00fcr das Bestandsgeb\u00e4ude und die historische Planung ist hierbei eine Grundvoraussetzung. Das beinhaltet vor allem die Struktur der R\u00e4umlichkeiten, aber auch die Lage haustechnischer Anlagen oder die Belastbarkeit der Konstruktion, nach denen sich sowohl der Bauablauf als auch die Verortung der unterschiedlichen Nutzungen richten muss. Es ging darum, sehr genau zu \u00fcberpr\u00fcfen, welche R\u00e4ume sich f\u00fcr welche Nutzung eignen und sich mit den umliegenden in sinnf\u00e4llige Beziehungen zueinander setzen lassen.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Der Torso steht <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.architektur-und-denkmalschutz-denkmalschutz-ist-klimaschutz.321d9858-9025-4fb8-b227-0cfd37955794.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unter Denkmalschutz<\/a>, wie reagiert Ihr Entwurf darauf?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Zuallererst ist es wichtig, das Baudenkmal in seiner Substanz und in seinem Zeugniswert m\u00f6glichst unangetastet zu belassen. Bauliche Eingriffe und Einbauten m\u00fcssen auf das N\u00f6tigste beschra\u0308nkt bleiben. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Was bedeutet das?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\"> Jegliche Form der Besch\u00f6nigung oder gar Inszenierung verbietet sich dabei. Die Wahrnehmbarkeit des Bestands mit seinen kolossalen Formen und unfertigen, rohen Oberfla\u0308chen bleibt erhalten. Die Bedingungen f\u00fcr die Arbeiten sind au\u00dfergew\u00f6hnlich: Hinter der Fassade wird in Ra\u0308umen mit Wandsta\u0308rken von zum Teil mehr als zwei Metern und Raumh\u00f6hen von bis zu neun Metern gebaut. Einbauten werden so gestaltet, dass der bestehende Raumeindruck bestm\u00f6glich erhalten bleibt. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/media.media.b88f1a0e-a718-4138-b322-30aac9e0e1dc.original1024.media.jpeg\"\/>     Der Torso der von den Nationalsozialisten geplanten Kongresshalle in N\u00fcrnberg wird von Stuttgarter LRO Architekten und dem General\u00fcbernehmer Reisch umgestaltet.    Foto: Daniel Karmann\/dpa    <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Wie wollen Sie das erreichen?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Die Unterteilungen zwischen den Segmenten des Kongresshallen-Rundbaus erfolgen mit durchsichtigen Stahl-Glas-Elementen. Ziel ist, die Bedingungen f\u00fcr die gew\u00fcnschte Durchla\u0308ssigkeit des Geba\u0308udes zu schaffen und f\u00fcr Offenheit und Transparenz zu sorgen. Komplizierte Anschl\u00fcsse werden wir im Sinne des \u201eeinfachen Bauens\u201c vermeiden. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Das bedeutet? <\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Wa\u0308nde und Decken werden gereinigt, aber nicht verputzt oder neu gestrichen. Installationen erfolgen sichtbar, aber geordnet. Raumakustisch erforderliche Elemente werden gestalterisch zur\u00fcckhaltend integriert und auf das N\u00f6tige beschra\u0308nkt. Neu hinzu kommen brandschutztechnisch erforderliche Elemente wie zum Beispiel Feuerwehraufz\u00fcge oder sicher begehbare, barrierefreie B\u00f6den. Alle erforderlichen Einbauten sind so weit m\u00f6glich reversibel und ohne Eingriff in die Substanz konzipiert \u2013 die urspr\u00fcngliche Geb\u00e4udetypologie bleibt unangetastet und ablesbar.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Sie arbeiten auch bei dem Interimsbau auf dem Reichsparteitagsgel\u00e4nde f\u00fcr die Stadt N\u00fcrnberg mit dem General\u00fcbernehmer Georg Reisch zusammen. Wo liegen die Vorteile einer solchen Teambildung \u2013 einmal abgesehen davon, dass Sie bei bisherigen Zusammenarbeiten wie beim M\u00fcnchner Volkstheater oder dem <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.architekturkritik-gebaeude-von-stuttgarter-architekten-lederer-das-schoenste-landratsamt.01ad6ffa-ef80-4516-9681-e9b9315a001c.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Landratsamt Plochingen <\/a>schon stets Zeit- und Kostenrahmen halten konnten? <\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\"> Unsere in Jahrzehnten bew\u00e4hrte Zusammenarbeit ist vom gemeinschaftlichen Willen gepr\u00e4gt, konstruktiv an optimalen L\u00f6sungen zu arbeiten. Durch Verl\u00e4sslichkeit und die gleichen hohen Anspr\u00fcche an bauliche wie gestalterische Qualit\u00e4t sind wir uns sehr verbunden. Und freilich kennen wir gegenseitig unsere St\u00e4rken und vielleicht auch Schw\u00e4chen; das ist ein riesiger Vorteil f\u00fcr uns und den gesamten Bauprozess. <\/p>\n<p> Zur Person <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Katja P\u00fctter<\/strong><br \/>Geboren wurde Katja P\u00fctter 1973 in Marl geboren. 1994 bis 1997 Architekturstudium an der Fachhochschule Bochum, 1997 Diplom an der Fachhochschule Bochum. 1997-1998 Mitarbeit im B\u00fcro Prof. Hermann Kleine-Allekotte in Bottrop-Kirchhellen, ab 1998 Mitarbeit im B\u00fcro Lederer Ragnarsd\u00f3ttir Oei in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a>, ab 2012 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin im B\u00fcro Lederer Ragnarsd\u00f3ttir Oei, seit 2021 Preisrichtert\u00e4tigkeit. Seit 2021 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Gesellschafterin im B\u00fcro LRO.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"LRO und Georg Reisch hatten bereits den Zuschlag f\u00fcr den Bau einer Interimsoper auf dem Innenhof des Gel\u00e4ndes&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":767225,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[5964,2250,1634,3364,29,30,2134,165702,80,174374,57,3783,97,1441],"class_list":{"0":"post-767224","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-umbau","9":"tag-architektur","10":"tag-baden-wuerttemberg","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-interview","15":"tag-kongresshalle","16":"tag-kultur","17":"tag-lro","18":"tag-nationalsozialismus","19":"tag-nuernberg","20":"tag-oper","21":"tag-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116003478246072734","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/767224","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=767224"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/767224\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/767225"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=767224"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=767224"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=767224"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}