{"id":76817,"date":"2025-05-01T21:19:25","date_gmt":"2025-05-01T21:19:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/76817\/"},"modified":"2025-05-01T21:19:25","modified_gmt":"2025-05-01T21:19:25","slug":"frankreich-ein-pariser-baecker-ruettelt-an-der-heiligkeit-des-1-mai-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/76817\/","title":{"rendered":"Frankreich: Ein Pariser B\u00e4cker r\u00fcttelt an der Heiligkeit des 1. Mai &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Der 1. Mai ist heilig, sacr\u00e9, und obligatorisch arbeitsfrei, ch\u00f4m\u00e9. Das wei\u00df jeder Franzose. Eine soziale Errungenschaft der Arbeiter, eine allj\u00e4hrliche Verneigung auch vor den K\u00e4mpfen der Ahnen. Nun aber, vor diesem 1. Mai 2025, ger\u00e4t die Heiligkeit pl\u00f6tzlich ins Wanken. Man fragt sich gerade, ob das Gesetz, das alle nicht notwendige Angestelltenarbeit an diesem Tag verbietet, am Ende nicht auch einige absurde Bl\u00fcten treibt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Und das hat viel mit einer Pariser B\u00e4ckereikette zu tun, die nun in allen Medien ist: Sie hei\u00dft Bo &amp; Mie und br\u00e4uchte die Werbung nicht, die ihr durch die Geschichte erw\u00e4chst. Sie ist so erfolgreich, dass sie schon sechs L\u00e4den allein in Paris unterh\u00e4lt, dazu einen in Aix-en-Provence und je einen in Barcelona, im saudischen Dschidda und in Seoul in S\u00fcdkorea. Vor vier Jahren waren es erst drei, alle in Paris. Das Gesch\u00e4ft an der Rue de Turbigo im 2. Arrondissement hatte offen an jenem 1. Mai nach der Pandemie, obschon B\u00e4ckereien gem\u00e4\u00df Gesetz nicht zu den notwendigen Diensten geh\u00f6ren. Als n\u00f6tig gelten unter anderem Krankenh\u00e4user, Hotels, Restaurants.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Ein Arbeitsinspekteur schaute vorbei, z\u00e4hlte bei Bo &amp; Mie an der Rue de Turbigo 21 Angestellte, redete mit ihnen und lie\u00df sich ihre Arbeitsvertr\u00e4ge aush\u00e4ndigen. Dabei kam heraus, dass alle freiwillig und zum doppelten Stundenlohn arbeiteten. F\u00fcr den Inspekteur vom Staat tat das nichts zur Sache: Der 1. Mai ist ch\u00f4m\u00e9 und sacr\u00e9. Allenfalls h\u00e4tte der Patron arbeiten d\u00fcrfen, aber nur er allein, am Ofen, an der Verkaufstheke, \u00fcberall gleichzeitig. Der Chef von Bo &amp; Mie hei\u00dft Jean-Fran\u00e7ois Bandet. Einige Monate nach der Visite erhielt Bandet per Post eine Geldbu\u00dfe f\u00fcr \u201eVerletzung der Regeln zum arbeitsfreien 1. Mai\u201c auferlegt: 78 750 Euro. F\u00fcr jeden arbeitenden Angestellten 750 Euro \u2013 multipliziert mit f\u00fcnf, weil Bandet als alleiniger Inhaber der Holding auch eine juristische Person ist.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Er ging in Berufung, weil er die Bu\u00dfe f\u00fcr ungerecht hielt. Er habe das Verbot nicht gekannt, sagte er. Nun, das ist nicht sehr wahrscheinlich, wie gesagt: Das kennt jeder Franzose. Bandet h\u00f6rte lang nichts zur\u00fcck, bis vor zwei Wochen, da kam wieder Post: Sein Antrag wurde abgelehnt. Nun ging Bandet an die \u00d6ffentlichkeit und erz\u00e4hlte, 78 750 Euro Geldstrafe seien \u201egrotesk\u201c, das sei mehr als das Zehnfache seines Umsatzes in dieser Filiale. Und \u00fcberhaupt, fragte er: \u201eWarum darf der Rivale Starbucks gleich daneben offen haben am 1. Mai, meine franz\u00f6sische Handwerksb\u00e4ckerei hingegen nicht?\u201c Sp\u00e4testens da hatte er die Franzosen im Sack.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Nun wird dar\u00fcber diskutiert, ob es nicht vielleicht ganz okay w\u00e4re, wenn Angestellte, die gern f\u00fcr den doppelten Lohn am 1. Mai arbeiten wollten, das auch tun d\u00fcrften. Im Senat liegt schon ein Gesetzentwurf in diesem Sinne, eiligst eingereicht von einigen Parlamentariern aus dem politischen Zentrum und offenbar unterst\u00fctzt von der franz\u00f6sischen Arbeitsministerin. Linke und Gewerkschafter stehen kopf. So verschwinde eine weitere Errungenschaft der Arbeiter, sagen sie: Aus der Freiwilligkeit werde sicher schnell Halbzwang.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Neu sollen auch Blumenl\u00e4den mit Personal \u00f6ffnen d\u00fcrfen am 1. Mai: f\u00fcr den Verkauf der obligaten Maigl\u00f6ckchen. Auch damit sind die linken Parteien und die Gewerkschaften nicht so gl\u00fccklich. Die Maigl\u00f6ckchen verkaufen jetzt n\u00e4mlich sie, schwarz, auf der Stra\u00dfe, an ihren Kundgebungen zum Tag der Arbeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der 1. Mai ist heilig, sacr\u00e9, und obligatorisch arbeitsfrei, ch\u00f4m\u00e9. Das wei\u00df jeder Franzose. 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