{"id":768264,"date":"2026-02-03T08:49:13","date_gmt":"2026-02-03T08:49:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/768264\/"},"modified":"2026-02-03T08:49:13","modified_gmt":"2026-02-03T08:49:13","slug":"abschiebungen-nach-afghanistan-doch-ein-deal-mit-den-taliban","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/768264\/","title":{"rendered":"Abschiebungen nach Afghanistan: Doch ein Deal mit den Taliban?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/afghanisches-generalkonsulat-bonn-102.jpg\" alt=\"Ein Schild mit der Aufschrift &quot;Generalkonsulat der Islamischen Republic Afghanistan - Bonn&quot;\" title=\"Ein Schild mit der Aufschrift &quot;Generalkonsulat der Islamischen Republic Afghanistan - Bonn&quot; | picture alliance \/ Bonn.digital\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 03.02.2026 07:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Abschiebungen nach Afghanistan gegen ein wenig Anerkennung? Die Bundesregierung sagt, es gebe keinen Deal mit den Taliban &#8211; doch ARD-Recherchen ergeben nun ein anderes Bild.<br \/><\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Christine Auerbach, BR und Peter Hornung, ARD Studio Neu-Delhi\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sonja Kock wollte keinen Zweifel aufkommen lassen. &#8222;Um das ganz klar zu sagen: Wir haben keine Zugest\u00e4ndnisse gemacht und es gibt auch keinen Deal&#8220;, so die Sprecherin von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt schon vergangenen Oktober. Deutschland k\u00f6nne zwar mit Zustimmung der Taliban afghanische Straft\u00e4ter nun direkt in ihr Heimatland abschieben. Aber es gebe nichts, was die Deutschen im Gegenzug f\u00fcr die Taliban tun w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tats\u00e4chlich w\u00e4re so ein Deal mit den Radikalislamisten auch politisch heikel. Denn die Bundesregierung erkennt die Taliban nicht als rechtm\u00e4\u00dfige Regierung Afghanistans an. Doch es sei immer klar gewesen, dass die Taliban von Deutschland etwas daf\u00fcr fordern w\u00fcrden, sagte nun ein Spitzenbeamter im Bundesinnenministerium im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Mann, der seinen Namen nicht im Radio h\u00f6ren m\u00f6chte, war im Ministerium mehrere Jahre f\u00fcr das Thema Asyl und Abschiebungen verantwortlich &#8211; aber nur bis zum Amtsantritt von Dobrindt. Abschiebungen ja, h\u00e4tten die Taliban schon l\u00e4nger \u00fcber die Presse zu erkennen gegeben, aber eben nicht ohne Gegenleistung. &#8222;Die Bedingung war eine gewisse Anerkennung, will ich mal sagen, des Regimes der Taliban&#8220;, so der Beamte.<\/p>\n<p>    Die ersten Taliban-Diplomaten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Ampelregierung hatte zun\u00e4chst noch nein gesagt. Im Juli vergangenen Jahres aber, einige Monate nach dem Regierungswechsel, durften dann doch zwei Konsularbeamte aus Kabul kommen &#8211; die ersten Taliban-Diplomaten in Deutschland. Die habe man nur ins Land gelassen, um Abschiebungen zu erleichtern, so die Bundesregierung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der ehemalige Spitzenbeamte sieht darin durchaus eine Gegenleistung. &#8222;Dass zwei Vertraute des Talibanregimes bei Generalkonsulaten in Deutschland jetzt t\u00e4tig werden und bei der Botschaft, das war offenbar der Preis, den die Taliban aufgerufen haben.&#8220; Er halte so einen Deal aber f\u00fcr gut vertretbar, so der ehemalige Spitzenbeamte: &#8222;Man ist insoweit in einer gewissen Abh\u00e4ngigkeit. Das l\u00e4sst sich nicht \u00e4ndern. Das ist immer unangenehm, muss aber einfach wie auch in anderen au\u00dfenpolitischen Fragen gemanagt werden.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der afghanische Ex-Diplomat Hamid Kabiri ist sich sicher, dass es so einen Deal gibt zwischen der Bundesregierung und den Radikalislamisten &#8211; Abschiebungen gegen eine gewisse Form der Anerkennung. &#8222;Als ich die Nachricht h\u00f6rte, dass diese beiden Taliban nach Deutschland kommen, wusste ich sofort, dass dahinter ein Deal steckt, vielleicht ein Austausch gegen jemand anderen, oder dass sie als Diplomaten nach Deutschland kommen und dort in irgendwelchen Missionen arbeiten w\u00fcrden&#8220;, so Kabiri.<\/p>\n<p>    &#8222;Sie werden wohl mehr fordern&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kabiri war bis zum Herbst amtierender Generalkonsul Afghanistans in Bonn. Dann entzog ihm die Bundesregierung die Akkreditierung, weil es Kabul so wollte. Jetzt sitzt einer der beiden Taliban-Konsularbeamten an Kabiris ehemaligem Schreibtisch. &#8222;Deutschland ist f\u00fcr die das wichtigste Land in Europa. Sie sind im Moment sehr zufrieden und wissen: Wenn wir zwei Diplomaten entsenden, k\u00f6nnen wir in Deutschland alles erreichen. Sie werden wohl mehr fordern f\u00fcr eine weitere Abschiebung.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Genau das tun die Taliban <a href=\"https:\/\/www.ardaudiothek.de\/episode\/urn:ard:episode:99dea0a4469db401\/\" title=\"Der Deal: Wie die Taliban nach Deutschland kamen\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">nach ARD-Recherchen inzwischen<\/a>. Sie machen nun Druck auf die Bundesregierung, indem sie die noch von der Vorg\u00e4ngerregierung entsandten Diplomaten praktisch vollst\u00e4ndig abziehen. Von 16 sind nur noch drei \u00fcbrig, und auch die sollen offenbar gehen. Im Gegenzug wollen die Taliban vier bis sechs eigene Diplomaten schicken.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Denn ohne Diplomaten keine funktionierenden Konsulate &#8211; und damit auch keine Abschiebungen. Seit Herbst letzten Jahres wurden erst vier Straft\u00e4ter nach Kabul abgeschoben. Nach dem Willen des Bundesinnenministers sollen es aber deutlich mehr werden. Trotzdem sagt die Bundesregierung bis zum heutigen Tage, es gebe es kein Entgegenkommen, also keinen Deal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 03.02.2026 07:00 Uhr Abschiebungen nach Afghanistan gegen ein wenig Anerkennung? 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