{"id":770404,"date":"2026-02-04T04:47:10","date_gmt":"2026-02-04T04:47:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/770404\/"},"modified":"2026-02-04T04:47:10","modified_gmt":"2026-02-04T04:47:10","slug":"ki-fabrik-in-muenchen-wie-das-der-wirtschaft-in-bayern-nutzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/770404\/","title":{"rendered":"KI-Fabrik in M\u00fcnchen: Wie das der Wirtschaft in Bayern nutzt"},"content":{"rendered":"<p>Als Vision\u00e4r ist Friedrich Merz in seinem Amt bisher selten aufgetreten. Umso bemerkenswerter war die Rede, die der Bundeskanzler im vergangenen Juni beim Besuch von Nvidia-Chef Jensen Huang in Berlin hielt. Auf das Vorhaben von Nvidia und der Telekom angesprochen, geriet der CDU-Politiker regelrecht ins Schw\u00e4rmen. Die KI-Pl\u00e4ne der beiden Unternehmen seien ein &#8222;bedeutender Schritt f\u00fcr Deutschlands digitale Souver\u00e4nit\u00e4t und wirtschaftliche Zukunft&#8220;, so der Kanzler. Jetzt weniger als ein Dreivierteljahr sp\u00e4ter, werden die Pl\u00e4ne Wirklichkeit. Die &#8222;AI Industrial Cloud&#8220; nimmt die Produktion auf.<\/p>\n<p>Rechenleistung statt Flie\u00dfbandarbeiter<\/p>\n<p>Produziert wird dort nichts Greifbares, sondern vor allem Rechenzeit f\u00fcr die Wirtschaft. Wozu das gut ist? In der Auto- und Maschinenbauindustrie etwa werden Produkte und Produktionslinien zunehmend als &#8222;digitale Zwillinge&#8220; simuliert. KI kann dabei Materialverhalten, Aerodynamik oder Lieferketten unter vielen Varianten durchrechnen, Fehler fr\u00fcher finden und Entwicklungszeiten verk\u00fcrzen. Solche Simulationen und das Training moderner KI-Modelle brauchen enorme Rechenkapazit\u00e4ten. Daf\u00fcr werden keine einfachen Computerchips ben\u00f6tigt, sondern spezialisierte Grafikprozessoren, sogenannte GPUs (Graphics Processing Units), die mehrere Rechenschritte parallel ausf\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Technik kommt aus den USA<\/p>\n<p>Nach Angaben der Telekom sollen im M\u00fcnchner Tucherpark bis zu 10.000 dieser GPUs rechnen. Hinzu kommen gro\u00dfe Datenmengen: rund 20 Petabyte Speicher, also etwa 20 Millionen Gigabyte, sowie knapp ein Petabyte Arbeitsspeicher. Auf 3.000 Quadratmetern Fl\u00e4che, die mehrere Stockwerke unter die Erde reicht, wurden f\u00fcr eine m\u00f6glichst schnelle Datenanbindung kilometerweise Glasfaserkabel verlegt. Die Telekom verbindet damit ein Versprechen: Mit dem Start der Anlage steige die KI-Rechenkapazit\u00e4t in Deutschland um rund 50 Prozent. Die erste Ausbaustufe beziffert das Unternehmen mit Investitionen von rund einer Milliarde Euro. <\/p>\n<p>Die Rollen in dem Gemeinschaftsprojekt sind klar verteilt: Die Telekom stellt Infrastruktur, Rechenzentrum und Betrieb. Der US-amerikanische Chiphersteller Nvidia liefert die Hardware. Als weiterer Partner ist SAP an Bord. Der deutsche Softwarehersteller soll unter anderem Anwendungen in Unternehmensprozesse integrieren \u2013 und die KI-Rechenleistung nicht zuletzt auch f\u00fcr \u00f6ffentliche Einrichtungen nutzbar machen.<\/p>\n<p>Rechnen in Bayern \u2013 mehr Unabh\u00e4ngigkeit f\u00fcr Deutschland<\/p>\n<p>Adressiert ist das Angebot vor allem an gro\u00dfe und mittelst\u00e4ndische Unternehmen. Gerade f\u00fcr kleinere Betriebe ist es attraktiv, Rechenleistung zu mieten statt teuer selbst aufzubauen. Auch in Bayern, wo viele Industriebetriebe an KI-Anwendungen arbeiten, k\u00f6nnte der Zugang zu leistungsf\u00e4higer Infrastruktur ein Standortfaktor werden \u2013 etwa f\u00fcr Simulationen in der Produktion oder f\u00fcr Robotik. Das Angebot steht aber Kunden in ganz Deutschland offen. Ziel ist es, die Abh\u00e4ngigkeiten von Anbietern au\u00dferhalb Europas zu verringern \u2013 weil Rechenleistung und Datenverarbeitung hierzulande verf\u00fcgbar werden. <\/p>\n<p>Die Politik atmet auf\u00a0\u2013 aber Fragen bleiben<\/p>\n<p>Politisch wird das Projekt als Baustein digitaler Souver\u00e4nit\u00e4t gelesen. Das hatte Friedrich Merz bereits beim Besuch des Nvidia-Chefs deutlich gemacht. Und auch die Liste der G\u00e4ste bei der heutigen Er\u00f6ffnung verdeutlicht diesen politischen Wunsch. Neben Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der (CSU) hat sich Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Bei aller (Vor-)Freude bleibt eine Kernfrage aber offen: Eigene Rechenzentren in Deutschland k\u00f6nnen zwar Abh\u00e4ngigkeiten von Cloud-Anbietern etwa aus den USA verringern und eine Datenverarbeitung hierzulande erm\u00f6glichen. Gleichzeitig entsteht eine neue Abh\u00e4ngigkeit: Der Hersteller der notwendigen Schl\u00fcsseltechnologie \u2013 der KI-Chips \u2013 Nvidia kommt aus dem Silicon Valley. Die M\u00fcnchner &#8222;KI-Fabrik&#8220; steht damit exemplarisch f\u00fcr Europas Dilemma: Man erlangt mehr Kontrolle \u00fcber Daten und Infrastruktur, aber die zentrale Hardware wird weiterhin importiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als Vision\u00e4r ist Friedrich Merz in seinem Amt bisher selten aufgetreten. 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