{"id":770855,"date":"2026-02-04T09:06:13","date_gmt":"2026-02-04T09:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/770855\/"},"modified":"2026-02-04T09:06:13","modified_gmt":"2026-02-04T09:06:13","slug":"jamie-lee-curtis-die-schauspielerin-die-hollywoods-regeln-neu-definiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/770855\/","title":{"rendered":"Jamie Lee Curtis: Die Schauspielerin, die Hollywoods Regeln neu definiert"},"content":{"rendered":"<p>Die Anerkennung kam sp\u00e4t: Erst mit 64 erhielt der einstige Horrorfilmstar Jamie Lee Curtis den Oscar. Seitdem l\u00e4uft es. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber aberwitzige Altersrollen, Filme, die selbst ihr Angst machen, und Frauen, die die Sau rauslassen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Jamie Lee Curtis ist sofort pr\u00e4sent. Trotz des \u00fcblichen Zeitdrucks wirkt sie im Interview offen und konzentriert. Sie fragt zur\u00fcck, h\u00f6rt zu, widerspricht, lacht kurz, wird dann ernst. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund \u2013 ganz gleich, ob es um Hollywood, Politik oder die tiefen Risse in der US-Gesellschaft geht. Man sp\u00fcrt: Hier sitzt eine Schauspielerin, die sich und anderen nichts mehr beweisen muss.<\/p>\n<p>Das Interview fand Ende vergangenen Jahres per Videocall nach London statt, noch vor dem US-Kinostart ihres neuen Films \u201eElla McCay\u201c. Nach schwachen Einspielergebnissen und gemischten bis negativen Kritiken \u2013 der \u201eGuardian\u201c und andere lobten vor allem die Besetzung und Curtis\u2019 Spiel, kritisierten jedoch die inkoh\u00e4rente Story \u2013 kommt der Film in Deutschland gar nicht erst ins Kino, sondern ist ab 5. Februar auf Disney+ zu sehen. Auch politisch hat sich der Kontext seitdem dramatisch ver\u00e4ndert: Das Gespr\u00e4ch entstand noch vor den t\u00f6dlichen Sch\u00fcssen auf die US-Staatsb\u00fcrger Ren\u00e9e Good und Alex Pretti im Januar in Minneapolis, beide erschossen bei Eins\u00e4tzen der Einwanderungsbeh\u00f6rde ICE. Curtis<a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article69802847f0e62064809e18b3\/grammys-in-los-angeles-preisverleihung-wird-mit-fuck-ice-rufen-zum-anti-trump-event-und-dann-gewinnt-der-dalai-lama.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article69802847f0e62064809e18b3\/grammys-in-los-angeles-preisverleihung-wird-mit-fuck-ice-rufen-zum-anti-trump-event-und-dann-gewinnt-der-dalai-lama.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> solidarisierte sich mit Protestlern<\/a>, reagierte auf ihrem Instagram-Account mit Trauer und Wut auf den Tod von Good und Pretti. \u201eThese were Americans! Shot by our government\u201c, schrieb sie. Eine Aktualisierung des Interviews war nicht mehr m\u00f6glich \u2013 und doch wirkt vieles von dem, was sie \u00fcber den Hass in Amerika sagt, heute fast hellsichtig.<\/p>\n<p>\u201eElla McCay\u201c erz\u00e4hlt von einer jungen, idealistischen Politikerin, die aus einem besch\u00e4digten famili\u00e4ren Umfeld stammt und pl\u00f6tzlich politische Verantwortung \u00fcbernimmt. Es ist ein Film \u00fcber Macht, Moral und die Frage, wie man integer bleibt in einem System, das daf\u00fcr wenig Belohnung vorsieht. Curtis selbst steht exemplarisch f\u00fcr Wandel. Einst Horror-Ikone, sp\u00e4ter untersch\u00e4tzt als k\u00f6rperbetonte Kom\u00f6diantin, ist die Tochter der Hollywood-Legenden Janet Leigh und <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article9977927\/Hollywood-Selbstironischer-Sonnyboy-Tony-Curtis-ist-tot.html\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article9977927\/Hollywood-Selbstironischer-Sonnyboy-Tony-Curtis-ist-tot.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Tony Curtis <\/a>heute eine ernst genommene Charakterdarstellerin, die mit 67 alles spielen kann \u2013 und es auch tut. <\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Ich muss Ihnen vorab gestehen, dass ich \u201eHalloween\u201c, J<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.rollingstone.de\/the-thing-das-ding-aus-einer-anderen-welt-trivia-1293565\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.rollingstone.de\/the-thing-das-ding-aus-einer-anderen-welt-trivia-1293565\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">ohn Carpenters <\/a>Horror-Klassiker, der Sie Ende der 70er-Jahre zum Star machte, zur \u201eScream Queen\u201c, bis heute nicht gesehen habe \u2013 ihn mir nicht ansehen kann. <\/p>\n<p><b>Jamie Lee Curtis: <\/b>Warum nicht?<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Weil ich Schocker, in denen Serienm\u00f6rder als das grundlos B\u00f6se ihren Opfern nachjagen, nicht aushalte. F\u00fcr mich war schon der Trailer zu viel. <\/p>\n<p><b>Curtis: <\/b>Ich verstehe Sie. So etwas macht mir auch Angst. Welchen Film haben Sie denn als ersten von mir gesehen \u2013 \u201eBlue Steel\u201c?<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Nein, den Gruselfilm \u201eNebel des Grauens\u201c, auch von Carpenter.<\/p>\n<p><b>Curtis: <\/b>Der ist aber auch ziemlich unheimlich.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Das stimmt. Aber darin geht es ja um die Geschichte von halb verwesten, leprakranken Seem\u00e4nnern, die aus dem Meer kommen, um sich an den Nachfahren jener Menschen zu r\u00e4chen, die sie ein Jahrhundert zuvor mit einem falschen Leuchtfeuer auf die Klippen und in den Tod gef\u00fchrt hatten. Das ist nicht ann\u00e4hernd so verst\u00f6rend wie der maskierte Serienkiller aus \u201eHalloween\u201c. Was ich am \u201eNebel des Grauens\u201c bemerkenswert fand, ist, dass Sie darin mit Ihrer Mutter Janet Leigh spielen.<\/p>\n<p><b>Curtis:<\/b> Ja, es war sch\u00f6n, meine Mutter in \u201eNebel des Grauens\u201c zu sehen.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Die Todesszene Ihrer Mutter in der Dusche in Hitchcocks \u201ePsycho\u201c ist in die Filmgeschichte eingegangen. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre gemeinsame Arbeit in dem Carpenter-Film?<\/p>\n<p><b>Curtis: <\/b>Als junge Schauspielerin stand ich schon vor \u201eNebel des Grauens\u201c mal mit meiner Mutter vor der Kamera \u2013 in einer Folge der Serie \u201eThe Love Boat\u201c. In \u201eNebel des Grauens\u201c haben meine und ihre Rolle jedoch kaum etwas miteinander zu tun. Ich erinnere mich aber daran, dass es auch f\u00fcr alle anderen Beteiligten sch\u00f6n war, meine Mutter am Set zu erleben. Sie war eine Legende, eine wundersch\u00f6ne Person. Sie war aber vor allem ein liebenswerter Mensch. Aber ich habe jetzt keine besondere Beziehung zu diesem Film, nur weil wir zusammen darin mitspielen, das war eher eine Kuriosit\u00e4t. Sehen Sie, meine Eltern waren beide sehr beliebt, sehr talentiert \u2013 sie wurden beide als Filmstars sehr respektiert. Und es ist sch\u00f6n, dass ich mit meiner Mutter zusammen arbeiten konnte. Aber meine Eltern sind nun beide schon lange tot. Ich habe stets versucht, sie zu ehren, gleichzeitig meinen eigenen Weg zu gehen und herauszufinden, warum ich hier bin. Das habe ich, glaube ich, sehr konsequent umgesetzt.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> In Ihrem neuen Film \u201eElla McCay\u201c spielen Sie die resolute Tante der jungen Protagonistin \u2013 eine \u00e4ltere Frau, die sagt, was sie denkt: Ihrem sexs\u00fcchtigen Bruder empfiehlt sie eine Kastration. Als ihre Nichte mit 34 Jahren US-Gouverneurin wird, freut sich die Tante derart, dass sie mit Hitzewallungen in der Menopause kokettiert: \u201eMein K\u00f6rper explodiert mit Schwei\u00dfausbr\u00fcchen \u2013 dies sind meine ersten gl\u00fccklichen Schwei\u00dfausbr\u00fcche.\u201c <\/p>\n<p><b>Curtis:<\/b> (lacht) Ich bin 67 Jahre alt.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Dank Rollen wie dieser werden Sie seit den vergangenen f\u00fcnf, sechs Jahren ganz anders wahrgenommen und wertgesch\u00e4tzt \u2013 selbst dann, wenn die Filme dazu floppen. Haben Sie eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, dass Sie mit 60plus immer wieder solche Parts bekommen, Frauen, die die Sau rauslassen \u2013 die scharfz\u00fcngig sind, die Witz, Esprit und Coolness haben? <\/p>\n<p><b>Curtis:<\/b> Ich habe mein ganzes Leben darauf gewartet, in Filmen M\u00f6glichkeiten wie diese zu bekommen. Ich war immer geduldig, ein braves M\u00e4dchen. Ich habe Werbespots gemacht, habe schlechtes Fernsehen und gutes Fernsehen gemacht, ein paar gute Filme gedreht \u2013 aber mehr schlechte Filme. Was ich vor allem in den letzten Jahren gelernt habe: Bei diesen j\u00fcngsten Rollen, die Sie ansprechen, steht und f\u00e4llt alles mit dem Drehbuch. Wenn die Sprache und die Ideen eines Skripts auf eine Schauspielerin treffen, die sie gut interpretiert, und wenn der Film es dann auch zul\u00e4sst, dass man dies wirklich wahrnehmen kann, dann ist das Freiheit. Ich f\u00fchle mich heute freier als je zuvor, als an jedem anderen Tag meines Lebens. Und jetzt, da ich hier vor Ihnen sitze, f\u00fchle ich mich freier als gestern. Da k\u00f6nnen Sie mal sehen, wie entfesselt ich in meiner Kreativit\u00e4t und in meinen M\u00f6glichkeiten bin. Und ich nutze das in vollem Umfang.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Entfesselung trifft es ganz gut. Was all Ihre aberwitzigen, unangepassten Rollen der vergangenen Jahre betrifft, lohnt es sich, mal ins Detail zu gehen. Sie bekamen 2023 Ihren ersten Oscar \u00fcberhaupt f\u00fcr Ihre Darstellung der grotesk \u00fcberzeichneten Steuerpr\u00fcferin Deirdre in dem postmodernen Multiversum-M\u00e4rchen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/plus244323803\/Oscars-Everything-Everywhere-All-at-Once-hat-ein-Problem.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/plus244323803\/Oscars-Everything-Everywhere-All-at-Once-hat-ein-Problem.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eEverything Everywhere All At Once\u201c.<\/a><\/p>\n<p><b>Curtis: <\/b>Mit meiner Freundin Michelle Yeoh, die darin die Hauptrolle spielt, und in die ich mich in einem Teil des Films ja verliebe.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>In der sogenannten Hot-Dog-Dimension, einem absurden Paralleluniversum, in dem Menschen Wurstfinger haben, sind Sie beide ein Paar. <\/p>\n<p><b>Curtis:<\/b> Ja, genau das meinte ich damit, als ich sagte: Ich war geduldig in meiner Karriere. Ich habe mein ganzes Leben darauf gewartet, jemanden wie Deirdre zu spielen oder wie Donna Berzatto in der Serie \u201eThe Bear\u201c.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Die alkoholkranke, toxische Mutter des von Jeremy Allen White dargestellten jungen K\u00fcchenchefs, die Sie ab 2023 spielten. 2019 waren Sie die Machtfrau einer Gro\u00dffamilie in dem Krimi-Erfolg \u201eKnives Out\u201c, 2025 in \u201eThe Last Showgirl\u201c eine Ex-T\u00e4nzerin, die gegen Dem\u00fctigung und den k\u00f6rperlichen Verfall k\u00e4mpft. Im selben Jahr spielten Sie in der Kom\u00f6dien-Fortsetzung \u201eFreakier Friday\u201c eine Oma, die durch ein magisches chinesisches Ritual K\u00f6rpertausch mit Ihrer Enkelin vollzieht, und Sie produzierten den Actionfilm \u201eThe Last Bus\u201c mit Matthew McConaughey \u2026<\/p>\n<p><b>Curtis: <\/b>\u2026 ich wollte schon mein ganzes Leben lang als Produzentin arbeiten. Ich hatte seit meinem 19. Lebensjahr und habe bis heute mit 67 immer wieder solche Ideen. Zurzeit produziere ich eine Serie namens \u201eScarpetta\u201c mit Nicole Kidman, die n\u00e4chstes Jahr bei Amazon Prime herauskommt und in der ich selbst auch spiele. Sie basiert auf den Romanen von Patricia Cornwell und handelt von der Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta. Diese B\u00fccher wurden vor 30 Jahren geschrieben, niemand hat sie bisher verfilmt. Irgendwie habe ich es dann geschafft.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Eins hatte ich noch vergessen: 2025 spielten Sie auch noch in \u201eStar Trek: Sektion 31\u201c, einem Spin-off-Film der Science-Fiction-Reihe. Das ist schon ein gewaltiges Pensum. Wie bringen Sie all das unter einen Hut?<\/p>\n<p><b>Curtis: <\/b>Sie sind der erste Mensch, dem ich je begegnet bin, der wei\u00df, dass ich in diesem \u201eStar Trek\u201c-Film mitgespielt habe. Ich selbst habe ihn bisher nicht mal gesehen, kenne auch niemanden, der ihn gesehen hat \u2013 au\u00dfer Ihnen. Ich wei\u00df nicht mal, ob es eine Serie oder ein Film ist.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Ein Film.<\/p>\n<p><b>Curtis: <\/b>Okay, ich habe es gemacht, weil meine Freundin Michelle Yeoh, die darin eine Hauptrolle spielt, mich darum gebeten hat. Sehen Sie: Ich nehme gerade alles mit, was geht, versuche, das voll auszusch\u00f6pfen. Eben weil ich ein Gesp\u00fcr f\u00fcr das Ticken der Uhr habe: tick-tock, tick-tock \u2013 und damit meine ich jetzt nicht die gleichklingende chinesische Social-Media-Plattform, mit der unsere Kinder ausspioniert und gehackt werden (TikTok, d. Red.). Ich meine das Voranschreiten der Zeit: tick-tock, tick-tock.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Auf Deutsch hei\u00dft es tick-tack.<\/p>\n<p><b>Curtis:<\/b> Ich werde \u00e4lter, mein Mann wird \u00e4lter, meine Kinder werden \u00e4lter. Und w\u00e4hrend wir alle \u00e4lter werden, ist mir bewusst, dass ich mehr Zeit mit meiner Familie brauchen werde. Gleichzeitig wei\u00df ich aber auch, dass dies gerade ein perfekter Moment f\u00fcr mich ist, was meine Kreativit\u00e4t betrifft. Nur habe ich deshalb keine gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigen Fantasien, dass ich auch in zehn Jahren noch Filme produzieren oder sogar Regie f\u00fchren werde. Ich bin 67 und habe genau jetzt diese sch\u00f6pferische und gesch\u00e4ftige Phase. N\u00e4chstes Jahr werde ich in einer Neuauflage von \u201eMord ist ihr Hobby\u201c spielen. Es gibt noch eine Sitcom und ein paar Dinge, die ich gerne machen w\u00fcrde. Danach sehen wir weiter.<\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Mrs. Curtis, die fiktive Jung-Politikerin Ella McCay, die Ihrem neuen Film den Namen gibt, wird im Jahr 2008 mit 34 deshalb unverhofft US-Gouverneurin, weil der Vorg\u00e4nger Minister wird. Sie scheitert sp\u00e4ter an den M\u00fchen der Ebenen. Hat das auch Aussagekraft f\u00fcr die Jetztzeit in den USA?<\/p>\n<p><b>Curtis: <\/b>Unser Film spielt im Jahr 2008. Das ist insofern bedeutsam, weil wir Menschen uns damals noch alle mochten. 2008 war es jedenfalls noch m\u00f6glich, \u00fcber Parteigrenzen hinweg zu denken. Selbst wenn man in vielen Dingen unterschiedlicher Meinung war, konnte man Gemeinsamkeiten entdecken. Das ist heute nicht mehr m\u00f6glich. Ella \u00fcbernimmt in dieser Zeit ein Amt, f\u00fcr das sie nicht ausgebildet wurde. Sie ist streb- und arbeitsam, hat jedes Detail im Blick. Sie verbringt beispielsweise Stunden um Stunden damit, dar\u00fcber nachzudenken, wie man staatliche Institutionen schaffen kann, die Menschen helfen. Was sie nicht gut beherrscht, ist das politische Klinkenputzen und Anbiedern: also H\u00e4nde sch\u00fctteln, Small Talk machen und erst einmal allen \u201eHallo zusammen\u201c sagen. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Ella McCay kommt als junge Frau immerhin in eines der h\u00f6chsten politischen \u00c4mter in den USA. Michelle Obama sagte k\u00fcrzlich, man solle in verst\u00f6renden Zeiten wie diesen jetzt blo\u00df nicht wieder damit anfangen, sie als Kandidaten f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaft ins Gespr\u00e4ch zu bringen, denn die USA seien einfach noch nicht bereit f\u00fcr eine Frau im Wei\u00dfen Haus. Teilen Sie diese Einsch\u00e4tzung?<\/p>\n<p><b>Curtis: <\/b>Ich wei\u00df es nicht. Aber was wei\u00df ich schon? Ich wei\u00df derzeit nicht, ob Amerika bereit ist, ich wei\u00df nicht, wozu Amerika bereit ist. Ich glaube allerdings, dass Amerika genug davon hat, dass ein bestimmter Mann mit dem Finger auf eine Frau zeigt und sie ein Schwein nennt (Donald Trump hatte im November 2025 eine Reporterin an Bord der \u201eAir Force One\u201c als \u201epiggy\u201c gescholten und damit Emp\u00f6rung ausgel\u00f6st, d. Red.). Amerika hat die Nase voll. Ich wei\u00df mehr dar\u00fcber, wovon Amerika die Nase voll hat, als dar\u00fcber, was das Land braucht. Aber je mehr wir etwas leid werden, desto klarer sehen wir, was uns fehlt, was wir uns w\u00fcnschen. Also, um auf Ihre Frage zur\u00fcckzukommen, ob es zu diesem Zeitpunkt vorrangig darum gehen sollte, in Zukunft eine Frau in diesem Amt zu haben, oder ob es nicht wichtiger w\u00e4re, k\u00fcnftig jemanden im Wei\u00dfen Haus zu haben, der vor allem zu Mitgef\u00fchl f\u00e4hig ist, dazu, sich um das Wohl anderer Menschen zu k\u00fcmmern. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Wie f\u00e4llt Ihre Antwort darauf aus, welche Eigenschaften sollte diese Person haben und welche nicht?<\/p>\n<p><b>Curtis: <\/b>Es geht bei dieser Frage nicht um das Geschlecht. Sollte eine Frau den Job k\u00fcnftig machen: gro\u00dfartig. Sollte es ein Mann machen: auch gro\u00dfartig, solange er oder sie nur Empathie aufbringen und die F\u00e4higkeit, f\u00fcrsorglich im Dienst f\u00fcr andere Menschen Politik machen zu k\u00f6nnen. Im Moment befinden wir uns in einer Spirale aus Hass und Misogynie. Ich denke, Trumps st\u00e4ndiges mit dem Finger auf andere Zeigen k\u00f6nnte sein Untergang sein \u2013 der Tropfen, der das Fass zum \u00dcberlaufen bringt. <\/p>\n<p><b>Zur Person<\/b><\/p>\n<p>Die als Tochter der Filmstars Janet Leigh und Tony Curtis am 22. November 1958 in Los Angeles geborene Jamie Lee Curtis studierte zun\u00e4chst Jura, brach aber ab, um als Schauspielerin zun\u00e4chst in kleinen Rollen zu arbeiten. Den Durchbruch hatte sie mit \u201eHalloween\u201c (1978) als Laurie Strode, eine Rolle, zu der sie in \u201eHalloween H20\u201c (1998) sowie der Trilogie 2018\u20132022 zur\u00fcckkehrte. Weitere wichtige Filme waren in den fr\u00fchen Jahren \u201eNebel des Grauens\u201c (1980), \u201eEin Fisch namens Wanda\u201c (1988), \u201eTrue Lies\u201c (1994) oder \u201eFreaky Friday\u201c (2003). F\u00fcr ihre Rolle in \u201eEverything Everywhere All at Once\u201c bekam sie 2023 den Oscar. Seit 1984 ist sie verheiratet mit Christopher Guest, das Paar hat zwei adoptierte Kinder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Anerkennung kam sp\u00e4t: Erst mit 64 erhielt der einstige Horrorfilmstar Jamie Lee Curtis den Oscar. 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