{"id":77105,"date":"2025-05-01T23:58:08","date_gmt":"2025-05-01T23:58:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/77105\/"},"modified":"2025-05-01T23:58:08","modified_gmt":"2025-05-01T23:58:08","slug":"london-kommunalwahlen-in-england-anfang-vom-ende-der-tories","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/77105\/","title":{"rendered":"London | Kommunalwahlen in England: Anfang vom Ende der Tories?"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">London (dpa) &#8211; In der Woche der englischen Kommunalwahlen zeigt das Titelblatt des renommierten britischen Magazins \u00abEconomist\u00bb das gro\u00dfformatige Gesicht eines Mannes, der mit l\u00e4ssigem Ausdruck durch eine Sonnenbrille blickt.<\/p>\n<p>Er bekleidet kein \u00f6ffentliches Amt und schaffte erst im achten Anlauf den Sprung als Abgeordneter ins britische Parlament. Trotzdem ist Nigel Farage, Brexit-Vork\u00e4mpfer und Chef der rechtspopulistischen Reform-Partei, ein \u00abMann, den Gro\u00dfbritannien nicht ignorieren kann\u00bb, wie der \u00abEconomist\u00bb titelt.<\/p>\n<p>Farage als Totengr\u00e4ber der Tories?<\/p>\n<p>Doch ist er auch Gro\u00dfbritanniens n\u00e4chster Premierminister und Totengr\u00e4ber der Tories, der traditionsreichen Konservativen Partei? Das ist sein erkl\u00e4rtes Ziel, wie er im vergangenen Jahr im Gespr\u00e4ch mit der Deutschen Presse-Agentur deutlich machte.\u00a0<\/p>\n<p>Dass es so kommen k\u00f6nnte, gilt nicht mehr als ausgeschlossen. Und das Ergebnis der Kommunalwahlen, die an diesem Donnerstag in Teilen Englands abgehalten werden, k\u00f6nnte sich als Omen erweisen.<\/p>\n<p>Gew\u00e4hlt werden Ratsmitglieder in rund zwei Dutzend Bezirken in weiten Teilen Englands. Und es ist vor allem die Tory-Partei, die so ber\u00fchmte Regierungschefs wie Kriegspremier Winston Churchill und die \u00abEiserne Lady\u00bb Margaret Thatcher hervorgebracht hat, die bangen muss.\u00a0<\/p>\n<p>Tories machten Farages Themen zu ihren eigenen<\/p>\n<p>Noch unter Ex-Premier Boris Johnson errangen die Tories bei den Kommunalwahlen in denselben Bezirken 2021 einen Kantersieg. Bef\u00fcrchtet wird nun, dass sie rund die H\u00e4lfte ihrer knapp 1.000 Gemeinderatssitze verlieren werden &#8211; viele davon an Farages Partei Reform UK.<\/p>\n<p>Lange konnten die Konservativen Farage auf Abstand halten, der ihnen in verschiedenen Partei-Inkarnationen wie Ukip, der Brexit-Partei und zuletzt Reform UK von rechts Konkurrenz machte. EU-Austritt, Bootsfl\u00fcchtlinge, der Kampf gegen \u00abwokes\u00bb Gedankengut: Worauf auch immer Farage sein Augenmerk legte, waren die Tories bald zur Stelle und machten sich seine Ansichten zu eigen.<\/p>\n<p>Reform UK liegt in Umfragen vorne<\/p>\n<p>Doch der Abstand schrumpfte zuletzt deutlich. \u00c4hnlich wie die AfD in Deutschland hat auch die Farage-Partei nach der j\u00fcngsten Parlamentswahl in Umfragen noch einmal kr\u00e4ftig zugelegt. Mit 25 Prozent liegt sie im Schnitt der j\u00fcngsten Umfragen sogar vor der Regierungspartei Labour (23 Prozent) und den Tories (21 Prozent). Zudem gilt die derzeitige konservative Parteichefin Kemi Badenoch als schwach.<\/p>\n<p>St\u00fcnde jetzt eine Parlamentswahl an, k\u00f6nnte es laut Sch\u00e4tzungen dazu kommen, dass Reform zur gr\u00f6\u00dften Fraktion im britischen Parlament wird. Das w\u00e4re ein Schock, denn bislang sorgte das britische Mehrheitswahlrecht meist zuverl\u00e4ssig daf\u00fcr, dass entweder die Konservativen oder Labour ein klares Regierungsmandat erhielten. Obschon nicht offiziell, war Gro\u00dfbritannien damit ein Zwei-Parteien-System.<\/p>\n<p>Lieb\u00e4ugeln mit Pakt oder Koalition<\/p>\n<p>Alptraum der Tories ist, dass dieses System dauerhaft gest\u00f6rt sein k\u00f6nnte, oder noch schlimmer, sich wieder einpendelt &#8211; aber nicht mit den Tories &#8211; sondern mit Reform als Gegenpol zu Labour. Bei den Konservativen wird daher bereits diskutiert, ob es besser w\u00e4re, einen Pakt oder eine Koalition mit Farage zu schlie\u00dfen. Badenoch schlie\u00dft das auf nationaler Ebene zumindest noch aus. Doch ihr parteiinterner Widersacher Robert Jenrick lieb\u00e4ugelte bereits \u00f6ffentlich damit.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Parlamentswahl steht erst im Jahr 2029 an, und lokale Wahlergebnisse sind nur eingeschr\u00e4nkt aussagekr\u00e4ftig f\u00fcr nationale Trends. Doch Politikprofessor Tony Travers von der London School of Economics glaubt, dass die inzwischen gut organisierte Farage-Partei von einem Erfolg auf kommunaler Ebene deutlich profitieren w\u00fcrde: \u00abEs wird die F\u00e4higkeiten Reforms, Parlamentsmandate zu gewinnen, deutlich erh\u00f6hen\u00bb, sagte er vor Journalisten kurz vor dem Wahltermin. Bislang sitzt Reform mit gerade einmal vier Abgeordneten im Unterhaus.<\/p>\n<p>Labour hat \u00abParanoia\u00bb vor Reform<\/p>\n<p>Auch in der regierenden Labour-Partei ist die Angst vor Farage gro\u00df. LSE-Politikprofessorin Sara Hobolt spricht gar von einer \u00abParanoia\u00bb. Hintergrund ist, dass sich viele traditionelle Labour-W\u00e4hler aus der Arbeiterschicht, vor allem im Norden des Landes, beim Brexit-Referendum f\u00fcr den EU-Austritt ausgesprochen hatten. Bei ihnen d\u00fcrften Farages Botschaften auf fruchtbaren Boden sto\u00dfen.\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fcr Labour sieht es bei der Kommunalwahl zwar ebenfalls nicht gut aus. Doch ihre Verluste werden sich allein deswegen in Grenzen halten, weil die Partei schon bei der vergangenen Wahl schlecht abgeschnitten hatte. Zudem verf\u00fcgen die Sozialdemokraten \u00fcber eine satte Mehrheit im Parlament. Labour solle sich daher, \u00abvielleicht ein bisschen mehr aufs Regieren und ein bisschen weniger auf Reform fokussieren\u00bb, sagt Hobolt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"London (dpa) &#8211; In der Woche der englischen Kommunalwahlen zeigt das Titelblatt des renommierten britischen Magazins \u00abEconomist\u00bb das&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":77106,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,14977,13,5027,14,15,12,3992,3993,3994,3995,3996,3997,2534],"class_list":{"0":"post-77105","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-groaybritannien","11":"tag-headlines","12":"tag-kommune","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-schlagzeilen","16":"tag-uk","17":"tag-united-kingdom","18":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","19":"tag-vereinigtes-koenigreich","20":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","21":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland","22":"tag-wahl"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114435293569380225","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77105","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77105"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77105\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/77106"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77105"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77105"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77105"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}