{"id":771603,"date":"2026-02-04T15:52:16","date_gmt":"2026-02-04T15:52:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/771603\/"},"modified":"2026-02-04T15:52:16","modified_gmt":"2026-02-04T15:52:16","slug":"ki-foto-faelschungen-frueher-galt-der-satz-bilder-luegen-nicht-das-ist-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/771603\/","title":{"rendered":"KI-Foto-F\u00e4lschungen: \u201eFr\u00fcher galt der Satz: Bilder l\u00fcgen nicht. Das ist vorbei\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eHistorische\u201c KI-Fotos kursieren im Netz, auch falsche Bilder zum Holocaust. Das wird ebenfalls zum Problem f\u00fcr Archive. Der Chef des Archivars-Verbands sagt: Wer versteht, was Authentizit\u00e4t ausmacht, ist weniger anf\u00e4llig f\u00fcr F\u00e4lschungen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Unz\u00e4hlige mit KI-Instrumenten erstellte \u201eFotos\u201c zu historischen Themen fluten die sozialen Netzwerke, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article6970ac52707d4aa20757bb30\/ki-faelschungen-zum-holocaust-wie-kuenstliche-bilder-die-geschichte-verzerren.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article6970ac52707d4aa20757bb30\/ki-faelschungen-zum-holocaust-wie-kuenstliche-bilder-die-geschichte-verzerren.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">insbesondere zum Holocaust<\/a>. Noch ist es relativ einfach, sie zu identifizieren, denn die rein technische Qualit\u00e4t ist meist sehr hoch, w\u00e4hrend echte historische Aufnahmen oft mehr oder minder unscharf sind. Doch irgendwann werden die KI-Manipulateure ihren Tools beibringen, derartige Fehler zu vermeiden. <\/p>\n<p>Wie gehen Archive mit diesen neuen Gefahren um? Michael Ruprecht ist der Vorsitzende des <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.vda.archiv.net\/aktuelles.html\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.vda.archiv.net\/aktuelles.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Verbandes deutscher Archivarinnen und Archivare<\/a> (VdA) sowie im Hauptberuf Chef des <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/stadtarchiv.leipzig.de\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/stadtarchiv.leipzig.de\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Stadtarchivs Leipzig<\/a>, das unter anderem  14 laufende Kilometer Akten sowie 350.000 Fotos vorwiegend zur Lokalgeschichte zug\u00e4nglich macht.<\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Archive sind so etwas wie Ged\u00e4chtnisse von Gesellschaft. Kann man sich darauf verlassen, dass alles echt ist, was bisher schon hier verwahrt wird?<\/p>\n<p><b>Michael Ruprecht:<\/b> Jedes St\u00fcck im Magazin hat eine Geschichte, die wir im Normalfall kennen. Bei amtlichen Akten wissen wir: Wer hat das Dokument wann angelegt? Da garantieren wir die Integrit\u00e4t. Bei privaten St\u00fccken rekonstruieren wir die Herkunft, so gut es geht. Aber absolute Sicherheit gibt es nie. Auch fr\u00fcher gab es F\u00e4lschungen, Irrt\u00fcmer, bewusste T\u00e4uschung. Archive arbeiten mit Quellenkritik, nicht mit blindem Glauben. Entscheidend sind Kontext, Herkunft, \u00dcberlieferung und Nutzungsgeschichte. Ein Dokument ist nicht wahr, weil es alt ist; es ist \u00fcberpr\u00fcfbar, weil es eingeordnet ist. Das ist der Unterschied zu sozialen Netzwerken.  <\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Wie sieht die Pr\u00fcfung aus, wenn ein Archiv nun Fotoalben zur \u00dcbernahme angeboten bekommt? <\/p>\n<p><b>Ruprecht: <\/b>Zuerst kl\u00e4ren wir die Provenienz: Wer besitzt das Album, woher stammt es, warum existiert es und warum wird es angeboten? Dann pr\u00fcfen wir Inhalt, Materialit\u00e4t, Beschriftung und Begleit\u00fcberlieferung. Auf dieser Basis schaffen wir eine belastbare Datenlage, die bei einer sp\u00e4teren Nutzung und Auswertung verl\u00e4ssliche Informationen liefert. Das ist dann mitunter detektivische Arbeit: Passen Orte, Personen, Szenen zusammen und l\u00e4sst sich ein verl\u00e4sslicher Kontext herstellen? KI-Bilder w\u00fcrden dabei schnell auffallen. Sie haben keine nachpr\u00fcfbare Geschichte, kein Vorleben und keine Spuren der Nutzung. <\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>K\u00f6nnen Sie das konkretisieren? Gegenw\u00e4rtig ist zum Beispiel nur <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/atlas.lastseen.org\/image\/leipzig\/450\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/atlas.lastseen.org\/image\/leipzig\/450&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">ein einziges Foto<\/a> bekannt, das die Deportation Leipziger Juden am 10. Mai 1942 zeigt. Wie w\u00fcrden Sie vorgehen, wenn Ihnen weitere Aufnahmen solcher Deportationen angeboten werden? Erst k\u00fcrzlich sind ja unbekannte Fotos aus Breslau aufgetaucht.<\/p>\n<p><b>Ruprecht:<\/b> Ihre Information stimmt, die \u00dcberlieferung ist extrem d\u00fcnn. Das Foto aus dem <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/atlas.lastseen.org\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/atlas.lastseen.org\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">LastSeen-Projekt<\/a> ist bislang das einzige, das sich sicher zuordnen l\u00e4sst \u2013 und selbst das ist nur ein heimlicher Schnappschuss. Sollten pl\u00f6tzlich neue Bilder auftauchen, w\u00e4ren wir zun\u00e4chst sehr skeptisch. Entscheidend w\u00e4re der Abgleich mit dem bekannten Kontext: Ist der Ort identifizierbar? Passen Jahreszeit, Schattenwurf und Wetter? Gibt es Geb\u00e4ude im Hintergrund, die damals schon so aussahen? Ein einzelnes Bild reicht heute nicht mehr als Beweis. Erst im Zusammenspiel mit anderen Quellen wird daraus ein belastbarer historischer Befund. Deshalb arbeiten Archive langsam: Gewissheit braucht Zeit. <\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Allgemeiner gefragt \u2013 erst Trumps \u201ealternative facts\u201c, jetzt die KI-Herausforderung unseres Vertrauens in Fotos: Erleben wir eine Krise der Authentizit\u00e4t?<\/p>\n<p><b>Ruprecht:<\/b> Wir stehen an einem echten Wendepunkt. Fr\u00fcher galt der Satz: \u201eBilder l\u00fcgen nicht.\u201c Das ist vorbei. Wir k\u00f6nnen Authentizit\u00e4t heute nicht mehr blind voraussetzen. Aber Fotos waren nie Beweise an sich. Sie waren immer nur Deutungsangebote. Auch fr\u00fcher konnten Motive manipuliert sein. Neu sind Reichweite und Tempo der T\u00e4uschung. Deshalb erleben wir auch eine Krise der Bequemlichkeit. Archive erinnern daran, dass Wahrheit Arbeit macht. Man muss pr\u00fcfen, vergleichen, zweifeln.   <\/p>\n<p><b>WELT: <\/b>Was k\u00f6nnen Archive dagegen tun? <\/p>\n<p><b>Ruprecht: <\/b>Das Bild vom verstaubten Keller, in den man nur mit Benutzerausweis darf, ist l\u00e4ngst \u00fcberholt. Wir gehen heute aktiv dorthin, wo die Menschen sind: ins Netz. Bauen virtuelle Leses\u00e4le auf, in denen man bequem von zu Hause aus recherchieren kann. Das senkt die Hemmschwelle massiv. Dazu tr\u00e4gt auch der von unserem Verband initiierte bundesweite <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.vda.archiv.net\/tag-der-archive\/startseite.html\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.vda.archiv.net\/tag-der-archive\/startseite.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Tag der Archive<\/a> bei, an dem alle zwei Jahre hunderte Einrichtungen ihre T\u00fcren \u00f6ffnen und Archivarbeit erlebbar machen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Archivp\u00e4dagogik: Wir verstehen historische Bildungsarbeit als Kernaufgabe. <\/p>\n<p><b>WELT:<\/b> Was m\u00f6chten Sie dem Publikum nahebringen?<\/p>\n<p><b>Ruprecht: <\/b>Gerade junge Menschen m\u00fcssen selbst in der Lage sein, Quellen kritisch zu pr\u00fcfen. Archive sind keine Tresore, sondern Werkst\u00e4tten. Sie sind Speicher des Wissens, die befragt werden wollen. Wer versteht, was Authentizit\u00e4t ausmacht, ist weniger anf\u00e4llig f\u00fcr F\u00e4lschungen. Das ist unser Beitrag zum Schutz einer glaubw\u00fcrdigen Erinnerungskultur.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/sven-felix-kellerhoff\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/sven-felix-kellerhoff\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\"><b>Sven Felix Kellerhoff <\/b><\/a><b>ist Leitender Redakteur bei WELTGeschichte. Mit historischen Originalakten arbeitete er das erste Mal als Gymnasiast f\u00fcr ein Schulprojekt. Seit den 1990er-Jahren forscht er in zahlreichen Archiven in Deutschland, aber auch \u00d6sterreich, der Schweiz und den USA.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eHistorische\u201c KI-Fotos kursieren im Netz, auch falsche Bilder zum Holocaust. Das wird ebenfalls zum Problem f\u00fcr Archive. 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