{"id":772033,"date":"2026-02-04T19:44:11","date_gmt":"2026-02-04T19:44:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/772033\/"},"modified":"2026-02-04T19:44:11","modified_gmt":"2026-02-04T19:44:11","slug":"berufsverbot-debatte-es-besteht-die-gefahr-dass-politische-ueberpruefungen-zu-pauschalen-verdaechtigungen-fuehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/772033\/","title":{"rendered":"Berufsverbot-Debatte: \u201eEs besteht die Gefahr, dass politische \u00dcberpr\u00fcfungen zu pauschalen Verd\u00e4chtigungen f\u00fchren\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wer in Hamburg im \u00f6ffentlichen Dienst arbeiten m\u00f6chte, soll k\u00fcnftig vorher vom Verfassungsschutz \u00fcberpr\u00fcft werden. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hatte Rot-Gr\u00fcn j\u00fcngst beschlossen \u2013 doch nun wehren sich ausgerechnet die Jusos gegen die Pl\u00e4ne im SPD-dominierten Stadtstaat.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Mit Blick auf die Anh\u00f6rung des Senats zur Regelabfrage im Innenausschuss der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft wehren sich ausgerechnet die Jusos vehement gegen die Pl\u00e4ne von Rot-Gr\u00fcn. Die Einf\u00fchrung der Regelabfrage f\u00fcr Bewerber im \u00f6ffentlichen Dienst w\u00e4re ein gef\u00e4hrlicher R\u00fcckschritt, teilte die Jugendorganisation der SPD am Mittwoch in der Hansestadt mit. Damit schlie\u00dfen sich die Jusos dem unter anderem von Gewerkschaften getragenen Hamburger B\u00fcndnis gegen Berufsverbote an.<\/p>\n<p>Im Herbst vergangenen Jahres hatte der rot-gr\u00fcne Senat von B\u00fcrgermeister Peter Tschentscher (SPD) einen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article68f793ae59e2e09750707540\/senat-beschliesst-umstrittene-regelabfrage.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article68f793ae59e2e09750707540\/senat-beschliesst-umstrittene-regelabfrage.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gesetzesentwurf<\/a> \u201ezur St\u00e4rkung des \u00f6ffentlichen Dienstes gegen Verfassungsfeinde\u201c beschlossen. \u201eVerfassungsfeinde haben im \u00f6ffentlichen Dienst nichts zu suchen\u201c, hie\u00df es in dem Antrag von SPD und Gr\u00fcnen. Deshalb soll es k\u00fcnftig sogenannte Regelabfragen beim Verfassungsschutz geben. Das bedeutet, jeder Bewerber und jede Bewerberin etwa f\u00fcr den Schuldienst, die Verwaltung oder die Feuerwehr wird vom Verfassungsschutz durchleuchtet. <\/p>\n<p>Dieser pr\u00fcft dann, ob sogenannte verfassungsfeindliche Aktivit\u00e4ten vorliegen, also ob die potenziellen Angestellten der Stadt oder Beamtinnen und Beamten etwa in Clubs, Vereinen oder Parteien sind, die die Demokratie oder die deutsche Grundordnung unterlaufen \u2013 oder sich entsprechend in sozialen Netzwerken positionieren. Bisher passiert das nur in bestimmten Bereichen, zum Beispiel bei Kandidaten f\u00fcr den Dienst bei der Polizei. <\/p>\n<p>Solche Abfragen sollen laut SPD und Gr\u00fcnen nicht nur bei Neueinstellungen, sondern auch zu anderen Anl\u00e4ssen im beruflichen Werdegang von Beamtinnen und Beamten, Tarifbesch\u00e4ftigten oder Richterinnen und Richtern m\u00f6glich werden. Linke und AfD <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article68f793ae59e2e09750707540\/senat-beschliesst-umstrittene-regelabfrage.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article68f793ae59e2e09750707540\/senat-beschliesst-umstrittene-regelabfrage.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">kritisieren<\/a> das Vorhaben des Senats. Am Donnerstag sollte Rot-Gr\u00fcn im Innenausschuss der B\u00fcrgerschaft Stellung zu dem umstrittenen Gesetzesvorhaben nehmen. <\/p>\n<p>Zwar halten Hamburgs Jusos die Motive des Senats f\u00fcr nachvollziehbar, wonach religi\u00f6se Extremisten und Rechtsextremisten mit der Regelabfrage aus dem \u00f6ffentlichen Dienst herausgehalten werden sollen. Dennoch warnt die Jugendorganisation \u201evor den weitreichenden und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Folgen, die dieses Instrument nach sich ziehen kann\u201c. Historisch erinnere die Regelabfrage an die Logik des \u201eRadikalenerlasses\u201c, \u201eder in der Vergangenheit zu Berufsverboten insbesondere gegen vermeintlich \u201alinksextreme\u2018 Menschen f\u00fchrte und ein massiver Eingriff in die Grundrechte von Betroffenen ist\u201c.  <\/p>\n<p>Am 28. Januar 1972 hatten sich Bund und L\u00e4nder unter <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article691d92871e5b9ce006814ae1\/vertrauensfrage-diese-kanzler-machten-von-ihrer-staerksten-waffe-gebrauch.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article691d92871e5b9ce006814ae1\/vertrauensfrage-diese-kanzler-machten-von-ihrer-staerksten-waffe-gebrauch.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bundeskanzler<\/a> Willy Brandt (SPD) auf den Radikalenerlass geeinigt. Daraufhin wurden Bewerber sowie Besch\u00e4ftigte des \u00f6ffentlichen Dienstes in der Bundesrepublik jahrelang auf ihre Verfassungstreue hin \u00fcberpr\u00fcft. Das Instrument l\u00f6ste heftige Debatten und Proteste aus. Der Bund stellte die Regelanfragen bei seinen Bediensteten 1979 ein, doch erst 1985 hatten sich auch die meisten Bundesl\u00e4nder davon verabschiedet, zuletzt Bayern 1991.<\/p>\n<p>Bald \u201ewom\u00f6glich von der rechtsextremen AfD gef\u00fchrt\u201c<\/p>\n<p>Besonders kritisch an der nun vom Hamburger Senat skizzierten Regelabfrage ist f\u00fcr die Jusos: F\u00fcr die Informationen werde eine \u00dcberpr\u00fcfung anhand des Zentralregisters NADIS vorgenommen. \u201eIn dieses Register speisen auch Verfassungsschutzdienste aus Bundesl\u00e4ndern Informationen ein, die ab Herbst wom\u00f6glich von der rechtsextremen AfD gef\u00fchrt werden.\u201c Das vom Senat vorgelegte Gesetz w\u00fcrde das Hamburger Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz aber verpflichten, alle gespeicherten Informationen an das Personalamt weiterzuleiten.<\/p>\n<p>\u201eGut gemeint ist nicht gut gemacht\u201c, sagt Juso Jakob Lichtenberg, und betont: \u201eDie Regelabfrage ist ein starker Einschnitt und stellt ein unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiges Werkzeug dar. Es besteht die Gefahr, dass politische \u00dcberpr\u00fcfungen zu pauschalen Verd\u00e4chtigungen f\u00fchren und die pers\u00f6nliche Freiheit einschr\u00e4nken.\u201c <\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich halten die Hamburger Jusos \u201ees f\u00fcr h\u00f6chst bedenklich, dass in naher Zukunft Informationen von Verfassungsschutzbeh\u00f6rden ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnten, die von Rechtsextremen kontrolliert werden\u201c. Juso Janne Roehsler erg\u00e4nzt: \u201eDie Erfahrungen der bereits bestehenden Abfrage f\u00fcr Bewerbungen bei der Hamburger Polizei werfen zus\u00e4tzlich Zweifel an der Wirksamkeit der Regelabfrage auf.\u201c Unter hunderten Bewerbern sei dort in den vergangenen Jahren nicht eine einzige Person aufgrund von Zweifeln an der Verfassungstreue abgelehnt worden. <\/p>\n<p>Zudem bef\u00fcrchtet die Jugendorganisation der SPD in Hamburg ein faktisches Veto-Recht der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden. Zwar sichere der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article695d1e28e0f90a884bc5dbe3\/klimabericht-43-prozent-weniger-co-doch-hamburgs-verkehr-bleibt-das-grosse-klimaproblem.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article695d1e28e0f90a884bc5dbe3\/klimabericht-43-prozent-weniger-co-doch-hamburgs-verkehr-bleibt-das-grosse-klimaproblem.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">rot-gr\u00fcne Senat<\/a> in seinem Gesetzesentwurf zu, dass die Informationen aus dem Zentralregister nicht vom Verfassungsschutz, sondern ausschlie\u00dflich durch das Personalamt bewertet werden sollten. Dabei handelten die Verantwortlichen im Personalamt aber unter erheblichem pers\u00f6nlichem Risiko. \u201eDass sich die Verantwortlichen im Personalamt \u00fcber die Einsch\u00e4tzung einer Sicherheitsbeh\u00f6rde hinwegsetzen, erscheint uns deshalb wie ein frommer Wunsch\u201c, sagt Juso Paul Strothmann. <\/p>\n<p>Nach Angaben der Jusos sind j\u00fcngst in Hamburg tats\u00e4chlich vereinzelte Mitarbeiter  durch islamistische beziehungsweise rechtsextreme Aktivit\u00e4ten aufgefallen. Diese Besch\u00e4ftigten seien auch ohne das neue Instrument durch die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden umgehend aus dem \u00f6ffentlichen Dienst entfernt worden. \u201eDie schnellen Reaktionen der Hamburger Beh\u00f6rden begr\u00fc\u00dfen wir ausdr\u00fccklich. Das zeigt, dass unser \u00f6ffentlicher Dienst auch ohne die geplante Regelabfrage keinesfalls machtlos ist und wei\u00df, sich vor Demokratiefeinden zu sch\u00fctzen\u201c, sagt Jurist Strothmann, der gerade selbst im Verfassungsrecht promoviert. <\/p>\n<p>Folglich fordern die Jusos Hamburg Rot-Gr\u00fcn dazu auf, bestehende b\u00fcrgerrechtliche Bedenken ernst zu nehmen und stattdessen auf gezielte und verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Ma\u00dfnahmen gegen Extremismus zu setzen. Durch den Schulterschluss mit dem Hamburger B\u00fcndnis gegen Berufsverbote m\u00f6chten die Jusos \u201eihren klaren Standpunkt f\u00fcr B\u00fcrgerrechte und eine offene, demokratische Verwaltung unterstreichen\u201c. In Hamburg z\u00e4hlen die Jusos eigenen Angaben zufolge derzeit mehr als 2500 Mitglieder \u2013 und damit \u201eeine der gr\u00f6\u00dften politischen Jugendverb\u00e4nde in der Hansestadt\u201c.  <\/p>\n<p>Ziel ist die geplante Wiedereinf\u00fchrung zu verhindern<\/p>\n<p>Infolge der rot-gr\u00fcnen Pl\u00e4ne zu Einf\u00fchrung der Regelabfrage hatten sich im Herbst 2025 die GEW Hamburg, ver.di Hamburg und zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen zum Hamburger B\u00fcndnis gegen Berufsverbote zusammengeschlossen. Ziel des B\u00fcndnisses ist es, \u201edie geplante Wiedereinf\u00fchrung der sogenannten Regelanfrage beim Verfassungsschutz bei Einstellungen im \u00f6ffentlichen Dienst zu verhindern\u201c.<\/p>\n<p>Der rot-gr\u00fcne Gesetzentwurf soll nach den parlamentarischen Beratungen zeitnah der endg\u00fcltigen Beschlussfassung zugeleitet werden. Demnach sollen die Neuregelungen noch in diesem Jahr in Kraft treten. SPD und Gr\u00fcne verf\u00fcgen in der B\u00fcrgerschaft \u00fcber eine solide Mehrheit. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer in Hamburg im \u00f6ffentlichen Dienst arbeiten m\u00f6chte, soll k\u00fcnftig vorher vom Verfassungsschutz \u00fcberpr\u00fcft werden. 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