{"id":773422,"date":"2026-02-05T08:56:11","date_gmt":"2026-02-05T08:56:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/773422\/"},"modified":"2026-02-05T08:56:11","modified_gmt":"2026-02-05T08:56:11","slug":"wie-die-eu-kommission-co2-entnahmen-foerdern-will","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/773422\/","title":{"rendered":"Wie die EU-Kommission CO2-Entnahmen f\u00f6rdern will"},"content":{"rendered":"<p>05.02.2026 \u2013 Es ist eine stark technische Verordnung, die die EU-Kommission diese Woche vorlegte. Man lege den weltweit ersten freiwilligen Standard f\u00fcr dauerhafte CO2-Entnahmen vor, so die Br\u00fcsseler Beh\u00f6rde in einer Pressemitteilung. Es handelt sich um eine delegierte Verordnung, also einen Rechtsakt, der nicht den normalen Gesetzgebungsprozess der Europ\u00e4ischen Union durchl\u00e4uft, sondern europ\u00e4ischem Parlament und Rat lediglich vorgelegt wird. Wenn diese keine Einw\u00e4nde erheben, tritt die Verordnung in Kraft.<\/p>\n<p>Dann sollen die freiwilligen Zertifizierungsmethoden drei Arten von dauerhaften CO2-Entnahmen abdecken: direkte Luftabscheidung mit Kohlenstoffspeicherung (engl. Direct Air Capture and Carbon Storage (DACCS)), Abscheidung biogener Emissionen mit Kohlenstoffspeicherung (BioCCS) und CO2-Entnahmen durch Pflanzenkohle (engl. Biochar Carbon Removal (BCR)). Diese drei Bereiche seien laut EU-Kommission ausreichend \u201ereife\u201c Aktivit\u00e4tstypen, f\u00fcr die robuste Methodiken m\u00f6glich seien.<\/p>\n<p>Ziel der Kommission ist es, einen stabilen Marktrahmen f\u00fcr diese Aktivit\u00e4tstypen zu schaffen. Denn bislang gebe es f\u00fcr diese eine Finanzierungsl\u00fccke bis hin zu Marktversagen. Betreiber h\u00e4tten bislang kaum \u00f6konomische Anreize zu investieren. Dem soll die Verordnung entgegenwirken, indem ein Markt geschaffen wird, wo Betreiber der entsprechenden Anlagen f\u00fcr ihre CO2-Entnahmen verg\u00fctet werden, beziehungsweise F\u00f6rderungen erhalten. Was steckt hinter den Methoden?<\/p>\n<p>Die Methoden im Detail<\/p>\n<p>Bei der direkten Luftabscheidung handelt es sich um technische Vorrichtungen, mit denen CO2 direkt aus der Luft entnommen und gespeichert wird. Noch laufen weltweit nur Pilotprojekte. So etwa eine Anlage in Island. Dort wird das aus der Luft aufgefangene CO2 mit Wasser vermischt und das Sprudelwasser mehrere hundert Meter tief ins Basaltgestein Islands gepresst, wo es \u00fcber einen Zeitraum von rund zwei Jahren mineralisiert.<\/p>\n<p>Bei der Abscheidung biogener Emissionen mit Kohlenstoffspeicherung geht es um CO2, das in biogenen Prozessen entstanden ist, wie etwa aus Verbrennungsprozessen von Bioabfall oder Emissionen aus der Produktion von sogenannten <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/mobilitaet\/unser-bio-kraftstoff-der-anderswo-fehlt-und-keinen-nutzen-fuers-klima-hat\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Bio-Kraftstoffen<\/a>. BCR wiederum bezeichnet eine CO\u2082-Entnahme, bei der Biomasse thermisch zu \u201eBiochar\u201c (Pflanzenkohle) umgewandelt wird und der darin gebundene Kohlenstoff dauerhaft gespeichert wird \u2013 typischerweise durch Ausbringung in B\u00f6den oder Einarbeitung in langlebige Materialien.<\/p>\n<p>Voraussetzung f\u00fcr eine monet\u00e4re Beg\u00fcnstigung ist, dass die Anlagen in der EU gebaut und betrieben werden. Der Zertifizierungsmarkt soll in einem sogenannten EU-Buyers-Club organisiert werden. Unternehmen und gegebenenfalls \u00f6ffentliche Akteure schlie\u00dfen sich zusammen, um gemeinsam CO\u2082-Entnahmen zu kaufen, die entsprechend zertifiziert sind und damit einen \u00f6ffentlich vorzeigbaren Wert haben sollen.<\/p>\n<p>Vieles an diesem zu er\u00f6ffnenden Markt ist noch offen. Welche Unternehmens-Claims etwa sind beim Kauf der Zertifikate erlaubt? \u2013 wie \u201ecarbon removed\u201c oder \u201eclimate neutral\u201c. Hier fehlt es bislang auch an klaren sogenannten Safe Harbour-Regeln, die Greenwashing reduzieren. Damit ist etwa eine transparente Darlegung des Kaufs von CO2-Zertifikaten gemeint anstatt der schwammigen Formulierung \u201eklimaneutral\u201c.<\/p>\n<p>\u201eEin klarer Versto\u00df gegen das Prinzip der Zus\u00e4tzlichkeit\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der zust\u00e4ndige Klima-Kommissar in der EU, Wopke Hoekstra, in der vorgelegten Verordnung \u201edie Festlegung klarer, robuster freiwilliger Standards\u201c sieht, gibt es an der dargelegten Messung der Methoden ebenfalls Kritik. F\u00fcr Anna Siemons, Senior Researcher Energie &amp; Klimaschutz beim \u00d6koinstitut, sind etwa die Vorgaben f\u00fcr Biomasse in Bio\u2011CCS\u2011Projekten unzureichend. \u201eEs muss nicht nachgewiesen werden, dass die Biomasse sonst ungenutzt geblieben w\u00e4re oder aus neuen, nachhaltig bewirtschafteten W\u00e4ldern stammt. Dadurch k\u00f6nnte der CRCF zu einer h\u00f6heren Nachfrage nach Biomasse f\u00fchren und negative Auswirkungen auf nat\u00fcrliche Senken haben \u2013 in der Konsequenz k\u00f6nnten durch den Mechanismus sogar h\u00f6here Emissionen entstehen, statt echte CO\u2082\u2011Entnahmen\u201c, so Siemons auf Anfrage der energiezukunft.<\/p>\n<p>Auch m\u00fcssten Projekte nicht nachweisen, dass sie zus\u00e4tzlich sind, und nicht ohne den Zertifizierungsmechanismus ohnehin umgesetzt worden w\u00e4ren, kritisiert Siemons. \u201eSo erlaubt die Methode etwa die nachtr\u00e4gliche Zertifizierung bereits begonnener Projekte \u2013 ein klarer Versto\u00df gegen das Prinzip der Zus\u00e4tzlichkeit. Ohne grundlegende \u00dcberarbeitung der Methoden besteht das Risiko, dass ein Gro\u00dfteil der CRCF\u2011Zertifikate keine realen Klimawirkungen hat.\u201c Die Methoden w\u00fcrden in vielen Bereichen deutlich niedrigere Standards setzen als der Zertifizierungsmechanismus des Pariser \u00dcbereinkommens und etablierte Verfahren im freiwilligen Kohlenstoffmarkt.<\/p>\n<p>Rund 75 Preisinstrumente f\u00fcr den Aussto\u00df von Treibhausgasemissionen sind weltweit bereits im Einsatz. Neben politisch regulierten \u2013\u00a0wie dem <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/wirtschaft\/21-milliarden-euro-fliessen-in-den-klima-und-transformationsfonds\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">deutschen und europ\u00e4ischen Emissionshandel<\/a> \u2013 viele auf freiwilliger Basis. Ende 2024 verabschiedet und damit 2025 erstmals in Kraft ist der globale Kohlenstoffmarkt nach dem sogenannten <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/politik\/was-artikel-6-und-co2-zertifikate-fuer-die-neuen-eu-klimaziele-bedeuten\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Artikel 6.<\/a> Im Pariser Klimaabkommen. Hier k\u00f6nnen Staaten bilaterale Abkommen \u00fcber Projekte f\u00fcr CO2-Einsparungsma\u00dfnahmen schlie\u00dfen, so dass ein Land f\u00fcr CO2-Einsparungen in anderen L\u00e4ndern zahlt und sich die Reduktionen selbst gutschreiben lassen kann. Doch bislang gibt es nur wenige bilaterale Deals. Und auch hier gibt es von Umweltverb\u00e4nden Kritik, etwa bei der Gefahr von Doppelz\u00e4hlungen, Greenwashing sowie Risiken f\u00fcr Menschen und Umwelt. mg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"05.02.2026 \u2013 Es ist eine stark technische Verordnung, die die EU-Kommission diese Woche vorlegte. 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