{"id":777169,"date":"2026-02-06T19:12:11","date_gmt":"2026-02-06T19:12:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/777169\/"},"modified":"2026-02-06T19:12:11","modified_gmt":"2026-02-06T19:12:11","slug":"bedrohter-wald-in-hamburg-die-baumschuetzer-planen-schon-sitzblockaden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/777169\/","title":{"rendered":"Bedrohter Wald in Hamburg: Die Baumsch\u00fctzer planen schon Sitzblockaden"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/hamburg\/2026-02\/wilder-wald-wilhelmsburg-hamburg-rodung-neubau\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<ol class=\"article-toc__list\">\n<li class=\"article-toc__list-item\">\n<p>Seite 1Die Baumsch\u00fctzer planen schon Sitzblockaden<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"article-toc__list-item\"><a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/hamburg\/2026-02\/wilder-wald-wilhelmsburg-hamburg-rodung-neubau\/seite-2\" data-ct-label=\"2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                    Seite 2Es gibt Alternativen zur Rodung des Waldes, sagen manche<br \/>\n                <\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"paragraph article__item\">Gr\u00fcn ist es schon sehr lang hier. Einst befanden sich Kleing\u00e4rten auf diesem Gebiet im Norden <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/wilhelmsburg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wilhelmsburgs<\/a>, zwischen Ernst-August-Kanal und Harburger Chaussee. Dann kam die Sturmflut von 1962 und begrub sie unter Wassermassen. Weil die Stadt das Gel\u00e4nde danach sich selbst \u00fcberlie\u00df, entstand ein dichter Wald \u2013 der Wilde Wald, wie ihn die Anwohner nennen. Den gibt es noch heute. Noch.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Nun k\u00f6nnte er gerodet werden. Ein neues Wohnviertel soll entstehen: das Spreehafenquartier. Auf rund zehn Hektar plant der Senat 1.100 Wohnungen, dazu Gewerbefl\u00e4chen und Sportanlagen. Noch aber ist das Bauvorhaben nicht genehmigt, und Protest regt sich: Mehrere B\u00fcrgerinitiativen stemmen sich gegen die Pl\u00e4ne, unterst\u00fctzt werden sie von Umweltsch\u00fctzern. Der Wald sei nicht nur Lebensraum f\u00fcr zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, sagen sie, sondern auch wichtig f\u00fcrs Stadtklima.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Der Streit steht exemplarisch f\u00fcr einen Grundkonflikt, der <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/hamburg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hamburg<\/a> vielerorts besch\u00e4ftigt: Wohnraum wird knapp, die Mieten steigen, ganze Berufsgruppen wie Pflegekr\u00e4fte oder Erzieherinnen k\u00f6nnen sich die Stadt kaum noch leisten. Die Politik setzt auf Neubau. Doch die zunehmende Versiegelung von B\u00f6den versch\u00e4rft die Folgen des Klimawandels: Wo Asphalt und Beton dominieren, heizt sich die Stadt auf, und Regenwasser kann kaum versickern. Bei Starkregen staut es sich, \u00fcberflutet Keller und Tiefgaragen. Gr\u00fcnfl\u00e4chen wie G\u00e4rten oder Waldst\u00fccke k\u00f6nnten diese Effekte abmildern.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Ist es in Zeiten von Klimakrise und Artensterben noch vertretbar, einen Wald in der Stadt zu roden\u00a0\u2013 vor allem nach dem Klimaentscheid aus dem vergangenen Jahr, der eine Hamburger Klimaneutralit\u00e4t bis 2040 festschreibt? Was z\u00e4hlt mehr: neuer Wohnraum oder Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr die Menschen, die schon da sind? Und schlie\u00dft das eine das andere wirklich aus?\u00a0\n<\/p>\n<p>        Die Umweltbeh\u00f6rde stuft das Geh\u00f6lz als &#8222;wertvoll&#8220; ein        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Wer den Wilden Wald erkunden will, muss sich durch die B\u00fcsche schlagen. Am n\u00f6rdlichen Ende der Provinzialbr\u00fccke, die \u00fcber den Ernst-August-Kanal f\u00fchrt, geht es links die B\u00f6schung hinab. Wege gibt es keine, nur schmale Trampelpfade, die sich zwischen stattlichen Weiden, Pappeln und Erlen hindurchschl\u00e4ngeln. Die Luft ist merklich frischer als auf der Br\u00fccke und einige Grad k\u00fchler. Der Verkehrsl\u00e4rm der nahen Haupthafenroute ist nur noch ged\u00e4mpft zu h\u00f6ren. Vogelgezwitscher dringt aus dem Unterholz.\u00a0&#8222;Hier br\u00fcten mindestens 30 verschiedene Vogelarten&#8220;, erz\u00e4hlt Sigrun Clausen von der Initiative Waldretter*innen Wilhelmsburg, die regelm\u00e4\u00dfig Interessierte durch den\u00a0Wald\u00a0f\u00fchrt. &#8222;Dazu kommen Libellen, Flederm\u00e4use und Erdkr\u00f6ten sowie Eisv\u00f6gel, die im Kanal fischen.&#8220; In einem naturschutzfachlichen Gutachten der Hamburger Umweltbeh\u00f6rde wurde das Geh\u00f6lz als &#8222;wertvoll&#8220; eingestuft. Es ist zudem eines der letzten verbliebenen Waldst\u00fccke im ganzen Bezirk Mitte.\u00a0\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0ZON<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Elbvertiefung \u2013 Der t\u00e4gliche Newsletter f\u00fcr Hamburg<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Erfahren Sie aus der Redaktion der ZEIT, was in Hamburg wichtig ist \u2013 pr\u00e4gnant, pers\u00f6nlich und pointiert, jeden Werktag um 6 Uhr.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a><br \/>\n     zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Clausen wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wald,\u00a0so\u00a0wie\u00a0viele\u00a0aus der Initiative. Aus ihrem Fenster blickt sie auf die Wipfel der B\u00e4ume, die einen Sichtschutz zur\u00a0vielbefahrenen Hafenrandstra\u00dfe und auch eine Barriere f\u00fcr L\u00e4rm und Luftverschmutzung\u00a0bilden. &#8222;Hier in Wilhelmsburg leben viele Menschen mit geringem Einkommen&#8220;, sagt die Kulturanthropologin. &#8222;Die k\u00f6nnen es sich nicht leisten, am Wochenende an die Ostsee zu fahren.&#8220; Stattdessen gingen sie am Kanal spazieren und in den &#8222;Wilden Wald&#8220;. Dessen \u00f6stlicher Teil ist \u00fcber den Uferweg leichter zug\u00e4nglich. Hier liegt auch eine Lichtung\u00a0\u2013\u00a0eine gro\u00dfe Freifl\u00e4che, die vielf\u00e4ltig genutzt wird. Tags\u00fcber etwa von Kitagruppen und Schulklassen, abends von Jugendlichen oder auch Wohnungslosen. Im Herbst haben die Initiativen hier eine gemeinsame Mahnwoche f\u00fcr den Wald abgehalten, inklusive Camp und Einsteigerkurs in Baumbesetzung.\u00a0\n<\/p>\n<p>                        Von den Gr\u00fcnen gab es R\u00fcckenwind \u2013 eine Zeit lang        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Der Protest w\u00e4hrt schon viele Jahre. Er formierte sich, nachdem die Pl\u00e4ne f\u00fcr das Spreehafenviertel 2017 konkreter wurden. Seitdem haben die Aktivistinnen aus eigener Sicht viel f\u00fcr ihren Wilden Wald erreicht. &#8222;Zum Beispiel, dass der\u00a0WiWa\u00a0jetzt \u00fcberhaupt als Wald gilt&#8220;, sagt Clausen.\u00a0Hamburgs\u00a0Oberbaudirektor Franz-Josef H\u00f6ing habe dessen Existenz ehemals bestritten, mit Verweis auf einen alten\u00a0Fl\u00e4chennutzungsplan, in dem die Fl\u00e4che als Gewerbegebiet ausgewiesen\u00a0ist. Einen Ortsbesuch des Chefplaners H\u00f6ing habe es bis heute nicht gegeben, sagt sie. Aber die\u00a0Proteste h\u00e4tten schlie\u00dflich zu einer Einsicht bei den Beh\u00f6rden gef\u00fchrt.\u00a0Die st\u00e4dtische Projektentwicklungsgesellschaft IBA, die mit der Umsetzung des Spreehafenviertels betraut ist, musste ihr Baukonzept um die Suche nach geeigneten Ausgleichsfl\u00e4chen erweitern.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Auch von der Politik bekamen die Waldretter*innen mehr und mehr R\u00fcckenwind. Nicht nur die Linke stellte sich hinter ihre Forderung, sondern auch die Gr\u00fcnen \u2013 nachdem die Regierungspartei das Wohnungsbauprojekt zuvor lange mitgetragen hatte, schwenkte sie gegen Ende der letzten Legislaturperiode um. In ihrem Regierungsprogramm Gute Gr\u00fcnde f\u00fcr Gr\u00fcn, das die Partei vergangenes Jahr im Vorfeld der B\u00fcrgerschaftswahl ver\u00f6ffentlichte, sprach sie sich explizit f\u00fcr den &#8222;vollst\u00e4ndigen Erhalt des Pionierwaldes in Wilhelmsburg&#8220; aus. &#8222;Das h\u00e4tten wir kaum zu hoffen gewagt&#8220;, sagt Aktivistin Clausen.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Umso gr\u00f6\u00dfer war die Entt\u00e4uschung, als der neue Koalitionsvertrag zwischen SPD und Gr\u00fcnen vorgestellt wurde. Darin kommt das Wort Wald kein einziges Mal vor \u2013\u00a0stattdessen steht dort, die Bebauungspl\u00e4ne sollten &#8222;z\u00fcgig vorangetrieben&#8220; werden. Es solle lediglich gepr\u00fcft werden, &#8222;wie bei der Umsetzung m\u00f6glichst viele B\u00e4ume erhalten bleiben k\u00f6nnen.&#8220;\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1Die Baumsch\u00fctzer planen schon Sitzblockaden Seite 2Es gibt Alternativen zur Rodung&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":777170,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1826],"tags":[4652,176045,29,30,692,96992,61506,2778,2192],"class_list":["post-777169","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-hamburg","tag-wald","tag-bedrohter-wald-in-hamburg","tag-deutschland","tag-germany","tag-hamburg","tag-rodung","tag-wildwuchs","tag-wilhelmsburg","tag-wohnungsbau"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116025278070287346","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/777169","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=777169"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/777169\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/777170"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=777169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=777169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=777169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}