{"id":77754,"date":"2025-05-02T06:00:10","date_gmt":"2025-05-02T06:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/77754\/"},"modified":"2025-05-02T06:00:10","modified_gmt":"2025-05-02T06:00:10","slug":"ende-des-ns-regimes-berlin-hatte-eine-besondere-bedeutung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/77754\/","title":{"rendered":"Ende des NS-Regimes: &#8222;Berlin hatte eine besondere Bedeutung&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 02.05.2025 07:26 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Der Untergang des &#8222;Dritten Reichs&#8220; wurde in Berlin besiegelt. In dem Haus, in dem die Kapitulation am 2. Mai 1945 unterschrieben wurde, wird die Erinnerung daran bis heute wach gehalten.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/anke-hahn-101.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Anke Hahn (RBB)\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/ankehahn-ts-104.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm Schulenburgring 2 in Berlin-Tempelhof wird die Erinnerung an die Ereignisse vor 80 Jahren lebendig gehalten. Die Hausgemeinschaft feiert allj\u00e4hrlich mit Musik und Kulturprogramm &#8211; zus\u00e4tzlich zu den offiziellen Kranzniederlegungen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nImmer dabei: Michael M\u00fcller, Regierender B\u00fcrgermeister a.D. und fr\u00fcher selbst Teil der Hausgemeinschaft. Seine Familie zog 1962 hier ein, Michael M\u00fcller verbrachte seine Kindheit und Jugend hier.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nHeute erinnert eine Gedenktafel an der Hausfassade an die Ereignisse. Zum 80. Jahrestag der Unterzeichnung wird neben Berlins Regierendem B\u00fcrgermeister Kai Wegner auch wieder sein Vorg\u00e4nger Michael M\u00fcller vor dem Geb\u00e4ude einen Kranz ablegen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nOffizielle ausl\u00e4ndische G\u00e4ste sind in diesem Jahr <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/bundestag-weltkriegsgedenken-russland-100.html\" title=\"Bundestag schlie\u00dft Russland von Weltkriegs-Gedenken am 8. Mai aus\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ausdr\u00fccklich nicht eingeladen.<\/a> Es soll verhindert werden, dass eine russische oder belarusische Delegation die Gelegenheit zu Kriegspropaganda nutzen k\u00f6nnte. Es soll einzig um die Erinnerung an die Zeit vor 80 Jahren gehen.<\/p>\n<p>    Moskauer Milit\u00e4rs im Erdgeschoss<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBerlin war ein einziges Tr\u00fcmmerfeld, als der Mai 1945 anbrach. Gerade war die erbitterte Schlacht um Berlin mit mehr als 55.000 toten Zivilisten und vermutlich mehreren Hunderttausend toten Soldaten auf beiden Seiten zu Ende gegangen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAdolf Hitler nahm sich am 30. April das Leben, am selben Tag wehte auf der Ruine des Reichstags die Sowjetfahne. Die Rote Armee hatte die Stadt aus allen Himmelsrichtungen in die Zange genommen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm\u00a0Schulenburgring 2 musste die Hausbesitzerin Anni Goebels ihre Wohnung im Erdgeschoss r\u00e4umen. In dem herrschaftlichen Gr\u00fcnderzeitbau waren am 27. April hohe Milit\u00e4rs aus Moskau eingezogen: der Stab der 8. Gardearmee unter Wassili Tschuikow.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Privatr\u00e4ume der Hauswirtin dienten jetzt einige Tage lang als Kommandozentrale der sowjetischen Milit\u00e4rf\u00fchrung in Berlin. Der Altbau befindet sich in der N\u00e4he des Tempelhofer Flughafens, der als letzter Fluchtweg galt.<\/p>\n<p>    Neun Stunden Waffenstillstandsverhandlungen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer 1. Mai 1945 war ein Dienstag. Nach den Selbstmorden der Nazi-F\u00fchrung zeichnete sich jetzt das endg\u00fcltige Kriegsende ab. Im Schulenburgring 2 herrschte ab 4 Uhr am Morgen hektische Betriebsamkeit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGeneral Hans Krebs sollte mit den Sowjets einen Waffenstillstand aushandeln. Neun Stunden dauerten die Verhandlungen &#8211; und scheitern. Die Alliierten bestanden auf der bedingungslosen Kapitulation. Dazu waren die Nationalsozialisten aber noch nicht bereit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Historiker Peter Lieb vom Zentrum f\u00fcr Milit\u00e4rgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr erkl\u00e4rt das so: &#8222;Berlin als Reichshauptstadt hatte eine besondere Bedeutung f\u00fcr die verbliebene F\u00fchrung des Dritten Reiches.&#8220; Zwar h\u00e4tte es vorher schon diverse Kapitulationen von Heeresgruppen in anderen Gegenden des Landes gegeben, doch Berlin sei ein Symbol gewesen. &#8222;Die Stadt sollte gehalten werden bis zum Schluss.&#8220;<\/p>\n<p>    Ein weiterer deutscher Unterh\u00e4ndler<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAm Abend des 1. Mais machte sich allgemeine Ersch\u00f6pfung breit &#8211; vielleicht auch, weil die Soldaten der Roten Armee im zerbombten Berlin ausgiebig den &#8222;Tag der internationalen Arbeitersolidarit\u00e4t&#8220; feierten, wie der &#8222;Spiegel&#8220; sp\u00e4ter schreibt. Zu einem letzten Sturmangriff auf die Deutschen kam es nicht. &#8222;Wir st\u00fcrmen nicht mehr, wir kriechen&#8220;, beklagte ein General.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber zum Schlafen kamen die Milit\u00e4rs im Schulenburgring auch in dieser Nacht nicht. Es wurde hin und her telefoniert. Um 2 Uhr fr\u00fch am 2. Mai k\u00fcndigte sich ein weiterer deutscher Unterh\u00e4ndler an. Der vorherige, General Krebs, hatte Selbstmord begangen.<\/p>\n<p>    &#8222;Der F\u00fchrer hat uns im Stich gelassen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAm Vormittag erreichte General Helmuth Weidling den Schulenburgring. Wieder ging es um Formulierungen. Man einigte sich schlie\u00dflich auf den ersten Satz: &#8222;Am 30.4.45 hat sich der F\u00fchrer selbst entleibt und damit uns, die wir ihm die Treue geschworen hatten, im Stich gelassen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEs folgte die Einsicht: &#8222;Jeder, der jetzt noch im Kampf um Berlin f\u00e4llt, bringt seine Opfer umsonst.&#8220; Dann die Konsequenz: &#8222;An die Soldaten der Berliner Garnison ergeht die Aufforderung, sofort die Waffen niederzulegen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr Peter Lieb ist diese Formulierung klug gew\u00e4hlt. Zum einen\u00a0hatte die NS-Propaganda zun\u00e4chst verbreitet, Hitler sein &#8222;im Kampf gefallen&#8220;. Diese L\u00fcge wurde so korrigiert. Dazu kam nun ein anderer Aspekt: Die deutschen Soldaten h\u00e4tten ihren Eid auf den F\u00fchrer geschworen. Da dieser nun durch seinen Selbstmord gewisserma\u00dfen selbst desertiert sei, w\u00e4re es auch keine Straftat mehr, wenn sie sich nun ergeben.\u00a0Zudem h\u00e4tten sie auch die moralische Legitimation, nicht bis zum letzten Blutstropfen k\u00e4mpfen zu m\u00fcssen, wie es Hitler eigentlich von ihnen verlangt hatte.<\/p>\n<p>    Unterzeichnung auf dem Wohnzimmertisch<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Kapitulationsurkunde tippte der Berliner Jude und Kommunist Stefan Doernberg auf seiner Reiseschreibmaschine ab. Er war f\u00fcr die Rote Armee auch als Dolmetscher an den Verhandlungen um die Kapitulation der Nazi-Wehrmacht beteiligt. Sp\u00e4ter erlangte er als Historiker in der DDR gro\u00dfe Bekanntheit. Seine Vorlage unterzeichneten General Weidling und Generaloberst Tschuikow dann auf dem Wohnzimmertisch im Erdgeschoss des Schulenburgring 2.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nLautsprecherwagen fuhren durch die Stra\u00dfen, die Kapitulationserkl\u00e4rung wurde verlesen. Auch der Protokollant der Verhandlungen, der Dichter Jewgenij Dolmatowski, berichtete \u00f6ffentlich am Brandenburger Tor von den Ereignissen. Danach entstand ein ber\u00fchmtes Foto des russischen Fotografen Jewegenij Chaldej. Es zeigte Dolmatowski lachend mit einer Hitlerb\u00fcste unter dem Arm. F\u00fcr ihn war der Krieg jetzt zu Ende.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nJewgeni Dolmatowski besuchte das Haus Schulenburgring 2 ab 1975\u00a0 noch h\u00e4ufiger. Es entstand eine Freundschaft\u00a0mit der Hausbesitzerin Anni Goebels, und die erz\u00e4hlte den Nachbarn davon.\u00a0So bleibt die Erinnerung an das historische Ereignis hier lebendig. Der Vater von Michael M\u00fcller, Drucker und Sozialdemokrat, war bis zu seinem Tod 2015 Teil der engagierten Hausgemeinschaft.<\/p>\n<p>    Erst kapituliert Berlin, dann Deutschland<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVon der stammt auch der Text auf der Gedenktafel am Haus. Die Anwohner hatten zusammen mit dem Historiker Stefan Doernberg gegen den Text der ersten offiziellen Tafel protestiert. Dort hie\u00df es :&#8220;In diesem Haus wurde der Waffenstillstand am 2. Mai 1945 unterzeichnet.&#8220; Ihnen aber war wichtig, dass hier das Ende der Kampfhandlungen besiegelt wurde &#8211; nicht nur ein Waffenstillstand.\u00a0Damit war der Krieg f\u00fcr Berlin offiziell beendet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr Historiker Peter Lieb war die Kapitulation Berlins der wichtigste Schritt hin zum tats\u00e4chlichen Kriegsende. Auch die wenigen noch relativ intakten Heereseinheiten der Wehrmacht h\u00e4tten so das Signal bekommen: Es ist vorbei. Auch wenn an einigen wenigen Orten noch gek\u00e4mpft wurde. F\u00fcr Gesamtdeutschland wurde die bedingungslose Kapitulation sechs Tage sp\u00e4ter, am 8. Mai, in Berlin-Karlshorst besiegelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 02.05.2025 07:26 Uhr Der Untergang des &#8222;Dritten Reichs&#8220; wurde in Berlin besiegelt. 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