{"id":780443,"date":"2026-02-08T02:16:10","date_gmt":"2026-02-08T02:16:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/780443\/"},"modified":"2026-02-08T02:16:10","modified_gmt":"2026-02-08T02:16:10","slug":"ausstellung-in-dresden-modersohn-becker-und-munch-erstmals-im-dialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/780443\/","title":{"rendered":"Ausstellung in Dresden: Modersohn-Becker und Munch erstmals im Dialog"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nFast m\u00f6chte man fragen, welche denn nun Paula Modersohn-Becker auf den aneinandergereihten Selbstportraits ist. Denn in jedem der vier Bildnisse begegnet man einer anderen Frau. Ein Facettenreichtum der Pers\u00f6nlichkeit, der sich darin widerspiegelt \u2013 wie man ihn zum Auftakt der Schau im Albertinum in Dresden ebenfalls bei den k\u00fcnstlerischen Selbstbetrachtungen Edvard Munchs findet. Etwa in einer Lithografie von 1895, auf der das Gesicht des damals 32-j\u00e4hrigen K\u00fcnstlers aus dem dunklen Hintergrund hervorleuchtet. \u00a0\n<\/p>\n<p><a name=\"K\">K<\/a>unstsammlungen zeigen mehr als Selbstportraits<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Da reicht es von einem fast grabsteinartigen Schwarzwei\u00dfportrait bis hin zu einem lebensfreudigen Selbstbildnis unter blauen Himmel in bester Sommerbr\u00e4une&#8220;, beschreibt Kunsthistoriker Andreas Dehmer. &#8222;Das zeigt schon mal, dass beide K\u00fcnstler auch sehr stark im Leben standen und das sich auch in solchen Selbstportraits spiegeln kann.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDehmer hat die Ausstellung gemeinsam mit Konservatorin Birgit Dalbajewa kuratiert. Ihr Leitmotiv war dabei das Leben selbst, beziehungsweise Leben als Diskursbegriff. Der hatte um 1900 Hochkonjunktur, als es darum ging, gesellschaftliche Konventionen zu hinterfragen und mit ihnen zu brechen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDamals seien es Leerstellen gewesen, die K\u00fcnstler bewegt h\u00e4tten, erkl\u00e4rt Dalbajewa: &#8222;Die waren zu f\u00fcllen mit einer neuen Verortung: Wie definieren wir uns als Menschen im Verh\u00e4ltnis zu den wachsenden St\u00e4dten, zur Industrie, zum Landleben, auch die Geschlechter untereinander&#8220;. Paula Modersohn-Becker und Munch h\u00e4tten jeder auf ganz unverwechselbare Weise Antworten auf diese Fragen gefunden: &#8222;Je n\u00e4her wir hingeschaut haben, desto interessanter wurde das.&#8220;\n<\/p>\n<p>Edvard <a name=\"M\">M<\/a>unch und Paula Modersohn-Becker im Dialog<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas Leben in seiner Vielfalt &#8211; Werden, Sein und Vergehen &#8211; sind die zentralen Gedanken in der k\u00fcnstlerischen Auseinandersetzung beider. Diese inhaltliche N\u00e4he zieht sich als roter Faden durch die Ausstellung, etwa wenn es um Kindheit geht. Munchs farbig expressive &#8222;Vier M\u00e4dchen am \u00c5sg\u00e5rdstrand&#8220; sind dabei gegen\u00fcbergestellt dem &#8222;M\u00e4dchen im Birkenwald mit Katze&#8220;, in von Paula Modersohn-Becker fein aufeinander abgestimmten Braunt\u00f6nen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nLebensnah und ber\u00fchrend wirken auch Modersohn-Beckers Gem\u00e4lde von M\u00fcttern mit S\u00e4uglingen auf dem Arm. F\u00fcr Birgit Dalbajewa Bilder von gro\u00dfer W\u00fcrde und Ausstrahlung: &#8222;Von Frauen, die keine Madonnen sind, die nicht s\u00fc\u00dflich sind, nicht sch\u00f6n sind in diesem herk\u00f6mmlichen, stereotypen Sinne, sondern deren Sch\u00f6nheit sie ganz anders beobachtet.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nUnter Themen wie &#8222;Der nackte Mensch&#8220; oder &#8222;Jugend und Alter&#8220; entspinnt sich im Weiteren ein Dialog, illustriert mit Ikonen, wie Modersohn-Beckers &#8222;Selbstportrait als stehender Akt&#8220; von 1905 und &#8222;Das kranke Kind&#8220; von <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/edvard-munch-kuenstler-chemnitz-der-schrei-fakten-106.html\" title=\"Edvard Munch: 10 \u00fcberraschende Fakten zum Maler von &quot;Der Schrei&quot;\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Edvard Munch<\/a>. Letzteres erinnert gleichzeitig daran, dass dieses Werk, oder besser eine fr\u00fchere Version davon, einmal Bestandteil der Dresdner Sammlungen gewesen ist. Gleiches gilt auch f\u00fcr das Monumentalgem\u00e4lde &#8222;Das Leben&#8220;, welches 1937 von den Nationalsozialisten als entartet diffamiertund verkauft wurde. Heute h\u00e4ngt es im Osloer Rathaus.\n<\/p>\n<p>Stadt <a name=\"Dresden\">Dresden<\/a> spielte in beiden Leben gro\u00dfe Rolle<\/p>\n<p class=\"text\">\nAber auch in den Leben beider K\u00fcnstler spielte Dresden, damals ein Zentrum der Moderne, eine wichtige Rolle. Munch war mehrmals in der Stadt, stellte hier aus. Paula Modersohn-Becker wiederum wurde 1876 in Dresden geboren und kehrte, als sie dann in Bremen und sp\u00e4ter in Worpswede lebte, immer wieder zur\u00fcck.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nModersohn-Becker habe sich intensiv mit den Sammlungen der Stadt auseinandergesetzt, erkl\u00e4rt Hilke Wagner, Direktorin des Albertinums. &#8222;Wir sehen den Bezug zu Cranach bei dem &#8218;Selbstportrait als Akt&#8216;, wir sehen ihn zu den Mumienmasken, bei K\u00fcnstlern wie Gaugin.&#8220; Es mache gro\u00dfe Freude, Modersohn-Beckers Arbeiten diesen Objekten gegen\u00fcber zu stellen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas Finale der Schau wird von Edvard Munch bestritten \u2013 mit hochkar\u00e4tigen Leihgaben seiner Werke aus dem Munch-Museums, darunter &#8222;Der Vampir&#8220;, auf dem sich eine rothaarige Frau \u00fcber den Nacken eines verzweifelt wirkenden Mannes beugt. Der urspr\u00fcngliche Titel war &#8222;Liebe und Schmerz&#8220; \u2013 noch eine dieser gro\u00dfen Fragen des Lebens \u2013 die letztlich heute noch dieselben sind, wie zu Zeiten von Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nQuellen: MDR KULTUR (Grit Krause)<br \/>redaktionelle Bearbeitung: az<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fast m\u00f6chte man fragen, welche denn nun Paula Modersohn-Becker auf den aneinandergereihten Selbstportraits ist. 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