{"id":781745,"date":"2026-02-08T15:01:13","date_gmt":"2026-02-08T15:01:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/781745\/"},"modified":"2026-02-08T15:01:13","modified_gmt":"2026-02-08T15:01:13","slug":"stuttgarterin-uta-zoephel-nach-18-jahren-sagt-sie-dem-leonhardsviertel-adieu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/781745\/","title":{"rendered":"Stuttgarterin Uta Z\u00f6phel: Nach 18 Jahren sagt sie dem Leonhardsviertel Adieu"},"content":{"rendered":"<p>Seit 2008 lebte Uta Z\u00f6phel \u00fcber der Fou Fou Bar. Sie kennt die guten und weniger guten Seiten des Leonhardsviertels. Welche Erinnerungen sie aus diesem ganz speziellen Kiez mitnimmt.<\/p>\n<p>Uta Z\u00f6phel tritt aus der Haust\u00fcr, b\u00fcckt sich, hebt eine zerbrochene Bierflasche auf und wirft sie in die M\u00fclltonne. \u201eDas hat man mitunter\u201c, sagt sie. \u201eDa k\u00fcmmert man sich dann eben drum. Es ist halt ein Ausgehviertel.\u201c Z\u00f6phel, eine zierliche dunkelhaarige Frau, der man ihre 66 Jahre so gar nicht ansieht, schaut auf ihr <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.stuttgart-album-zur-altstadt-leonhardsbad-und-krempelesmarkt-das-leonhardsviertel-war-nicht-immer-verrucht.b1d2a46f-5e96-4e88-af83-7153e4cf5284.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Leonhardsviertel<\/a> wie auf einen guten Freund, den man schon lange kennt: Man liebt seine St\u00e4rken, wei\u00df um seine Fehler und nimmt ihn so wie er eben ist.<\/p>\n<p>Von diesem Freund nimmt sie jetzt Abschied. Denn nach 18 Jahren in der Leonhardstra\u00dfe 13, \u00fcber der Fou Fou Bar, sitzt Uta Z\u00f6phel auf gepackten Kisten. Beinahe leer ist die Wohnung im ersten Stock, die 66-J\u00e4hrige wird \u2013 ganz anderes Pflaster \u2013 in die Kochenhofsiedlung ziehen. Killesberg, gediegen, ruhig.<\/p>\n<p>Uta Z\u00f6phel ging an das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Leonhardsviertel\" title=\"Leonhardsviertel\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leonhardsviertel<\/a> ran, wie sie an alles rangeht: Offen, neugierig, ohne Vorurteile. Eigentlich kommt sie aus Ostdeutschland, wurde zu DDR-Zeiten in Eisenach geboren, lebte dann lange im Vogtland. Sie hat mal Veterin\u00e4rmedizin studiert, arbeitete lange in einer Tierklinik, reiste dann als Hundefriseurin auf Wettbewerben durch die halbe Welt. Als ihr Vermieter in der s\u00e4chsischen Kleinstadt Falkenstein sie fragte, ob sie als seine Assistentin anfangen wolle (daf\u00fcr m\u00fcsse sie aber nach <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> umziehen), \u00fcberlegte sie eine Nacht und sagte dann ja. <\/p>\n<p>Manfred Hund ist Diplomingenieur und hat sich auf die Kernsanierung von Altbauten spezialisiert. Ihm geh\u00f6rt das Haus aus dem Jahr 1905 in der Leonhardstra\u00dfe 13, in das seine Assistentin 2008 zieht. Einst wurde es vom Stuttgarter Architekten Theodor Fischer geplant, als Wohnhaus f\u00fcr Arbeiter. Wo jetzt die Fou Fou Bar ist, hatte vor der Renovierung jahrzehntelang Sigrid Moore ihren Edeltr\u00f6delladen. Von Moore, der guten Seele des Viertels, bekam Uta Z\u00f6phel damals ihr Bett geschenkt. Es bleibt, auch wenn seine Besitzerin jetzt weiterzieht.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/media.media.789745f5-265e-495f-b1bf-a579dec092c7.original1024.media.jpeg\"\/>     Ihr Bett aus dem Laden von Sigrid Moore bleibt.    Foto: LICHTGUT\/Max Kovalenko    <\/p>\n<p>\u201eIch lasse mich vom Leben gern \u00fcberraschen\u201c, sagt die 66-J\u00e4hrige. \u201eIch nehme das, was mir vor die F\u00fc\u00dfe f\u00e4llt.\u201c In diesem Fall 2008 in Stuttgart: Eine frisch renovierte Altbauwohnung mit zauberhaftem Mini-Balkon. In die zogen sie und ihr Dobermann Zita ein. Und vor ihrer Haust\u00fcr tat sich das Leonhardsviertel auf. Die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.messalina-im-leonhardsviertel-schnauze-voll-von-stuttgart-john-heer-sucht-mieter-fuer-table-dance-bar.8d491ad2-996d-42c2-b573-86a2c6d9112a.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Tabledancebar Messalina<\/a> ist ums Eck, direkt gegen\u00fcber liegt das Eros-Center Edelwei\u00df. In den Nullerjahren standen die Animierdamen noch vor den Etablissements, Stra\u00dfenprostituierte warben um Freier. Rasch gr\u00fc\u00dfte man sich, \u201emit den M\u00e4dels, aber auch mit den Luden\u201c, erinnert Z\u00f6phel sich. <\/p>\n<p>Stuttgart will, dass sich das Leonhardsviertel \u00e4ndert <\/p>\n<p>Uta Z\u00f6phel ist keine, die ein schnelles Urteil \u00fcber Menschen f\u00e4llt. \u201eWarum jemand da steht \u2013 da ma\u00dfe ich mir kein Urteil an. Manchmal spielt das Leben eben so.\u201c Leben und leben lassen. Dass <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.nachtleben-in-stuttgart-zoff-im-leonhardsviertel-worum-es-geht-und-wie-die-rechtslage-ist.7d4f21cf-64da-40a1-bf25-87369f2d85fb.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">die Stadt das Gewerbe raushaben will<\/a> aus dem Leonhardsviertel, kann sie einerseits verstehen, andererseits hat sie von Sozialarbeitern aus dem Caf\u00e9 La Strada, dem Hoffnungshaus und der Caritas geh\u00f6rt, dass die sich sorgen, dann keinen Zugriff mehr auf die Frauen zu haben, denen sie helfen wollen. \u201eDie Prostitution ist ja nicht weg, nur weil sie nicht mehr mitten in der Stadt stattfindet. Und die Helfer und Helferinnen hier leisten tolle Arbeit.\u201c<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/media.media.c6bbc7e4-32a4-474d-99d6-e89c53b2e96a.original1024.media.jpeg\"\/>     Uta Z\u00f6phel bei einer Tasse Kaffee auf ihrem Balk\u00f6nchen.    Foto: LICHTGUT\/Max Kovalenko    <\/p>\n<p>Die Stra\u00dfenprostituierten verschwanden in der Coronazeit aus den Gassen des Viertels. Auch dass sie von Freiern angesprochen wird, kam schon lange nicht mehr vor. Fr\u00fcher antwortete sie auf \u201eHosch Luscht?\u201c mit einem frechen: \u201eDas kannst du dir gar nicht leisten!\u201c L\u00e4ngst hat sich das Leonhardsviertel durchmischt, ist ein Weggehviertel geworden, in dem sich die Anwohner eher am L\u00e4rm st\u00f6ren als am Gewerbe. Dazu hat auch ihr Chef Manfred Hund beigetragen, der den Besitzer eines benachbarten Geb\u00e4udes in der Weberstra\u00dfe dazu ermunterte, lieber an die Macher einer Bar wie dem Botanical Affairs zu vermieten, als dass wieder ein Tabledanceschuppen aufmacht.<\/p>\n<p>   Selbst Freunde aus Berlin oder Leipzig sind beeindruckt <\/p>\n<p>Am Leonhardsviertel liebte Uta Z\u00f6phel immer das Famili\u00e4re: Man trifft sich in der Weinstube Fr\u00f6hlich oder der Kiste im Bohnenviertel. Geht zum Jazz h\u00f6ren ins Bix und zum Fr\u00fchst\u00fccken ins Herbertz. Fr\u00fcher, als es noch die alte Uhu-Bar gab, war sie immer bei Oskar M\u00fcllers Neujahrsempfang, um Landj\u00e4ger zu essen. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.zoff-im-leonhardsviertel-uhu-bar-fuehlen-uns-wie-die-nervige-jugend-in-der-hausgemeinschaft.7245ba8c-14b0-4bb5-866c-924fbe90f618.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Dass es dort heute \u00c4rger gibt<\/a>, weil viele Leute auf der Stra\u00dfe weiterfeiern, hat sie am Rande mitbekommen. Sie ist daran gew\u00f6hnt, dass es nachts mal laut wird. Wenn\u2019s zu arg ist, \u00f6ffnet sie das Fenster, und ruft raus. Und ab und an musste sie auch schon mal die Polizei rufen, weil es unten brenzlig wurde. \u201eMan braucht eine gewisse Toleranz, um hier zu leben \u2013 sonst wird man im Leonhardsviertel nicht gl\u00fccklich.\u201c Selbst Freunde aus den In-St\u00e4dten Berlin und Leipzig waren immer beeindruckt, wie urban man in Stuttgart leben kann.<\/p>\n<p>Einst fing eine beherzte Animierdame ihre Katze Miez ein, als die durchs Leonhardsviertel streifte. An ihren \u00fcppigen Busen gepresst, brachte sie die ausgeb\u00fcxte Katze zur\u00fcck. Und einmal sammelten Streifenpolizisten den 13-j\u00e4hrigen Sohn von Freunden ein, der heimlich allein nach unten gegangen war, weil er neugierig war auf das, was im \u201eSt\u00e4dtle\u201c alles vor sich ging. Die Polizisten hatten Sorge, er k\u00f6nne von Freiern angesprochen werden. Geschichten, die so nur das Leonhardsviertel schreibt.<\/p>\n<p> Die \u201ebesondere Lebendigkeit\u201c vom \u201eSt\u00e4dtle\u201c wird ihr fehlen <\/p>\n<p>Seit Kurzem ist sie in Rente, macht eine Yoga-Ausbildung, ein Ortswechsel habe sich pl\u00f6tzlich stimmig angef\u00fchlt. Was ihr fehlen wird, wenn sie jetzt an den Kochenhof zieht? \u201eDie besondere Lebendigkeit im Viertel und unsere tolle Hausgemeinschaft.\u201c Sie machen miteinander Sport und gehen abends aus, leihen sich Eier und ein offenes Ohr. Auch mit ehemaligen Nachbarn, die schon seit Jahren woanders wohnen, hat sie immer noch Kontakt. Was sie nicht vermissen wird, dar\u00fcber muss Uta Z\u00f6phel l\u00e4nger nachdenken. Dann lacht sie und sagt: \u201eDass einem jemand vor die Haust\u00fcr pinkelt. Das kam neulich tats\u00e4chlich wieder vor, nachdem es jahrelang nicht passiert ist.\u201c Darauf kann sie \u2013 verst\u00e4ndlicherweise \u2013 gut verzichten.<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich ist es emotional, das alles hinter sich zu lassen\u201c, sagt die 66-J\u00e4hrige. Als sie ihrem Nachbarn sagte, dass sie auszieht, habe der sie erst mal in den Arm genommen. \u201eUnd ich sagte zu mir selbst: Jetzt heul\u2019 blo\u00df nicht los.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit 2008 lebte Uta Z\u00f6phel \u00fcber der Fou Fou Bar. 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