{"id":78280,"date":"2025-05-02T10:47:15","date_gmt":"2025-05-02T10:47:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/78280\/"},"modified":"2025-05-02T10:47:15","modified_gmt":"2025-05-02T10:47:15","slug":"mark-lauter-nationalismus-statt-leisem-kanada-stolz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/78280\/","title":{"rendered":"Mark: Lauter Nationalismus statt leisem Kanada-Stolz"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">An der kanadischen Westk\u00fcste waren die Stimmen am Dienstagmorgen noch nicht ganz ausgez\u00e4hlt, da sa\u00df der neu- und wiedergew\u00e4hlte Premierminister <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/mark-carney\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mark Carney<\/a> knapp 3.000 Meilen entfernt in Ottawa schon wieder in seinem B\u00fcro. &#8222;Es ist Zeit, dass wir loslegen&#8220;, hatte er den wartenden Reportern zugerufen. Was er damit meinte, offenbarte sich nur wenige Minuten sp\u00e4ter, als die Globe and Mail, eine der gro\u00dfen Tageszeitungen des Landes, die vollst\u00e4ndige Liste des neuen Kabinetts ver\u00f6ffentlichte. Die Journalisten bezogen sich dabei auf &#8222;eine Regierungsquelle&#8220;. Was Carney selbst noch nicht sagen konnte, hatte er einem vertrauten Journalisten \u00fcberlassen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mark Carney ist ein Neuling in der Politik, doch er beherrscht das Spiel schon wie ein gewiefter Veteran. Sein erstes demokratisches Mandat erhielt der vierfache Familienvater erst Anfang M\u00e4rz, als er nach dem R\u00fccktritt von Justin Trudeau zum Parteivorsitzenden der Liberalen Partei Kanadas (LPC) und damit zu Trudeaus Nachfolger als <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/premierminister\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Premierminister<\/a> gew\u00e4hlt wurde. Bis dahin kannten ihn die Kanadier, wenn \u00fcberhaupt, als den \u00d6konomen, der das Land 2008 als Chef der Zentralbank durch die globale Finanzkrise steuerte. Wegen seiner angenehmen Erscheinung wurde er <a href=\"https:\/\/www.worldfinance.com\/home\/final-bell\/the-george-clooney-of-banking\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">damals auch der &#8222;George Clooney der Zentralbanker&#8220;<\/a> genannt. <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Doch sein sanftm\u00fctiges Auftreten t\u00e4uscht dar\u00fcber hinweg, dass er ein kluger Stratege mit einem sicheren politischen Instinkt ist. Der wei\u00df, worauf es gerade ankommt und genau dort den Finger anlegt. Denn nach zehn Jahren Trudeau wollte die Mehrheit der Kanadier allen Umfragen zufolge einen Politikwechsel. Das war Ende des vergangenen Jahres. Dann zog <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/donald-trump\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Donald Trump<\/a> wieder ins Wei\u00dfe Haus ein und stellte binnen weniger Wochen die kanadische Politik auf den Kopf.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                    Newsletter<\/p>\n<p>                    Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. Erhalten Sie zudem freitags den US-Sonderletter &#8222;Was jetzt, America?&#8220; sowie das digitale Magazin ZEIT am Wochenende.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Kanada und die Kanadier w\u00e4ren doch viel besser dran, wenn sie der 51. Staat der USA w\u00fcrden. Diese absurde Idee formulierte der US-Pr\u00e4sident mal als Angebot, mal als Drohung, doch war die Reaktion immer dieselbe. Die Kanadier, bis dahin zufrieden mit ihrem leisen, unaufdringlichen Nationalstolz, entwickelten \u00fcber Nacht einen lauten <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/nationalismus\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nationalismus<\/a>, den Mark Carney zielsicher und glaubw\u00fcrdig bedienen konnte.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Seine Regierung werde das &#8222;Land gegen jeden verteidigen, der uns nicht respektiert und unsere Souver\u00e4nit\u00e4t infrage stellt. Koste es, was es wolle&#8220;, wetterte er im Wahlkampf auf den Marktpl\u00e4tzen und in den Einkaufszentren des ganzen Landes. W\u00e4hrend seines Studiums in Oxford war Mark Carney Kapit\u00e4n der Eishockeymannschaft. Jetzt bediente er sich einer Metapher aus dem kanadischen Nationalsport: &#8222;Elbows up&#8220;, die Ellenbogen hoch, das signalisiert auf dem Eis uneingeschr\u00e4nkte Kampfbereitschaft. Es wurde Carneys Schlachtruf und Wahlkampfslogan.\n<\/p>\n<p>                An dieser Stelle ist ein externer Inhalt eingebunden<\/p>\n<p>Zum Anschauen ben\u00f6tigen wir Ihre Zustimmung<\/p>\n<p>\n                Weiter\n            <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Seinen Sieg verdankt Carney nicht zuletzt Donald Trump mit seinem Geschw\u00e4tz \u00fcber Kanada als 51. Staat der USA&#8220;, sagt Balkan Devlen, Direktor des Transatlantikprogramms am Macdonald-Laurier Institut in Ottawa. &#8222;Sein staatsm\u00e4nnisches Auftreten macht ihn f\u00fcr viele zu einem glaubhaften Verteidiger von Kanadas Interessen&#8220;, sagt er. Dazu kommt Carneys Erfahrung in der Privatwirtschaft. 13 Jahre lang hat er in London, Tokyo, New York und Toronto f\u00fcr die Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet. &#8222;Das beeindruckt Donald Trump&#8220;, sagt Balkan Devlen.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Gleichzeitig vertritt Carney mit seinem Lebenslauf auch genau die globale Elite, die Trump zum Feind Amerikas erkl\u00e4rt hat. Carney ist der stereotypische, aufgekl\u00e4rte Davos-Mann, der jahrzehntelang die Vernetzung der globalen Wirtschaft gepredigt und vorangetrieben hat. Der es einmal als einen &#8222;moralischen Imperativ&#8220; bezeichnete, den Klimawandel und seine Folgen zum &#8222;Ausgangspunkt jeder politischen \u00dcberlegung&#8220; zu machen. F\u00fcr den Diversit\u00e4t, Gleichberechtigung und Inklusion ganz selbstverst\u00e4ndliche Parameter jeder Gesellschaftspolitik sind.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Genau diese drei Pfeiler bringt Donald Trump in den <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/usa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a> gerade zu Fall.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In Ottawa hei\u00dft es, Carney und Trump k\u00f6nnten sich m\u00f6glicherweise bereits n\u00e4chste Woche treffen. Ob Carney sich dann auf seinen politischen Instinkt verlassen kann, wird sich zeigen. Denn so sehr er dem Mobber aus Mar-a-Lago bisher die Stirn geboten hat, bei den Ausfuhrz\u00f6llen sitzt Trump an einem ziemlich langen Hebel. Mehr als 70 Prozent aller kanadischen Exporte gehen in die USA.\n<\/p>\n<p>                        Die Hoffnung in Berlin: Carney als Br\u00fcckenbauer        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die neue Bundesregierung in Berlin setzt unterdessen gro\u00dfe Hoffnung in Carney. &#8222;Als Vorsitzender der G7 kann der neue kanadische Premierminister viel anstellen, um einerseits Br\u00fccken zu bauen zwischen Trump und dem Rest des Westens und andererseits, um Washington in aller Robustheit klarzumachen, dass die USA sich mit ihrer Zollpolitik auf einem Irrweg befinden, der schlimme Konsequenzen haben kann, auch f\u00fcr sie selbst&#8220;, erkl\u00e4rt ein Au\u00dfenpolitiker der CDU, der nicht genannt werden will.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Im eigenen Land wird Mark Carney hingegen ein Liberaler sein, der konservativ regieren muss. Im Parlament fehlen ihm drei Sitze f\u00fcr eine absolute Mehrheit. Und obgleich sogar die franz\u00f6sischsprachigen Nationalisten des Bloc Qu\u00e9b\u00e9cois ihre Unterst\u00fctzung zugesichert haben, muss Carney auf eine starke konservative Opposition R\u00fccksicht nehmen. Er sei da ganz pragmatisch, sagte er k\u00fcrzlich in einem Interview mit dem \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender CBC. Als \u00d6konom halte er sich an die Worte des gro\u00dfen britischen Volkswirtschaftlers John Maynard Keynes: &#8222;Wenn die Fakten sich \u00e4ndern, \u00e4ndere ich meine Meinung.&#8220; <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In welche Richtung dieser Pragmatismus das Land f\u00fchrt, daf\u00fcr gab es schon in den ersten vier Wochen nach Carneys Amtsantritt im M\u00e4rz erste Anzeichen. Er schaffte eine CO2-Steuer f\u00fcr Verbraucher ab und er machte das Ministerium f\u00fcr Frauen und Gleichberechtigung der Geschlechter dicht. In der Ger\u00fcchtek\u00fcche der Klein- und Hauptstadt Ottawa ging zu der Zeit die Nachricht um, dass er f\u00fcr beide Entscheidungen heftige Kritik aus der eigenen Familie kassiert h\u00e4tte. &#8222;Die neue First Lady, Diana Fox Carney, ist Agrar\u00f6konomin und hat sich ihr ganzes Berufsleben lang in Denkfabriken und Nichtregierungsorganisationen f\u00fcr den Klimaschutz eingesetzt. Dass ihr Mann ausgerechnet hier zur\u00fcckrudert, hat wohl zu einiger Spannung gef\u00fchrt&#8220;, sagt Balkan Devlen. Carneys Kind Sasha, das die Pronomen they\/them bevorzugt, sei unterdessen \u00fcber die Abschaffung des Frauenministeriums erbost gewesen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mehr Gewicht als der famili\u00e4re Gegenwind hatte f\u00fcr Mark Carney aber wohl die Tatsache, dass er ohne die Konservativen im Parlament nicht auskommen wird. Diese dominieren vor allem in den Provinzen Alberta und Saskatchewan, wo Kanadas \u00d6l- und Gasvorkommen lagern, die mehr als drei Prozent der kanadischen Wirtschaftsleistung ausmachen und 800.000 Arbeitspl\u00e4tze sichern.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Will Mark Carney als 24. Premierminister der Kanadier erfolgreich sein, muss er die Beziehungen zu den USA kitten, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-04\/kanada-wahl-mark-carney-donald-trump\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">zahlreiche innenpolitische Baustellen (wie die enorm hohen Lebenshaltungskosten) bew\u00e4ltigen<\/a> und Kanadas Rolle als ernst zu nehmendes Mitglied westlicher B\u00fcndnisse wie der G7 und der Nato st\u00e4rken. Das ist nicht weniger als die Quadratur des Kreises. Doch im Moment scheint er der beste Mann f\u00fcr diesen Job zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"An der kanadischen Westk\u00fcste waren die Stimmen am Dienstagmorgen noch nicht ganz ausgez\u00e4hlt, da sa\u00df der neu- und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":78281,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,3364,29,106,30,13,53,24034,14951,14,28569,15,16,11329,12,64],"class_list":{"0":"post-78280","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-donald-trump","13":"tag-germany","14":"tag-headlines","15":"tag-kanada","16":"tag-mark","17":"tag-mark-carney","18":"tag-nachrichten","19":"tag-nationalismus","20":"tag-news","21":"tag-politik","22":"tag-premierminister","23":"tag-schlagzeilen","24":"tag-usa"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114437845306505675","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78280","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78280"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78280\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/78281"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78280"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78280"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78280"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}