{"id":783344,"date":"2026-02-09T06:23:17","date_gmt":"2026-02-09T06:23:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/783344\/"},"modified":"2026-02-09T06:23:17","modified_gmt":"2026-02-09T06:23:17","slug":"geisterkino-wurde-unter-urban-explorern-zu-geheimtipp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/783344\/","title":{"rendered":"Geisterkino wurde unter Urban Explorern zu Geheimtipp"},"content":{"rendered":"<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Viele Anwohner d\u00fcrften sich beim Anblick des Wohnhauses Alt-Friedrichsfelde 3 noch an das Kino erinnern, dass es hier einst gab. Nach dem Krieg hatte das Filmlichttheater aus den 20er-Jahren 1948 wieder seine Pforten ge\u00f6ffnet. Generationen von Berlinern hatten auf der Leinwand des Hinterhofkinos DEFA-Klassiker gesehen, Filmpremieren erlebt und sich \u00fcber den Inhalt aktueller Filmvorstellungen ausgetauscht. Auch Theatervorstellungen und Politabende fanden im Volkshaus statt. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Dann kam nach der Wende das Aus f\u00fcr das Kino \u2013 Jahre lang stand es leer und die hinterlassene Kinoausstattung verwandelte sich selbst in eine in der Zeit stehen gebliebene Kulisse: eine von Staub bedeckte menschenleere Hommage an die fr\u00fcheren Glanzzeiten des Kinos, das zu einer Ruine verfiel. Alle Infos zu dem ehemaligen <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/lost-places-in-berlin\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1675630774\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lost Place<\/a>.<\/p>\n<p>            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/406549156_1718103882_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[4\/3]\" alt=\"Lost Places\" title=\"Lost Places\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>  Das sind die Fakten zum Kino Alt-Friedrichsfelde im \u00dcberblick:<\/p>\n<ul class=\"[[data-group=summary]_&amp;]:my-0 my-10 [h3+&amp;]:mt-0 expressive-copy-lg\">\n<li><strong>Adresse:<\/strong> Alt-Friedrichsfelde 3, 10315 Berlin-Friedrichsfelde<\/li>\n<li><strong>Geschichte:<\/strong> 1928 als \u201eKino Busch\u201c mit einer Zuschauerkapazit\u00e4t von 600 Pl\u00e4tzen er\u00f6ffnet; nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 Wiederaufnahme des Spielbetriebs als \u201eKino Volkshaus\u201c; nach Modernisierung im Jahr 1990 wurde das Lichtspielhaus 1992 stillgelegt; 2007 entkernt; seitdem Leerstand und Verfall<\/li>\n<li><strong>F\u00fchrungen:<\/strong> Keine<\/li>\n<li><strong>Denkmalschutz:<\/strong> Nein<\/li>\n<li><strong>Status: <\/strong>Ehemaliger<strong> <\/strong>Lost Place. 2017 wurde der r\u00fcckw\u00e4rtige Kinosaal abgerissen<\/li>\n<\/ul>\n<p>  Wo lag das Kino Alt-Friedrichsfelde genau?<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Das Kino Alt-Friedrichsfelde befand sich im Hinterhof an der Adresse Alt-Friedrichsfelde 3 im Ortsteil Friedrichsfelde des Bezirks <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/lichtenberg\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Lichtenberg<\/a>. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) f\u00fcr das Objekt lauten: GG64+566. Mit den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln ist das Areal am besten mit den Buslinien 108 und N5 (Haltestelle L\u00f6wenberger Stra\u00dfe) zu erreichen. Die Busstation befindet sich direkt vor dem alten Kino. <strong>Achtung:<\/strong> Es handelt sich um Privatgel\u00e4nde. Das Betreten ist Unbefugten nicht erlaubt. <strong>Auch interessant: <\/strong><a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/vermischtes\/article237534537\/lost-places-verlassene-orte-trend-hausfriedensbruch-anwalt-haft-botschaft-sambia.html\" data-category-full-path=\"\/vermischtes\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1675441736\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch<\/a><\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Das sind die wichtigsten <strong>Etappen der Geschichte des Kinos Alt-Friedrichsfelde:<\/strong><\/p>\n<p>  Ausgangslage: Berlin \u2013 eine Stadt der Filmbegeisterten<br \/>\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/408062069_1736628650_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9]\" alt=\"Berlin, Schlange vor Luisen-Kino \/ Foto\" title=\"Filmverr\u00fcckt: Schlange vor Beginn der Kindervorstellung im Luisen-Kino in Berlin-Mitte. Foto, um 1910.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Filmverr\u00fcckt: Schlange vor Beginn der Kindervorstellung im Luisen-Kino in Berlin-Mitte. Foto, um 1910.<br \/>\n      \u00a9 picture alliance \/ akg-images | akg-images\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Anfang des 20. Jahrhunderts setzte die deutsche Filmindustrie zu einem glamour\u00f6sen H\u00f6henflug an.<strong> <\/strong>Klassiker wie \u201eDas Cabinet des Dr. Caligari\u201c (1920), Metropolis (1927) und Fritz Langs \u201eM \u2013 eine Stadt sucht einen M\u00f6rder\u201c (1931) lockten scharenweise Publikum ins Kino. Das Zentrum der Filmbegeisterung: Berlin. Nirgendwo sonst in Europa gab es bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine \u00e4hnliche Dichte an Filmtheatern. Vom n\u00f6rdlichen Stadtrand bis zum S\u00fcden der Metropole wurde Berlin von einem Netz von Lichtspielh\u00e4usern \u00fcberzogen.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Variet\u00e9s bauten ihre Vorf\u00fchrs\u00e4le um; gro\u00dfe Traditionsh\u00e4user entstanden wie das Marmorhaus am Kurf\u00fcrstendamm und kleine Kinost\u00e4tten, bei denen Enthusiasten der Kinematographie ihr Erspartes mobilisierten, um in Hinterh\u00f6fen und Wohnh\u00e4usern improvisierte Lichtspielh\u00e4user einzurichten. Allein in Berlin gab es 1928 378 registrierte Filmtheater. L\u00e4ngst hatte die Kinobegeisterung auch auf die Vororte der Metropole \u00fcbergegriffen. In Friedrichfelde \u2013 bis 1920 noch brandenburgische Gemeinde vor den Toren Berlins \u2013 er\u00f6ffneten 1928 gleich zwei Lichtspielh\u00e4user: die Schlosslichtspiele nahe dem U-Bahnhof Friedrichsfelde und ein zweites Kino, das nach seinem Inhaber Kino \u201eBusch\u201c genannt wurde.<\/p>\n<p>  Kino Alt-Friedrichsfelde: Eine Schilderfabrik wurde zum Filmtheater umgebaut<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Als der Gesch\u00e4ftsmann Adolf Busch in den 1920er-Jahren das Mehrfamilienhaus an der Stra\u00dfe Alt-Friedrichsfelde 3 \u2013 kurz zuvor war diese noch die Berliner Stra\u00dfe gewesen \u2013 erwarb, hatte er einen Plan. Im Hinterhof der Immobilie befand sich ein Fabrikgeb\u00e4ude, das 1910 noch zur Molkerei Emilie Beeskow geh\u00f6rte und dann vom Vorbesitzer Franz Xaver Gerstmeyer in die Emaillier- u. Schilderfabrik \u201eGerstmeyer &amp; Drenske\u201c verwandelt worden war. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Adolf Busch hatte f\u00fcr die langgezogene Fabrikhalle mit ihren schweren Ger\u00e4tschaften, in denen Arbeiter an Kugelm\u00fchlen Schlicker gemahlen und an Durchlauftunnel\u00f6fen Werkst\u00fccke bei bis zu 900 Grad Celsius gebrannt hatten, etwas ganz anderes im Sinn. In den Gewerbehallen des Hinterhofes lie\u00df er ein Filmtheater einrichten, dass bei seiner Er\u00f6ffnung 1928 600 Zuschauern Platz bot. Gespielt wurden die Stummfilmklassiker der 20er-Jahre und bald auch die dieser Tage in Mode gekommenen Tonfilme. 1929 flimmerte der erste deutsche, vollst\u00e4ndig in Ton gedrehte Spielfilm \u201eMelodie des Herzens\u201c \u00fcber die Leinwand. Der erste Satz, den das Publikum zu h\u00f6ren bekam, sprach Ufa-Darsteller Willy Fritsch: \u201eIch spar n\u00e4mlich auf ein Pferd\u201c. Damit trat der Tonfilm seinen Siegeszug durch die deutsche Kinowelt an.<\/p>\n<p>  Kino Alt-Friedrichsfelde: Filmvorstellungen in Zeiten des Krieges<br \/>\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/408062051_1736628360_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9]\" alt=\"Quax, der Bruchpilot\" title=\"Gute Zeiten f\u00fcrs Kino: Millionen Deutsche wollten im Winter 1941\/1942 Heinz R\u00fchmann in \u201eQuax, der Bruchpilot\u201c sehen. \u00a0Der Spielfilm bekam von der Filmpr\u00fcfstelle des Dritten Reichs das Pr\u00e4dikat \u201ek\u00fcnstlerisch wertvoll\u201c und spielte an den Kinokassen 5 Millionen Reichsmark ein.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Gute Zeiten f\u00fcrs Kino: Millionen Deutsche wollten im Winter 1941\/1942 Heinz R\u00fchmann in \u201eQuax, der Bruchpilot\u201c sehen. \u00a0Der Spielfilm bekam von der Filmpr\u00fcfstelle des Dritten Reichs das Pr\u00e4dikat \u201ek\u00fcnstlerisch wertvoll\u201c und spielte an den Kinokassen 5 Millionen Reichsmark ein.<br \/>\n      \u00a9 picture alliance \/ | unbekannt (Archiv)\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Mit der Mach\u00fcbergabe an die Nationalsozialisten wandelte sich in den 1930er-Jahren unter Propagandaminister Joseph Goebbels das Programm. Das Angebot reichte von politisch-propagandistischen und antisemitischen Machwerken bis zu seichten Unterhaltungsstreifen und NS-Kassenschlagern, die ebenfalls ideologisch konforme Botschaften transportierten. Das filmbegeisterte Publikum feierte die gro\u00dfen Stars der 1930er- und 1940er-Jahre: Zarah Leander, Lil Dagover, Ilse Werner, Heinz R\u00fchmann und NS-Vorzeigeschauspieler Emil Jannings. Produktionen wie \u201eDer Herrscher\u201c (1937), \u201eQuax, der Bruchpilot\u201c (1941) und \u201eDie gro\u00dfe Liebe\u201c (1942) fanden ein Millionenpublikum.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Ab 1934 war den Kinobesitzern verbindlich vorgeschrieben, im Vorprogramm wenigstens einen sogenannten Kulturfilm und die Wochenschau zu zeigen. Wobei es sich bei den \u201eKulturfilmen\u201c um Propagandastreifen handelte, die Themen wie die NS-Rassenlehre aufgriffen. Die Wochenschauen waren dem eigentlichen Programm vorangestellt und zeigten dem Berliner Publikum mit Kriegsbeginn gesch\u00f6nte Berichte zur Front \u2013 bis diese kurz vor der Reichshauptstadt verlief. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Das Lichtspieltheater Kino-Busch in Friedrichsfelde verblieb bis in die 1940er-Jahre in Familienhand. Laut den Berliner Adressb\u00fcchern f\u00fchrten es Adolf und Elisabeth Busch als gemeinsame Inhaber. Im Jahr 1940 meldete das Lichtspieltheater, das sich im Hinterhof in einem rund 32 mal 13 Meter gro\u00dfem Geb\u00e4ude befand, eine Kapazit\u00e4t von 584 Sitzpl\u00e4tzen. Ab 1943 erhielt die Vorf\u00fchrst\u00e4tte mit \u201eCorso\u201c einen neuen Kinonamen.<\/p>\n<p>Kino Alt-Friedrichsfelde: Wiederer\u00f6ffnung als Kino \u201eVolkshaus\u201c<br \/>\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/407601949_1730651865_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9]\" alt=\"Zweiter Weltkrieg - Kriegsende Berlin 1945 - Bersarin\" title=\"Nikolai Erastowitsch Bersarin, sowjetischer Generaloberst der Roten Armee und der erste sowjetische Stadtkommandant von Berlin zum Ende des Zweiten Weltkrieges, verl\u00e4sst 1945 gr\u00fc\u00dfend die erste Sowjetische Kommandantur in Berlin-Lichtenberg Alt-Friedrichsfelde 1. Bersarin er\u00f6ffnete viele Suppenk\u00fcchen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung und setzte sich f\u00fcr die Wiederherstellung der Ordnung und der zerst\u00f6rten Infrastruktur in Berlin ein. Er verungl\u00fcckte am 16. Juni 1945 bei einem Motorradunfall in Berlin t\u00f6dlich.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Nikolai Erastowitsch Bersarin, sowjetischer Generaloberst der Roten Armee und der erste sowjetische Stadtkommandant von Berlin zum Ende des Zweiten Weltkrieges, verl\u00e4sst 1945 gr\u00fc\u00dfend die erste Sowjetische Kommandantur in Berlin-Lichtenberg Alt-Friedrichsfelde 1. Bersarin er\u00f6ffnete viele Suppenk\u00fcchen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung und setzte sich f\u00fcr die Wiederherstellung der Ordnung und der zerst\u00f6rten Infrastruktur in Berlin ein. Er verungl\u00fcckte am 16. Juni 1945 bei einem Motorradunfall in Berlin t\u00f6dlich.<br \/>\n      \u00a9 picture alliance \/ zb | Agentur Voller Ernst\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Bis in die letzten Kriegsjahre wurde das Vorstellungsprogramm im Kino in Alt-Friedrichsfelde aufrechterhalten. Im April 1945 n\u00e4herten sich in der Schlacht um Berlin sowjetische Verb\u00e4nde der Stadtmitte. Vom Norden drang Marschall Georgi Schukow mit den Verb\u00e4nden der 1. Wei\u00dfrussischen Front von Marzahn aus in Richtung Innenstadt vor. Der Vorsto\u00df, bei dem sich die Truppen einen Wettlauf mit der von S\u00fcden heranr\u00fcckenden 1. Ukrainischen Front unter Iwan Konew lieferten, erfolgte \u00fcber die Verbindung Alt-Friedrichsfelde Richtung Berlin-Mitte, weswegen die Chaussee in der DDR-Zeit \u2013 genauer: zwischen 1977 und 1990 \u2013 in \u201eStra\u00dfe der Befreiung\u201c umbenannt wurde. Anfang Mai hatten die Rotarmisten Berlin erobert und mit der Kapitulation der Wehrmacht am 8.\/ 9. Mai 1945 schwiegen in Europa die Waffen.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">In den letzten Kriegswochen war an Filmabende in Friedrichsfelde nicht zu denken, und auch in den ersten Jahren nach Kriegsende blieb der Spielbetrieb eingestellt. Ganz in der N\u00e4he des Kinos, in dem Eckgeb\u00e4ude Alt-Friedrichsfelde 1 zur Rosenfelder Stra\u00dfe, war im April 1945 f\u00fcr einige Wochen die erste Sowjetische Stadtkommandantur eingerichtet worden. F\u00fcr einen kurzen Moment konzentrierte sich mit dem Befehl Nummer 1 des ersten Stadtkommandanten Nikolai Bersarin (1904\u20131945) alle verwaltungsm\u00e4\u00dfige Gewalt in Berlin auf die Kommandantur in dem Nachbargeb\u00e4ude des ehemaligen Busch-Kinos. 1947\/1948 erlebte dieses als Filmspielst\u00e4tte ein Revival. Es wurde unter dem Namen \u201eVolkshaus\u201c wiederer\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Kino Alt-Friedrichsfelde: Kultur, Film- und Politabende w\u00e4hrend der DDR-Zeit <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geh\u00f6rte Friedrichsfelde als Ortsteil von Lichtenberg zur sowjetischen Besatzungszone des geteilten Berlins und sp\u00e4ter, nach der Gr\u00fcndung der <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/ddr\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1764069217\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">DDR<\/a> 1949, zur ostdeutschen Hauptstadt. Bereits vor der Wiederer\u00f6ffnung als Kino hatten im \u201eVolkshaus Lichtenberg\u201c, das von gr\u00f6\u00dferen Kriegssch\u00e4den verschont geblieben war und dessen Saal wieder f\u00fcr Publikumsverkehr ge\u00f6ffnet wurde, kulturelle Veranstaltungen und Theaterabende stattgefunden. So war es unter anderem vom Februar bis M\u00e4rz 1947 Spielst\u00e4tte f\u00fcr Auff\u00fchrungen der Franz-L\u00e9har-Operette \u201eDie lustige Witwe\u201c \u2013 eines Gastspiels des Berliner Operettentheaters mit Irmgard Armgast und des bekannten Berliner Tenors Walter Jankuhn.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Auch die 30er-Jahre-Kom\u00f6die \u201eSturm im Wasserglas\u201c mit Herbert K\u00f6fer (1921\u20132021) wurde 1947 im Volkshaus Lichtenberg aufgef\u00fchrt und die gro\u00dfz\u00fcgigen R\u00e4umlichkeiten des Volkshauses dienten als Versammlungsraum politischer Veranstaltungen: im November 1947 fand hier eine SED-Arbeiterkonferenz statt und im Februar 1952 eine Einwohnerversammlung zum Thema: \u201eWie hilft die Lichtenberger Bev\u00f6lkerung mit, ein neues und sch\u00f6neres Berlin aufzubauen.\u201c Der unterdessen eingesetzte Kino-Spielbetrieb fand vermutlich ein gr\u00f6\u00dferes Publikum. Das Kino bot nach der Wiederer\u00f6ffnung 562 Besuchern Platz.<\/p>\n<p>Kino Alt-Friedrichsfelde: DEFA-Breitband-Kinoerlebnisse in \u201eTotalvision\u201c<br \/>\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/408062083_1736629022_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[4\/3] md:aspect-[4\/3] lg:aspect-[4\/3]\" alt=\"DEFA-Regisseur Kurt Jung-Alsen\" title=\"Der DDR-Regisseur Kurt Jung-Alsen (r.) w\u00e4hrend der Dreharbeiten zu dem DEFA-Spielfilm \u201ePolonia Express\u201c in Erfurt 1957.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Der DDR-Regisseur Kurt Jung-Alsen (r.) w\u00e4hrend der Dreharbeiten zu dem DEFA-Spielfilm \u201ePolonia Express\u201c in Erfurt 1957.<br \/>\n      \u00a9 picture-alliance\/ dpa | ADN Zentralbild\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Gespielt wurde ein Programm aus dem Fundus des DEFA-Filmverleihs, der 1950 in den Progress Film-Vertrieb und 1955 in den Progress Film-Verleih \u00fcberging: Kinder-, Spiel und Dokumentarfilme \u2013 soweit sie die DDR-Zensur freigab. Kom\u00f6dien wie \u201eDreizehn unter einem Hut\u201c (1950) und DEFA-Spielfilme wie \u201eEine alte Liebe\u201c (1959) fanden wiederum ihr Publikum und wechselten sich mit schwerer Kost wie Kurt Maetzigs Filmdrama \u201eDer Rat der G\u00f6tter\u201c (1950) und von der DEFA vertonten Klassikern wie Iwan Prawows \u201eStepan Rasin\u201c (1939) ab. Vorstellungen fanden regul\u00e4r jeweils um 15.30, 18.00 und 20.30 Uhr statt, wobei das Kino \u201eVolkshaus\u201c auch als DDR-Premierenkino genutzt wurde. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Neben \u201eEine alte Liebe\u201c fand hier unter anderem die Urauff\u00fchrung der DEFA-Literaturverfilmung \u201eSteinzeitballade\u201c (1961) statt und das Friedrichsfelder Publikum durfte in der Premiere von Gerhard Klingenbergs Schwarzwei\u00df-Kom\u00f6die \u201eWas w\u00e4re, wenn\u201c (1960) Manfred Krug in einer seiner ersten Rollen bewundern. In den 1950er-Jahren war das Lichtspieltheater in Friedrichsfelde eines der ersten Ostberliner Kinos mit \u201eTotalvision\u201c, dem DDR-Pendant zum \u201eCinemascope\u201c-Breitbildformat. Neben dem Volkshaus Lichtenberg waren 1957 nur das <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/pankow\/article237760487\/kino-colosseum-lost-place-prenzlauer-berg-pankow.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/pankow\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1681709507\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eColosseum\u201c in Prenzlauer Berg<\/a>, der \u201eAstra-Filmpalast\u201c in Johannisthal und die \u201eForum-Lichtspiele\u201c in K\u00f6penick technisch in der Lage \u201eTotalvision\u201c-Filme im Breitbandformat an die Leinwand zu projizieren.<\/p>\n<p>Kino Alt-Friedrichsfelde: Erste Adresse f\u00fcr Filmliebhaber im Kiez<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Mehr als 30 Jahre lang, war das Volkshaus Lichtenberg eine Institution in Friedrichsfelde. Generationen von Ostberlinern erlebten hier ihre ersten Filmabende und besuchten die kulturellen Veranstaltungen, die im Saal des DDR-Kinos stattfanden. Der Eingang zum Kino lag hinter dem Wohnhaus, wo ein vorgebauter Verschlag den Einlass zum Geb\u00e4ude mit Foyer und Ticketverkauf erm\u00f6glichte. Im Vorf\u00fchrraum bediente eine Zeitlang der geb\u00fcrtige Berliner und sp\u00e4tere DEFA-Kameramann Peter Badel die Technik.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Seit 1960 wurde das Volkshaus Lichtenberg vom \u201eVEB Berliner Filmtheater\u201c betrieben, die in Ostberlin die Verwaltung, Gestaltung und Programmgestaltung der Lichtspieltheater \u00fcbernahmen. Mitte der 1970er-Jahre ging das Kino dann in die Verantwortung der Bezirksfilmdirektion (BFD) Berlin \u00fcber \u2013 der Nachfolgeeinrichtung des VEB Berliner Filmtheater. Der BFD oblag die Aufsicht \u00fcber die Filmtheater Berlins, wobei sie nach Vorgaben des Ministeriums f\u00fcr Kultur der DDR handelte.<\/p>\n<p>Kino Alt-Friedrichsfelde: Aus f\u00fcr \u201eVolkshaus\u201c-Kino nach der Wende<br \/>\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/407760135_1732544906_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9]\" alt=\"Closed red stage curtain of a theater\" title=\"1992 wurde das Volkshaus-Kino in Friedrichsfelde stillgelegt. Es folgte f\u00fcr das traditionsreiche Filmlichttheater eine lange Zeit im Dornr\u00f6schenschlaf.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      1992 wurde das Volkshaus-Kino in Friedrichsfelde stillgelegt. Es folgte f\u00fcr das traditionsreiche Filmlichttheater eine lange Zeit im Dornr\u00f6schenschlaf.<br \/>\n      \u00a9 picture alliance | Gravante\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Modernisierungen sah das in die Jahre gekommene Volkshaus in Friedrichsfelde selten \u2013 bis 1990 noch einmal gr\u00f6\u00dfere Umbauma\u00dfnahmen vorgenommen wurden. Die Sitzreihen wurden ausged\u00fcnnt und komfortabler gestaltet, wobei sich die Kapazit\u00e4t des Kinos auf 250 Sitzpl\u00e4tze reduzierte. Geholfen hat es wenig. Nach der Wiedervereinigung war die Konkurrenz der gro\u00dfen Westberliner Kinoketten und der seit den 1990er-Jahren entstehenden Multiplex-Kinos zu gro\u00df. 1992 fand die letzte Vorstellung in Friedrichsfelde statt und als der Vorhang fiel, die letzten Besucher das traditionsreiche Kino verlie\u00dfen und die Projektoren langsam ausk\u00fchlten, begann der jahrelange Dornr\u00f6schenschlaf des Hinterhofkinos.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Das Kino wurde stillgelegt und auf die verbliebene Einrichtung, die Bestuhlung und Kinotechnik, die mit den Jahren musealen Charakter annahm, legten sich Lagen von Staub. Wie in einer Zeitkapsel konservierte das Innere des Kinosaals den Moment, als das Lichtspieltheater in den fr\u00fchen 1990er-Jahren aufgegeben wurde. Ohne Nachnutzungskonzept mehrten sich am \u00c4u\u00dferen die Spuren von Verfall und Vandalismus. Die Bausubstanz des verwaisten Geisterkinos litt sichtbar an der Verwahrlosung. Das marode Volkshaus drohte in den 2000er-Jahren zu einer der zahlreichen Nachwende-Ruinen Berlins zu verfallen.<\/p>\n<p>Kino Alt-Friedrichsfelde: Kino-Gem\u00e4uer wurden f\u00fcr Neubau abgerissen<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">J\u00e4ger von verlorenen Orten in der Hauptstadt hatten noch bis Ende der 2000er-Jahre Gelegenheit, sich in der zur\u00fcckgebliebenen Ausstattung des Geisterkinos nach historisch interessanten Rarit\u00e4ten umzusehen und die menschenleeren S\u00e4le, Ticketschalter, die roten Holzstuhlreihen und den Vorf\u00fchrraum als Kulisse f\u00fcr Lost Place-Fotografien und Videoaufnahmen zu nutzen. Dann wurde das Interieur des ehemaligen Volkshauses entfernt. In den Jahren 2008\/2009 wurde das Geb\u00e4ude entkernt.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Der Geb\u00e4uderumpf stand noch f\u00fcr einige im Hinterhof der Adresse Alt-Friedrichsfelde, bis er in den 2010er-Jahren einem Neubauprojekt weichen musste. Anfang 2017 begannen die Bauarbeiten. Abrissbirnen und Bagger entfernten die Geb\u00e4udereste des alten Filmtheaters und beendeten damit die knapp neunzigj\u00e4hrige Kinogeschichte auf dem Gel\u00e4nde. Auf dem Areal entstand ein Z-f\u00f6rmiger Neubau mit Wohnungen, Park- und Gr\u00fcnfl\u00e4chen. Keine Spuren erinnern heute vor Ort mehr an die cineastische Vorgeschichte des Grundst\u00fccks und die Historie des Volkshauses.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Viele Anwohner d\u00fcrften sich beim Anblick des Wohnhauses Alt-Friedrichsfelde 3 noch an das Kino erinnern, dass es hier&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":783345,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1825],"tags":[296,29,30],"class_list":["post-783344","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-berlin","tag-berlin","tag-deutschland","tag-germany"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116039241447908305","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/783344","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=783344"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/783344\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/783345"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=783344"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=783344"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=783344"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}