{"id":783532,"date":"2026-02-09T08:13:11","date_gmt":"2026-02-09T08:13:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/783532\/"},"modified":"2026-02-09T08:13:11","modified_gmt":"2026-02-09T08:13:11","slug":"let-them-be-kids-greift-australiens-social-media-verbot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/783532\/","title":{"rendered":"Let them be kids: Greift Australiens Social-Media-Verbot?"},"content":{"rendered":"<p>Sydney (dpa) &#8211; Von Queenslands K\u00fcsten bis in den Busch des Northern Territory hat sich in Australien in den vergangenen Wochen etwas Merkw\u00fcrdiges eingeschlichen: Smartphones liegen morgens unbeachtet auf dem K\u00fcchentisch, die Kinder scrollen deutlich weniger und es gibt wieder mehr famili\u00e4ren Austausch. In manchen Haushalten zumindest, aber noch l\u00e4ngst nicht in allen.<\/p>\n<p>Zwei Monate sind vergangen, seit Australien am 10. Dezember 2025 als erstes Land der Welt ein generelles Social-Media-Verbot f\u00fcr unter 16-J\u00e4hrige eingef\u00fchrt hat. Damit wolle man Kindern ihre Kindheit zur\u00fcckgeben, hatte die Regierung ihren bahnbrechenden Schritt begr\u00fcndet &#8211; und sie zudem vor Cyber-Mobbing und dem Konsum verst\u00f6render Inhalte sch\u00fctzen. Mittlerweile wollen immer mehr europ\u00e4ische L\u00e4nder dem Beispiel folgen.\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0\u00abLet them be kids\u00bb<\/p>\n<p>Zur Feier des Tages erstrahlte bei der Einf\u00fchrung in Down Under sogar der Kampagnen-Slogan \u00abLet them be kids\u00bb (Deutsch etwa: Lasst Kinder einfach Kinder sein) auf den Pfeilern der ikonischen Sydney Harbour Bridge. Und tats\u00e4chlich berichtet zumindest die Regierung, dass sich der Alltag seither sp\u00fcrbar ver\u00e4ndert hat.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abJunge Menschen haben diese Schulferien nicht an ihren Ger\u00e4ten verbracht, sondern sind Fahrrad gefahren, haben B\u00fccher gelesen und Zeit mit Freunden und Familie verbracht\u00bb, jubelte Premierminister Anthony Albanese zum Ende der Weihnachtsferien im Januar. Soziale Medien bezeichnete der 62-J\u00e4hrige einmal als \u00abGei\u00dfel der heutigen Gesellschaft\u00bb. Aber die Reaktionen sind gemischt &#8211; und viele Fragen nach wie vor offen.<\/p>\n<p>Worum geht es und wer ist betroffen?<\/p>\n<p>Das Gesetz war Ende 2024 verabschiedet worden. Die Plattformen bekamen zw\u00f6lf Monate Zeit, sich auf die neuen Altersbeschr\u00e4nkungen einzustellen. Bei Verst\u00f6\u00dfen drohen den Unternehmen Bu\u00dfgelder von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar (28,5 Millionen Euro).\u00a0<\/p>\n<p>Unter die neuen Regeln fallen unter anderem Instagram, Tiktok, Snapchat, Facebook, YouTube, X, Reddit und Twitch. Ausgenommen sind verschiedene Messenger- und Spiele-Dienste wie Roblox, WhatsApp und Facebook Messenger.<\/p>\n<p>Millionen Konten deaktiviert<\/p>\n<p>Im Januar hatte die Regierung mitgeteilt, dass seit Inkrafttreten schon mehr als 4,7 Millionen Accounts von Kindern und Jugendlichen deaktiviert, gel\u00f6scht oder eingeschr\u00e4nkt wurden. Allein Snapchat blockierte nach eigenen Angaben bis Ende Januar 415.000 Konten.\u00a0<\/p>\n<p>Die Messenger-App hatte im Dezember Hunderttausende Nutzerinnen und Nutzer aufgefordert, ihr Alter nachzuweisen. Dies konnte etwa \u00fcber ein australisches Bankkonto, \u00fcber Dokumente wie Pass oder F\u00fchrerschein oder \u00fcber eine Altersabsch\u00e4tzung per Gesichtserkennung erfolgen.<\/p>\n<p>Wie Jugendliche das Gesetz umgehen<\/p>\n<p>Eltern sagen aber, dass die meisten Teenager schnell Wege gefunden h\u00e4tten, das Verbot zu umgehen. \u00abIch habe Zwillinge, und es hat sich nichts Bedeutsames ge\u00e4ndert &#8211; au\u00dfer, dass die Regierung sich selbst feiert\u00bb, schrieb eine frustrierte Mutter vor wenigen Tagen in einem Kommentar auf Instagram. Die neuen Regeln h\u00e4tten nur bei einigen Kindern und Jugendlichen Wirkung gezeigt. \u00abDie meisten waren direkt wieder online und haben sich einen neuen Account zugelegt\u00bb, erz\u00e4hlte sie.<\/p>\n<p>Auch die Gesichtserkennung zum Altersnachweis zu umgehen, sei im wahrsten Sinne des Wortes ein Kinderspiel, erz\u00e4hlen Teenager. \u00abReddit\u00bb zitierte in einem Beitrag einen 15-J\u00e4hrigen mit den Worten: \u00abIch habe in die Kamera geschaut, die Stirn ein wenig gerunzelt, und schon hie\u00df es, ich sei \u00fcber 16.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Eine Mutter sagte dem Sender ABC: \u00abIch habe eine zw\u00f6lfj\u00e4hrige Tochter. Sie und ihre Freundinnen wurden allein durch das Tragen von k\u00fcnstlichen Wimpern und Make-up als \u00dcber-17-J\u00e4hrige eingestuft.\u00bb Andere lassen sich von \u00e4lteren Geschwistern helfen, die f\u00fcr sie in die Kamera schauen. \u00abIch dachte, die Sperre w\u00e4re viel strenger, aber letztendlich war es total entspannt, es ist einfach so gut wie nichts passiert\u00bb, sagte der 14-j\u00e4hrige Adyan der ABC.<\/p>\n<p>\u00abUnfassbar dumm und sch\u00e4dlich\u00bb<\/p>\n<p>In einem anderen Kommentar auf Reddit schreibt ein Teenager, dass soziale Medien \u00abeines der gr\u00f6\u00dften, einfachsten und beliebtesten Mittel f\u00fcr Jugendliche ist, ihre Meinung zu \u00e4u\u00dfern\u00bb. Das Verbot bringe diese Stimmen zum Schweigen und ignoriere die Meinungsfreiheit junger Menschen. Das Gesetz sei \u00abunfassbar dumm, fehlerhaft und sch\u00e4dlich\u00bb, erz\u00fcrnte sich der jugendliche Autor.\u00a0<\/p>\n<p>Auch viele Lehrer sind unzufrieden und f\u00fchlen sich mit den Folgen des Gesetzes alleingelassen. Eine Umfrage unter mehr als 400 Lehrkr\u00e4ften ergab, dass die meisten sich nicht ausreichend vorbereitet f\u00fchlen, um mit den Auswirkungen des Verbots im Schulalltag umzugehen.\u00a0<\/p>\n<p>YouTube wird an Schulen weiter genutzt<\/p>\n<p>Mehr als 80 Prozent der Lehrkr\u00e4fte gaben dabei an, dass sie etwa YouTube zu Unterrichtszwecken nutzten. Das Verbot von Konten steht im Widerspruch dazu, dass Teile der Plattform weiterhin im Klassenraum genutzt werden k\u00f6nnen. Es fehle schlicht an klaren Richtlinien, monierte die Mehrheit der Befragten.<\/p>\n<p>Premier Albanese hatte von Anfang an relativiert, dass Ver\u00e4nderungen nun einmal nicht \u00fcber Nacht passieren &#8211; und auch, dass das Gesetz bei weitem nicht perfekt sei. \u00abGenau wie beim Alkoholverbot f\u00fcr unter 18-J\u00e4hrige bedeutet das nicht, dass jemand unter 18 Jahren niemals Zugang dazu hat &#8211; aber wir wissen trotzdem, dass es der richtige Schritt war\u00bb, sagte er.<\/p>\n<p>\u00abAuch wenn es noch zu fr\u00fch ist, die langfristigen Folgen des Verbots abzusch\u00e4tzen, ist eines bereits klar: Als demokratische \u00dcbung, als kulturelle Bewegung und als Test daf\u00fcr, ob glaubw\u00fcrdige Regulierung das Verhalten von Plattformen ver\u00e4ndern kann, erf\u00fcllt das australische Social-Media-Verbot bisher seinen Zweck\u00bb, fasste der Kommunikations- und Medienforscher Timothy Koskie j\u00fcngst in einem Kommentar der ABC die Situation zusammen.\u00a0<\/p>\n<p>In Deutschland hatte im vergangenen Jahr eine repr\u00e4sentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov ergeben, dass sich mehr als 70 Prozent der Menschen ein Mindestalter f\u00fcr den Zugang zu sozialen Medien w\u00fcnschen. Derweil planen andere L\u00e4nder schon konkret. Einige Beispiele:<\/p>\n<p>Spanien<\/p>\n<p>Regierungschef Pedro S\u00e1nchez hat vor wenigen Tagen angek\u00fcndigt, nach dem Vorbild Australiens ein Verbot sozialer Medien f\u00fcr alle Personen unter 16 Jahren einf\u00fchren zu wollen. Er verglich soziale Medien mit einem \u00abgescheiterten Staat, in dem Gesetze missachtet und Verbrechen toleriert\u00bb w\u00fcrden. X-Eigent\u00fcmer Elon Musk beleidigte S\u00e1nchez daraufhin und schrieb in einem Post mit Kackhaufen-Emoji: \u00abDer dreckige S\u00e1nchez ist ein Tyrann und ein Verr\u00e4ter des spanischen Volkes.\u00bb<\/p>\n<p>D\u00e4nemark<\/p>\n<p>Die d\u00e4nische Regierung hatte im November angek\u00fcndigt, f\u00fcr soziale Medien ein Mindestalter von 15 Jahren einf\u00fchren zu wollen. Eltern sollen aber die M\u00f6glichkeit haben, ihrem Nachwuchs schon mit 13 Jahren die Anmeldung zu den Netzwerken zu erlauben. Dem Sender DR zufolge soll das Gesetz noch in diesem Jahr im Parlament verabschiedet werden.<\/p>\n<p>Gro\u00dfbritannien<\/p>\n<p>Zuletzt stimmte das britische Oberhaus bereits f\u00fcr eine entsprechende Gesetzes\u00e4nderung. Die Entscheidung trifft jedoch letztlich das von der Regierungspartei Labour dominierte Unterhaus &#8211; und dort ist man noch zur\u00fcckhaltend. Im Rahmen einer dreimonatigen Konsultationsphase sollen Vor- und Nachteile abgewogen werden.<\/p>\n<p>Frankreich<\/p>\n<p>Konkretere Pl\u00e4ne gibt es bereits in Paris. F\u00fcr Unter-15-J\u00e4hrige sollen bestimmte soziale Netzwerke k\u00fcnftig tabu sein. F\u00fcr Wissenschafts- und Bildungsplattformen soll dies aber nicht gelten. Pr\u00e4sident Emmanuel Macron will das Verbot schon zum Beginn des n\u00e4chsten Schuljahres im September in Kraft sehen. Eine Schwierigkeit ist hier aber, eine Regelung zu finden, die mit der europ\u00e4ischen Rechtslage konform ist. Vor einigen Jahren scheiterte Frankreich wegen dieser Regelungen daran, ein Mindestalter von 15 Jahren f\u00fcr die Einrichtung eigener Konten in sozialen Medien einzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>EU<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union plant dagegen kein solches Verbot. Das Parlament hat sich f\u00fcr ein EU-weites Mindestalter von 16 Jahren ausgesprochen. Jugendliche ab 13 Jahren k\u00f6nnten nach der Vorstellung der Abgeordneten unter elterlicher Aufsicht soziale Netzwerke nutzen. Der verabschiedete Bericht hat aber keine bindende Wirkung.<\/p>\n<p>Die EU-Kommission stellt eine technische Vorlage f\u00fcr einen neuen digitalen Alterscheck zur Verf\u00fcgung, der verhindern soll, dass Kinder und Jugendliche in der EU auf Pornografie und andere nicht altersgerechte Inhalte im Internet zugreifen k\u00f6nnen. Sie wird derzeit in f\u00fcnf L\u00e4ndern getestet.\u00a0<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon untersucht die Br\u00fcsseler Beh\u00f6rde derzeit, ob mehrere Tech-Plattformen genug f\u00fcr den Jugendschutz tun. Die Kurzvideo-App Tiktok verst\u00f6\u00dft nach vorl\u00e4ufigen Ergebnissen gegen europ\u00e4isches Recht, wie am Freitag bekannt wurde. Das ununterbrochene automatische Abspielen von Videos und stark personalisierte Empfehlungen seien suchtf\u00f6rdernd. Dem Unternehmen droht nun eine Geldstrafe. Es weist den Bericht zur\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sydney (dpa) &#8211; Von Queenslands K\u00fcsten bis in den Busch des Northern Territory hat sich in Australien in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":783533,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1843],"tags":[73222,1912,3364,29,156,30,1724,141,4766,198,1635,1114,62,8970,1209],"class_list":["post-783532","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-muenster","tag-dnemark","tag-australien","tag-de","tag-deutschland","tag-frankreich","tag-germany","tag-gesellschaft","tag-gesundheit","tag-grobritannien","tag-internet","tag-jugend","tag-kinder","tag-medien","tag-muenster","tag-nordrhein-westfalen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116039673900934423","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/783532","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=783532"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/783532\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/783533"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=783532"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=783532"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=783532"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}