{"id":784198,"date":"2026-02-09T14:23:10","date_gmt":"2026-02-09T14:23:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/784198\/"},"modified":"2026-02-09T14:23:10","modified_gmt":"2026-02-09T14:23:10","slug":"faelle-von-haeuslicher-gewalt-werden-kaum-bestraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/784198\/","title":{"rendered":"F\u00e4lle von h\u00e4uslicher Gewalt werden kaum bestraft"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">F\u00e4lle von <a data-li-document-ref=\"10010958\" href=\"https:\/\/www.replace-delivery-host.com\/artikel\/haeusliche-gewalt-stille-nacht-gefaehrliche-nacht-10010958\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">h\u00e4uslicher Gewalt<\/a> werden in Berlin und Brandenburg nur selten strafrechtlich verfolgt. Das zeigen Daten der Staatsanwaltschaften beider Bundesl\u00e4nder, wie der RBB berichtet. Demnach werden mehr als drei Viertel aller Verfahren eingestellt.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">In Berlin bearbeitete die Staatsanwaltschaft im vergangenen Jahr 15.045 Verfahren mit Bezug zu h\u00e4uslicher Gewalt. Lediglich in 441 F\u00e4llen \u2013 das entspricht 2,9 Prozent \u2013 kam es zu einer Anklage. In weiteren 797 F\u00e4llen wurde ein Strafbefehl erlassen, also eine Bestrafung ohne m\u00fcndliche Gerichtsverhandlung, meist in Form einer Geldstrafe. Rund 76 Prozent aller Verfahren wurden eingestellt, etwa wegen mangelnder Beweise.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">In <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/brandenburg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Brandenburg<\/a> liegt die Einstellungsquote mit 85,8 Prozent noch h\u00f6her. Von 2.983 Verfahrenseing\u00e4ngen im Jahr 2024 f\u00fchrten nur 190 zu einer Anklage (6,4 Prozent), 83 weitere endeten mit einem Strafbefehl.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\"><strong>Verfahrenszahlen in Berlin steigen weiter<\/strong><\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Zahl der Ermittlungsverfahren zu h\u00e4uslicher Gewalt hat in Berlin deutlich zugenommen. Wurden 2021 noch 11.078 F\u00e4lle bearbeitet, waren es 2024 bereits rund 4000 mehr. Nach vorl\u00e4ufigen Auswertungen wurde 2025 mit 16.343 Verfahrenseing\u00e4ngen ein neuer H\u00f6chststand erreicht.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">In Brandenburg blieben die Fallzahlen dagegen auf einem Niveau, das gemessen an der Bev\u00f6lkerung auff\u00e4llig niedrig erscheint. Vermutlich liegt in l\u00e4ndlichen Regionen die Hemmschwelle f\u00fcr Anzeigen h\u00f6her. \u201eBetroffene haben oft die Angst: Was sollen die Nachbarn von mir denken?&#8220;, erkl\u00e4rt Dorothee Dienstb\u00fchl, Kriminalistik-Professorin an der Hochschule der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/polizei\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Polizei<\/a> Brandenburg.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\"><strong>Dunkelfeld ist erheblich gr\u00f6\u00dfer<\/strong><\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die offiziellen Statistiken bilden nur einen Bruchteil der tats\u00e4chlichen Gewalt ab. Eine laufende Studie des Bundeskriminalamts gemeinsam mit dem Bundesfamilien- und Bundesinnenministerium ergab, dass weniger als zehn Prozent der F\u00e4lle angezeigt werden. Bei Gewalt in Partnerschaften liegt die Quote sogar unter f\u00fcnf Prozent.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Viele Formen von Gewalt seien zudem strafrechtlich nicht erfassbar, so Dienstb\u00fchl. <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/50-messerstiche-ein-mordversuch-hinter-einer-perfekten-fassade-li.10015427\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Psychische Gewalt<\/a> etwa, wenn Frauen unter Druck gesetzt oder ihr Alltag kontrolliert wird, lasse sich kaum verfolgen: \u201eDas kriegen wir \u00fcberhaupt nicht verurteilt.&#8220;<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\"><strong>Betroffene geben oft auf<\/strong><\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Berliner Fachanw\u00e4ltin Christina Clemm, die vor allem gewaltbetroffene Frauen ber\u00e4t, beschreibt die langwierigen Verfahren als enorme Belastung. Viele Betroffene seien nicht bereit auszusagen, \u201eweil sie nicht die Sicherheit haben, ohne weitere Gefahren aussagen zu k\u00f6nnen&#8220;. Zudem fehle es h\u00e4ufig an geschulter Begleitung durch Opferhilfe-Organisationen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Frauenhilfeeinrichtungen kritisieren, dass die Polizei kaum pr\u00e4ventiv handeln k\u00f6nne. \u201eDie Polizei arbeitet nach dem Prinzip, dass sie erst etwas tut, wenn etwas passiert ist&#8220;, sagt eine Sozialarbeiterin aus dem Norden Berlins, die aus Angst vor Bedrohung anonym bleiben m\u00f6chte. Betroffene berichten zudem, dass ihnen von Ermittlungsbeh\u00f6rden zu selten geglaubt oder das Ausma\u00df der Gewalt heruntergespielt werde.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\"><strong>Polizei verweist auf bestehende Standards<\/strong><\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Polizei Berlin erkl\u00e4rt, dass f\u00fcr Eins\u00e4tze bei h\u00e4uslicher Gewalt Standards f\u00fcr Tatortarbeit und Spurensicherung gelten, die auch \u201eden Schutz und die Unterst\u00fctzung von Betroffenen&#8220; umfassen. Die Polizei Brandenburg weist darauf hin, dass eine wirksame Bek\u00e4mpfung nur im Zusammenwirken mit Justiz, Jugend\u00e4mtern und Opferhilfeeinrichtungen m\u00f6glich sei.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Fachanw\u00e4ltin Clemm fordert f\u00fcr F\u00e4lle h\u00e4uslicher Gewalt die M\u00f6glichkeit einer richterlichen Videovernehmung, wie sie bei <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/sexualstraftaten-in-berlin-zahl-der-vergewaltigungen-2015-rasant-angestiegen-li.10008486\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sexualstraftaten<\/a> bereits existiert. Betroffenen bliebe damit erspart, mehrfach aussagen zu m\u00fcssen. \u201eDas br\u00e4uchten wir dringend bei Partnerschaftsgewalt&#8220;, so Clemm. \u201eDa ist der Druck noch gr\u00f6\u00dfer als bei einem Fremdt\u00e4ter.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"F\u00e4lle von h\u00e4uslicher Gewalt werden in Berlin und Brandenburg nur selten strafrechtlich verfolgt. 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