{"id":784204,"date":"2026-02-09T14:26:20","date_gmt":"2026-02-09T14:26:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/784204\/"},"modified":"2026-02-09T14:26:20","modified_gmt":"2026-02-09T14:26:20","slug":"raeuber-pluenderten-geisterfriedhof-in-lichtenberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/784204\/","title":{"rendered":"R\u00e4uber pl\u00fcnderten Geisterfriedhof in Lichtenberg"},"content":{"rendered":"<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Es k\u00f6nnte ein idyllischer Ort inmitten der hektischen Stadt sein: der alte st\u00e4dtische Friedhof <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/lichtenberg\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Lichtenbergs<\/a> an der Gotlindestra\u00dfe. Eingeschlossen von Neubausiedlungen an der Ruschke- und Bornitzstra\u00dfe dringt der Verkehrsl\u00e4rm nur ged\u00e4mpft auf das gr\u00fcne Areal vor, das sich in Sichtweite der ehemaligen Stasi-Dienstgeb\u00e4ude an der Gotlindestra\u00dfe befindet. Brombeerb\u00fcsche umranken verwitterte Grabsteine, Sonnenstrahlen durchdringen die Baumkronen und Insekten nutzen die wuchernden Str\u00e4ucher und hohen Wiesen als sicheren R\u00fcckzugsort. Doch die Idylle kann nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass sich Teile des Friedhofs seit der Wende in einem beklagenswerten Zustand befinden. Alle Infos zu dem <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/lost-places-in-berlin\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1675630774\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lost Place<\/a>.<\/p>\n<p>            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/406549156_1718103882_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[4\/3]\" alt=\"Lost Places\" title=\"Lost Places\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>  Das sind die Fakten zum Friedhof Gotlindestra\u00dfe im \u00dcberblick:<\/p>\n<ul class=\"[[data-group=summary]_&amp;]:my-0 my-10 [h3+&amp;]:mt-0 expressive-copy-lg\">\n<li><strong>Adresse: <\/strong>Gotlindestra\u00dfe 80, 10365 Berlin-Lichtenberg<\/li>\n<li><strong>Geschichte: <\/strong>1886 als St\u00e4dtischer Friedhof angelegt; 1890 um eine Friedhofskapelle und 1900 um ein Verwaltungsgeb\u00e4ude erg\u00e4nzt; Anfang der 1970er-Jahre wurde der Friedhof geschlossen; in der Wendezeit kam es zu Einbr\u00fcchen und Totenruhest\u00f6rungen auf dem Gel\u00e4nde<\/li>\n<li><strong>F\u00fchrungen\/Zug\u00e4nglichkeit:<\/strong> Der ehemalige Friedhof ist als Gartendenkmal \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich<\/li>\n<li><strong>Denkmalschutz:<\/strong> <a data-track-v2-eventname=\"pageElement\" data-track-v2-action=\"Click\" data-track-v2-parentposition=\"Content\" data-track-v2-elementtype=\"Button\" data-track-v2-elementstyle=\"Text\" data-track-v2-label=\"Link Label\" data-track-v2-vendor=\"Internal\" data-track-v2-parent=\"Link List\" data-track-v2-parentlabel=\"Link List\" data-track-v2-elementposition=\"4\" data-track-v2-track-view=\"\" href=\"https:\/\/denkmaldatenbank.berlin.de\/daobj.php?obj_dok_nr=09045898\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Objekt-Nr. 09045898<\/a><\/li>\n<li><strong>Status: <\/strong>Lost Place. Das Geb\u00e4ude der ehemaligen Friedhofsverwaltung wird heute von einer Abteilung des Bezirksamtes Lichtenberg und einer Berufsbildungsst\u00e4tte des Bezirks f\u00fcr G\u00e4rtner genutzt; die ehemalige Friedhofskapelle und die Erbbegr\u00e4bnisst\u00e4tten sind dem Verfall preisgegeben, aber es gibt Pl\u00e4ne, das Gel\u00e4nde als Naherholungsgebiet zu erschlie\u00dfen<\/li>\n<\/ul>\n<p>  Wo liegt der Friedhof Gotlindestra\u00dfe genau?<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Der ehemalige Friedhof Gotlindestra\u00dfe liegt an der Adresse Gotlindestra\u00dfe 80 im Ortsteil Lichtenberg des gleichnamigen Bezirks. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) f\u00fcr das Grundst\u00fcck lauten: GF9R+FC Berlin. Mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln ist der Standort am besten mit den Buslinien 240, N50 und N56 (Haltestelle R\u00fcdigerstra\u00dfe) zu erreichen. Von der Station ist es ein rund achtmin\u00fctiger Fu\u00dfweg entlang der R\u00fcdiger-, der Schott- und der Gotlindestra\u00dfe bis zum s\u00fcdlichen Eingang des Gartendenkmals. <strong>Auch interessant: <\/strong><a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/vermischtes\/article237534537\/lost-places-verlassene-orte-trend-hausfriedensbruch-anwalt-haft-botschaft-sambia.html\" data-category-full-path=\"\/vermischtes\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1675441736\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch<\/a><\/p>\n<p>  Gibt es Gr\u00e4ber ber\u00fchmter Pers\u00f6nlichkeiten auf dem Friedhof?<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Auf dem ehemaligen Friedhof befinden sich zahlreiche auff\u00e4llig sch\u00f6n gestaltete Grabst\u00e4tten und Erbbegr\u00e4bnisse. Zahlreiche der f\u00fcr die Entwicklung der Ortschaft wichtige Pers\u00f6nlichkeiten wurden auf dem ehemaligen St\u00e4dtischen Friedhof Lichtenberg bestattet: so etwa der Lichtenberger Pfarrer Emil Hoener (1863\u20131925) und die Stadtr\u00e4te Gustav Kielblock, Rudolf Reusch und Max Glaschke. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Auch der einzige Oberb\u00fcrgermeister Lichtenbergs, Oskar Ziethen (1858\u20131932), fand mit seiner Ehefrau auf dem Friedhof seine letzte Ruhe. Unter den Grabstellen sticht das aufwendig gestaltete Mauseoleum der Familie Loeper heraus, bei der es sich um eine einflussreiche Bauern- und Gutsbesitzerfamilie handelte, nach der sp\u00e4ter der Loeperplatz am Stadtpark Lichtenberg benannt wurde.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Das sind die wichtigsten <strong>Etappen der Geschichte des Friedhofs Gotlindestra\u00dfe<\/strong>:<\/p>\n<p>Ausgangslage: Vom Dorf zur Stadt im gr\u00fcnen Umland Berlins<br \/>\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/408117257_1737302684_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9]\" alt=\"Berlin, Turmuhr am Rathaus Lichtenberg\" title=\"Eindrucksvolles Bauwerk: das 1898 fertiggestellte Rathaus der Gemeinde Lichtenberg an der M\u00f6llendorffstra\u00dfe\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Eindrucksvolles Bauwerk: das 1898 fertiggestellte Rathaus der Gemeinde Lichtenberg an der M\u00f6llendorffstra\u00dfe<br \/>\n      \u00a9 picture alliance \/ Caro | Preuss\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">\u00dcber Jahrhunderte war das im 13. Jahrhundert gegr\u00fcndete Lichtenberg eine l\u00e4ndliche Siedlung am Rande Berlins \u2013 gepr\u00e4gt von Landwirtschaft und beschaulichem Dorfleben. Erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert begann ein tiefgreifender Wandel: Fabriken und Arbeiterwohnquartiere entstanden, die Bev\u00f6lkerungszahlen stiegen rapide und auch f\u00fcr gutbetuchte Zuz\u00fcgler aus Berlin \u2013 Industrielle, Beamte und Banker, die sich in neugebauten Landh\u00e4usern dem Trubel der Hauptstadt entziehen wollten \u2013 wurde der gr\u00fcne Fleck im Osten Berlins interessant.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Selbstbewusst verlieh der Ort der Entwicklung architektonisch Ausdruck: 1898 wurde nach zweij\u00e4hriger Bauzeit der imposante Neubau des Lichtenberger Rathauses als reich verziertes neugotisches Backsteingeb\u00e4ude fertiggestellt. 1908 erhielt die Gemeinde Lichtenberg das Stadtrecht. Als erster B\u00fcrgermeister wurde Oskar Ziethen gew\u00e4hlt, der sich zuvor als Gemeindevorsteher um den Ausbau der Infrastruktur verdient gemacht hatte. Unter seiner \u00c4gide waren Feuerwehr- und Stra\u00dfenreinigungsdepot, Gericht und Gef\u00e4ngnis sowie die gro\u00dfe Glaubenskirche und Schulen entstanden; Stra\u00dfen wurden neu gepflastert und Schmuckalleen angelegt.<\/p>\n<p>Friedhof Gotlindestra\u00dfe: So war der Friedhof aufgebaut<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Die Toten der Gemeinde Lichtenberg wurden auf dem alten Dorffriedhof im Rathauspark an der M\u00f6llendorffstra\u00dfe und seit 1886 auf einem als Alleequartierfriedhof angelegten Kirchhof an der damaligen Planstra\u00dfe 25 \u2013 der heutigen Gotlindestra\u00dfe \u2013 s\u00fcdlich des ehemaligen Rittergutes Lichtenberg bestattet. Der eine Fl\u00e4che von knapp 30.000 Quadratmetern einnehmende Totenacker geh\u00f6rte zur evangelischen Kirchengemeinde Lichtenbergs, deren Pfarrkirche am Loeperplatz lag.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Der Friedhof wurde in rechteckige Bestattungsfelder aufgeteilt, die Hauptwege als Alleen mit B\u00e4umen bepflanzt und die Nebenwege mit Hecken gestaltet. Um 1890 erhielt der Gemeindefriedhof eine gro\u00dfe Friedhofskapelle, die leicht nach Westen versetzt, an den beiden Hauptachsen des Friedhofs errichtet wurde. Die Kapelle war aus gelben Backsteinen im Stil der italienischen Renaissance gestaltet. An den Geb\u00e4udeseiten befanden sich je drei hohe Rundbogenfenster im gotischen Stil. Das Geb\u00e4ude wurde im Osten durch eine Rundapsis abgeschlossen. Im Westen befand sich ein Treppenaufgang, der zu einem als Portikus gestalteten Eingangsportal der Friedhofskapelle f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Friedhof Gotlindestra\u00dfe: Reich geschm\u00fcckte Gr\u00e4ber an der s\u00fcdlichen Einfriedung<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Um 1900 erhielt die Begr\u00e4bnisst\u00e4tte ein Verwaltungsgeb\u00e4ude, das \u00f6stlich des Friedhofeingangs an der Gotlindestra\u00dfe gebaut wurde. Es handelte sich um einen Ziegelbau mit rechteckigem Grundriss, der eine Grundfl\u00e4che von rund 170 Quadratmetern einnahm. Das zweigeschossige Geb\u00e4ude mit L\u00fcnettengiebel und Wandblenden wurde nach Art der norddeutschen Renaissance mit stark gegliederten Schaufassaden gestaltet. Mit der Verleihung des Stadtrechts 1908 wurde der Gemeindefriedhof zum St\u00e4dtischen Friedhof Lichtenberg.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">An der s\u00fcdlichen Friedhofsmauer befand sich eine Reihe von aufwendig gestalteten Erbbegr\u00e4bnisst\u00e4tten. Die Grabinschriften erinnerten hier auch an eine Reihe von im Ersten Weltkrieg \u2013 und sp\u00e4ter im Zweiten Weltkrieg \u2013 gefallener oder vermisster Lichtenberger: so etwa an den 19-j\u00e4hrigen Kanonier Georg Haarlos, der 1918 in Frankreich sein Leben lie\u00df. Die auff\u00e4lligste Familiengrabst\u00e4tte wurde 1925 f\u00fcr die Gutsbesitzerfamilie Loeper errichtet. Es handelte sich um ein Mausoleum im dorischen Stil, dessen Front auf die Sichtachse am Haupteingang des Friedhofs an der Gotlindestra\u00dfe ausgerichtet war.<\/p>\n<p>Friedhof Gotlindestra\u00dfe: Steinwurf von Stasi-Nachrichtenzentrale entfernt<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Generationen von Lichtenbergern fanden auf dem st\u00e4dtischen Friedhof an der Gotlindestra\u00dfe die letzte Ruhe. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Stadtverwaltung weitere Fl\u00e4chen f\u00fcr Begr\u00e4bnisse freigegeben. 1904 wurde der \u201eSt\u00e4dtische Friedhof Rudolf-Reusch-Stra\u00dfe\u201c in der N\u00e4he des Rathauses zur Entlastung der umliegenden Friedh\u00f6fe an der Gotlinde- und der M\u00f6llendorfstra\u00dfe angelegt und ab den 1920er-Jahren als Urnenfriedhof genutzt. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Im Jahr 1920 wurde Lichtenberg mit dem Gro\u00df-Berlin-Gesetz als namensgebender Ortsteil des Bezirks Lichtenberg nach Berlin eingemeindet. Damit lagen weitere Friedh\u00f6fe in den Bezirksgrenzen wie der Alleequartierfriedhof St. Andreas-St. Markus an der Konrad-Wolf-Stra\u00dfe und der \u201eSozialistenfriedhof\u201c genannte Zentralfriedhof Friedrichsfelde an der Gudrunstra\u00dfe.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Nach dem Zweiten Weltkrieg war Lichtenberg Teil der sowjetischen Besatzungszone des geteilten Berlins und geh\u00f6rte sp\u00e4ter, nach der Gr\u00fcndung der <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/ddr\/\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1764069217\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">DDR<\/a>, zur ostdeutschen Hauptstadt. Der Friedhof Gotlindestra\u00dfe lag jetzt nur noch einen Steinwurf von der Zentrale des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) entfernt, die sich seit 1950 ausgehend von der Normannenstra\u00dfe raumgreifend im Kiez ausbreitete. An der Gotlindestra\u00dfe baute die Stasi ab 1975, unmittelbar s\u00fcdlich des Friedhofs, einen Geb\u00e4udekomplex aus drei B\u00fcrobauten und einen Funktionsbau f\u00fcr Nachrichtentechnik. Die Hochh\u00e4user werden heute von \u00c4mtern und Beh\u00f6rden genutzt. <\/p>\n<p>Friedhof Gotlindestra\u00dfe: Stilllegung des Friedhofs in den 1970er-Jahren<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Auf dem st\u00e4dtischen Friedhof Gotlindestra\u00dfe fand Anfang der 1970er-Jahre die letzte Bestattung statt. 1973 wurde die Begr\u00e4bnisst\u00e4tte geschlossen. Nach Verstreichen der Ruhe- und Piet\u00e4tsfristen wurde der aufgelassene Kirchhof 1985 zu einer \u201eGr\u00fcnanlage mit Friedhofcharakter\u201c umgewidmet. Anrainer konnten die Fl\u00e4chen neben ehemaligen Grabst\u00e4tten jetzt als Gr\u00fcnfl\u00e4che mit Naherholungswert nutzen \u2013 doch in der Vorwendezeit und den Jahren nach der Wiedervereinigung genossen weite Teile der Anlage kaum die n\u00f6tige Pflege, um den Ex-Friedhof als Erholungsst\u00e4tte f\u00fcr Anwohner attraktiv zu halten.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Windschiefe Grabplatten, verrostete Stabgitter und wildwuchernde Pflanzen \u2013 das Gel\u00e4nde entwickelte sich zu einem <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/article239712599\/lost-places-institut-fuer-anatomie-der-fu-berlin-dahlem-steglitz-zehlendorf.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1707988280\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hotspot f\u00fcr J\u00e4ger verlorener Orte in Berlin, die den morbiden Charme von Lost Places<\/a> zu sch\u00e4tzen wissen. Gleichzeitig drohte die Gr\u00fcnanlage als St\u00e4tte der Erinnerungskultur verloren zu gehen und als vergessener Ort zu einer Wildnis zu verk\u00fcmmern. Die einst imposante Friedhofskapelle ist seit Jahrzehnten ungenutzt und verf\u00e4llt ebenso wie das Mausoleum Loeper und die meisten der verbliebenen 271 Grabst\u00e4tten \u2013 darunter lokalhistorisch bedeutsame Gr\u00fcfte und Erbbegr\u00e4bnisse. Ganze Areale verschwanden hinter einem Dickicht aus ungez\u00fcgelt wucherndem Efeu, Farnen und Brombeerb\u00fcschen.<\/p>\n<p>  Friedhof Gotlindestra\u00dfe: Grabsch\u00e4nder \u00f6ffneten Mausoleen und S\u00e4rge<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Neben Vernachl\u00e4ssigung und Verwitterung spielte Vandalismus bei dem Verfall des aufgegebenen Friedhofs eine Rolle. Besonders d\u00fcstere Akte kriminellen Handelns ereigneten sich in der Nachwendezeit. In das Mausoleum Loeper wurde in den 1990er-Jahren mehrmals eingebrochen. Grabsch\u00e4nder \u00f6ffneten die Metalls\u00e4rge, unterbrachen die Totenruhe der Bestatteten und entwendeten Leichenteile. Diese konnten sp\u00e4ter von der Polizei sichergestellt werden und wurden an unbekannter Stelle der Erde \u00fcbergeben.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Das Mausoleum steht seitdem leer. Es wurde ber\u00e4umt, die Metalls\u00e4rge auf dem Friedhofsgel\u00e4nde vergraben und das Geb\u00e4ude 1996 versiegelt. Die ehemaligen Eingangstore befinden sich in Verwahrung des Museums Lichtenberg. Die Friedhofskapelle wurde mit einem Bauzaun gesichert. Dennoch haben sich an der Fassade gro\u00dffl\u00e4chig Graffiti-K\u00fcnstler verewigt. Generell befinden sich die denkmalgesch\u00fctzten Geb\u00e4ude des Ex-Friedhofs in einem maroden Zustand. Eine Ausnahme davon bildet das ehemaligen W\u00e4rter- und Verwaltungsgeb\u00e4ude im S\u00fcden. Es wird vom Gr\u00fcnfl\u00e4chenamt des Bezirks und als Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr Landschaftsg\u00e4rtner genutzt und sorgsam instand gehalten.<\/p>\n<p>Friedhof Gotlindestra\u00dfe: Oskar sprang zwischen den Gr\u00e4bern herum<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Im Fr\u00fchjahr 2016 geriet der verwilderte Ex-Friedhof wiederum in die Schlagzeilen: Ein junger Rehbock hatte sich auf das Gel\u00e4nde verirrt und auf dem stillgelegten Friedhof Revier bezogen. Das Friedhofs-Reh von Lichtenberg wurde zu einer lokalen Attraktion. Besucher der Gr\u00fcnanlage hatten immer wieder beobachtet, wie das Wildtier zwischen den verwitterten Grabst\u00e4tten hin und her sprang und sich dabei besonders h\u00e4ufig in der N\u00e4he des Grabsteins des Lichtenberger B\u00fcrgermeisters Oskar Ziethen aufhielt. Folgerichtig erhielt der kleine Rehbock, der monatelang auf dem Ex-Friedhof seine Runden drehte, den Spitznamen \u201eOskar\u201c.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Wildtierexperten des Senats vermuteten, dass das Tier aus dem nahe gelegenen Landschaftspark Herzberge stammte und sich auf der Flucht vor Hunden den R\u00fcckzugsort auf dem Friedhof erschlossen hatte. Das Problem: Auch die Anlage an der Gotlindestra\u00dfe wurde als Hundeauslauf genutzt. F\u00fcr Oskar liefen eigens Mitarbeiter des Ordnungsamtes Lichtenberg Patrouille, um sicherzustellen, dass freilaufende Hunde dem Rehbock nicht hinterherhetzten. Vermutlich vergebens: Seit Oktober 2016 blieb das Friedhofs-Reh Oskar spurlos verschwunden. M\u00f6glicherweise hatte es den Weg zur\u00fcck in den Landschaftspark Herzberge gefunden.<\/p>\n<p>  Friedhof Gotlindestra\u00dfe: Und wie sieht die Zukunft aus?<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Im M\u00e4rz 2011 wurde das Gebiet Frankfurter Allee Nord (FAN) vom Berliner Senat als F\u00f6rder- und Sanierungsgebiet ausgewiesen. Seitdem wurden viele Projekte in dem Areal ins Leben gerufen, die zur Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t beitragen sollten \u2013 und auch der teils verwilderte Ex-Friedhof an der Gotlindestra\u00dfe geriet wieder in den Blick der Quartierspolitik. Das Bezirksamt Lichtenberg lobte einen Ideenwettbewerb aus, um die in ihrem Bestand gef\u00e4hrdete Anlage zu erhalten und neue Ideen f\u00fcr die Nutzung zu entwickeln.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Ziel des Verfahrens war es, die Fl\u00e4che unter Beibehaltung des Friedhofscharakters als einen generationen\u00fcbergreifenden Naherholungsraum f\u00fcr die Anwohner zu gestalten und dabei Anforderungen des Denkmal- und Naturschutzes sowie des Klimawandels zu ber\u00fccksichtigen: die einsturzgef\u00e4hrdete Friedhofskapelle sollte dabei nach M\u00f6glichkeit gesichert werden, vorhandene Gr\u00e4ber vor weiterem Verfall gesch\u00fctzt und ein Denkmalpflegekonzept f\u00fcr die Gesamtanlage vorgelegt werden. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Im September 2024 stellten vier Planungsb\u00fcros ihre Visionen f\u00fcr das Areal an der Gotlindestra\u00dfe vor. Die Jury entschied sich f\u00fcr den Entwurf des B\u00fcros \u201egruppe F\u201c, der zur weiteren Umsetzung ausgew\u00e4hlt wurde. Der Plan sieht unter anderem vor wichtige Gr\u00e4ber zu restaurieren, Wege barrierefrei zu gestalten und Hecken sowie Baumreihen neu zu strukturieren. Die Planungsphase sowie die Beantragung der F\u00f6rdermittel sind im Oktober 2024 angelaufen, und der Beginn der Umsetzung ist voraussichtlich f\u00fcr 2026 vorgesehen.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Auf dem Hauptstadtportal finden Sie den <a href=\"https:\/\/mein.berlin.de\/text\/chapters\/25460\/?initialSlide=0\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gewinnerentwurf zur Umgestaltung des ehemaligen Friedhofs Gotlindestra\u00dfe<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es k\u00f6nnte ein idyllischer Ort inmitten der hektischen Stadt sein: der alte st\u00e4dtische Friedhof Lichtenbergs an der Gotlindestra\u00dfe.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":784205,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1825],"tags":[296,29,30],"class_list":["post-784204","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-berlin","tag-berlin","tag-deutschland","tag-germany"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116041140599448958","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/784204","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=784204"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/784204\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/784205"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=784204"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=784204"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=784204"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}