{"id":785779,"date":"2026-02-10T05:17:40","date_gmt":"2026-02-10T05:17:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/785779\/"},"modified":"2026-02-10T05:17:40","modified_gmt":"2026-02-10T05:17:40","slug":"heine-haus-in-duesseldorf-feiert-jubilaeum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/785779\/","title":{"rendered":"Heine Haus in D\u00fcsseldorf feiert Jubil\u00e4um"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Man kann eine Buchhandlung m\u00f6gen. Man kann sie auch weiterempfehlen. Und aus Gr\u00fcnden immer wieder aufsuchen. Doch wer kommt auf den Gedanken, eine Buchhandlung gleich \u201eBuchpalast\u201c, \u201eOase der Literatur\u201c oder \u201e\u00dcberlebensasyl f\u00fcr B\u00fccherfreunde\u201c zu nennen? Und welche Buchhandlung bekommt solche Etiketten aus dem Munde eines Schriftstellers, Verlegers und umtriebigen Nestors deutscher Literatur: Michael Kr\u00fcger? Sein flammendes Votum gilt der Literaturhandlung von Selinde B\u00f6hm und Rudolf M\u00fcller im Heine Haus. Die darf auf den Wogen von Kr\u00fcgers Worten demn\u00e4chst ihr 20-J\u00e4hriges feiern. Und das in einer Zeit, in der die Zahl unabh\u00e4ngiger Buchhandlungen in Deutschland best\u00e4ndig abnimmt. Mit dem Einzug ins Heine Haus 2006 er\u00f6ffnete auch endlich ein Literaturhaus in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/duesseldorf\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">D\u00fcsseldorf<\/a>. Das wird seither partnerschaftlich von der Landeshauptstadt, dem F\u00f6rderverein des Heine Hauses und der Literaturhandlung betrieben.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wer dem Besonderen nachsp\u00fcrt \u2013 B\u00fccher gibt es schlie\u00dflich vielerorts zu kaufen &#8211; wird bei den beiden Inhabern und Gastgebern f\u00fcndig, beim zur \u201eMelancholie neigenden Windhund\u201c, der am Eingang zum Lesesaal wie Zerberus wacht; aber gutm\u00fctig und \u201emenschenfreundlich\u201c ist, wie Kr\u00fcger im Nachwort eines neuen Gedichtbands schreibt: \u201ejetzt pl\u00f6tzlich\u201c hat Rudolf M\u00fcller selbst geschrieben. Das Werk wird Ende Februar erscheinen und auch ein Bekenntnis zur lyrischen Tradition des Hauses sein, die mit dem j\u00e4hrlichen Poesiefest gepflegt wird.<\/p>\n<p>Geburtshaus des gro\u00dfen Harry Heine      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Woran niemand, der die Literaturhandlung r\u00fchmt, vorbeikommt, ist ihr Standort. Mitten in der Altstadt, am Wochenende ein Ballermann-Ableger. Dass die B\u00fccherstube im Geburtshaus des gro\u00dfen Harry Heine residiert \u2013 des geistreichen Ironikers, Deutschland-Sp\u00f6tters und zeitlosen Romantikers \u2013 macht die Lage kaum besser. Kr\u00fcgers Rat ist also dieser: Man solle sich bittesch\u00f6n vor dem Besuch der Buchhandlung \u00fcber deren genaue Lage kundig machen, da es schon vorgekommen sei, dass sich \u201eanf\u00e4llige Menschen von der trunkenen Masse haben mitrei\u00dfen lassen und erst nach Tagen in der Lage waren, wieder ein Buch von einer Flasche zu unterscheiden oder ein Gedicht von dem Beipackzettel einer Kopfschmerztablette\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es gibt aber auch einen gepflegteren Umgang mit den Verlockungen ringsum. Wie der niederl\u00e4ndische Autor Cees Nooteboom, der nach eigenen Worten die M\u00fcllers ebenso liebe wie den Hund, die Atmosph\u00e4re \u00fcberhaupt, aber eben auch das Essen nach den Lesungen beim Italiener und die paar Grappa auf dem Weg ins Bett. Aber vorher gehe er noch kurz an den Rhein, schreibt er, beobachte die \u201eflachen Schiffe\u201c im Strom und r\u00e4tsele dar\u00fcber, aus welchem Land sie wohl kommen.<\/p>\n<p>Die sch\u00f6nste Buchhandlung der Welt      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nooteboom war einst vom niederl\u00e4ndischen Buchh\u00e4ndler-Verband nach der f\u00fcr ihn sch\u00f6nsten Buchhandlung der Welt befragt worden. Da dachte der Weltreisende zun\u00e4chst an den winzig kleinen Laden von Sandoes in London, dann an die nette B\u00fccherstube in Madrid gleich neben dem Seiteneingang des Circulo de Bellas Artes. Schlie\u00dflich aber landeten seine Erinnerungen in D\u00fcsseldorf: bei der Literaturhandlung von M\u00fcller und B\u00f6hm.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das alles beschreibt die besondere Atmosph\u00e4re, vielleicht sogar eine literarische Aura der Literaturhandlung, die viele Autorinnen und Autoren schon begeistert hat. Knapp 2000 d\u00fcrften es in den vergangenen zwei Jahrzehnten gewesen sein. Wie John Berger und Mario Vargas Llosa, J\u00fcrgen Habermas, Alain Robbe-Grillet, Ernst Jandl, Friederike Mayr\u00f6cker, Alfred Brendel, Raymond Federman, Judith Hermann mit jedem neuen Buch, oft <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/martin-walser\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Martin Walser<\/a> und noch \u00f6fter Durs Gr\u00fcnbein, Peter Bichsel und Christoph Ransmayr. Unvergessen der Auftritt von St\u00e9phane Hessel, dem KZ-\u00dcberlebenden, Diplomaten, Bestsellerautor (\u201eEmp\u00f6rt euch!\u201c) und Menschenrechtsaktivisten, der sich bei Selinde B\u00f6hm f\u00fcr die freundliche Betreuung mit dem zweifelhaften Lob bedankte, sie sei \u201ewie eine Mutter\u201c zu ihm. Da war Hessel 94.<\/p>\n<p>Nobelpreistr\u00e4ger zu Besuch      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nat\u00fcrlich sind auch viele Nobelpreistr\u00e4ger dagewesen, Annie Ernaux aus <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/frankreich\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frankreich<\/a> und die Polin Olga Tokarczuk, die auf der Fahrt ins Heine Haus erfuhr, dass sie den bedeutendsten Literaturpreis der Welt bekommen hatte. 2019 teilte sie sich den Preis mit Peter Handke, dem wegen seiner Serbien-Sympathie umstrittenen Dichter. Auch er kam ins Heine Haus und trat in unvergessener Eleganz auf: braungebrannt, im dunklen Anzug, darunter Bergschuhe und in der Hand eine T\u00fcte mit Pilzen. Die hatte er noch am Morgen in einem Wald unweit von Paris gesammelt. Dann zog er sich in die kleine K\u00fcche zur\u00fcck und bereitete seine Fundst\u00fccke f\u00fcr die Anwesenden zu.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Mitunter treffen die Welten der Literatur im Haus mit den Feierw\u00fctigen vor dem Haus aufeinander. Als Herta M\u00fcller in einer Pause zum Rauchen kurz auf die Stra\u00dfe trat, h\u00f6rte sie eine Passantin zu ihrer Freundin sagen: Sieh einmal, da raucht eine Nobelpreistr\u00e4gerin.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Seit Kurzem gibt es am Treppenabgang im Lesungssaal auch eine Art Wall of Fame (die nat\u00fcrlich nicht so genannt wird). Daf\u00fcr umkreisten die Autorinnen und Autoren mit einem Stift ihre Hand. Eine Art Anwesenheitsnachweis und ein bisschen wie \u201eKilroy was here\u201c. Der j\u00fcngste und aufregend krakelige stammt von T.C. Boyle.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zur speziellen Lage, dem literaturliebhabenden Buchh\u00e4ndlerpaar, dem Windhund und dem Grappa danach geh\u00f6rt vor allem das erlesene B\u00fccherangebot. Denn ein bisschen Missionare sind beide auch. Sie lieben das, was sie verkaufen und empfehlen und besprechen. Sogenannte Megaseller, die sie f\u00fcr entbehrlich halten, kommen nicht auf einen Extratisch und nur selten ins Regal. \u201eAuch f\u00fcr die B\u00fccher gilt: Jedes steht aus guten Gr\u00fcnden hier\u201c, schreibt Andreas Licht \u00fcber das Heine Haus in seinem Buch \u201eMeine sch\u00f6ne Buchhandlung\u201c. Auch sucht man Non-Book-Artikel vergeblich. Ihre Kunden kommen schlie\u00dflich zum Lesen, nicht zum Basteln, lautet ihr Credo.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ihre Buchhandlung sei offenkundig ihr Leben, hat Nooteboom einmal \u00fcber Rudolf M\u00fcller und Selinde B\u00f6hm gesagt. Und jetzt sitzt man mit den beiden im gro\u00dfen Lesesaal am fr\u00fchen Abend. Die letzten Kunden haben die Literaturhandlung gerade verlassen. Von drau\u00dfen dringt der erste L\u00e4rm von der Bolkerstra\u00dfe sacht herein. 20 Jahre Heine Haus, davor 16 Jahre Neustra\u00dfe gleich um die Ecke. Und die Bilanz? Irgendwie sei die Zeit wie im Flug vergangen, sagen sie. Und vielleicht ist es bis heute so geblieben: ein sch\u00f6ner Flug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Man kann eine Buchhandlung m\u00f6gen. Man kann sie auch weiterempfehlen. Und aus Gr\u00fcnden immer wieder aufsuchen. 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