{"id":786209,"date":"2026-02-10T09:18:11","date_gmt":"2026-02-10T09:18:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/786209\/"},"modified":"2026-02-10T09:18:11","modified_gmt":"2026-02-10T09:18:11","slug":"chris-reinecke-stellt-in-der-galerie-beck-eggeling-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/786209\/","title":{"rendered":"Chris Reinecke stellt in der Galerie Beck &#038; Eggeling aus."},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eLidl\u201c war das Schlagwort der 68er-Jahre, bewusst kindlich-naiv und dadaesk, gerade recht f\u00fcr Aktionen, in denen sich Satire und Politik verquickten. Geburtshelfer in D\u00fcsseldorf waren Chris Reinecke und J\u00f6rg Immendorff, von 1965 bis 1971 ein ungleiches Paar. Die neun Jahre \u00c4ltere hatte in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/paris\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Paris<\/a> und seit 1961 in D\u00fcsseldorf bei Karl Otto G\u00f6tz und Gerhard Hoehme studiert und besa\u00df als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes ein sch\u00f6nes Zimmer. Der 20-J\u00e4hrige war Probestudent beim B\u00fchnenbildner Teo Otto und lebte im M\u00e4nnerheim. \u201eEin Junge allein mit so vielen M\u00e4nnern, das ging doch nicht\u201c, sagte sie sich und nahm ihn auf.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Anfangs k\u00e4mpften sie als Duo f\u00fcr eine gesellschaftliche Ver\u00e4nderung durch Kunst, f\u00fcr die \u201eMietersolidarit\u00e4t\u201c und im \u201eB\u00fcro Olympia\u201c gegen den subventionierten Hochleistungssport, generell gegen den konservativen Geist des deutschen Michel. Aber J\u00f6rgs Auftritte waren fotogen. Der \u201eLidl-Klotz\u201c in den Nationalfarben am Bein, mit dem er Anfang 1968 vor dem Bundestag in Bonn auftauchte, ist heute die Ikone der 68er-Jahre. Er eroberte mit aktuellen Protesten und bleibenden Bildern die Kunstszene. Sie begn\u00fcgte sich damit, eine der ersten deutschen Aktionsk\u00fcnstlerinnen zu sein, begann erst Ende der 1970er-Jahre zu malen und arbeitete bis zum Rentenalter als Lehrerin. Erst in den letzten 30 Jahren baute sich die heute 79-J\u00e4hrige ihr eigenes gro\u00dfes Werk auf. Nun werden Beispiele bei Beck &amp; Eggeling gezeigt, w\u00e4hrend ihr Fr\u00fchwerk in der Ausstellung \u201eGrund und Boden\u201c in K21 zu sehen ist.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Alterswerk ist nicht frech und bunt wie das ihres verstorbenen Ex-Mannes. Der Lidl-Geist ist verschwunden, nur eine zarte \u00c4rmlichkeit, eine Arte Povera voller Empathie ist geblieben. Sie versucht nicht mehr, denn M\u00e4nnern das H\u00e4keln und den Frauen das L\u00f6ten beizubringen. Sie blickt von ihrem Studio-Fenster auf die Welt. In ihrem \u201eZeit-Block\u201c aus durchl\u00e4ssigen Papiercollagen vom Ende der 90er-Jahre liebt sie visuelle Assoziationen, Notizen und Erinnerungsfetzen. Sie sieht die Hafenstadt Klaipeda vor sich, das deutsche Memel, wo sie nie gewesen ist, aber l\u00e4sst einen Reisebus auf einer einsamen Stra\u00dfe in einer Zeichnung Richtung Litauen fahren. \u201eWir aus dem Westen fahren schon mal nach Utrecht oder Paris, auch nach New York oder Indien, aber niemals nach Klaipeda\u201c, schreibt sie dazu.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Kleine Episoden l\u00e4sst sie auf ihren Text-Bildern anklingen: \u201eEine Frau steht an der Haltestelle und raucht eine Zigarette. Die Bahn rollt heran und die Frau steigt in die Bahn und wirft die brennende Zigarette nach drau\u00dfen.\u201c Sie beobachtet und entdeckt, skizziert oder kritzelt mit Bleistift, Tinte oder Buntstift ihre Notizen auf Kartonpapier und begleitet das Gesehene wie ein filmisches Stopp and Go mit Bildchen etwa vom Flugzeug, dem mehrere Flugzeuge auf der Landebahn folgen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Heute verzichtet sie auf die Sprache im Bild und pr\u00e4sentiert rhythmische Folgen in Farbe. Sie addiert farbig bemalte Papierstreifen, schiebt sie ineinander, als wolle sie einen Farbteppich weben und addiert die Teile zu gro\u00dfen, fast schon lebensfrohen Collagen. Der Heiligenschein in den Bildern, den sie stets verneinte, schleicht sich nun ein. Ihre Papierobjekte sind zeitlos. Die alte K\u00e4mpferin l\u00e4sst locker, wohl wissend, dass Kunst die Gesellschaft nicht ver\u00e4ndern kann. Inzwischen ordnet sie ihr Erbe. Reiche Geschenke gehen an den Kunstpalast, der einst unter Stephan von Wiese f\u00fcr ihre Wiederentdeckung sorgte, ans Museum Ludwig in K\u00f6ln und nach Antwerpen.<\/p>\n<p class=\"italic richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"><strong class=\"font-bold dark:text-white-solid\">Info <\/strong>Chris Reinicke wurde 1936 in Potsdam geboren und lebt seit 1951 in D\u00fcsseldorf. Ihre Schau bei Beck &amp; Eggeling, Bilker Stra\u00dfe 4-6, l\u00e4uft bis 28. Februar, Mi.-Fr. 10-13 und 14-18 Uhr, Sa. 11-16 Uhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eLidl\u201c war das Schlagwort der 68er-Jahre, bewusst kindlich-naiv und dadaesk, gerade recht f\u00fcr Aktionen, in denen sich Satire&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":786210,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1831],"tags":[177495,15478,54870,177494,3364,29,3405,177493,30,27246,43796,2939,28059,1209,319],"class_list":["post-786209","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-duesseldorf","tag-68er","tag-beck","tag-bildern","tag-chris-reinecke","tag-de","tag-deutschland","tag-duesseldorf","tag-eggeling","tag-germany","tag-joerg-immendorff","tag-kaempferin","tag-lidl","tag-maennern","tag-nordrhein-westfalen","tag-paris"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116045591674890120","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/786209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=786209"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/786209\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/786210"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=786209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=786209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=786209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}