{"id":786247,"date":"2026-02-10T09:39:17","date_gmt":"2026-02-10T09:39:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/786247\/"},"modified":"2026-02-10T09:39:17","modified_gmt":"2026-02-10T09:39:17","slug":"herbert-groenemeyer-singt-tanzt-quiekt-und-man-merkt-was-ihn-antreibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/786247\/","title":{"rendered":"Herbert Gr\u00f6nemeyer singt, tanzt, quiekt \u2013 und man merkt, was ihn antreibt"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Arbeit ist wichtig. Viel und lange zu arbeiten, gilt heutzutage wieder als Tugend. Der Musiker <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/herbert-groenemeyer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Herbert Gr\u00f6nemeyer<\/a>, der auf die 70 zugeht, geh\u00f6rt zu den Flei\u00dfigen im Lande. Er produziert regelm\u00e4\u00dfig Alben, arrangiert alte Songs neu, komponiert zwischendurch f\u00fcrs Musiktheater und geht immer wieder auf Tour. Bei seinem Berliner Konzert am Montagabend in der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/uber-arena\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Uber-Arena<\/a> lie\u00df er sein Geheimnis erkennen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Herbert Gr\u00f6nemeyer beginnt ohne Vorband p\u00fcnktlich kurz nach 20 Uhr und spielt einschlie\u00dflich dreier Zugaben-Bl\u00f6cke bis kurz vor 23 Uhr durch. Einmal wechselt er kurz Hemd und T-Shirt. Einmal reicht ihm jemand ein Getr\u00e4nk und er schweigt, w\u00e4hrend er ein paar Schlucke nimmt. Nie l\u00e4sst er ein l\u00e4ngeres Solo spielen, um sich auszuruhen. Er ist praktisch unentwegt pr\u00e4sent, meistens in Bewegung, manchmal so sehr, dass er die Texte nicht nur typisch vernuschelt, sondern auch verjapst.<\/p>\n<p>Die Klassiker klingen mit diesen Instrumenten frisch<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Das Konzert ist Teil der zweiten Runde seiner im vergangenen Jahr gestarteten und schon einmal durch Berlin gerauschten \u201eMittendrin Akustisch\u201c-Tour. Daf\u00fcr l\u00e4sst er eine runde B\u00fchne in die Saalmitte platzieren, gro\u00df genug, um einen Fl\u00fcgel und ein ungew\u00f6hnlich besetztes Kammerorchester und einen Chor zu beherbergen.<\/p>\n<p><img alt=\"Herbert Gr\u00f6nemeyer, umringt von Musikern und Chor\" loading=\"lazy\" width=\"3965\" height=\"2643\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/7d074dc0-5d44-45f3-98d5-997a76444b30.jpg\"\/><\/p>\n<p>Herbert Gr\u00f6nemeyer, umringt von Musikern und ChorDAVIDS\/Christina Kratsch<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Instrumentierung etwa mit zwei unterschiedlichen Schlagzeug-Sets, klassischen Gitarren, Akkordeon, mehreren Geigen, zwei Celli und einem Kontrabass, Trompeten und einem Saxofon wirkt sich auf jedes St\u00fcck aus. Zwar werden im Verlauf viele Gr\u00f6nemeyer-Klassiker von \u201e<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/alkohol\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Alkohol<\/a>\u201c bis \u201eBochum\u201c, von \u201eM\u00e4nner\u201c bis \u201eMambo\u201c, von \u201eFlugzeuge im Bauch\u201c bis \u201eWas soll das\u201c gespielt, nicht zu vergessen \u201eMensch\u201c und \u201eZeit, dass sich was dreht\u201c, aber sie klingen nicht abgenudelt. Auch die Redewendung, etwas sei gut gealtert, verbietet sich hier, weil der Musiker mit den alten Kollegen und zum Teil deutlich j\u00fcngeren Mitspielerinnen und -spielern sein Repertoire h\u00f6rbar aufgefrischt hat.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Von Frische sollte man dringend sprechen, wenn man den Abend beschreibt. Herbert Gr\u00f6nemeyer hat Spa\u00df bei der Arbeit. Und er kommt nicht in die Mehrzweckhalle am <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/ostbahnhof\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ostbahnhof<\/a> im Gott- oder Popvertrauen darauf, dass sich sowieso nur 17.000 hart gesottene Fans die Karten kaufen und ihm deshalb freundlich begegnen. Von den ersten T\u00f6nen an sucht er die Interaktion mit dem Publikum. Er sorgt selbst daf\u00fcr, dass ihm das Konzert Freude macht. Das ist sein Geheimnis.<\/p>\n<p>Gr\u00f6nemeyer wirkt so putzig wie ein Olympiamaskottchen<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Weitausgreifende Bewegungen vollf\u00fchrt oft sein linker Arm (an der Hand des rechten ist das Mikrofon), was mit Armeschwenken auf den R\u00e4ngen beantwortet wird. Sp\u00e4ter animiert er zu einem \u201eSchulterwalzer\u201c, den er gemeinsam mit der Tanzschule <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/bochum\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bochum<\/a> entwickelt habe. Der S\u00e4nger schaukelt seinen Oberk\u00f6rper erst zur einen, dann zur anderen Seite, will, dass man ihm das nachmacht. Da wird viel gelacht. Gr\u00f6nemeyer sieht so putzig aus wie ein Olympiamaskottchen. \u201eHerzhaft\u201c hei\u00dft der Song, geh\u00f6rt zu den j\u00fcngsten Nummern des Abends. Er stammt von seinem Album \u201eDas ist los\u201c von 2023.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Wiederholt fordert er das Mitsingen, blockweise, man kennt das auch von anderen. Aber Gr\u00f6nemeyer lobt nicht nur, als das klappt. Er quiekt vergn\u00fcgt. Und dann ist er erneut in Bewegung. Er geht, er tanzt, er trippelt, tippelt, rennt. Mehrfach steigt er vom B\u00fchnenrund hinab zum Gitter, hinter dem die Leute mit den Stehplatztickets lauern, lehnt sich ran, greift nach H\u00e4nden. Da sieht man hinter ihm f\u00fcrsorglich ein, zwei Crew-Mitglieder, die offenbar aufpassen, dass er sich nicht zu weit nach vorne beugt.<\/p>\n<p><img alt=\"So kann man sich Herbert Gr\u00f6nemeyer als einen gl\u00fccklichen Menschen vorstellen.\" loading=\"lazy\" width=\"3965\" height=\"2643\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/aa0380bb-2ab1-4733-9f65-f041fc496897.jpg\"\/><\/p>\n<p>So kann man sich Herbert Gr\u00f6nemeyer als einen gl\u00fccklichen Menschen vorstellen.DAVIDS\/Christina Kratsch<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Bevor es im n\u00e4chsten Jahr wieder in die Waldb\u00fchne geht, schafft Herbert Gr\u00f6nemeyer sich in der nicht gerade einfach zu bespielenden Arena eine heimelige Atmosph\u00e4re. Von Zeit zu Zeit rollen Leinw\u00e4nde von der Decke herab, dass man ihn und die weitere Podiumsbesatzung mal in Gro\u00dfaufnahmen sehen kann.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Auch schon auf einer Mittelb\u00fchne spielte Herbert Gr\u00f6nemeyer 2008 in der Er\u00f6ffnungswoche des Geb\u00e4udes. Er habe einen Antrag gestellt, die Halle nach ihm zu benennen, witzelt er. Der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/berliner-senat\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berliner Senat<\/a> habe das abgelehnt. Es sei aufregend, zu Hause zu spielen, in Berlin lebe er nun viel l\u00e4nger, als er je in Bochum gewohnt habe, sagt er dem Publikum dann in einer seiner kurzen Ansprachen. Apropos Ansprache: Wo bleibt das Politische? Das geh\u00f6rt zu diesem K\u00fcnstler ja dazu. Doch das ist kein Auftritt bei einer Demo. Herbert Gr\u00f6nemeyer dosiert es nur sparsam ins Konzert.<\/p>\n<p>Ein langer Arbeitstag<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Vor \u201eDoppelherz\u201c erinnert er daran, dass hierzulande 25 Prozent der Menschen eine Migrationsgeschichte haben. \u201eWir verteidigen die Demokratie gegen jede Hetze, gegen jedes Gelalle\u201c, sagt er noch vor dem Singen. Beim Song \u201eFall der F\u00e4lle\u201c erz\u00e4hlt er, dass es in dem Lied um eine Frau gehe, die ihre Position st\u00e4ndig hinterfrage. Er richtet die Aufmerksamkeit also nicht zuerst auf eindeutige Verse wie \u201eEs br\u00e4unt die Wut, es d\u00fcnkelt\/ Der kleine Mob macht rein\u201c, sondern auf den Zweifel und die Zwischent\u00f6ne etwa in der Zeile: \u201eBelauert die Signale, dass ihre Seele nicht erkrankt\u201c.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Das Publikum ist zu jener Zeit l\u00e4ngst auf seiner Wellenl\u00e4nge, wechselt weiter folgsam mit ihm zwischen emotionalen Balladen und Rocksongs mit Ska- oder afrikanischen Einfl\u00fcssen, zwischen Handylampen und Tanz. Als eine gro\u00dfe Gruppe wie im Fu\u00dfballstadion \u201eOh, wie ist das sch\u00f6n\u201c anstimmt, \u00fcbernimmt Gr\u00f6nemeyer nach kurzem Z\u00f6gern, singt mit, dirigiert, lacht und ruft: \u201eAber ihr habt angefangen.\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Und weil er so gro\u00dfz\u00fcgig mit seinen Zugaben war, gehen nach den letzten T\u00f6nen von \u201eDer Mond ist aufgegangen\u201c alle friedlich nach Hause. Ein langer Arbeitstag findet sein vers\u00f6hnliches Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Arbeit ist wichtig. Viel und lange zu arbeiten, gilt heutzutage wieder als Tugend. 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